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Zweimal Genf: Ende des Arabischen Frühlings

Vielleicht ist es noch zu früh für solche Kommentare, aber die Verhandlungen zwischen dem Iran und der 5+1-Gruppe scheinen in einer Phase zu sein, in der ein Durchbruch geradezu immanent erscheint. Die jeweiligen Außenminister haben operativ alles stehen & liegen gelassen und sich nach Genf aufgemacht. Da können sie von Schwierigkeiten murmeln wie sie wollen, es würde kein schönes Bild abgeben, wenn sie unverrichteter Dinge wieder an ihr langweiliges Tagwerk zurückgehen müssen.

khameneiWozu braucht es plötzlich die Außenminister? Ganz offensichtlich für die Besiegelung gewisser Verhandlungsergebnisse, eines, wie es in der Presse heißt, “Fahrplans”, der die Probleme mit dem iranischen Atomprogramm zumindest zeitweilig von der Tagesordnung zu entfernen vermag. Ein solcher Fahrplan würde es gestatten, die erste Etappe der neuen Obama-Politik in kürzester Zeit zu ihrem logischen Abschluß zu bringen – und das ist es, dem Iran die Hände in seinem Anspruch auf die regionale Führungsrolle freizugeben.

Das bedeutet natürlich nicht, dass gleich morgen iranische Emissäre und Armeen ihren Siegeszug durch den Nahen Osten antreten; dazu haben die Sanktionen sowie unbestrittenermaßen auch die Politik des vorigen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad der iranischen Wirtschaft viel zu hart zugesetzt. Die Volkswirtschaft insgesamt braucht dringend Investitionen, moderne Technologien und – auf dem eher ideologischen Sektor – eine Erneuerung und eine Zielstellung. Eine Lockerung der Sanktionen würde nun unweigerlich ein wirtschaftliches Aufblühen zur Folge haben. Eine Zielstellung, die dazu in der Lage wäre, die Menschen und Ressourcen des Landes zu mobilisieren, könnte die Vormachtstellung in der Region des Nahen und Mittleren Ostens sein.

Die USA lösen mit einem Schlag gleich eine ganze Reihe an teils drängenden regionalen Aufgaben. Saudi-Arabien ist kein einfacher Gegner, die Auseinandersetzung mit dem Königreich wird den Iran eine Menge Zeit kosten. Was allerdings Afghanistan angeht, so stehen dort bedeutende Änderungen bereits im kommenden Jahr an. Der Abzug der NATO-Truppen stellt Karzai Auge in Auge den Taliban gegenüber, und der Ausgang dieser sich abzeichnenden Konfrontation ist alles andere als gewiß.

Es existiert zwar die weit verbreitete Meinung, dass die Taliban nach dem Abzug der Interventen quasi automatisch wieder an die Macht kämen, doch unstrittig ist das nicht. Insgesamt haben die Taliban um die (eher weniger als) 30.000 Mann unter Waffen, alle bestens motiviert, gut ausgestattet und kampferprobt. Die afghanische Armee hat eine zehnfach größere Mannstärke, ist größtenteils unerfahren, maximal mittelmäßig ausgerüstet und demotiviert bis hin zur Massendesertation. Das alles bringt die Taliban in etwa in ein Gleichgewicht mit der Armee. Freilich sind die regionalen Karzai-Satrapen von der Zentralregierung gut genährt, haben sich mit den Stämmen arrangiert und darüberhinaus keine Illusionen bezüglich ihres Schicksals nach einer möglichen Machtübernahme durch die Taliban. Desertationen oder Verrat auf dieser Ebene sind zwar möglich, werden aber wahrscheinlich keinen Massencharakter annehmen.

talib_ice_qLetztendlich gibt das eine Konstellation, die an die Lage Nadschibullāhs gemahnt, welcher der Siebener-Allianz widerstehen konnte, indem er massive Unterstützung von den Sowjets erhielt. Auf diese Weise hätte er theoretisch ewig Widerstand leisten können, jedoch wurde die Unterstützung von Seiten der Sowjets eingestellt, was für Nadschibullāh das Ende bedeutete.

Die USA werden nun wohl versuchen, den Iran gegenüber Karzai als eine Art Sowjetunion zu positionieren, womit die Taliban daran gehindert werden sollen, sich auch nur in Südafghanistan – geschweige denn in Kabul – festzusetzen. Auf der anderen Seite wird der stillschweigend akzeptierte syrische Fleischwolf Garantien dafür bieten, dass die Dschihadisten sich nicht so einfach nach Afghanistan umorientieren und Mullah Omar zur Seite eilen (ein lockerleichtes “Translatio imperii” scheint es ja auch beim Salafismus zu geben).

Ein unter Sanktionen befindlicher Iran würde eine solche vielschichtige Regionalpolitik kaum so einfach bewältigen; dazu sind die Ressourcen zu knapp. Wenn also allenthalben von einer “Lockerung der Sanktionen” die Rede ist, so wird das in erster Linie die iranischen Erdölexporte betreffen, was dem Land die notwendigen Mittel in die Hand gibt – samt einem Gendarmen-”Jarlig” der Amerikaner für die Region, welche von diesen selbst ins Chaos gestürzt worden ist. Endziel: Saudi-Arabien. Da die Saud alles mögliche sind, nur nicht dumm, können sie sich dieses Szenario sicher ausmalen und finanzieren deshalb verstärkt die Dschihadisten in Syrien, die pakistanisch-iranische Dschundullah (sunnitische Salafiten!) in Belutschistan und unterstützen die Teile der pakistanischen Militärelite, die ein Abkommen mit den Taliban im Sinn haben, bzw. greifen sie gleich selbst, wo sie können, nach selbigen.

