Geh Acht

00

Ein gar verwunderliches Communique hat die „G8“ gestern als Schlussdokument verabschiedet. Dort heißt es: „Wir rufen die syrische Regierung und die Opposition dazu auf, sich auf der Genfer Konferenz gemeinsam der Vernichtung und Vertreibung aller Organisationen und Personen zu verschreiben, die mit der Al-Kaida oder anderen nichtstaatlichen und mit Terrorismus in Verbingung stehenden Organisationen verbunden sind.“

In Punkt 84 ist tatsächlich von einer Übergangsregierung die Rede, die, da es sie aber in dem gemeinten Sinne nicht gibt, wohl nicht Adressat des oben zitierten Aufrufs aus P. 86 sein kann. Mit anderen Worten: die „Illegitimtät Assads“ ist vergessen. Der Aufruf ergeht an eine legitime syrische Regierung. Gleichzeitig gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass die Amerikaner, die Franzosen oder das perfide Albion und deren nahöstliche Dependancen etwa Abstand von ihrer Idee nehmen, genau die Terrorgruppen zu bewaffnen, zu deren Vernichtung und Vertreibung sie hier aufrufen. Und selbst wenn man in einer eiligen Interpretation unterstellt, der Passus im G8-Communique meine die FSA oder deren Obersten Militärrat mit „Opposition“, so kann das bei einer genaueren Prüfung nicht stimmen: die brüderliche Zusammenarbeit der FSA-Obersten mit der offiziell als Terrororganisation und Al-Kaida-Ableger eingestuften Al-Nusra-Front ist zweifellos belegt (Dank an kaumi für den Link). Daraus macht man auch offenbar kein Hehl.

Zwei Varianten: entweder hatten die in Lough Erne versammelten Potentaten angesichts des bedrohlich dreinblickenden Doktor Putin keine bessere Idee mehr, wie sie weiterhin beharrlich Wahnsinn vortäuschen können. Alles bisherige Torkeln hat die Weltgemeinschaft ja auch nicht davon abgehalten, diese jetzige Politikergeneration weiterhin für zurechnungsfähig und von humanitären Motiven getrieben zu halten. Vielleicht geht auch dieser Stunt durch?

Oder es ist ganz simpel die politische Opposition in Syrien gemeint, die im Parlament und in der Regierung vertreten ist.

Abgesehen davon ist die G8 in der heutigen Zeit ein Teil der G20, und wenn man schon Meinungen austauscht, so müsste man dazu auch solche Staaten hören, die nicht weniger Gewicht besitzen als der Großteil derer, die in der G8 vertreten sind. Es ist nämlich seltsam, die Meinung Kanadas zu einem Problem zu hören, das dieses Land direkt gar nichts angeht, und dabei die Positionen Chinas oder Indiens nicht nachzufragen, die von allen Prozessen in der Region viel direkter betroffen sind.

Insofern ist im Grunde gar nichts passiert, auch wenn die Medien jetzt natürlich eine „Übergangsregierung“ betonen. Keine Sorge, die wird 2014 von den Syrern selbst gewählt. Es ist nichts passiert, weil noch nichts passieren sollte. Selbst, wenn die Russen dort die Fäuste geschwungen und mit den Türen geknallt hätten, wäre das nichts als ein kleiner Skandal. Im Übrigen ist das Communique bezüglich der Syrienkrise ziemlich genau das, was die Russen von Anfang an konsequent verfolgen und bereits in der Genfer Vereinbarung im vergangenen Jahr festgeschrieben wurde. Gewicht hat ein solches Papier offenbar trotz alledem nicht.

Es bleibt also alles so, wie es ist. Wie vor dem G8-Treffen, so wird in Syrien auch danach alles am Boden der Tatsachen in Damaskus, Aleppo, Idlib, Deir az-Zur entschieden. Der „Friedensprozess“ wird beginnen, wenn der Westen keine andere Wahl mehr hat. Solange er den Willen und die Gelegenheit hat, Krieg zu führen (insbesondere mit fremder Völker Händen), wird er das auch tun.

PS. Ein paar aktuelle Bilder aus Damaskus und Vororten von Alexandr Rytschakow.

 

Tags:,

Trackback von deiner Website.