Der kleine Prinz

Bandar bin Sultan ibn Saud und George W. Bush in TexasDie Verlautbarungen des saudischen Prinzen Bandar bin Sultan al-Saud, die vor ein paar Tagen zuerst wohl von Reuters verbreitet worden waren, sind, gelinde gesagt, skandalös. Er berührt damit die alliierten Beziehungen des Königreichs zu den Vereinigten Staaten, und diese Angelegenheit ist, genau gesagt, gar nicht seines Amtes. Solche schweren Inhalte gehören eigentlich in den Mund oder die Feder eines ersten Mannes im Staat.

Bandar führt eine Menge an Gründen dafür an, weshalb die Beziehungen Saudi-Arabiens zur USA überdacht werden könnten. Da hätten wir die “fehlende Effizienz” der Amerikaner bei der Unterstützung des Kampfes gegen Syriens Präsidenten Baschar al-Assad sowie im Bezug auf Palästina, und die Sache mit Bahrain, bei der sich scheinbar niemand gern auf die Seite der Saud stellt. Aber viel mehr Kopfschmerzen als diese verhältnismäßigen Kleinigkeiten bereitet den Saud natürlich die US-amerikanische Politik der Annäherung mit Teheran.

Die Drohung Bandars sieht schon allein deshalb recht unlogisch und ein wenig nach Hysterie aus, weil es für Saudi-Arabien einfach niemanden gibt, der anstelle der Vereinigten Staaten als Schutzmacht auftreten könnte. Aus eigener Kraft können die arabischen Monarchien ihre Sicherheit nicht gewährleisten – unmöglich, eine eigene Rüstungsindustrie dort aufzubauen, und wenn man dabei auf einem großen Haufen Sand sitzt, der sich über schier bodenlosen Erdölseen befindet, muss man immer etwas vorzuweisen haben, falls einer der wohlwollenden Nachbarn eines Tages beschließen sollte, dass ein Pulk Beduinen all diese Gaben Allahs eigentlich gar nicht verdient.

Nichts desto trotz ist die Sache ausgesprochen, und zwar nicht von irgendwem, sondern von Prinz Bandar. Von einem, den man sicherlich zurecht als Größe der Außenpolitik und enorm erfahrenen Geheimdienstler und Diplomaten bezeichnen kann. Für Tendenzen zur Hysterie ist er auch nicht bekannt, ganz im Gegenteil. Daraus kann man erst einmal schließen, dass er sehr gut weiß, was er da sagt und es kühlen Kopfes tut.

Was noch? Zum Einen: Prinz Bandar ist persönlicher Freund Vieler in den obersten republikanischen Kreisen der USA und deren politischer Verbündeter, so dass er diese Verlautbarungen wohl unter Berücksichtigung dieser Verstrickungen gemacht haben wird. Mit anderen Worten, der innenpolitische Kampf in den USA selbst begibt sich auf eine neue Ebene, denn Saudi-Arabien ist schon schwere Artillerie, und wenn die republikanischen Eliten jetzt darauf zurückgreifen müssen, so heißt das, ihr weniger großes Kaliber ficht Obama nicht mehr an.

Zum anderen: Saudi-Arabien führt der Welt seine eigene “rote Linie” vor, bei deren Überschreiten das Königreich bereit ist, alle Regeln im Umgang mit egal wem zu brechen. Vor kurzem wurde die Welt Zeuge davon, dass das Königreich durchaus dazu in der Lage ist, eine kleine regionale oder noch größere Katastrophe zu organisieren, als im Nachgang der Provokation mit den Chemiewaffen in Syrien Obama nahezu in Kampfhandlungen gegen Syrien, potentiell den Iran und die russische Flotte verwickelt wurde. Die Hinweise, dass es saudische Geheimdienste waren, welche hinter den Chemieattacken in Aleppo und nahe Damaskus stehen, sind gar zu zahlreich und deutlich.

Und schließlich kann man erkennen, dass es innerhalb der herrschenden Elite im Königreich selbst bedeutende Widersprüche gibt; so bedeutende, dass Bandar bin Sultan die Initiative ergreift und sich de facto über den König hinwegsetzt, um diese Erklärung abzugeben. Damit bringt er seine Gegner innerhalb der Herrscherdynastie in eine höchst unangenehme Lage.