Den Amerikanern bleibt nur, den Bemühungen der Saud, wo es geht, Steine in den Weg zu werfen. Das Know-how und das entsprechende Instrument dafür – Drohnen – haben sie schon lange in der Region. Die unlängst (am 1. November) erfolgte Tötung des Hakimullah Mehsud, des Anführers der Tehrik-i-Taliban Pakistan hat das Vorhaben der Taliban, mit pakistanischen Militärs eine Art Friedensabkommen zu schließen, bereits durchkreuzt. Wäre es zu einer solchen Übereinkunft gekommen, so hätten die pakististanischen Taliban spürbar zur Schlagkraft ihrer afghanischen Kollegen beitragen können. Eine solche Entwicklung wurde aber durch einen einzigen Drohnenangriff weit weniger wahrscheinlich gemacht.

Kurz nach dem Tod Mehsuds wurde Khan Said Sandscha Interims-Anführer der TTP, und er gilt als Befürworter eines Friedens mit der pakistanischen Armee. Er wurde faktisch sofort (“Tribal dynamics”) durch den in dieser Hinsicht eher reservierten Asmatullah Shaheen Bhittani abgelöst, und seit gestern wissen wir, dass die Schūrā Mullah Maulana Fazlullah zum nun amtierenden Chef der Tehrik-i-Taliban Pakistan erkoren hat. Mullah Fazlullah hält generell wenig von Kompromissen mit der pakistanischen Macht – 2009 wurde er von der pakistanischen Armee aus dem Swat-Tal vertrieben und ist sicher nicht deren Freund. So bekommen die Taliban wieder zwei Fronten – Karzai auf der einen, das pakistanische Militär auf der anderen Seite. Nichts anderes war das eigentliche Ziel des Drohnenangriffs vom 1. November.

dschobar_anna-news_filatovWie dem auch sei: das “revolutionäre” Instrument des “Arabischen Frühlings” ist endgültig an seinem Ende angelangt. Die beiden Genfer Verhandlungen – einmal zum iranischen Atomprogramm, noch einmal zur Beilegung der Syrienkrise – stellen dessen Schlußstrich dar. Jetzt sind es die Interessen der Staaten in der Region, die gegeneinandergeworfen werden. Das erste Mal Genf, also die jetzigen Unterredungen, gehen allem Anschein nach in die Richtung, die sich die Initiatoren wünschen. Bleibt noch das zweite, die Konferenz “Genf-2”. Das wird man nun auch nicht mehr ewig hinauszögern. Auch wenn die syrische “Opposition” sich heute wieder bockig hatte und nicht nach Moskau kam, um sich erst einmal mit Vertretern der syrischen Regierung zu treffen, wird man ihre Meinung(en) im Endeffekt notfalls einfach ignorieren. Die nun aktuellen Interessen der Regionalmächte lassen keinen Raum mehr für die Kaspereien von drittklassigen Wichtigtuern.

Wer ist der Gewinner, wenn alles so läuft? Obama natürlich. Die Region ist mit sich selbst beschäftigt, und auch über einen allzu starken Iran braucht sich keiner Sorgen zu machen. Mindestens ein Zweifrontenkrieg (Krieg im Sinne von Konflikten des 21. Jahrhunderts) ist ihm gewiss. Was die andere Seite – Israel, Saudi-Arabien, auch Pakistan – betrifft, so kann man das anhand aktueller Meldungen (wie bspw. die von BBC (!) aufgegriffene Sache mit den pakistanischen Atomwaffen für Saudi-Arabien) einmal gesondert betrachten.

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Trackback von deiner Website.

  • littleguerillero
  • kaumi

    Deine verlinkte Meldung, littleguerillero, fasst zusammen, was apxwn bereits vermeldet hat und ich als kleine Info auch schon hier reingesetzt habe. Diese Gerüchte gibt es, wahlweise mit oder ohne Beteiligung Qatars.
    Und obwohl mehrere Quellen inzwischen diese Nachricht aufgegriffen haben, gehe ich zunächst mal davon aus, dass hier – im Moment noch – eher noch der Wunsch Vater des Gedanken ist. Radikal und vermögend genug wären die Saudis allerdings schon, so was ähnliches aufzubauen. Allerdings dürften angesichts dieser kolportierten Zahl von salafistischen Söldnerfreaks (bis 50.000 Mann) die syrischen Alliierten nicht tatenlos zusehen. Und ich glaube sogar, dass es selbst den Israelis/Amis zumindest ein wenig unangenehm sein dürfte, so eine Horde gut ausgebildeter Selbstmörder direkt an der eigenen Grenze platziert zu sehen. Hier muss sicher sehr aufmerksam weiter beobachtet werden.

