Archiv für November, 2013

Der Winter naht (Teil 2)

(Fortsetzung von hier)

Kurzes Vorwort zu Teil 2: es ist mir aus bestimmten Gründen schwer möglich, “noch weiter hinten” hinter den beschriebenen Ereignissen und Entwicklungen eine geheime Geschichte zu vermuten, die ins Esoterische (im Wortsinn) reicht. Wohl wissend, dass es da auch (genügend!) Quellen und Portale gibt, bleiben wir hier bei der puren Exoterik. Nichts vom hier dargelegten ist geheim oder verborgen, und auf die Gefahr hin, an einer Inszenierung teilzunehmen, bleibt es auch einstweilen dabei.


obama-hopeDer “Arabische Frühling” ist für Obama, alles in allem, erst einmal ein Prozess, der es ihm gestattet, die unmittelbare Präsenz im Nahen Osten zugunsten einer nur noch punktuellen, ansonsten virtuellen Präsenz zurückzustufen – ohne Kontrollverlust. Die Kontrolle ist dabei lediglich anderer Art – man kontrolliert das Chaos. Es sind nichts geringeres als soziale Technologien der sechsten Technologischen Ordnung (nach Lwow und Glasjew – diese “Ordnungen” korrelieren in etwa mit den Kondratjew-Zyklen) plus Drohnen und punktuelle Hubs, die das gewährleisten und bei gleichem Ergebnis wesentlich wirtschaftlicher sind. Kurz zusammengefasst geht es um ein “Outsourcing” der Kontrolle über den Nahen und Mittleren Osten mit der Möglichkeit, notfalls jederzeit unmittelbar aktiv zu werden.

Theoretisch bieten die Prozesse im Nahen Osten Obama allerdings noch eine weitere Chance. Eine Chance, Problemstellungen anzugehen, die sich aus der Zugehörigkeit seinerselbst sowie seiner Administration zu einer der auch innerhalb der USA heftig mit anderen Elite-Gruppen konkurrierenden Gruppe ergeben. Die bedingt so zu bezeichnende internationale Finanzoligarchie und -bürokratie, die Obama vertritt, hat im Nahen und Mittleren Osten keine festen Positionen. Diese Region ist bis dato immer die Domäne der Imperialen, der “Republikaner” gewesen. Die Chancen, die sich Obama boten, nutze er auch sogleich und begann mit einer Bereinigung der wichtigsten Machthebel in den USA – CIA, Außenamt und Verteidigungsministerium: sie wurden der Konkurrenz entrissen.

Am Rande

timoschenko-barrosoDas Gesicht der notleidenden Julia Timoschenko ziert die Meldungen aus der Ukraine, die es zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht riskiert hat, den Weg der “Euro-Integration” zu beschreiten. Dabei geht es natürlich nicht um Timoschenko: die EU hat den Ukrainern eine ziemlich erniedrigende Forderung unterbreitet, die auf die Person Julia Timoschenko fixiert ist, hat aber der ukrainischen Wirtschaft nichts anstelle des russischen Marktes anzubieten vermocht. Das war’s dann letztlich auch, was alle anderen Überlegungen dominierte.

Die ukrainische Regierung hat durch den Stop der Euro-Integration mal wieder die schlechtestmögliche Wahl getroffen: indem sie nämlich gar nichts wählte und alles beim Alten beließ. Dabei muss sich die Ukraine irgendwann einmal entscheiden, es geht nicht ewig so zwischen den Stühlen. Entweder das russische oder das europäische Projekt. Unabhängigkeit war und bleibt ein Traum – davon zu sprechen, gibt es in der Ukraine keinerlei ernstzunehmenden Anlass.

Die Ukraine kann weder für Europa noch für Russland zu einem exklusiven Dienstleister werden – eher andersherum. Durch die Ausnutzung der strategisch und infrastrukturell bedeutenden Lage versuchen die Ukrainer, beide Seiten zu erpressen, aber bereits jetzt kann Russland durch den Bau von Umgehungstrassen sich gegenüber solchen Erpressungsversuchen ziemlich unnachgiebig zeigen. Der Bauabschluss von “South Stream” würde die Ukraine als Transitland für das einzige russische Exportprodukt sowieso komplett uninteressant machen.

Europa nun braucht die Ukraine lediglich als Markt für europäische Produkte im Austausch für Arbeitskraft und, mittelfristig … Schiefergas. Die Interessen der ukrainischen Eliten kümmern in beiden Fällen niemanden, zumal im Falle einer Euro-Integration diese Eliten samt ihrer restlichen Aktiva mindestens ein halber Kahlschlag erwartet. Es kann nun einmal nicht zwei Dorfälteste geben.