Diese Gegner zeichnen sich, wenn auch noch undeutlich, ab. Es gibt neben den Sudairi-Sieben andere, durchaus nicht gering zu schätzende Gruppierungen in der Dynastie. Die al-Dschiluwi beispielsweise. Seinerzeit von den Sudairi als Regenten der erdölreichen Provinz asch-Scharqiyya abserviert, aber immer noch mit genügend Hebeln ausgestattet, um bei Bedarf und mit gewisser Unterstützung von auswärts eine Rolle zu spielen, die woanders einer “Fünften Kolonne” zukäme. Und das wird Bandar bin Sultan wissen, mehr noch: es muss konkreten Anlass für ihn geben, jetzt so hervorzupreschen.

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    • kaumi

      Ohne erhebliche Rückendeckung innerhalb der USA hätte Bandar diese Position nie vertreten können. Er outet sich zum wiederholten Male als ausgesprochener Intimfreund der amerikanischen Reps. Und er gibt eine Kriegserklärung gegen Obama und den Seinen ab.
      Einen Punkt haben wir aber noch nicht beleuchtet:
      es gibt untrügerische Tendenzen für mannigfaltigen Rückzug einiger wichtiger „Freunde Syriens“ . Qatar, Britannien, Deutschland, die USA, Ägypten, Tunesien und nun scheinbar auch die Türkei. Sie rühren noch ein wenig im Hintergrund, aber mehr ist nicht mehr zu erwarten. Bleiben genau zwei Staaten, die durch ihre Spielereien in Syrien so tief verwickelt sind und so ein existentielles Bedürfnis verspüren, diese Akte nach ihren Vorstellungen zu schließen, dass sie eben nicht den geordneten Rückzug antreten können: Das Land Bandars und das Land Bibis.
      Der scheinbare Erfolg Assads, zumindest mittelfristig noch die oberste Position des Staates bekleiden zu können und dann noch die Charme-Offensive Teherans mit Washington – das ist ein „No go“-Szenario in all` den unredlichen Bemühungen und Verbrechen dieser beider Fascho-Staaten (Zionism meets wahabism). Da muss sich praktisch zwangsläufig eine Art Allianz bilden, fußend auf basale Gemeinsamkeiten und unerschütterliches gegenseitiges Misstrauen – wohl dem, der sich durch seine Intrigen und Verbrechen in so einer Allianz wiederfindet…

  • Nobilitatis

    Saudi-Arabien ist nicht nur stark. Es hat Existenzängste.
    Wenn der große Schirm über dem Land verschwindet, kommen vielleicht die zahlreichen Fliehkräfte im Land zum tragen. Die schiitischen Gemeinschaften sind ja nur ein Teil davon. Am Ende steht dann vielleicht ein Haschemitisches Königreich, wird der kleine König ein großer. Damit könnten sich die USA wohl arrangieren. Und deswegen braucht SA Panzer. Deswegen hätte man gern wahhabitische Tatsachen in Syrien geschaffen. Und wer weiß, was noch alles in den saudischen Hinterzimmern geplant ist. Geld ist ja da.

    • @kaumi & Nobilitatis, meine Rede. „Geplant“ oder wenigstens finanziert ist m.E. erstmal eine neue Welle terroristischer Aktivitäten in Russland. Wie gut, dass Bandar auch in dortigen Eliten offenbar Kumpel hat.

  • Jowi

    Hoffentlich wird es dieser finsteren Figur ergehen, wie einst Wallenstein, dem zu mächtig gewordenen Heerführer im 30jährigen Krieg.

    Fällig ist er spätestens dann, wenn sich das feudale saudische Herrscherhaus zu einem Kurswechsel gezwungen sieht. Denn Bandar weiß viel zu viel und stünde einem glaubhaften Kurswechsel im Weg.

    Es sind allerdings noch andere Optionen drin, nämlich dass die Bremser – die „Tauben“ – einer aggressiveren Iran-Politik auf die eine oder andere Weise ausrangiert werden. Die Einsätze sind hoch, die Befürworter der Anti-Iran-Aggression von Bibi bis Bandar sehr mächtig und ihre Skrupellosigkeit ist ohne Grenzen.

    Die Hoffnung stirbt zuletzt!