    Dass es im Gebälk der sunnitischen Radikalen inzwischen mächtig knirscht und selbst früher unantatsbar geltende „Führer“ scheinbar öffentlich die Kontrolle über ihre Soldaten verlieren, zeigt folgendes
    http://www.syria-news.com/readnews.php?sy_seq=164796:
    Ayman Al Zawahiri, Führer der Al Qaida, hat in einer Audiobotschaft das Ende des Islamischen Staates im Irak und der Levante (ISIL) erklärt und den Hauptkampf des Islamischen Staates im Irak auf das Gebiet des Iraks festgelegt. Die Jabhatul Nusra verträte ab jetzt, als Al Qaida-Flügel, die Interessen der Basis in Syrien.
    Abu Bakr Al Baghdadi nun, Chef des ISIL, lehnte öffentlich die Botschaft Al Zawahiris ab und vermeldete, der ISIL würde weiterhin seinen Kampf in Syrien fortsetzen.
    Im Kleinen heisst das, dass es zwischen der Nusra und des ISIL jetzt vermehrt zu Positionskämpfen kommen wird und im Großen, dass auch die Saudis mit ihrem Plan auf Probleme innerhalb der eigenen Ideologie treffen dürften, die sie, Stand heute, noch gar nicht berücksichtigt haben dürften.

    Wenn Zombies erst mal losgelassen werden…

    • Enis

      @kaumi
      Murtada Hosain von al Alam hätte gestern gemeldet, dass die Oberzecke Al Baghdadi in Aleppo in der Nähe der 80. Luftwaffeneinheit gefangen genommen wurde. Was mich aber irritierte ist die Angabe seines Namens mit Abu Umar Al Baghdadi angegeben wird. Hast Du diesbezüglich auch was gehört?
      Im Raum Aleppo und Umland wird momentan viel Bewegung seitens der SAA berichtet. Wenn die SAA die Ratten in kleine Inseln einkreisen könnte, dann ist die Plage vorerst eingedämmt..

      Bezüglich den Söldnern seid weiterhin vorsichtig. Aufgrund der weiterhin sehr hohen Anzahl von fremden bärtigen in der Gegend Antakya ist mit allem zu rechnen! Die letzten Erfolge der SAA und der Kurden machen einigen die Hosen voll. Das Ziel der saudischen Terroristen könnte sein, den Iran und andere schiitische Gruppen aus Irak, Libanon, Jemen, Afghanistan usw. zu einem Religionskrieg auf syrischem Boden zu provozieren. Denn die würden nicht tatenlos zusehen. Obwohl in einigen Orten diese Auseinandersetzung bereits im kleineren Rahmen Tatsache ist, würde eine solche Eskalation dazu führen, dass die Syrer selber die Kontrolle über die Geschehnisse im eigenen Land verlieren würden.

      Ich kann nicht vorhersagen wie sich diese Gerüchte in der Wahrheit entwickeln werden, aber ich kann mit aller Gewissheit sagen, dass die Löwen von Damaskus bis zum letzten Mann bzw. bis zum letzten stehenden Haus kämpfen werden! Ob es einigen hier gefallen wird, oder nicht, ich weiss von was ich rede.

      • kaumi

        Enis,

        deine Einwände sind absolut korrekt. Die Verlagerung der großen Sunniten/Shiiten-Schlacht in den Nahen Osten ans Mittelmeer würde seitens des saudischen Königshauses ordentlichen Druck aus dem Kessel nehmen. Aber wie gesagt, die Welt ist mittlerweile ein geschloßenes System, lässt du hier Druck ab, wird sich dieser woanders zum Ausgleich erhöhen müssen. Und das ist nur noch mäßig kalkulierbar.

        Bezüglich der von dir angesprochenen Festnahme: Über eine Festnahme von Abu Bakr liegen mir keine Informationen vor und wer weiß, wie viele sich den Titel „Al Baghdadi“ noch so zugelegt haben…

  • Jones2theBones

    Ich warne davor, das Königreich Saudi-Arabien zu unterschätzen.
    Es besteht zwar historisch gesehen aus mehreren Stämmen und Staaten, von denen Hedschaz & Najd nur die zwei größten sind, ist jedoch kulturell ein weitgehend homogenes Gebilde, wo eine Teilung weder im Interesse des dichter besiedelten Westen (Hedschaz), noch des dünner besiedelten, ölreichen Osten (Najd) ist.
    Und hätte Abd al-Aziz ibn Saud nicht seinerzeit das bessere Angebot an Briten & Amerikaner gemacht als der an die leeren Versprechen des Lawrence von Arabien glaubende Faisal, so hätten womöglich die Haschemiten die notwendigen Waffen erhalten, und die arabische Halbinsel unter Einbezug Jordaniens, Syriens & des Iraqs vereinigt, was naturgemäß jedoch nicht im Interesse der Kolonialherren war.

    Heute ist es jedenfalls Saudi-Arabien, wo heute schon die dritte Generation seit dessen Entstehen heranwächst, und mich würde es sehr wundern, wenn die Sauds das Land nicht nur militärisch und politisch fest im Griff haben, sondern auch auf Grund von materieller Prosperität, der absoluten Kontrolle über die Massenmedien und der nicht zu verachtenden Macht der Gewohnheit ein gewisses Grad an völkischer Zustimmung haben, trotz der Aufstände 2011/2012.

