Ägypten: Wer sponsort die Aufrüstung?

russische_waffenDie Nachricht über einen Waffendeal, der allem Anschein nach noch Mitte November zwischen Ägypten und Russland abgeschlossen werden soll und Rüstungslieferungen über die Gesamtsumme von an die 4 Milliarden US-Dollar beinhaltet, ist an sich schon recht bedeutsam. Einen ähnlichen Deal hatte vor ziemlich genau einem Jahr der Irak mit Russland vereinbart. An der jetzigen Nachricht gibt es allerdings ein interessantes Detail: der ägyptische Waffeneinkauf soll von einem nicht näher genannten Golfstaat finanziert werden.

Es ist schon klar, dass Ägypten sich in einer enorm schwierigen Lage befindet, was allein schon das Auftreten eines solchen Sponsors oder Garanten erklärt. Wer aber ist dieser Sponsor? Bei genauerer Betrachtung kommen unter den genannten Bedingungen nur zwei mögliche Länder in Frage. Es könnte Katar, es könnte genauso gut aber auch Saudi-Arabien sein. Eine andere Möglichkeit wäre ein gemeinsames oder separates Auftreten von Kuwait oder der VAE, dieses dann aber wohl nur mit Genehmigung Saudi-Arabiens, was letztlich wieder zu den beiden erstgenannten Möglichkeiten führt.

Wenn es Katar sein sollte, mit dem Ägypten sich zu den Rüstungseinkommen einigen konnte, dann bedeutet das, dass Emir Tamim in eine neue Runde des Kampfes um die Vormachtstellung in der Region eintritt. Und das wäre ein etwas klügerer Ansatz als der seines Vaters, denn er deponiert seine Aktiva gleich in einer ganzen Reihe an Richtungen. Katar würde hier im Interesse der USA agieren, denen daran gelegen ist, Ägypten wieder unter ihren Einfluß zu bringen, der durch die inzwischen revidierte anfängliche US-Politik im sogenannten “Arabischen Frühling” verlorenging und noch geringer wurde, nachdem Saudi-Arabien den Militärputsch unterstützt hat. Dass den Amerikanern so Rüstungsaufträge verlorengehen, ist dabei nicht entscheidend; deren Rüstungsindustrie ächzt ohnehin unter den massiven Aufträgen aus dem gesamten Nahen und Mittleren Osten.

Denkbar wäre, dass Obama so gewissen seiner Gegner, die mit der Rüstungsindustrie assoziiert sind, in die Suppe spucken will. Eher sinnvoll wäre der dann schon aussichtsreichere Versuch Obamas, sich auf diese Weise die Kooperationsbereitschaft der ägyptischen Generäle zu sichern. Zwar gab es nach der Kerry-Visite irgendwo auch die Meinung, die USA haben Ägypten von diesem Geschäft abbringen wollen, aber allzu zahlreich belegt war diese Version nicht.

Katar nun würde auf diese Weise versuchen, es den Russen nach der Mißhandlung des russischen Botschafters Titorenko in Doha rechtzumachen, und sich die ganze Geschichte mit der Unterstützung der “Rebellen” in Syrien entfaltet hat. Für Katar ist es jetzt, da seine bisherige Erdgas-Strategie eine Revision durchlaufen hat, recht sinnlos geworden, mit Russland um den europäischen Markt zu konkurrieren. Höchstwahrscheinlich wird sich Emir Tamim auf den Asiatisch-Pazifischen Raum umorientieren, wo er in Konkurrenz mit Australien, Indonesien und in der Perspektive möglicherweise auch dem Iran treten würde. In diesem Falle wären gute Beziehungen zu Russland, welches sein Anliegen in China und Vietnam unterstützen könnte, durchaus von Vorteil.

Nicht zuletzt würde Katar, sollte er hinter der Finanzierung des ägyptischen Waffendeals stecken, so endgültig einen Schlußstrich unter die vormalige Unterstützung der Moslembrüder ziehen. Ägypten wäre kein schlechtes Feld zum Manövrieren; der dortige Putsch wurde sogleich durch Saudi-Arabien, Kuwait und die VAE unterstützt, was die ägyptischen Generäle in mancherlei Hinsicht in eine gewisse Abhängigkeit von selbigen gebracht hat. Käme Katar auf diesem Wege nach Ägypten, so gäbe das Sisi die Möglichkeit, eine etwas ausgewogenere Politik zu fahren, indem er sich auf gleich drei äußere Machtzentren stützt – die USA (via Katar), Russland und Saudi-Arabien.

Genauso gut möglich ist aber auch die andere Variante – der ägyptische Rüstungsdeal wird von Saudi-Arabien oder von Kuwait plus den VAE mit der Unterstützung Saudi-Arabiens finanziert. Kuwait oder die Emirate würden eine solche Entscheidung schwerlich im Alleingang treffen – es hat für sie keinen Sinn, mit dem Königreich auf Konfrontationskurs zu gehen. Zwar kann man auch einen Alleingang in Betracht ziehen, aber das würde bedeuten, dass der Zusammenbruch des Königreichs greifbar nahe gerückt ist, so dass die benachbarten Scheichs schnell Loyalität gegenüber den Amerikanern demonstrieren, ehe es zu spät ist. Bislang sieht das aber nicht allzu wahrscheinlich aus.

Sind es also die Saud, so kann man diesen Schritt nur im Zusammenhang mit der Dissonanz zwischen dem Königreich und den Vereinigten Staaten betrachten. Ägypten ist und bleibt für die USA ein wichtiger Verbündeter, der Kampf um diesen Nahost-Asset wird ohne Kompromisse geführt. Weitsichtig von den Saud – durch die Finanzierung des Waffendeals führen sie einen weiteren Interessenten in die Arena und versuchen, ihre Melodie auf den Widersprüchen zwischen den USA und Russland zu spielen. Indirekt würde das durch die Meldung bestätigt (wenn sie denn stimmt), dass Kerry die Ägypter von dem Deal abbringen wollte.

Folglich legt Russland eine etwas härtere Gangart gegenüber den USA ein, indem es annimmt, dass die offenkundige Niederlage der ursprünglichen Obama-Politik beim “Arabischen Frühling” und besonders der Gesichtsverlust Obamas in Syrien Ende August / Anfang September Russland das Recht gibt, in der Region eine etwas aktivere Rolle zu spielen.

Schwer zu sagen, was genau diejenigen meinten, die die halbgeheime Meldung über die Bezahlung des ägyptischen Rüstungsimports verbreitet haben. Beide der oben angeführten Varianten sind in etwa gleich wahrscheinlich. Informationen solcher Art werden allerdings entweder gleich oder nicht vor der Besiegelung des Kaufvertrags öffentlich gemacht. Vielleicht klärt sich allerdings noch etwas beim kurz bevorstehenden Besuch des russischen Verteidigungsministers Schojgu in Ägypten. Schauen wir mal, wer hier der Schlaue im Hintergrund ist.

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