Archiv für Mai, 2013

Totgesagte, Teil 2

Der vor ein paar Tagen wieder einmal gemeldete klinische Tod des saudischen Königs Abdullah wurde, weil man es wohl schon gewohnt ist, ziemlich gleichgültig durch die Kolumnen gejagt. Keine Titelseiten, kein Börseneinbruch, keine bankrotten “Börsianer”, die sich aus den Wolkenkratzern stürzten.

Die Gleichgültigkeit ist verständlich: zum Einen ist das iranische Press-TV die “große” Quelle, mit Verweis auf unbekanntere Asharq Al-Awsat. Press-TV hat sich nun bereits durch verschiedenste Hurrameldungen eine gewisse eigene Reputation erarbeitet. Die jetzige Meldung nun ist interessanterweise nichts weiter als ein wenig bearbeitetes Copy+Paste, also die nahezu wortwörtliche Wiederholung einer analogen Meldung, die exakt ein halbes Jahr zuvor kam. Der einzige Unterschied ist – eingangs in der Meldung – dass die Todesursache diesmal keine akute Atemwegsinfektion, sondern Nieren- und Herzversagen sein soll.

Hisbollah vs. Hamas

Ein kaum beachtetes Detail der Operation in Al-Kusair: einige Kämpfer der Qassam-Brigaden sind dabei getötet, weitere gefangen genommen worden. Man braucht nicht lange zu raten, auf wessen Seite sie aktiv waren: auf der Seite der “Rebellen”. Im Zusammenhang damit erklärt die Hisbollah im Libanon die Hamas und insbesondere ihren dortigen Repräsentanten, Ali Baraka, für unerwünscht mit der nachdrücklichen Forderung, den Libanon schleunigst zu verlassen.
Die Visite des Emir von Katar nach Gaza wurde eigentlich sogleich als ein Versuch gewertet, die Hamas-Kämpfer für den Krieg gegen Syrien zu gewinnen. Das entspräche sowohl den Interessen der Aggressoren, die auf diese Weise eine etablierte Mobilmachungsmaschinerie, trainierte Kampfbrigaden und nicht gering zu schätzende, zusätzliche Humanressourcen zur Verfügung bekämen, als auch dem Interesse Israels, das die diversen Unruhe stiftenden militanten Gruppierungen in eine Richtung “von sich weg” lenkt.
Das Zusammenfallen der Interessen des Katar und Israels bekommt nun also in Al-Kusair eine endgültige Bestätigung.
Derweil ist das Vorankommen der syrischen Armee keinesfalls mehr herunterzuspielen: die aktiven Kampfhandlungen verlagern sich immer weiter gen Norden. In Al-Kusair verbleiben im wesentlichen Baath-Einheiten und Hisbollah-Kämpfer, während die Hauptkräfte der Armee die nächste Warlord-Enklave, nämlich Ar-Rastan, in Angriff nehmen.
Diese Enklave bildete sich noch Ende 2011, und unweit dieses Orts ereignete sich vor etwas über einem Jahr die schreckliche Tragödie von Al-Hula. An Mannstärke schätzen die Syrer die in Ar-Rastan befindlichen Banden auf 3-5 Tausend “Gewehre”, wobei der Hauptteil der Banditen ähnlich wie in Al-Kusair Syrer (Al-Faruk) sind. Die ausländischen Söldner (Al-Nusra) stellen nach vorläufigen Schätzungen dort um die 500-700 Mann. Auch aus Ar-Rastan meldet man übrigens die Präsenz der Qassam-Brigaden.
Überhaupt fällt die Präsenz der Hamas in Syrien auf erstaunliche Weise mit der geplanten katarischen Erdgas-Pipeline zusammen. Sie konzentrieren sich hauptsächlich an den geplanten Knotenpunkten der Route, was natürlich purer Zufall ist.
Zu dem allen Zweiflern zum Trotze inzwischen dutzendfach bestätigten Deal mit den russischen S-300 gibt es eine kleine Ergänzung: die Washington Post hat eine Bestellung des syrischen Verteidigungsministeriums bei Rosoboronexport von Mitte März 2013 veröffentlicht (hier eine Kopie des Dokuments samt Übersetzung ins Englische). Interessant, dass für die gesamte syrische Armee lediglich 15 Millionen Schuss für AK-47 geordert werden, während die USA mutmaßlich für den weltweiten Bedarf ihrer Revolutionäre unlängst 900 Millionen Schuss geordert haben. Ein paar Ecken weist die von der WP publizierte Liste auch auf, beispielsweise werden in der RF keine automatischen 40-Millimeter-Granatwerfer (Pos. 11 in der Liste) hergestellt. Was dem am nächsten kommt, wäre der halbautomatische 6G30. Auch ansonsten sieht die Liste teilweise etwas ulkig aus, aber sie muss deswegen nicht unbedingt das Werk eines auszubildenden Geheimdienstlers aus Toronto oder Haifa sein.
Und zur abendlichen Erbauung: das vollständige Interview Baschar al-Assads mit Al-Manar vom 30.05.2013. Angucken bitte. Insbesondere die, welche meinen, Assad schaffe sich ein “alawitisches Fürstentum” an der Küste plus einen syrischen “Rumpfstaat”.