    Jedenfalls verdankt Saudi-Arabien nicht nur sein Entstehen den Angelsachsen, sondern war seither auch schlau genug, seine Interessen diesen Mächten unterzuordnen.
    Nennenswert wäre bsw. die Niederschlagung des Aufstandes der Ikhwan, denen die Sauds erst den Aufstieg ermöglicht hatten, aber durch ihren weiteren Expansionsdrang den britischen Zorn auf die Sauds zu ziehen drohten, die Belieferung der amerikanischen Streitkräfte in Vietnam mit den dringend benötigten Kraftstoffen, generell das Unterlaufen der OPEC zu Lasten aller erdöl- & erdgasfördernder Länder & zugunsten der Industrienationen, die Flutung des europäischen Marktes mit fossilen Brennstoffen während der 80er, was der Sovietunion großen Schaden zufügte, aber die Saudis auch nicht wirklich profitieren ließ.

    Was sie durch diese quasi-Selbstlosigkeit erhielten, war die Gunst und Abhängigkeit der Westmächte, und hierdurch auch deren Schutz, und diese Saudi-Arabische Außenpolitik hat Tradition bis in die heutige Dekade, als sie 2011 beispielsweise während des Libyenkonfliktes alle Ausfälle durch die libyische Erdölförderung durch die eigene Produktionssteigerung kompensierten.

    Somit werden die ibn Saud kaum so verrückt sein, alle ihre früher investierten Bemühungen um den amerikanischen Schutz aufgeben, oder gar rebellieren, komme was wolle.

    Aus amerikanischer Sicht wiederum macht es keinen Sinn, den seit 81 Jahren treuen Vasallen einfach aufzugeben und dem iranischen Einfluss zu überlassen, genauso wenig wie es generell kein Interesse hat, alles auf ein Pferd zu setzen.
    Das gilt jedoch in beide Richtungen.
    Nicht nur unter einander haben das Königreich und die islamische Res Publica unüberbrückbare Interessenskonflikte, sondern auch jeweils in Richtung Übersee, die umso imminenter sind, umso mächtiger sie selbst sind.

    Zu einem direkten, großen, militärischen Konflikt zwischen den Persern und den Arabern wird es vorerst nicht kommen, und wenn, so sind die beiden Mächte ungefähr gleich stark. Die Mannstärke der iranischen Streitkräfte beträgt zwar um das Dreifache, doch ihre Effizienz leidet unter den internationalen Sanktionen, und Saudi-Arabien gibt für seinen militärischen Schnickschnack immerhin das dreifache der iranischen Militärausgaben aus. Entscheidend würde der Konfliktausgang von der Involvierung anderer Kräfte abhängen.
    Da weder der Iran, noch Saudi-Arabien zu einer Invasion übers Meer in der Lage wären, wären der Iraq und wohl auch Syrien unter Garantie involviert (beide vermutlich auf iranischer Seite), doch es ist unwahrscheinlich, dass die Vereinigten Staaten Saudi-Arabien in eine solche Situation abgleiten lassen.

    Was den Syrienkonflikt angeht, so hätte Saudi-Arabien selbst das Werkzeug gehabt, hätte es den Friedensprozess entscheidend verhindern können, wenn es nicht auf den so teuer erkauften Sitz im Weltsicherheitsrat verzichtet hätte.

    Somit ist meine These:
    1. Dass die Vereinigten Staaten zwar mit Saudi-Arabien eine Symbiose wahrnehmen, aber letzten Endes auch ein Interesse an ihrem Kleinhalten haben, um die Menge an Zugeständnissen und Interessenskonflikten niedrig zu halten.
    2. Die saudischen Statements den Amerikanern die Möglichkeit geben, jegliche Verantwortung in Syrien abzustreiten, und der syrische Fleischwolf somit unabhängig von politischen Lösungen auf unbestimmte Zeit, wenngleich vielleicht später auf geringerem Level, warmzuhalten. Ähnlich wie bei Nicaragua und auch Cambodia könnten trotz Aussichtslosigkeit der „Revolution“ ihr beträchtlicher Schaden zu für die Vereinigten Staaten günstigere Lösungen führen.
    3. Da der Atomstreit kaum „echt“, sondern eher vorgespielt ist, werden bei einer diplomatischen Annäherung die Iraner das eine oder andere symbolische Zugeständnis im Atomstreit und echte Zugeständnisse im fossilen Rohstoffexport leisten müssen.
    Schwer vorstellbar, dass nicht auch Syrien bei den Verhandlungen eine Rolle spielen und die Perser hier ihre Forderungen stellen werden.
    Wieder ziehen sich die Amerikaner einerseits durch den saudischen (Schein-)Alleingang aus der Verantwortung, andererseits haben die Saudis auch tatsächlich die Möglichkeit, hierdurch selbst ihre Forderungen zu stellen.
    4. Unwahrscheinlich, dass sich irgend ein Staat mit Hinblick auf Syrien, Afghanistan, Saudi-Arabien, Iran, komplett zurückzieht, bzw. seinen Einfluss komplett aufgibt.
    Allenfalls könnte es Übereinkünften kommen, die an das „Percentages agreement“ erinnern.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Percentages_agreement

