Ausländer raus

al-quds-brigadenNachdem bereits im Februar 2013 der Tod des iranischen Al-Quds-Generals Hassan Shateri in Syrien gemeldet worden war, folgen in gleichem Tenor weitere iranische Verlustmeldungen, wie etwa die von BBC detailliert und gut aufgemachte Story des iranischen Kommandeurs Ismail Heydari oder die frische Nachricht über den in der letzten Woche umgebrachten General Mohammed Jamalizadeh Paghaleh.

Ungeachtet dessen, dass in letztem Fall offiziell kommentiert wurde, General Paghaleh sei im Verlauf einer privaten Reise in Syrien gewesen, ist es längst unmöglich geworden zu vertuschen, dass iranische Militärkommandeure aus dem engsten Kreis des Obersten der Al-Quds, Qassem Suleimani, der syrischen Regierung aktive Unterstützung leisten.

General Qassem Suleimani hat im Iran selbst enormes politisches Gewicht, ist einer der Vertrauten des Rahbar und mit der Befugnis ausgestattet, eigenständige außenpolitische Entscheidungen zu treffen. Er steht damit am Ursprung des Großteils der wichtigsten Aktivitäten und Einsätze, die von Seiten der Länder des sogenannten “Schiitischen Halbmonds” im Nahen Osten gewirkt werden.

qassem-suleimani

Die Al-Quds-Brigaden sind eine Art Sondereinheit der iranischen Revolutionsgarden und stehen den Sondereinheiten manch “großer” Mächte im Sinne der militärischen Ausbildung, Ausstattung und Schlagkraft in nichts nach. Nebenbei sind Suleimani und zwei weitere Generäle der Al-Quds – Hassan Boromand, Koordinator für Aktivitäten in Europa und Madschid Alawi, Kommando der “Einheit 400” –  persönliche Erzfeinde der Dynastie Al-Saud, und dieses Gefühl beruht ganz offensichtlich auf Gegenseitigkeit.

Die Gegenwart von Al-Quds-Kommandeuren in Syrien hat größtenteils Beratungscharakter. Sie koordinieren u.a. die Aktivitäten der Hisbollah und sind vielfach an der Planung von Militäroperationen der syrischen Armee beteiligt. Es ist die militärtaktische Rolle der Al-Quds, mit der man den Umbruch vor einem knappen Jahr im Umland von Damaskus in Verbindung bringt. Natürlich gibt es über diese Betätigung keine offiziellen Meldungen, aus den dann und wann auftauchenden Meldungen, die wie nebenbei von iranischen Militärberatern sprechen, kann man sich den Umfang und die Art ihrer Rolle in Syrien aber recht gut vorstellen.

Der Iran selbst enthält sich von jeglichem offiziellen Kommentar zu seinen Militärexperten in Syrien; gestern wurde allerdings über France24 eine Meldung verbreitet, aus der man schließen kann, dass der iranische Außenminister Zarif Mitwirkung daran angeboten hat, alle ausländischen Staatsbürger, die in Syrien an Kampfhandlungen beteiligt sind, aus Syrien herauszuholen. Bilateral, versteht sich.

Um zu verstehen, was der Iran damit anbietet, braucht man sich bloß vor Augen zu führen, wie wohl die internationalen Terrorbrigaden der ISIS, der Nusra-Front und sonstiger Al-Kaida sowie Saudi-Arabien als Schirmherr der Vorgenannten darauf reagieren mögen. Würde diese Initiative umgesetzt, so bedeutete das faktisch das Ende des Krieges im Verlauf von kürzester Zeit. Das war es wohl auch, was der Berater des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gestern gemeint hat: mit politischem Willen könne die syrische Krise innerhalb von zwei Wochen beendet sein. Diese Wortmeldung ist sicherlich mit der Kenntnis dessen erfolgt, was der iranische Außenminister anzubieten gedenkt.

Die Verzögerung der Genfer Konferenz durch den Westen kann durchaus damit zusammenhängen, dass man sich dessen bewusst ist, dass Syrien nach dieser Konferenz auf vollkommen offiziellem Wege den Iran darum ersuchen kann, seine Militärberater und auch -einheiten zur Umsetzung der Beschlüsse dieser Konferenz anzufragen. Nachdem der Westen via Genf-2 erst einmal Baschar al-Assad offiziell darin duldet, dass er syrischer Präsident ist und auch bleibt, wird er ein solches Gesuch mit schlucken müssen.

Das nun aber würde die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den USA endgültig in die Brüche gehen lassen. Die Amerikaner hören von den Saud ohnehin schon Vorwürfe, sie gehen mit dem Krieg in Syrien zu zögerlich um, indem sie auf ein Bombardement des Landes verzichtet haben. Die Amerikaner sind nun wiederum scheinbar noch nicht bereit, einen solchen Bruch zu riskieren. Komme, was wolle, hinter der Entscheidung zwischen dem Iran und Saudi-Arabien steht ein erbitterter innenpolitischer Machtkampf in den USA, der in den kommenden Wochen zumindest zu einem Zwischenergebnis gekommen sein muss.

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