Vesti.ru: Kessel von Al-Kusair

T-72 mit syrischem Urban Special Kit / Foto: A. Filatow
Einmal mehr über diese Ortschaft an der syrisch-libanesischen Grenze. Hier gibt’s eine frische Reportage der Leute von Vesti.ru, in der das ominöse israelische Militärfahrzeug mal aus der Nähe und von innen gezeigt wird. Es ist denn wohl keine Sufa-1, wie vor ein paar Tagen angenommen (bzw. aus israelischen Internetkreisen gefischt), sondern eben… ein Jeep, 95′er Baujahr. Also nicht eben alt.
Als Untermalung: das offizielle Damaskus hat derweil sein Einverständnis zu einer Teilnahme an der internationalen Syrienkonferenz gegeben. Das hat der Sprecher des Außenministeriums der RF heute mitgeteilt.
Dahingegen hat die “Opposition”, zumindest die “Nationale Koalition”, bislang noch nichts analoges verlauten lassen. Was auch leicht zu erklären ist: die einzige Forderung, auf die sich die Opposition zu einigen in der Lage ist, wäre die Absetzung Assads.  Letzterer hatte erst unlängst wieder, in einer gegenüber dem Westen wohl fast schon höhnischen Weise, mitgeteilt, dass er sein Amt 2014 nicht aufzugeben gedenkt, während die CIA recht unzweideutig vom wahrscheinlichsten Szenario durchsickern ließ, dass er angesichts der Stimmung im Lande durchaus bis 2020 Präsident bleiben könnte.
Unter solchen Umständen kann die “Opposition” einfach kein Einverständnis mit einer Teilnahme an der Konferenz geben, denn damit verschwindet der einzige Punkt des Konsens, zu dem sie jemals zu kommen fähig war.
Dabei kommt die Unfähigkeit der Opposition, auch nur ein Minimum an Konstruktivität an den Tag zu legen, Damaskus auf dem Boden der Tatsachen nicht ungelegen: so kann die inzwischen deutlich erkennbare strategische Initiative in vollem Umfang genutzt werden und die mögliche Verhandlungsposition der Rebellen weiter eingeschränkt werden. Die Kämpfe in Al-Kusair geben der Regierung darüberhinaus einmal mehr die Gelegenheit zu sagen, dass hier nicht gegen politische Gegner, sondern gegen kriminelle Banden gekämpft wird, welche sich in dieser Gegend verschanzt haben – was auch kein Stück wider die Tatsachen wäre. Sollte al-Golani tatsächlich noch in Al-Kusair sein und “tot oder lebendig” dingfest gemacht werden, gäbe es für die Syrer bald auch etwas zu zeigen.