Lokalisierung der ANNA-News-Reportagen aus Dschobar/al-Qaboun

Die letzten Frontreportagen von ANNA-News aus den oben genannten Gebieten werden jetzt regelmäßig und recht zeitnah mit deutschen Untertiteln versehen, so dass sich generell wahrscheinlich ein Abonnement des Videokanals lohnt. Ich werde hier vermutlich nur die Reportagen extra veröffentlichen, die aus irgendeinem Grunde von besonderem Interesse sind oder in einen gewissen Kontext passen. Auf G+ werden sie aber alle geteilt.

Unlängst habe ich auf Wikimapia in dem besagten Gebiet Markierungen gefunden, die das genaue Gebiet abgrenzen, in denen die in den Reportagen dokumentierten Kampfhandlungen stattfinden. Es gibt, was das betrifft, aber inzwischen noch eine recht detaillierte Analyse mit minutengenauer Kartenanbindung für diese Reportagen: „Assad’s Late-Summer Damascus Counter-Offensive“.

Den Text muss man nicht unbedingt lesen, im wesentlichen ist’s eine Nacherzählung der Dinge, die in den Reportagen dokumentiert werden. Interessant sind aber die Karten. Soweit ich das beurteilen kann, ist alles soweit korrekt lokalisiert, man muss dabei aber bedenken, dass die Kartenausschnitte nicht genordet sind.

Hier nun doch noch einmal die gestern veröffentlichte (aber von ihrem Gehalt her etwas ältere) Reportage (Untertitel einfach auf Deutsch schalten):

Dreißig Staaten

Raketenschild OsteuropaUngeachtet des mit dem Iran erzielten Verhandlungsdurchbruchs zieht es die NATO nicht in Betracht, ihre Pläne zum europäischen Raketenschild zu überdenken. Die vorige US-Administration hat ja den Bau des Raketenschilds in Europa insbesondere mit der “iranischen Bedrohung” begründet, obwohl die ganze Absurdität dieser Story schon damals vollkommen offensichtlich war.

Jetzt bietet uns die NATO an, den europäischen Raketenschild als ein Verteidigungsmittel gegen einen überaus abstrakten Feind – “30 Staaten mit der Technologie ballistischer Raketen” – aufzufassen. Für alle Fälle, sozusagen. Natürlich ist diese Story noch viel absurder, aber Lügen, die von Politikern geäußert werden, sind ja, wie man weiß, keine Lügen, sondern deren politischer Standpunkt.

Der Westen hat Russland immer als ein Primärziel angesehen. Alles andere Gerede ist reiner Betrug und Selbstbetrug. Russland war immer im Fadenkreuz und wird es immer sein. Der Sinn eines Raketenabwehrschirms in Europa ist es, im Konfliktfalle russische Gegenmaßnahmen zu neutralisieren. Andere Gegner hat die NATO in dieser Region nicht und es wird auch niemand anderen geben. Aus diesem Grunde ist es egal, ob die Antwort der Russen symmetrisch oder asymmetrisch ausfällt – an ihrer dringenden Notwendigkeit besteht keinerlei Zweifel.

Der Winter naht (Teil 1)

Adli Mansur, der ägyptische InterimspräsidentDer ägyptische Interimspräsident Adli Mansur hat nicht vor, sich als Kandidat an den kommenden Präsidentschaftswahlen zu beteiligen. Das ist eigentlich nichts Neues – der nimmerlächelnde Mansur hatte das Amt nach zähen Verhandlungen mehr oder weniger widerwillig übernommen.

Man kann ihn natürlich gut verstehen, denn das Schicksal eigentlich aller ägyptischen Präsidenten macht nicht eben Lust auf diesen Posten. Sie werden entweder gleich umgebracht oder über kurz oder lang eingesperrt und zum Tode verurteilt. Der letzte Präsident Ägyptens, dem nicht irgendwie zu seinem Ableben verholfen wurde, war Gamal Abdel Nasser; aber das war damals, in der Blütezeit des Landes. Jetzt haben wir ganz andere Zeiten.

Abgesehen davon kommt Adli Mansur aus richterlichen Kreisen, er ist kein Politiker. Seine Bemerkung, er gedenke nach den Wahlen zu seiner früheren Arbeit am Verfassungsgericht zurückzukehren, sieht nicht nach dem Resultat von äußerem Druck aus – eher wie sein wirklich eigener Wunsch, und womöglich hat er diese Möglichkeit sogar zur Bedingung gemacht, als man ihn zur Interimspräsidentschaft überredete.

