Golanskije Friedenstruppen

„Angesichts der komplizierten Situation, die heute auf den Golanhöhen entsteht, könnten wir das österreichische Kontingent, das aus dieser Region abzieht, an der Trennlinie zwischen den israelischen Truppen und der syrischen Armee ersetzen“, sagte Putin am Freitag bei einem Treffen mit hohen russischen Militärs in Moskau. „Natürlich nur in dem Fall, wenn die Staaten der Region daran interessiert sind und wenn uns der Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon darum bittet.“

Bild: © RIA Novosti. Alexey Nikolskiy
Putins Angebot kann man ohne jeglichen Abstrich als unerwartet und eigentlich auch sensationell bezeichnen. Besonders angesichts dessen, an welcher Stelle es gemacht wurde und dass es eben vom ersten Mann im Staat kommt – damit wurde kein Untergebener betraut.
Die fast augenblickliche und vor allem positive Reaktion der UN-Offiziellen, die sich quasi keine Bedenkzeit nimmt, um erst mit den Augen zu rollen und sich zu Beratungen zurückzuziehen, zeugt freilich eher davon, dass diese zuerst affektiv scheinende Äußerung gut abgestimmt und abgesprochen war. Und das nun sollte dazu veranlassen, das Angebot des russischen Präsidenten etwas eingehender zu betrachten.
Es scheint klar, dass ein solcher Vorschlag wohl kaum ohne Abstimmung mit den USA gemacht worden sein kann. Nicht, weil Russland als angeblicher Vasall dazu verpflichtet wäre, seinen Herren Bericht zu erstatten, sondern aufgrund ganz simpler Logik. Welchen Sinn hätte es, dass der erste Mann im Staate etwas verlauten lässt, das dann durch irgendwelche niederen Staatsbeamten dementiert werden müsste? Mindestens aber ist diese Initiative mit Präsident Assad abgestimmt. Aus genau denselben Gründen. Ob freilich Israel im Vorfeld informiert wurde, ist eine offene Frage.
Dass Israel sein Einverständnis damit gibt, dass die bisherigen potemkinschen Friedenstruppen aus sekundären Ländern, die sich bei der erstbesten Gelegenheit einem Haufen Banditen ergeben, durch andere ersetzt werden, ist nämlich zu bezweifeln. Für Israel ist ein handlungsunfähiges UN-Kontingent im Bereich der Golanhöhen von absolutem Vortel, denn es stellt einen guten Grund dafür dar, in jedem beliebigen Moment in die entmilitarisierte Zone einzudringen und das eben durch die Handlungsunfähigkeit der UN-Truppen und die Aktivitäten der FSA (oder der syrischen Regierungstruppen, das spielt in dem Fall keine Rolle) zu begründen.
Es hieße also, wenn man ein solches Angebot vorab mit Israel abstimmen wollte, würde man mindestens einen schleppenden Prozess bekommen, denn die Israelis würden die Sache mit Sicherheit in die Länge ziehen und diverse Bedingungen und Forderungen stellen. Es ist deswegen nicht abwegig anzunehmen, dass sie erst aus den Zeitungen vom Angebot Putins erfahren haben. Es macht freilich kaum Sinn, da herumzuraten.
Für die Region würde eine solche Wachablösung mindestens das Golan-Problem ein für alle mal aufheben. Und zwar in dem Sinne, dass es dann viel schwieriger werden würde, Israel und Syrien in einen Krieg gegeneinander zu verwickeln.
Für Russland hieße das, dass es außer den Funktionen eines Friedenskontingents noch ein Problem lösen könnte – nämlich möglichst das Nichtheimkehren der aus Russland stammenden, dort Krieg führenden Islamisten. Es ist in russischem Interesse, dass diese einmal und für immer auf dem bzw. im Boden des “gesegneten Sham” verbleiben. Sicherlich ginge das über die Befugnisse eines UN-Friedenskontingents hinaus, deshalb bräuchte es hier nicht nur den frommen Wunsch, sondern auch noch einen Willen. Und Zusammenarbeit mit den Syrern. Aber eine solche Gelegenheit nicht zu nutzen wäre relativ dumm.
Allerdings hieße der Einbezug russischer Einheiten in den syrischen Krieg, selbst nur als UN-Friedenskontingent, dreifach Obacht zu geben. Das mutmaßliche Einverständnis der USA veranlaßt dazu, hier einen Haken zu vermuten. Die Amerikaner haben niemals einfach so Präsente gemacht. Es stünde in ihrer Macht, irgendeine Provokation im Stile der vom August 2008 in Südossetien vom Zaun zu brechen und damit Russland medienwirksam von einer Friedensmacht in einen Aggressor zu verwandeln. Mit vom momentanen Zeitpunkt aus nicht zu überblickender möglicher Entwicklung einer solchen Situation.

Tags:,

Trackback von deiner Website.