Al-Kusair und die Hisbollah

Die Linie der Meldungen aus Al-Kusair bleibt die gleiche wie vorgestern, heute kann man fast schon sagen, dass die “Schlacht” recht nahe am Abschluss steht. Interessant sind derweil Meldungen über die Präsenz von Kämpfern der libanesischen Tayyār al-Mustaqbal in Al-Kusair:

“Provinz Homs. In Al-Kusair wird die Säuberungsoperation gegen die in den Stadtvierteln festgesetzten bewaffneten Banden und Gruppierungen fortgesetzt. Derzeit verbleiben die Hauptkräfte der überlebenden Terroristen noch in den nördlichen Stadtteilen, wo sich auch der von ihnen besetzte Flughafen Ad-Dabaa befindet, den sie offenbar für ihre Flucht aus der Einkesselung zu benutzen gedenken. Im Verlauf der heutigen [21.05.2013 - apxwn] Kämpfe ist von den syrischen Armeeangehörigen eine Gruppe libanesischer Kämpfer vernichtet worden, die zur von Saad Hariri angeführten Al-Mustaqbal gehören, sowie eine aus 20 Mann bestehende Terroristeneinheit unter der Führung des Felkommandeurs Wrtan al-Zkhuri von der Dschebhat an-Nusra. An der Grenze zum Libanon wurde abermals eine Gruppe Bewaffneter aufgespürt und liquidiert, die versuchte, die Blockade um die Stadt zu durchbrechen und den eingekesselten Terroristen zu Hilfe zu kommen.” (ANNA-News)

Daraya. Foto: Andrej Filatow / ANNA-NewsSowohl salafitische als auch israelische Quellen, und mit letzteren die “Weltgemeinschaft”, bekommen kaum Luft vor lauter Echauffierung darüber, dass die Hisbollah um Al-Kusair mit von der Partie ist. Ganz bescheiden übergehen sie dabei die Gründe dafür, bzw. schwadronieren über ein Bündnis mit dem Diktator. Die libanesischen Hariri-Einheiten sind dieser Grund. Hariri kontrolliert die von den Sponsoren der Aggression gegen Syrien gelegte breite und bequeme Schneise vom libanesischen Tripoli bis hin zur syrischen Grenze. Durch diesen Korridor gelangen ausländische, vor allem nordafrikanische, Terroristen, massenweise Waffen und Munition nach Syrien. Die Al-Mustaqbal wird sich aus den vorüberziehenden Arsenalen zu versorgen wissen. Die sichere Passage kostet natürlich.
Letzten Endes macht die Hisbollah in diesem Szenario nichts anderes, als was auch Israel gegen die Hisbollah macht – sie versucht, die Aufrüstung der Hariri-Einheiten zu unterbinden. Und bewaffnet sich selbst, allerdings nicht gegen Israel, sondern gegen einen für sie viel unbequemeren Feind im Landesinneren.
Dass es schon lange libanesische Terrorgruppen in Syrien gibt, passt nicht in das Weltbild, das Israel und die Salafiten gemeinsam zeichnen. Also wird das kurzerhand unterschlagen, und die Halbwahrheit sieht folglich einer Lüge gefährlich ähnlich.

