Im Auge des Sturms

In Israel weiß man seit mindestens 4 oder 5 Tagen nicht nur, dass es die syrische Armee gewesen ist, welche chemische Kampfstoffe eingesetzt hat, sondern kennt sogar den Ort, von dem aus die Raketen abgefeuert wurden (Westhang des Bergs Kassiun) und von wem (155. Brigade der 4. Syrischen Armeedivision). Dazu natürlich die Namen der Kommandeure der Einheiten, welche die chemischen Kampfstoffe an die Abschußpositionen lieferten sowie die Namen derer, die schließlich den Befehl ausführten.

Noch dazu wird dann allerdings schon gemutmaßt, dass es wahrscheinlich nicht Baschar, sondern dessen böser Bruder Maher gewesen sei, der die Initiative in der Sache hatte. Diese Konfiguration erinnert ein wenig an Libyen, wo man das Bild eines unberechenbar brutalen Khamis Gaddafi zeichnete, über den “der Diktator” keine Kontrolle mehr hat. Mit anderen Worten, man wirft das Bild eines Kontrollverlust im syrischen Staat an die Wand.

Auf der Suche danach, woher diese Information in den Äther gelangt sein mag, kommt man zu einer alten Bekannten: DEBKAfile.

Die Debka ist nun natürlich eine durchtriebene Schickse. Manchmal liest man dort die Wahrheit, so, wie man sie sonst nirgends nachlesen kann. Manches andere Mal serviert sie Wahrheit gemischt mit reiner Phantasie, und desöfteren redet sie puren Bullshit. Alles das aber so professionell, dass man als europäischer Laie kaum eine Chance hat, dort das eine vom anderen zu unterscheiden.

Aber. Wenn die auf Debka präsentierte Version davon, dass US-geführte Commandos am 17. August von Jordanien aus nach Syrien eingedrungen sind und sie vom heißblütigen Maher mit unlauteren Mitteln weggerunkst wurden, auch nur zu 1% wahr ist, dann werden die Gründe für die förmliche Hysterie, welche die westliche Welt ergriffen hat, recht klar.

Denn dann geht es schon um’s Prinzip, und die akute Verschärfung der Rhetorik des Herrn Hagel, der noch unlängst auch nur den Gedanken an eine Wiederholung des “libyschen Szenarios” vehement von sich wies, würde das bestätigen. Wie es aussieht, hängt jetzt wirklich alles an Machthaber Obama, der keine Lust hat, sich in diese zweifelhafte Kampagne einzubringen, sich mit seinen roten Linien aber selbst in die Ecke manövrierte. Und jedermann schubst und zieht ihn da hinein, so dass er, wie es scheint, schon abgewunken hat und die Sache ihren Lauf nimmt.

Das, wenn die Debka hier Wahrheit serviert. Aber das ist, wie gesagt, wenig wahrscheinlich.

Die grimmige Rhetorik der Republikaner und der US-Vasallen hat bis zum jetzigen Augenblick auch noch zu keinem greifbaren Resultat geführt. US-Machthaber Obama scheint abgetaucht zu sein.

Nebenbei gibt es in dieser Situation vollkommen logisch erscheinende Meldungen über Kontakte zwischen Obama-Vertrauten und dem Iran. Die Lage ist im Augenblick etwa so, dass man noch gestern das Zustandekommen einer Koalition von Aggressoren und eines US-Angriffs bei 100% Wahrscheinlichkeit angesiedelt hätte, heute sind es immerhin nur noch 90%. Man hat den Eindruck, Obama sucht eher nach Gründen, einen Angriff zu vermeiden.

Mal sehen. Vielleicht ist er ja ein Held. Aber auch das ist, wie gesagt, wenig wahrscheinlich.

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