Wieder am Golf von Tonkin

Vor kurzem (ca. 8.15 Uhr MESZ) gab das Verteidigungsministerium der RF bekannt, es seien zwei Raketenstarts in Richtung der Ostküste des Mittelmeers registriert worden. Die Meldung ging durch die russischen Agenturen mit Berufung auf’s Verteidigungsministerium, so dass eine „Ente“ fast ausgeschlossen ist.

Nicht identifizierte Raketen in einer Konfliktzone sehen natürlich um einiges bedrohlicher aus, als die völlig stupide Provokation mit den chemischen Kampfstoffen am Boden der Tatsachen, denn die „Rebellen“ verstehen es bislang nicht, ballistische Raketen von unter Wasser oder auch nur von der Wasseroberfläche aus abzufeuern.

Die Flugzeit der langsamsten Raketen aus der Gegend, aus der die heutigen abgefeuert wurden, bis nach Damaskus beträgt bestenfalls eine Viertel- bis eine halbe Stunde. Da die Meldung vom heutigen Morgen ist, kann man erst einmal annehmen, dass es sich dabei nicht um den von den Aggressoren herbeigesehnten Angriff auf Syrien handelt. Entweder geht es hier um ein Versehen, oder… jemand testet die Luftabwehr der Syrer und versucht, entsprechende Stellungen und Reaktionszeiten zu bestimmen.

Wie dem auch sei, jemand brennt darauf, Herrn Obama ein wenig zu seinem Glück zu zwingen und ihn auf diese Weise vor vollendete Tatsachen zu stellen. Dass es solches Gelichter in der Konfliktzone gibt, ist kreuzgefährlich – wer weiß, welches Ziel sie sich als nächstes aussuchen. Ein russisches Kriegsschiff vielleicht, oder ein US-amerikanisches. Im Golf von Tonkin sah es anfangs auch irgendwie harmlos aus.

UPD: Aktuell hat sich wohl Israel dazu bekannt, diese beiden Raketen von einem U-Boot abgefeuert zu haben, tatsächlich um die Luftverteidigung zu reizen. Allerdings ist das mit nur zwei Zielscheiben keine flächendeckende Aktion. Bei zwei Raketen werden vielleicht 4-6 Stellungen aktiv, ein paar Radarpositionen kann man so lokalisieren. Eigentlich Peanuts. Aber der Anfang ist gemacht.

UPD2: Es ist haargenau wie in einem Hollywoodwestern in einer Szene, bei der sich alle mit entsicherten Revolvern gegenüberstehen und in Stille verharren, und in diesem Moment lässt irgendwer etwas fallen, oder jemand kommt vollkommen unvermittelt zur Tür herein. Das Fazit ist immer eine chaotische Schießerei, bis der Held aus dem Pulverdampf heraustritt und die schmachtende Schönheit auf den Armen trägt.

Die Israelis haben wie im Drehbuch darauf gewartet, bis möglichst viele waffenstarrende Konfliktparteien im Ostmittelmeer konzentriert sind und dann mit naivem Gesichtsausdruck ein paar Dummy-Raketen gestartet, um ihre eigene Raketenabwehr zu testen. Den Sinn hinter dieser Provokation kann man sich aussuchen: entweder den ohnehin schon hohen Stressfaktor noch ein wenig hochzuschrauben, oder gleich den Krieg vom Zaun brechen. Etwas anderes kann es einfach nicht gewesen sein. Man kann wer weiß wie viel über die „Planmäßigkeit“ dieser Tests erzählen, aber man würde den israelischen Militärs wahrscheinlich schmeicheln, wenn man sie für Hauklötze hielte, die keine Ahnung davon haben, was sie tun. Die haben schon sehr gut begriffen, dass sie hier mit Streichhölzern nach Benzinfässern werfen.

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