Al-Kusair

Die Meldungen, die aus Al-Kusair kommen, zeichnen das Bild einer schweren Niederlage der Rebellenbanden und, soweit sie in diesem Sinne anhalten, von einer wesentlichen Änderung der Lage am Verlauf der gesamten syrisch-libanesischen Grenze.
Die Armee hat schon vor Monaten damit begonnen, die Rebellentrupps in eine Richtung zu treiben und sie faktisch dazu zu zwingen, sich Richtung Al-Kusair zurückzuziehen. In der Stadt selbst hausten im Wesentlichen Syrer aus der “Brigade Omar al-Faruk”, ganz dieselben, deren Kommando unlängst ihre Leute durch das Fressen von Menschenfleisch zu motivieren suchte. Außer der Faruk-Brigade waren in der Gegend ebenso noch einzelne Einheiten der allgegenwärtigen Al-Nusra-Front und der Liwa al-Islam aktiv, vor einer Weile wurden auch russischsprechende Terroristen (“Tschetschenen”) gemeldet, aber alles in allem war Al-Kusair eine Enklave von Banditen und Kriminellen, die im Kern Syrer sind.
Die Faruk-Brigade kooperiert eng mit bewaffneten Kommandos der libanesischen Sunniten, die man als “Hariris Jungs” klassifizieren kann. Durch den Libanon und die von diesen Einheiten kontrollierten Gebiete verlief die Versorgung der in Syrien operierenden Brigaden vom Hafen im libanesischen Tripoli aus. Ebenso kamen auch Mengen an ausländischen Söldnern, vorwiegend Libyer, Tunesier und Ägypter, durch dieses Einfallstor nach Syrien.
Mit anderen Worten, die Gegend um Al-Kusair war eine akute, offene Wunde für Syrien, durch welche massenhaft Infektion ins Land kam, die Faruk-Brigaden nun waren ungeachtet dessen, dass sie kriminelle Banden sind, welche in erster Linie auf allerlei illegale Weise (Schmuggel, Entführungen, Raub usw.) Geschäfte machen, der Eiter in dieser Wunde.
Die Schließung dieser Enklave bringt die gesamte Lage an der Grenze zum Libanon zum Umbruch. Deren südliche Teile werden recht gründlich durch die Hisbollah abgeschirmt, nunmehr hat die syrische Armee die Möglichkeit, deren nördliche Strecken unter ihre Kontrolle zu bringen.
An der Operation sind zwei Armeedivisionen und einige Brigaden beteiligt, aber ebenso auch Baath-Einheiten. Offenbar werden letztere vorwiegend mit der Säuberung des Gebiets und der Aufrechterhaltung der Kontrolle betraut, womit die Armee für Einsätze weiter nördlich frei wird.
Fotos von Andrej Filatow / ANNA-News
Die syrische Regierung hat natürlich außer rein militärischen Zielen auch politische. Zum Beginn der internationalen Syrienkonferenz muss oder sollte sie möglichst die strategisch bedeutsamen Gebiete des Landes unter Kontrolle bringen. Zu Ar-Raqqah müsste man einmal ein gesondertes Gespräch führen, aber ansonsten steht die Devise auf “Verhandlungsposition schaffen”.
Die Operation in Al-Kusair ist noch nicht abgeschlossen. Dabei kamen vereinzelt Meldungen darüber, dass die Syrer unter den Rebellen sich massenhaft ergeben. Nicht die ausländischen Söldner, bei denen man ohnehin nicht allzu bestrebt ist, Gefangene zu machen.
Wie die traurige Erfahrung aus Daraya lehrt, kann die Säuberung sich noch lange hinziehen. Al-Kusair war seit ungefähr einem Jahr von den Rebellen besetzt.
PS: Der in Al-Kusair festgestellte israelische Militärwagen ist eine Sufa-1 (AIL Storm) – wahrscheinlich kaum von Wichtigkeit. Die Israelis selbst kommentieren, dass diese Fahrzeuge altersschwach sind und längst nicht mehr von den Zahal genutzt werden. Ich finde freilich nur Quellen, dass dieses Gerät erst seit den 1990ern produziert und damit verhältnismäßig neu ist. Platz für “Assets” i.S.v. wesentlicher Kommunikationstechnik sollte darin aber eigentlich nicht sein.

Wallungen

In den vergangenen Tagen dominieren zum Thema Nahost im Allgemeinen und Syrien im Speziellen Meldungen über die von Kerry & Putin initiierte und wohl demnächst bevorstehende “internationale Syrienkonferenz” (Genf II.?), die auffällig zeitnah zu den Präsidentschaftswahlen im Iran stattfinden soll. Die Situation sieht für Syrien recht interessant aus: die Konferenz soll, so mutmaßt man, auf höchstem politischen Niveau verlaufen. Die Amerikaner äußern gegenüber Baschar al-Assad in fast befehlendem Ton die Empfehlung, doch bitte daran teilzunehmen, und dieser merkt wohl, was man ihm für Trümpfe in die Hand gibt, und will sich die Sache “überlegen”. Niemand wird sich mit einer “politischen Leiche” an einen Tisch setzen, und schon bringt Al-Manar mit Verweis auf die CIA (Al-Manar hat sicher einen ganzen Stab an Informanten in Langley) eine Meldung, derzufolge man bei der CIA gewiss sei, dass Assad bei Wahlen im Jahr 2014 gewinnen würde und die Unterstützung für ihn bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode anhalten wird. Dabei gibt es schon genügend Andeutungen darüber, dass diese Konferenz zu nichts Greifbarem führt – aber kein Problem, versammelt man sich eben später noch einmal. Vielleicht im September, nach den Präsidentschaftswahlen im Iran und dem, was ihnen unmittelbar folgen mag.

