Hisbollah vs. Hamas

Ein kaum beachtetes Detail der Operation in Al-Kusair: einige Kämpfer der Qassam-Brigaden sind dabei getötet, weitere gefangen genommen worden. Man braucht nicht lange zu raten, auf wessen Seite sie aktiv waren: auf der Seite der “Rebellen”. Im Zusammenhang damit erklärt die Hisbollah im Libanon die Hamas und insbesondere ihren dortigen Repräsentanten, Ali Baraka, für unerwünscht mit der nachdrücklichen Forderung, den Libanon schleunigst zu verlassen.
Die Visite des Emir von Katar nach Gaza wurde eigentlich sogleich als ein Versuch gewertet, die Hamas-Kämpfer für den Krieg gegen Syrien zu gewinnen. Das entspräche sowohl den Interessen der Aggressoren, die auf diese Weise eine etablierte Mobilmachungsmaschinerie, trainierte Kampfbrigaden und nicht gering zu schätzende, zusätzliche Humanressourcen zur Verfügung bekämen, als auch dem Interesse Israels, das die diversen Unruhe stiftenden militanten Gruppierungen in eine Richtung “von sich weg” lenkt.
Das Zusammenfallen der Interessen des Katar und Israels bekommt nun also in Al-Kusair eine endgültige Bestätigung.
Derweil ist das Vorankommen der syrischen Armee keinesfalls mehr herunterzuspielen: die aktiven Kampfhandlungen verlagern sich immer weiter gen Norden. In Al-Kusair verbleiben im wesentlichen Baath-Einheiten und Hisbollah-Kämpfer, während die Hauptkräfte der Armee die nächste Warlord-Enklave, nämlich Ar-Rastan, in Angriff nehmen.
Diese Enklave bildete sich noch Ende 2011, und unweit dieses Orts ereignete sich vor etwas über einem Jahr die schreckliche Tragödie von Al-Hula. An Mannstärke schätzen die Syrer die in Ar-Rastan befindlichen Banden auf 3-5 Tausend “Gewehre”, wobei der Hauptteil der Banditen ähnlich wie in Al-Kusair Syrer (Al-Faruk) sind. Die ausländischen Söldner (Al-Nusra) stellen nach vorläufigen Schätzungen dort um die 500-700 Mann. Auch aus Ar-Rastan meldet man übrigens die Präsenz der Qassam-Brigaden.
Überhaupt fällt die Präsenz der Hamas in Syrien auf erstaunliche Weise mit der geplanten katarischen Erdgas-Pipeline zusammen. Sie konzentrieren sich hauptsächlich an den geplanten Knotenpunkten der Route, was natürlich purer Zufall ist.
Zu dem allen Zweiflern zum Trotze inzwischen dutzendfach bestätigten Deal mit den russischen S-300 gibt es eine kleine Ergänzung: die Washington Post hat eine Bestellung des syrischen Verteidigungsministeriums bei Rosoboronexport von Mitte März 2013 veröffentlicht (hier eine Kopie des Dokuments samt Übersetzung ins Englische). Interessant, dass für die gesamte syrische Armee lediglich 15 Millionen Schuss für AK-47 geordert werden, während die USA mutmaßlich für den weltweiten Bedarf ihrer Revolutionäre unlängst 900 Millionen Schuss geordert haben. Ein paar Ecken weist die von der WP publizierte Liste auch auf, beispielsweise werden in der RF keine automatischen 40-Millimeter-Granatwerfer (Pos. 11 in der Liste) hergestellt. Was dem am nächsten kommt, wäre der halbautomatische 6G30. Auch ansonsten sieht die Liste teilweise etwas ulkig aus, aber sie muss deswegen nicht unbedingt das Werk eines auszubildenden Geheimdienstlers aus Toronto oder Haifa sein.
Und zur abendlichen Erbauung: das vollständige Interview Baschar al-Assads mit Al-Manar vom 30.05.2013. Angucken bitte. Insbesondere die, welche meinen, Assad schaffe sich ein „alawitisches Fürstentum“ an der Küste plus einen syrischen „Rumpfstaat“.

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