    In diesem Umfeld spielen Waffenexporte eine gewichtige Rolle, da mit ihnen eine längerwährende wirtschaftliche, politische & militärische Verpflichtung und Einflussmöglichkeit einhergeht.
    So holen die Amerikaner die Russen mit hunderten Millionen $ selbst nach Afghanistan, und das hängt nicht nur mit den überwältigten Vorteilen der Mil Mi-17 gegenüber den UH-60 zusammen.
    Umgekehrt versuchen Länder, die den Einfluss anderer Länder geringer halten wollen, ihre Waren aus mehreren Quellen zu bezichtigen. In diesem Zusammenhang setzen u.a. sowohl Indien, als auch die Vereinigten Arabischen Emirate sowohl russische, als auch westliche Hardware ein.
    Möglich, dass die USA den Russen ein paar Prozentpunkte mehr überlassen wollen, um die eigenen Probleme nicht noch zu vergrößern, und durch sowohl das ins Spiel bringen, als auch ausspielen möglichst vieler Parteien den eigenen Einfluss mit geringeren Ressourcen warm halten will.

  • Jones2theBones

    Schon erwähnt?
    Seit gestern Abend steht fest, dass Dänemark auf Anfrage der UNO Truppen zum Schutz der UN-Inspekteure nach Syrien schicken wird.
    Diese Rolle wird also wohl nicht von den Russen ausgeführt werden.
    Weiß von euch wer ob andere Länder ebenfalls zugesagt haben?

  • triangolum

    …“dazu haben die Sanktionen sowie unbestrittenermaßen auch die Politik des vorigen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad der iranischen Wirtschaft viel zu hart zugesetzt.“

    Du hast hier also haltbare Fakten? Die Bildungsoffensive des früheren Präsidenten zeigt sich heute und schon seit drei Jahren im Rekord der wissenschaftlichen Veröffentlichungen und dem Anmelden von Patenten.
    Die Abhängigkeit bei 80% des Benzins aus dem Ausland wurde unter seiner Regierung zu einem 25% Exportüberschuss durch eigene Raffinerien. Das selbe bei der Stahlproduktion. Die Produktion für die Inlandseisenbahn stieg auf Rekordwerte mit Weltmarktprodukten.
    Im Schiffbau wurde nicht nur Militärisch neues Dimensionen erreicht sondern auch im zivilen Schiffbau. Eigene Tanker, eigene Containerschiffe, immer größere Docks usw.
    Oder meinst Du das Raus pressen aller EU (besonders der Franzosen)? Die US Unternehmen wollen so gerne den Markt übernehmen und wenn diese Mossad Regierung im heutigen Iran wirklich sich unterwirft war es das zweite Mal in diesem Jahr das Völkerrecht welches nicht vergeben werden muss, was nicht von der Staatengemeinschaft „zugebilligt“ werden muss sondern was einfach für jedes Land gilt abgeschafft wurde. Das erste Mal bei Syrien und seiner Aufgabe von Chemiewaffen und diesmal das Recht auf Urananreicherung.

    Beides sind Rechte die universell sind. Diese sind nicht Ab erkennbar.

    Was hier passiert ist ähnlich wie Irak vs Iran 1980 bis 1988. Die USA sind nicht mehr Abhängig von den Sauds. Sie bedürfen zur Zeit dessen Öl nicht. China und andere schon und zwar sehr stark. Also wird ein Land, die Sauds (mit Israel) gegen den Iran zum Krieg genötigt. Und der Iran (besser die jetzige Regierung) ist zu Schwach um sich diesen Sanktionsdruck, welche völlig illegal sind, zu widersetzen.

    Hier was von Erfolg und positiver Stimmung zu schreiben grenzt an Verdrängung. Ich kann dem überhaupt nicht Zustimmen.
    Zumal ohne Sanktionen der Iran schon lange ein zweites China wäre.

    Es gibt nicht einen wirklichen Grund welcher den Iran dazu bewegen könnte der USA zu Vertrauen. Nicht einen. Wie oft haben diese Ihre Abkommen, Verträge und Zusagen gebrochen? Unzählbar. Wie oft haben diese diese eingehalten? Niemals!

    Wenn Saudi-Arabien (Israel) und der Iran (China+Russland) im Krieg sind wird es für alle Länder außer der USA schwierig. Wirtschaftlich wie Diplomatisch. Genau das was die USA brauchen um selbst sich zu sanieren bzw. Zeit zu gewinnen ihren Strudel abzufangen und die Welt so zu Ordnen das ihr Herschaftsystem erhalten bleibt.

    Wenn der Iran sich ergibt und seine Rechte einschränkt und zwar selbst ohne Not läuft er massiv Gefahr sich einen weiteren direkten Krieg Auszusetzen. Genau das was die USA wollen.

  • triangolum

    Da wir ja Saudi-Arabien gerade oft als Thema haben…

    Die Begründung für die Forderung nach einem ständigen Sitz im UN Sicherheitsrat ist natürlich sehr dürftig. Mit dieser Begründung kam und kommt niemand in diesen Club. Das Auftreten dieses Landes in den letzten Monaten oder auch Jahren hat jedoch ganz andere „Gründe“.

