Al-Qabun: Straßenarbeiten

Die Dokumentation des Einsatzes in Al-Qabun geht weiter. Einige Dinge rufen Kopfschütteln hervor. Vor allem der Fakt, dass die Straße für den Militäreinsatz offensichtlich nicht gesperrt wurde. Zivile Busse, Lkws, Linientaxis und Pkw rasen mit Vollgas durch’s Trommelfeuer der Republikanischen Garde. Unglaublich. Zu dem Einsatz unter dem eingebetteten Video noch ein Lagebericht von Marat Musin (ANNA-News) vom gestrigen Sonntag. Die Aufnahmen stammen wohl vom Samstag.

ANNA-News am 13.07.2013:

„Gestern nacht flogen drei Raketen über unser Fahrzeug hinweg. Es war ein beeindruckender Anblick, es erinnerte sogar ein wenig an ein Feuerwerk. Wir konnten in dem Moment noch nicht ahnen, dass die Rebellen eine neue Art NATO- (oder saudische) Waffen bekommen haben. Durch die Splitter einer vierten solchen Rakete wurde ein Soldat verwundet. Naiv, wie wir waren, dachten wir, es handele sich dabei wie immer um selbstgebaute Raketen. Allerdings war es ganz anders. Wie es aussieht, wurden inzwischen neue, moderne Waffen nach Syrien eingeschleust, mit denen die Rebellen heute die Panzer und BMP unter Feuer nahmen. Durch zwei solche Raketen wurden zwei BMP getroffen, ein drittes durch eine RPG angeschlagen.

Gestern konnten wir uns nicht vorstellen, dass zwei Raketen heute nur wenige Meter an uns vorüberfliegen. Wir standen mit Wiktor Kusnetzow friedlich herum und filmten den Kampfeinsatz, behelligten dabei niemanden. Allem Anschein nach haben die Rebellen uns und die Soldaten gesehen und haben beschlossen, nicht kleinlich zu sein. Anstelle der Kugeln von Scharfschützen wurden wir im richtigen Moment mit insgesamt drei Raketen beschossen.

Durch die Explosion der ersten Rakete ist unser Dolmetscher Wiktor Kusnetzow leicht verletzt worden. Seinen zweiten Geburtstag und sein gerettetes Auge haben wir später natürlich gefeiert. Die Rakete traf ein mit Truppen besetzten Schützenpanzer. Zwei Soldaten starben sofort, sechs wurden verletzt. Einen davon schleppten wir schnellstmöglich in ein BMP zur Evakuierung. Die Verletzungen des Soldaten waren schwer, er begoß seine Heimaterde und uns, die Unwürdigen, reichlich mit seinem Blut. Etwa 10 Minuten später traf die zweite Rakete den rechten Teil des Tores, an dessen linker Seite sich in dem Moment unser Team aufhielt. Durch die Explosion wurde Oberst Khaled verwundet. Die dritte Rakete traf den Schützenpanzer der Nachbareinheit an der linken Flanke. Das Gefechtsfahrzeug brannte lichterloh, die Patronen seiner 30-Millimeter-Kanone und der MGs explodierten durch die Hitze, was wir auf Video festhalten konnten.

Sieht man davon ab, dass die Terroristen jetzt wohl eine neue, moderne Art Panzerabwehrwaffen einsetzen, hat die Syrische Arabische Armee heute eine erfolgreiche Operation im Wohngebiet Al-Qabun ausgeführt. Die Rebellen nahmen drei Panzereinheiten aktiv unter Beschuss, die das von den Terroristen besetzte Wohngebiet – “illegaler Wohnungsbau” übrigens – in einem Überraschungsangriff stürmten. Die Armee drang bis zu 1,2 Kilometer in die Tiefe des Stadtviertels vor, der Angriff kam für die Terroristen offensichtlich unerwartet. Nach Einschätzung der Republikanischen Garde wurden bei der Operation heute um die 200 Banditen liquidiert, während die Armee drei Verwundete sowie die oben erwähnte Besatzung des BMP an Verlusten zu verzeichnen hat. Insgesamt haben die Panzer und BMP um die 15 Treffer durch RPG und Raketen abbekommen. Die Panzerbrigaden geben angesichts der Art, wie die Raketen detonieren, an, dass sie es erstmals mit solchen Waffen zu tun haben. Der erste Panzer unseres bekannten Oberstleutnant drang in die Tiefe des von den Rebellen besetzten Gebiets vor und konnte auf dem Platz vor der Moschee ein knappes Dutzend Fahrzeuge der Rebellen, darunter MG-Wagen, vernichten. Eines der BMP liquidierte einen Saudi mit rotgefärbtem Bart und RPG in der Hand; der Richtschütze bedachte ihn mit einer herzhaften Garbe. Ein Batallion wurde in dem Viertel, das die Rebellen bereits seit einem halben Jahr kontrollieren, abgesetzt. Es stehen schwere Kämpfe bevor, schwerer noch, als in Daraya.

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