  • Markus

    Saudi Arabien sollte endlich zusehen die Opposition zu Verhandlungen zu bringen und jegliche Waffenhilfe beendet werden. Ansonsten sollte man diese Staaten auch wie Islamisten anstehen, da sie es ja nicht einmal in ihren eigenen Ländern gestatten Christen Kirchen errichten zu lassen oder ihren Glauben frei auszuüben. Kein Wunder also wenn gerade diese Länder aus ihren religiösen Wahn heraus schlimme Islamisten unterstützen anstatt Menschen und Oppositionelle die für Fortschritt und Frieden eintreten.
    Wie sieht es eigentlich in Saudi Arabien mit Menschenrechte aus, die hören wahrscheinlich da auf, wo der Islam angeht.
    Die Syrer sind Opfer ihrer eigenen Religion, die sich eben dort von ihrer Schattenseite zeigt, da diese im laufe von über einem Jahrtausend nicht gelöst worden sind(konnte).
    Es ist fraglich ob der Islam reformierbar ist, dazu bräuchte es erst einmal ein einheitliches Oberhaupt, das von Schiiten und Sunniten anerkannt wird und ein Verständnis dafür eine Jahrtausend altes „heiliges“ Buch nicht wörtlich zu nehmen und der heutigen Zeit und Gesetzmäßigkeiten anzupassen oder auszulegen. Solange aber Terroristen rumrennen die Scharia mit blutiger Gewalt einführen, da sie keine Ahnung von dem haben was sie tun und dann noch als Muslime bezeichnet werden, dann hört es irgendwo auf.
    Da die Muslime wahrscheinlich selbst mit diese Leuten nicht fertig werden, stellt sich die frage ob der Islam in der dort gelebten Form geeignet ist das Leben der Menschen zu verbessern und inwieweit man sich von den mittelalterlichen Vorstellungen über Gesetzgebung und Religion trennen muss um die arabischen Länder auch im Geiste zu modernisieren.
    Die Parteien in Syrien sollten an einer gemeinsamen Lösung der Kriese arbeiten und die Erfahrungen des syrischen Regimes nutzen und darüber Verhandeln was für eine Rolle zum Beispiel Assad in Syrien noch spielen kann anstatt sich an Extremforderungen zu stellen die den Krieg nur verlängern auf kosten der Schwächsten. Es ist die permanente Verweigerung von Verhandlungen die diesen Krieg so schlimm machen.

    • „Wie sieht es eigentlich in Saudi Arabien mit Menschenrechte aus, die hören wahrscheinlich da auf, wo der Islam angeht.“

      Paß mal auf, sowas in der Art (nur wahrscheinlich elaborierter formuliert) werden wir bestimmt bald vermehrt in den Medien lesen (und es geht ja schon los)! Mehr dazu gleich.

      • Markus

        apxwn, wie meinst du das? Naja, ich habe bisher nur das mitbekommen das dort als einziges Land nicht einmal Frauen Auto fahren dürfen.
        Bei uns könnte der Staat dagegen ein generelles Geschwindigkeitslimit auf Autobahnen einführen. Wäre durchaus sinnvoll, und wenn es sein muss kann man ja auf 4 Spurigen Autobahnen eine Tempo 200 Spur machen, führ die Schnellfahrer.
        Wenn man sieht was bei uns für Unfälle so passieren, dann müsste unser Staat schon längst etwas machen. 120 ist vielleicht übertrieben, aber 160 wäre OK.

  • Bandar’s Aktionismus erscheint erst recht unmotiviert, wenn man sich klar macht, daß dieser „Prinz“ keine Ambitionen auf den Thron hat und so ziemlich das Gegenteil eines beduinischen Patrioten ist. Ich bin ziemlich sicher, es hat mit 9/11 zu tun, bzw. mit Obama’s Plänen, die Legalisierung des „Tiefen Staates“ mit einer (Teil-)Aufdeckung der Verschwörung abzuschließen und das US-Staatswesen (sowie die Wall Street) gewisser zionistischer, saudischer und (wichtig) türkischer Fesseln zu entledigen.
    http://tomgard2.blog.de/2013/08/27/putsch-9-11-offen-gelegt-ziel-resultat-16338747/

    • walter

      @TomGard
      Klingt sehr interessant für mich. Um jedoch Deine These nachvollziehen zu können, bitte ich um kurze Erläuterung von:

      „die Legalisierung des „Tiefen Staates“ mit einer (Teil)Aufdeckung der Verschwörung abzuschließen…“
      Meinst Du damit eine nicht einklagbare Positionierung einer (weiterhin) imperial ausgerichteten US-Politik zu erreichen oder soll das Ziel teilweiser Aufdeckungen die Eindämmung dieser Politik sein?