    Wie wir ja wissen meldete die BBC vor ein paar Tagen das die Sauds wenn nötig nach Pakistan gehen um sich da alles nötige zu holen. Der O-Ton kam ja von einem Israeli (einen recht hohen Beamten).

    Was damit gemeint ist sollte klar sein. Kernwaffen!
    Nur, ohne Träger macht das natürlich alles keinen Sinn. Und für Trägersysteme bedarf es auch Infrastruktur.

    Nun, da können wir ja Abhilfe schaffen:
    http://wikimapia.org/#lang=de&lat=24.207966&lon=44.698112&z=4&m=b&search=al-Watah
    Israel hat nahe Riad ganz sicher diese nette kleine Basis im Auge. Warum es dagegen noch nicht vorgegangen ist spricht Bände.

    Wenn der Iran solch eine Basis hätte, was er ja auch hat, kommt schnell der Verdacht auf… ect.

    Aber kommen wir mal auf die Saudische Basis zurück.
    Dort befinden sich ganz sicher mobile Shaheen-II.
    Was ist wenn die schon full geliefert wurden?

    Das Auftreten dieses Landes, politisch, militärisch, kriegerisch und besonders auch ohne jede Scharm steht ja damit im ganz anderen Lichte.
    NordKorea lässt teils grüßen… da gibt es viel ähnliches.

    Das mit der Großmacht ist sicher nicht gegeben aber mit Atomwaffenmacht schon und damit sollten alle Dinge der letzten 3 Jahre noch einmal neu betrachtet werden.

    • ISKANDER

      Taktisch gesehen ist die Atomwaffe im kleinräumigen Nahen Osten mit seiner durchmischten ethnisch – religiös Mosaikstruktur ein ebenso wertloses Ding wie die Chemie- oder B – Waffensysteme.
      Es hat allenfalls den Abklatsch von Gänsehaut wie im Spiel der wirklichen Giganten des Globus.
      Das wissen auch alle Beteiligte.
      Sollte SA diese Waffen „besorgen“, sind sie allenfalls Pfauenfedern am schrumpligen Steiß der Riader Greise.
      Ein Einsatz gegen Syrien, Iran oder das zionistische Gebilde ist gleichbedeutend mit dem Wurf einer Granate in eine Ölquelle.
      Der Nahe Osten explodiert, die Weltmächte geraten in den Sog mit hinein.
      A – Waffen in den Händen dieser Dilettanten haben allenfalls Erschreckungswert a la deutscher Jahrmarkt – Grusel – Buden. Sofern man sich überhaupt dem Erschrecken unterzuordnen gedenkt.
      Kurzum, erstens werden die geilen und leberkranken Schweineprinzen diese Waffen nicht erhalten/besorgen/bekommen und wenn doch, dann können sie diese gleich in die Vitrine stellen.
      Die militärische Realität in den Halbwüsten Shams und Persiens gebietet eine gänzlich andere Kampfform als zwischen den USA und der verblichenen Sowjetunion.
      Machen wirs uns darüber keine Sorgen und schauen lieber dem Hauptkriegsverbrecher in der Region, dem Zionistenstaat sehr genau auf dessen lange Finger. Dort dräut die wahre Gefahr, die Intrige und Ursache all der Abscheulichkeiten welche dieses geschundene Region seit 1947 erleben muss.

  • Spion Stirlitz

    Hallo triangolum,

    ich stimme Ihnen voll zu und befürchte, dass die Saudis skrupellos genug sind in Ihrem religiösen Hass gegen die Shiiten ggf. auch nuklear den Erstschlag durchzuführen. Israel benutzt derzeit die Wahhabiten als Proxy um den Erstschlag, den man aus politischen Gründen nicht durchführen kann, ausführen zu lassen.

    Nur so ist es zu erklären, warum ein nukleares SA für Israel und „den Westen“ kein Problem sein soll, aber ein potentiell nuklearer Iran umsomehr.

    Ob sich da die westlich-zionistischen Planer mit SA mal nicht verrechnen, denn das neuzeitlich-imperiale und künstliche Gebilde SA ist mit seiner fundamental-sunnitischen Ideologie weitaus gefährlicher für den Weltfrieden als das über 4000 Jahre alte Kulturvolk der Perser.

    Präemptivstrategien seitens Russland? China? Iran? Weiß wer irgendwas? Erstschlag? Koalition der Retter? …

    • Wie es heißt, hat Putin gestern mit König Abdallah telefoniert. Zu den Details des Gesprächs wird natürlich nichts gesagt, ebenso wie auch das wirkliche Gesprächsthema (in der Meldung: „die Lage in Syrien und Fragen rund um das iranische Atomprogramm“) sicherlich verschwiegen wird. Aber allein der Fakt dieses Gesprächs ist interessant – es ist der erste Kontakt seit Bandars Spontanvisite nach Moskau. Und die Initiative lag diesmal bei den Russen. Während Bandar bin Sultan, wie man vielfach hörte, gewisse Angebote und schlecht kaschierte Drohungen nach Russland mitbrachte, so ist es nicht abwegig anzunehmen, dass Putin dem saudischen König angeboten haben mag, ein paar seiner Prinzipien fallenzulassen, wonach sicher auch etwas betont schlecht kaschiertes gefolgt haben mag.

