Einfühlungsvermögen

BBC bringt, ohne auf die näheren Umstände einzugehen, ein Interview mit Abu Sakkar, dem als “Menschenfresser” bekannt gewordenen Banditen, mit genau dem, der im Mai zu sehen war, wie er Herz, Lunge, oder Leber eines kaltgemachten Opponenten kostete.

Wahrscheinlich ist es ein Anzeichen von gutem Journalismus, wenn man wirklich alle zu Wort kommen läßt, aber der Text auf BBC liest sich doch sehr wie eine Apologie: “Der Krieg macht Menschen zu sowas.” Und ganz nebenbei liest man, dass Abu Sakkar das Herz, oder was immer es war, gar nicht “gegessen”, sondern nur… wahrscheinlich angeleckt hat, oder so. Eine gewisse arabische Version von “taste, but don’t swallow”, falls sich jemand an diesen recht guten Film erinnert.

Und überhaupt zog Abu Sakkar diese Show ab, um damit gegen die Untätigkeit des Westens zu protestieren, der die Rebellen nicht mit schweren Waffen und Flugverbotszonen unterstützt. Mit der Logik ist bei Abu Sakkar auch soweit alles in Ordnung: die westlichen Kuffar, die mittelfristig sowieso durchdschihadisiert werden müssen, sollen ihre künftigen Henker gefälligst ausrüsten und unterstützen, ansonsten kommen noch viel schlimmere Dinge auf Youtube. “Wir haben noch gar nichts gesehen.”

Seltsam. Er hätte auch gleich konkret damit drohen können, demnächst noch barbarischer zu protestieren. Denkbar wäre eine auf Handycam gefilmte Kopulation mit einem Nil-Krokodil. Oral. Um die Tierschützer psychisch zu traumatisieren. Die haben ja im Falle von Libyen auch mit für eine Flugverbotszone gesorgt; dieser Erfolg inspiriert.

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  • Anonymous

    Der Krieg gegen Syrien ist natürlich auch ein Krieg um die Informationshoheit. Offensichtlich ist angesagt, was bei der Wehrmacht „Frontbegradigung“ hieß. Der zweite deutliche Fall ist die Verwandlung von Sarin in österreichischen Wein unter den Händen der türkischen Sicherheitskräfte.
    Anscheinend werden die kognitiven Dissonanzen in der eigenen Truppe langsam kritisch. Oder man baut vor für den Fall, dass dieser FSA-Offizier auspackt:
    http://www.liveleak.com/view?i=53a_1371637813#rudPLTF3RIactiMu.99
    So nach dem Motto, wir haben nur so getan, als ob wir Sarin hätten, weil wir den Westen zum Eingreifen zwingen wollten…

  • kaumi

    Abu Sakkar genießt bei seinen „Rebellen“ inzwischen Kultstatus – so viel zum Thema „jeder Kriegsverbrecher muss, egal welcher Seite er angehört, zur Rechenschaft gezogen werden“ (Hitto, der Maniak).

    Zum Thema richtiges Einfühlungsvermögen:
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=AFL0QJdtkls
    Direkt an der syrisch-jordanischen Grenze mit abwinkendem jordanischem Grenzposten.

    Ich möchte mich für 14d verabschieden. Das Ausland ruft und eine flächendeckende Internetversorgung ist nicht garantiert. Bis bald und bleibt gesund.

  • Es ist einfach widerlich, wenn man abartige primitive Menschen über ein Medium wie BBC ihre Taten rechtfertigen dürfen, ich will mir das gar nicht anschauen!

    Das Interview mit Cohn-Bendit kannte ich nicht, da macht er wirklich eine ganz schlechte Figur!
    Eines muss man allerdings ehrlicherweise auch sagen, das trifft vielleicht auf viele Leser dieses Blogs nicht zu, auf mich aber schon: im Falle Libyen und davor im Balkankrieg war die propagandistische Manipulation der westl. Bevölkerung weniger bekannt und offensichtlich, als jetzt 2013 im Syrienkonflikt. Auch ich vertraute damals noch weitgehend unseren Medien.
    Und so glaubten viele tatsächlich, dass die USA in diesen Konflikten auch ihre Ideale kriegerisch unterstützt, vor allem natürlich dann, wenn sie deckungsgleich mit ihren sonstigen wirtschaftlichen und strategischen Interessen sind. Mit diesem vorgeblichen Krieg für Ideale, wie Freiheit und Demokratie, gegen despotische Unterdrückung, haben sich viele Intellektuelle fangen lassen, auch viele aus dem Lager der Grünen. Sie mutierten vom Friedensdemonstranten zum Kriegstreiber.
    Heute sehe ich es auch so, wie die meisten vermutlich hier im Blog: diese Leute haben sich verarschen lassen und schlimmer noch, sie ließen sich für einen „Neoimperialismus“ instrumentalisieren.
    Ich will dies nicht komplett entschuldigen, aber darauf hinweisen, dass gerade bei außenpolitischen Themen, Propaganda besonders gut funktioniert. Vor allem bei Leuten, die nur geringe Fremdsprachenkenntnisse haben und nur wenig Zeit für ihre Aufklärung opfern können oder wollen.
    Das gehört zu den positiven Entwicklungen: mit Syrien wurde der Bogen überspannt, viele beginnen (jetzt erst) die westliche Politik und Berichterstattung zu hinterfragen.
    Mit diesem widerlichen BBC-Interview soll die Bevölkerung wieder auf Kurs gebracht werden. Übrigens war ich auch mal ein großer BBC-Fan, tja, wie sich die Dinge wandeln können.

    • Franz

      …ich war auch mal ein Le Monde Fan :)

    • Malkaye

      @jowi:
      Deine Analyse stimmt sicher bei vielen Menschen, aber nicht bei so Alten wie Cohn-Bendit. Ich nehme Mal an du bist etwas jünger als er. Jeder Mensch braucht eine Phase der politischen Aufklärung, die jeder mit Irrtümern, mangels Erfahrung, durchschreitet. Aber dieser Mann hat schon wirklich viel mitbekommen. Vietnam hat der live mitbekommen, Jugoslawien, alle Irak-Kriege inklusive der Aufrüstung Saddams etc. pp. – Der Mann kann nicht aus versehen verarscht werden, solange er nicht altersdement ist. Entweder es ist ihm egal und er fühlt sich verpflichtet umher zu schwadronieren, ist aber zu faul sich zu informieren, oder er ist gekauft.
      Europaabgeordnete haben übrigens auch wissenschaftliche Mitarbeiter, die ihnen einiges an Arbeit abnehmen. Diese zu beeinflussen und zu kontrollieren ist seine Mindestaufgabe.
      Grüße

  • Malkaye

    Er lebt noch?
    Meine gelesen zu haben, dass er schon gefallen ist. Wer das wohl wieder gestreut hat…?

  • Nobilitatis

    Ja, wenn Homs befreit wird, was wird dann aus dem Mann? Irgendjemand, der das weiß?

  • Nobilitatis

    Was mir bei dem Artikel noch auffiel: Wie sich alle Gefragten um eine Verurteilung drückten (besonders ekelerregend: HRW) oder stark relativierten.
    Und die trügerische Hoffnung des Kannibalen, dass die Soldaten der Regierung ihn so fürchten mögen, dass sie nicht dahin kämen, wo er sei. Da wurde es in meinen Augen lustig. Oder seine Behauptung, die Videos der Regierungssoldaten seien weit schlimmer. Man hat noch kein solches sehen können … Wo das doch propagandistisch so ein Erfolg wäre, wenn man beweisen könnte, dass beide Seiten „so etwas“ tun.