Al-Kusair

Die Meldungen, die aus Al-Kusair kommen, zeichnen das Bild einer schweren Niederlage der Rebellenbanden und, soweit sie in diesem Sinne anhalten, von einer wesentlichen Änderung der Lage am Verlauf der gesamten syrisch-libanesischen Grenze.
Die Armee hat schon vor Monaten damit begonnen, die Rebellentrupps in eine Richtung zu treiben und sie faktisch dazu zu zwingen, sich Richtung Al-Kusair zurückzuziehen. In der Stadt selbst hausten im Wesentlichen Syrer aus der “Brigade Omar al-Faruk”, ganz dieselben, deren Kommando unlängst ihre Leute durch das Fressen von Menschenfleisch zu motivieren suchte. Außer der Faruk-Brigade waren in der Gegend ebenso noch einzelne Einheiten der allgegenwärtigen Al-Nusra-Front und der Liwa al-Islam aktiv, vor einer Weile wurden auch russischsprechende Terroristen (“Tschetschenen”) gemeldet, aber alles in allem war Al-Kusair eine Enklave von Banditen und Kriminellen, die im Kern Syrer sind.
Die Faruk-Brigade kooperiert eng mit bewaffneten Kommandos der libanesischen Sunniten, die man als “Hariris Jungs” klassifizieren kann. Durch den Libanon und die von diesen Einheiten kontrollierten Gebiete verlief die Versorgung der in Syrien operierenden Brigaden vom Hafen im libanesischen Tripoli aus. Ebenso kamen auch Mengen an ausländischen Söldnern, vorwiegend Libyer, Tunesier und Ägypter, durch dieses Einfallstor nach Syrien.
Mit anderen Worten, die Gegend um Al-Kusair war eine akute, offene Wunde für Syrien, durch welche massenhaft Infektion ins Land kam, die Faruk-Brigaden nun waren ungeachtet dessen, dass sie kriminelle Banden sind, welche in erster Linie auf allerlei illegale Weise (Schmuggel, Entführungen, Raub usw.) Geschäfte machen, der Eiter in dieser Wunde.
Die Schließung dieser Enklave bringt die gesamte Lage an der Grenze zum Libanon zum Umbruch. Deren südliche Teile werden recht gründlich durch die Hisbollah abgeschirmt, nunmehr hat die syrische Armee die Möglichkeit, deren nördliche Strecken unter ihre Kontrolle zu bringen.
An der Operation sind zwei Armeedivisionen und einige Brigaden beteiligt, aber ebenso auch Baath-Einheiten. Offenbar werden letztere vorwiegend mit der Säuberung des Gebiets und der Aufrechterhaltung der Kontrolle betraut, womit die Armee für Einsätze weiter nördlich frei wird.
Fotos von Andrej Filatow / ANNA-News
Die syrische Regierung hat natürlich außer rein militärischen Zielen auch politische. Zum Beginn der internationalen Syrienkonferenz muss oder sollte sie möglichst die strategisch bedeutsamen Gebiete des Landes unter Kontrolle bringen. Zu Ar-Raqqah müsste man einmal ein gesondertes Gespräch führen, aber ansonsten steht die Devise auf “Verhandlungsposition schaffen”.
Die Operation in Al-Kusair ist noch nicht abgeschlossen. Dabei kamen vereinzelt Meldungen darüber, dass die Syrer unter den Rebellen sich massenhaft ergeben. Nicht die ausländischen Söldner, bei denen man ohnehin nicht allzu bestrebt ist, Gefangene zu machen.
Wie die traurige Erfahrung aus Daraya lehrt, kann die Säuberung sich noch lange hinziehen. Al-Kusair war seit ungefähr einem Jahr von den Rebellen besetzt.
PS: Der in Al-Kusair festgestellte israelische Militärwagen ist eine Sufa-1 (AIL Storm) – wahrscheinlich kaum von Wichtigkeit. Die Israelis selbst kommentieren, dass diese Fahrzeuge altersschwach sind und längst nicht mehr von den Zahal genutzt werden. Ich finde freilich nur Quellen, dass dieses Gerät erst seit den 1990ern produziert und damit verhältnismäßig neu ist. Platz für “Assets” i.S.v. wesentlicher Kommunikationstechnik sollte darin aber eigentlich nicht sein.

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