      Die Folgen der Bandar-Visite traten recht schnell zutage, innerhalb von nur zwei oder drei Wochen. Ebenso wird es, denke ich, mit dem gestrigen Kontakt sein. Putin wird wissen, dass der König sich keinerlei Entgegenkommen leisten kann. Insofern ist es einzig interessant, welche Meinungsverstärker ins Feld geführt worden sind. Eine sehr diplomatische Version von „auf’s Maul!!“ jedenfalls ist nicht unwahrscheinlich.

      • Spion Stirlitz

        Wie wäre die Überlegung, A-Waffen f. SA aus Pakistan vs. A-Waffen aus Russland für den Iran? Als Drohkulisse für „auf´s Maul“?

        Wenn die Mächte Zions mit Ihrem Wahhabiten Proxy arbeiten, warum nicht aus Russland?

        Einen realen, militärisch geführten Angriff gegen Schweine-Arabien ausgeführt durch Russland, halte ich für nicht denkbar, da sofort USA, NATO, … mit im Spiel wären.

        Wie könnte die ´s Maul-Kulisse denn aussehen?

  • Jones2theBones

    So sehr uns das alle berührt: Emotionen helfen hier niemandem weiter.
    Nicht uns mit unseren Analysen, und auch nicht den Saudis.
    Und die wissen das.
    Der wahhabitische Eifer der ibn Saud fand genau dann ein Ende, als die Ikhwan (der wahhabitische Stamm, der sie an die Macht zurückgebracht hatte) sich daran machten, die Nachbarländer ebenfalls zu überfallen.
    Um nicht den Zorn der Angelsachsen auf sich zu ziehen, machten die Saudis sie eigenhändig (d.h. mit britischen Waffen gegen Kamelreiter) fertig.
    Wieso kommen so viele Jihadtouristen jetzt nach Syrien und so wenige nach Iraq & Afghanistan?
    Weil der Islamismus eine Waffe auf Abruf ist.
    Und weil der Überlebenswille im Könighaus der ibn Sauds selbst nachweislich größer ist als der religiöse Eifer, werden sie nicht ihr eigenes Leben durch den Einsatz einer Atombombe aufs Spiel setzen. Punkt.

    Was die ganze momentane Situation angeht, so hat die Gleichung (=Analyse) für meinen Geschmack viel zu viele Unbekannte.
    Wir wissen beispielsweise nicht, was da gerade zwischen dem Iran & den USA oder den Saudis & den USA oder Israel & den USA abgeht.

    Dass dann gleich 2 hochrangige iranische Beamte vor kurzem ungebracht wurden, macht mir die Sache suspekt.

    • Enis

      @jones
      ich erlaube mir in die Gleichung mein Senf beizumischen. Uns interessiert das Unbekannte von aussen nicht, solange uns die russischen Freunde politisch den Rucken frei halten. Zugegeben eine Aggression seitens der Natowölfe würde uns das Genick brechen. Aber solange nur ihre Handlanger am Werk sind, wird es nur einen Sieger geben, die Jaysh al-Arabi Souri (SAA).

      Ich versichere dir, auf dem Feld gibt es so gute Fortschritte, dass es kein zurück geben wird für die Brigaden der Teufel. In Aleppo machen sich die Ratten die Hosen voll. Einige lassen schon ihren stinkenden Bart rasieren. In einigen Teilen von Aleppo haben sie anscheinend von 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens Ausgangssperre verhängt. Sie spüren die SAA am Nacken.

      Das Revier des Löwen in Balad al Sham ist seit langem nicht mehr so sicher gewesen..

      Trotz allem vorsicht und geduld geboten. Die Verschwörung wird in Monaten besiegt sein, doch den Terror werden wir lange nicht los.