Qualifizierte Kader

Das Wall Street Journal berichtet ausführlich über einen Herrn namens Tarkhan Batirashvili aka Omar al-Schischani (Dank an „Beinstuhl“ für den Link). Sowohl in der Story als auch in einem der dort publizierten Fotos fehlt allerdings nicht weniger als die Hälfte. Die Syrer haben nun das unbeschnittene Foto von 2008 irgendwo herausgekramt:

omar-al-schischani

Jeweils rot eingekreist – Herr Batirashvili. Die Anordnung der beiden Bilder ist arabischerweise von rechts nach links zu lesen. Rechts sieht man den Chef der Dschaisch al-Muhadschirin wal-Ansar im Kreise friedlich demonstrierender „Syrer“, die Aufnahme datiert auf das Jahr 2013, der Ort ist grob Nordsyrien. Links nun selbiger in Georgien, und zwar in der Zeit um den sogenannten „Kaukasuskrieg“ von 2008, oder, wie die Russen das abkürzen, „080808“. Neben ihm jemand, den das WSJ weggeschnitten hat – ein NATO-Militärinstrukteur.

Was sagt man nun dazu. Eigentlich haben wir hier die klassische Biographie eines Mitarbeiters der Al-Kaida Corporation vor uns. Ausbildung bei der CIA oder bei anderen militärischen Strukturen der USA, und später Dschihad im Namen der Vereinigten Staaten Allahs…

ANNA-News-Filmteam auf dem Weg nach Harasta angegriffen

Das Fahrzeug des Filmteams von ANNA-News wurde auf der Fahrt nach Harasta bei einer Geschwindigkeit von ungefähr 120 km/h von zwei Scharfschützenkugeln der „Rebellen“ getroffen. Der Fahrer wurde getötet, Andrej Filatow (dessen Bilder ich sehr gerne in die Beiträge einstelle) wurde leicht verletzt. Der Dolmetscher im Beifahrersitz hat es geschafft, in voller Fahrt das Lenkrad festzuhalten und das Fahrzeug abseits zum Stehen zu bringen. Damit hat er der Crew insgesamt das Leben gerettet.

Die Leute vor Ort sind sich einig, dass die Scharfschützen nicht zu den abgerissenen Halunken zählen, die man für gewöhnlich unter den „Rebellen“ vorfindet, sondern absolute Profis sind.

Demokratischer Krieg gegen Frauen, Kinder und Journalisten eben, genau wie hier bei einem (mutmaßlichen) Mörserangriff der „Regimegegner“ auf eine kommunale Einrichtung in Aleppo:

Militäroperation in al-Qalamoun

a354fd9ec53a11e2995622000a1f9812_7Momentan gibt es noch nicht allzu viele genaue Berichte zur Operation der Syrischen Arabischen Armee und der Hisbollah-Einheiten in der Region Qalamoun, jedoch sieht es bisher danach aus, als sei die Lage für die Freischärler nicht allzu rosig. Die “oppositionellen” Quellen sprechen von der Heldenhaftigkeit einzelner Kämpfer und beschreiben ihre Heldentaten, aber schweigen über die allgemeine Lage.

Wie erwartet, gestattet es das Gelände der Armee kaum, massiv auf Panzerfahrzeuge zu setzen, allerdings wird das, soweit möglich, von der Luftwaffe kompensiert.

Die demokratische Presse beschäftigt sich in ihren Berichten eigentlich schon seit mindestens Ende Oktober mit den Vorbereitungen zu dieser Operation. Inzwischen gibt es einzelne Hinweise darauf, dass auch die Armee des Libanon sich an der Grenze positioniert hat, um auf diese Weise die Nachschubwege der Insurgenten abzuschneiden.

Im Wesentlichen hat es die syrische Armee in diesem Gebiet, ähnlich wie in Al-Kusair, mit den Moslembrüdern nahestehenden bewaffneten Einheiten und kriminellen Banden zu tun. Aus diesem Grunde ist Unterstützung von den Dschihadisten der diversen Al-Nusra-Fronten kaum zu erwarten. Ein guter Teil der Kommandeure in diesem Bereich befindet sich auf den Abschusslisten der “Mudschahidin”; gegen die Armee werden sie deshalb auf sich gestellt antreten müssen.

ANNA-News berichtet derweil aus Al-Qabun; im Bericht gibt es deutsche Untertitel. Falls diese nicht automatisch anspringen, bitte manuell anschalten!