Was tun, Akela?

Akela Husseinowitsch Obama

Die Generalstabschefs der Briten und der Amerikaner haben ihren Politikern jeweils Rede und Antwort zu den Perspektiven eines “militärischen Eingreifens” in Syrien gestanden. Keiner von beiden hat dazu etwas Neues geäußert. Im wesentlichen warnten sie, dass ein Krieg nicht begrenzt ablaufen kann, wenn die Politiker ein Resultat haben wollen. Ausgehend von ihren “Erfahrungen” im Irak und Afghanistan sollte man sich vorher überlegen, was nach dem Krieg in dem unterjochten Land zu passieren habe – speziell, dass es eine funktionierende Regierung geben sollte. Ansonsten wird das Land, wie schon mehrfach bekannt, in ein jahre- oder jahrzehntelanges Blutbad gestürzt:

„The use of U.S. military force can change the military balance,” Dempsey said. “But it cannot resolve the underlying and historic ethnic, religious and tribal issues that are fueling this conflict.“ Dempsey has … continually warned the country’s political elite against stronger military commitment in the conflict, citing the US experience in Iraq and Afghanistan. Dempsey thus supported the Obama administration’s current policy of providing humanitarian assistance and some limited help to moderate opposition, saying that would be “the best framework for an effective U.S. strategy toward Syria.“ (Quelle)

Anders gesagt warnt Dempsey, dass die Streitkräfte eine Entscheidung zum Krieg zwar ausführen werden, die Politiker sich jedoch vorher um die Folgen zu kümmern hätten. Das war überhaupt eine der Grundthesen Obamas, der noch vor seinem ersten Wahlsieg meinte, die Republikaner hatten sich, als sie noch regierten, zu leicht in militärischen Konflikten engagiert, ohne deren Folgen abzuwägen – weder die für die “befreiten” Länder, noch für sich selbst.

Was wären denn die rationellen Gründe dafür, dass, wie nun vielfach geschrieben wird, “Obama unter Druck” gerät, was Syrien angeht? Keiner glaubt ernsthaft an das Geschwafel von “roten Linien”, wohl verstehend, dass es nur dann und wann Anlässe geben muss, die einen Vorwand für Krieg darstellen.

Obama hat kürzlich seine zweite Niederlage im Verlauf des “Arabischen Frühlings” hinnehmen müssen. Die erste sah noch nach einem Nadelstich aus, der freilich sehr medienwirksam gewesen ist: die Ermordung von Botschafter Stevens in Bengasi. Die zweite war der Militärputsch in Ägypten. Und das hat schon System, denn die Unterstützung dazu kam von Saudi-Arabien und mit ziemlicher Sicherheit auch Israel. Diese Vorgänge erschüttern Obamas Position sowohl in Syrien, als auch in den kommenden Verhandlungen der Amerikaner mit dem Iran.

Demokratie hin oder her, Massenvernichtungswaffen sind immer noch kein Spaß – vollkommen egal, ob irgendwer sie tatsächlich eingesetzt hat oder nicht. Hauptsache, man zeichnet das Bild einer Situation, die außer Kontrolle gerät. Auf dieser Grundlage kann man irgendeine Koalition zusammenschustern und Damaskus “plattmachen”. Wie das der Kontrolle über die chemischen Waffen zuträglich sein soll, interessiert dabei niemanden, zumal die Hinterleute ganz genau wissen, ob sie zur Anwendung kamen oder nicht.

Fakt ist, dass Obama irgend etwas tun muss, nachdem man in Ägypten so deutlich ignoriert hat. Wenn er das schluckt, bekommt er bald noch eins auf die Mütze. Die Politik duldet keine Schwachen, ganz besonders keine erschwachten Starken. Das Gewicht, einfach ein Blutbad anzustiften und dann beiseite zu treten wie in Libyen, hat er nicht mehr. Alles in allem bedeutet das, dass die Amerikaner allen ernstes einen direkten Überfall auf Syrien erwägen. Momentan hält sie nur noch die Unklarheit darüber ab, was danach passieren soll – es gibt keine Begeisterung für eine Wiederholung von Irak und Afghanistan, wo man schnell einmarschieren, aber nicht so schnell wieder herauskommen kann.

Wenn das Militär inzwischen ein weiteres, viertes Kriegsschiff mit Flügelraketen ins Mittelmeer schickt, dann ist das nicht mehr nur politischer Druck auf Syrien, sondern tatsächlich Vorbereitung für einen möglichen Angriff. Noch vor kurzem wurde diese Variante nicht wirklich ernsthaft erwogen, aber inzwischen lief der für Obama höchst unangenehme Putsch in Ägypten. Gut möglich, dass ein Überfall auf Syrien, auch ohne die Sorge um das Danach, Obama jetzt als rational erscheint, um so seine feudale Stellung als Akela (im Kiplingschen Sinne) wiederherzustellen. Auf jeden Fall ist die Wahrscheinlichkeit eines Kriegs gegen Syrien nach den Ereignissen in Ägypten deutlich gestiegen.

Tags:,

Trackback von deiner Website.