      „… und (wichtig) türkischer Fesseln zu entledigen“
      Ich hab natürlich so meine Vorstellungen über die Wirksamkeit zionistischer und saudischer Fesseln gegenüber dem US-Staatswesen.
      Womit ich mangels Hintergrundkenntnisse jedoch Vorstellungsschwierigkeiten habe, ist der Einfluss türkischer Fesseln. Kannst Du dazu ausführlicher berichten bzw. bezugnehmende Links einstellen?

      Und ganz allgemein:
      Im Falle einer teilweisen Aufdeckung zu den Ereignissen um 9/11. Wie weit kannst Du Dir eine solche (offizielle) Lichtung der Nebel vorstellen? Und gegen welche Seiten wird sie sich richten? Soll es um eine Schwächung der Tea-Party-Bewegung der Gebrüder Koch gehen und/oder die Fraktion der Christlichen Fundamentalisten in den USA?
      Mit welchen Hebeln könnten die „Aufdecker“ sicherstellen, dass die nach wie vor imperiale Ausrichtung des US-Staatswesens – welches auf Hegemonie und Kontrolle der globalen Wirtschaft angewiesen ist, aufrecht bleibt?

  • Triangolum

    Meine erste Reaktion als ich das letzte Woche auf RIA gelesen hatte war das dieser Mann in Funktion als Geheimdienstchef solche Aussagen nicht treffen darf. Das ist Aufgabe eines Politikers oder einer Regierung und nicht eines Beamten. Aber, es ist ja der Prinz der Sauds und seit 30 Jahren eine dunkle Figur im Spiel um die Welt.

    Die Bin Laden Flieger aus den USA nach Saudis Arabien wo der komplette Luftraum gesperrt war würde es ohne ihn nicht geben. Die CIA Außenstelle, welche für 15 der 20 Attentätern (Scheintätern) in Ria hätte wohl kaum die Visa für die USA ausstellen können.

    Ohne Ihn würde es keine F-15 in Massen, keine EF2000 und keine Fertigungsanlagen dafür dort geben. Keine Tanks, keine Einmarschkriege in Jemen oder Bahrain usw.

    Und wie oft wurde wohl versucht ihn zu eliminieren? Wer von Golfkrieg 1991 (Saudis fordern sofort 30 Milliarden US Dollar vom Irak aber drücken gleichzeitig den Öl Barrel preis auf 9 US Dollar^^) über den 11.9.2001 bis hin zu Libyen und Syrien so viel Dreck (Wissen) am Stecken hat muss zwangsläufig nicht nur mächtige Freunde haben.

    Dieser Mann ist einfach der mächtigste Mann in der Region. Eventuell mächtiger als der Regierungsführer Israels. Aber auch hier gibt es eine starke Verbindung. Israel und die Sauds spielen seit 20 Jahren und mehr ein Doppel.

    Israel tobt… Sauds toben… und genau dann solch eine Ansprache?
    Zufall ist das nicht und wenn dieser Mann der geheimen Worte es so öffentlich sagt klingeln ganz schnell in den Hauptstädten die roten Lampen überall.

    Irgendetwas muss in den USA passiert sein. Etwas was mehr Macht hat als es Sichtbar ist. Eventuell zirkuliert ein Papier zum 11.9. was bis ins Detail diesen Tag und davor/danach schildert in Militärkreisen und in einer bestimmten Oberschicht. Irgendetwas muss in dieser Art passiert sein.

    Was bedeutet jedoch diese Aussage des Prinzen. Nun, es ist das letzte Mittel der „Diplomatie“ welches er machen kann. Er kann moskau nicht mehr umstimmen, auch die Drohungen bezüglich von massiven Anschlägen, auch mit Hilfe in Russland, führt nicht zum Kurswechsel. Die USA wollen nicht mehr so recht. Die Versallen laufen weg.
    Was bleibt ist nur noch die Wahl zwischen einen stillen anderen Weg oder einen offenen, auf Krieg gezeichneten Weg.

    Ich halte es für nicht mehr Ausgeschlossen das beide Länder zusammen gegen den Iran handeln werden.
    Ob Russland durch die engere militärische Kooperation bereits hier entgegen wirken will (siehe Besuch letzter Woche, siehe Verlegung von Luftwaffenverbänden in diesen Raum) ist weiter zu beobachten.

    Gehen die Anschläge in Russland weiter könnte das komische Gerücht aus dem August mit der Gegendrohung von Putin Richtung der Sauds schneller wahr werden als wir dachten.

    Und gemessen an der Aussage vom Junker bezüglich 1913 und 2013 usw… könnte es wirklich ernst werden.

  • Schoenregen