Chrysanthemen für die Wüste

chrisantema-sVorgestern hat der libysche Premier Ali Seidan in einer recht groß angelegten Pressekonferenz unter anderem zu seiner kurzzeitigen Verschleppung, die zu einem “Festhalten” umformuliert worden ist, Auskunft gegeben. Seidan hat zwei Abgeordnete aus az-Zawiyya beschuldigt, hinter der Entführung zu stehen: Muhammed al-Kilani und Mustafa al-Treiki, und die hinter ihnen stehenden Strukturen “Kommitee der Revolutionäre Libyens” und die Behörde für Verbrechensbekämpfung. Dabei handelt es sich um Organisationen der vormaligen “Revolutionäre”, die haufenweise bewaffnete Guerilla in ihre Reihen aufgenommen haben und de facto ganz normale paramilitärische Gruppierungen darstellen, die von Schutzgelderpressung, Schmuggel und Entführungen leben – mit anderen Worten, sie besitzen alle Attribute von mafiösen Strukturen.

Dass es überhaupt zur Entführung des Staatsoberhaupts durch eine Bande kommen konnte, zeugt beredt von der Ohnmacht der Sicherheitsorgane und den Erfolgen im Kampf gegen die Kriminalität. Dass die Anführer dabei auch noch im Parlament sitzen und Immunität genießen ebenso.

Libyen ist und bleibt nach der Demokratisierung ein klassischer Failed State ohne auch nur die Andeutung einer positiven Entwicklung. Es gibt keine solche Macht, die dazu in der Lage wäre, sich die dutzenden von Fraktionen unterzuordnen oder zu einen. Und das bedeutet Chaos ohne absehbares Ende.

In dieses instabile Umfeld liefert Russland übrigens ausgerechnet jetzt Waffen. Vorgestern sind 10 Jagdpanzer vom Typ “Chrisantema-S” (= BMP3 + 9M123) an Libyen übergeben worden. Die ersten 4 dieser Lieferung kamen bereits Ende September an, noch vor der Krise, die zum Abzug der russischen Diplomaten aus Tripolis führte.

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