Lawrow zu den S-300 für Syrien

Offizielles. Aus einem Interview des Außenministers der Russischen Föderation, Sergej Lawrow, für das libanesische Nachrichtenportal Al-Mayadden vom 13. Mai 2013 und veröffentlicht auf der Seite des Außenministeriums der RF:

Frage: Sergej Wiktorowitsch, am 10. Mai d.J. haben Sie in Warschau erneut bestätigt, dass Russland die Lieferung von Luftabwehrsystemen an Syrien entsprechend der vor einigen Jahren unterzeichneten Verträge ausführen will. In diesem Zusammenhang äußerte Israel, das vor kurzem einen Luftangriff auf Syrien unternommen hat, Besorgnis und sprach davon, dass es sich dabei um Systeme vom Typ S-300 handelt. Ist das so?

S.W. Lawrow: Ich möchte noch einmal wiederholen, dass wir keinerlei neue Verträge unterzeichnet haben, sondern lediglich alte Verträge erfüllen (und teilweise schon erfüllt haben), die Luftabwehrsysteme betreffen. Diejenigen, die keine aggressiven Handlungen gegen einen souveränen Staat planen, brauchen sich nicht zu sorgen, denn Luftabwehrsysteme sind, wie der Name schon sagt, reine Verteidigungssysteme, welche für die Abwehr von Angriffen aus der Luft erforderlich sind. Damit verletzen wir keinerlei Gesetze, und wollen auch nicht unseren Ruf als zuverlässigen Lieferanten verlieren.

Frage: Anfang Mai hat die israelische Luftwaffe Objekte auf dem Gebiet der Syrischen Arabischen Republik angegriffen. Das Außenministerium der RF gab danach eine Erklärung ab, in der es hieß, dass man in Moskau diesen Zwischenfall analysiert und untersucht, um entsprechende Schlüsse zu ziehen. Einige haben Ihre Äußerungen in Warschau als eine gewisse Antwort auf die Ereignisse um den Luftangriff aufgefasst. Kann man die Verlautbarungen der russischen Seite als Hilfe für Syrien auffassen, das damit seine Luftverteidigung stärkt, um künftig solche Luftangriffe zu vermeiden?

S.W. Lawrow: Schon vom Ansinnen her werden Luftverteidigungssysteme geliefert, um das Land, welches sie erwirbt, vor Luftangriffen zu schützen. Doch die Verträge, um die es hier geht, wurden lange Zeit vor den Luftangriffen auf Syrien des vergangenen Jahres und dem jetzigen unterzeichnet. Als wir sagten, wir wollen alle Umstände dieser Angelegenheit untersuchen, haben wir vieles für uns schon geklärt. Wir wollten wissen, welche Ziele genau von den Angriffen betroffen waren. Nach unserer Einschätzung gehören diese Ziele tatsächlich in den Bereich der Funktion der militärischen Verteidigung Syriens. Ich will mich dabei nicht in Details verlieren…

Reyhanli

Nur ein kurzer Kommentar. Der türkische Innenminister teilt mit, dass die Anschläge in dem oben genannten Ort irgendwie mit dem “syrischen Regime und seinen Geheimdiensten” zu tun haben. Erdogans Andeutung hat man also schnell verstanden.
Bei jedem Verbrechen ist dessen Motiv von Interesse. Ein Anschlag, der von einem Staat oder einer Regierung ausgeht, wird als Sabotage oder allgemein als eine Diversion bezeichnet. Also eine Akion, die mit Bedacht geplant wird und eine konkrete Aufgabe, ein konkretes Ziel hat. Welche Aufgabe die syrischen Geheimdienste gehabt haben sollen, indem sie vollkommen unmotiviert ein paar Bomben in Reyhanli hochgehen lassen, ist völlig unbegreiflich. Es sei denn, Syrien hat beschlossen, dass die Türken nun lange genug verdächtig ruhig gewesen sind und es an der Zeit ist, sie zurück in die Arena und ins Gerede zu bringen. Wenn das die Aufgabe gewesen ist, dann ist sie gelungen. Eine solch schnelle Aufklärung des Anschlags durch die türkischen Behörden zeugt davon, dass man am Anschlagsort den entsprechenden, von Assad persönlich unterzeichneten und abgestempelten Befehl zu dessen Verübung gefunden hat. Damit die türkischen Sicherheitsdienste nicht erst in Zweifel geraten. Aber das tun sie ohnehin nicht.