      • walter

        Möchte auch meinen bescheidenen Senf hinzugeben:
        Vor noch nicht allzu langer Zeit war davon auszugehen, dass mit der Zerschlagung Syriens neben den höchst lukrativen Ressourcen (Levante) und deren Transportwege (EU-Pipelines SA, Katar, Irak und Iran) auch ein freies Schussfeld für einen Angriff auf den Iran geschaffen werden soll. Das freie Schussfeld hat sich widerstandsfähiger erwiesen als prognostiziert und der Iran scheint auch plötzlich von der Agenda der zu erobernden Sphären (vorerst) genommen zu sein. Eine Konstante ist jedoch gleich geblieben: Die tiefen „Gegensätze“ zwischen SA (Israel) und dem Iran (Syrien, Libanon). Die aktuellen Drohgebärden und Erstarkungsbemühungen SA gegenüber den USA (Obama-Fraktion) zeugen nicht nur von Unzufriedenheit sondern sind in erster Linie Ausdruck tiefer Existenzängste der Saudis und Israels.
        In dieser Pattsituation handeln die VS so, wie sie es seit ihrer Gründung getan haben: Sie entscheiden sich nicht für eine Seite und setzen ihren Einsatz strategisch verteilt auf alle möglichen Positionen.
        Russlands Optionen in diesem Spiel sind sehr beengt. Denn die Tatsache der Erstarkung islamischer Nationen nötigt es zur stillen Kollaboration mit den USA. Der wirtschaftspolitische und gesellschaftliche Druck dieser Staaten macht die beiden „Supermächte“ zu natürlichen „Interessens-Verbündeten“. Die Russen brauchen diesen Interessensausgleich für ihren weichen Bauch im Kukasus bis tief hinein in seine Zentralasiatischen Regionen und die Amis benötigen ihn für die in absehbarer Zukunft mannigfaltigen Expeditionsunternehmungen in Zentralafrika, Jemen, Somalia und dem Pazifikraum.
        Jede Seite muss dafür Sorge tragen, die nationalen Gegensätze nicht vollends (nuklear) eskalieren zu lassen bei gleichzeitiger Duldung maximaler gegenseitiger Schwächung der Aspiranten untereinander. Im Falle einer „Streitbeilegung“ der Internationalen Staatengemeinschaft und dem Iran werden wir einen islamischen Staat erleben, der trotz mühsam angelegter französischer (sprich saudisch-israelischer) Fesseln sein gewaltiges Potential auch mit Hilfe ausländischer Investitionen entfalten wird. Auf wessen Rücken (SA oder Iran) am Ende die „Staatengemeinschaft“ reiten wird, hängt von deren Geschick in den nächsten Jahren ab. So, oder so ähnlich, dürften sich die Visionen der Hauptspieler darstellen. Immer in der Hoffnung, die damit gewonnene Zeit zu weiteren Absicherung der eigenen Interessen und Gebarung millardenschwerer Geschäfte nützen zu können.
        Für Syrien könnte sich damit eine gewisse Erholungsphase ergeben. Die sich indirekt gegenüber stehenden regionalen Machtfaktoren SA und Iran werden, samt ihrer Verbündeten, eine Zeit der Konsolidierung benötigen.

        • triangolum

          …das hatte ich schon wo gelesen.

      • Spion Stirlitz

        Meine Mayonaise hierzu:

        Die meisten hier wünschen sich, daß Ihre Prognose zutrifft und die SAA die FSA-Orks binnen weniger Monate endgültig militärisch erledigt. Leider hat der internationale Dschihad-Fanclub globale Financiers mit faktisch unendlicher Kapitalmacht und praktisch ebenso unendlich viel humanoides Schlachtfleisch auf der Reservebank.

        Die Strategie der Abnutzung kann für die Sauds&Takfiris nach Belieben fortgesetzt werden. Die einzige Möglichkeit ist nicht nur in Syrien zu Abwehrschlachten zu kämpfen, sondern schnellstmöglich den Gegner auf deren Territorium anzugreifen, z.B. durch Lostreten von „demokratischen und freiheitlichen Aufständen in Bahrain, Ost Saudi-Arabien (Bevölkerungsmehrheit Shiiten, ..). Strategisch betrachtet kann der Krieg nicht alleine in Syrien gewonnen werden. Das das sehr schwer ist weiß ich auch, aber eine andere Möglichkeit wird es nicht geben. Der Ring muss in den Feuerberg im Auge des Orkans, wenn man mal das Fantasy-Bild bemühen darf.
        Gruß

        • walter

          @Spion Stirlitz
          Hallo verehrter Freund! Natürlich hat SA enormes Kapital (human und monetär) zur Verfügung. Mit der möglichen Neu-Situierung des schiitischen Einflussbereiches wird SA jedoch die Lust auf weiteren Einsatz dieser „Ressourcen“ ziemlich rasch vergehen. Die im ölreichen Ostteil SA lebende schiitische Bevölkerungsmehrheit liegt in „Hörweite“ der iranischen Strukturen!!! Und die Iraner verstehen es schon, nach Übereinkunft mit der „Staatengemeinschaft“ effektive Botschaften a la Bandar bin Sultan nach Riad zu senden!

        • Jones2theBones

          @die drei Senf & Mayonnaisepusher: :P

          Natürlich scheint momentan Syrien den Krieg zu „gewinnen“; und ignorieren wir mal die Möglichkeit, dass es trotzdem schiefgehen und das Kriegsglück sich komplett wenden kann.
          Dann wird der Spielraum der Terroristen zwar zunehmend eingeschränkt, aber niemals 0 erreichen, außer Waffen & „humanitäre Hilfelieferungen“ finden nicht mehr ihr Ziel.
          Nehmen wir an, die syrische Armee würde die Kontrolle über (fast) das gesamte Land zurückerlangen.
          Dann wären die Terroristen weiterhin zu Nadelstichattacken über die Grenzen sowie Terroranschläge im Inneren fähig.
          Und dann wäre man endgültig bei einem reinen Abnutzungskrieg, wie er schon u.a. in den von mir viel zitierten Beispielen Nicaragua und Cambodia zu sehen war.

          Bei der Gleichung bleiben jedenfalls viele, viele Unbekannte stehen, wo wir uns über die Antworten nicht sicher sind, aber die Vermutungen entscheidend beeinflussen.

          1. Haben die USA in Syrien aufgegeben? Ja, Jein oder Nein?

          Ich meine in Foreign Policy (oder Guardian oder Washington Post) gelesen zu haben, dass die saudischen Geheimdienste doch relativ begrenzt in ihren Fähigkeiten sind.
          Fakt ist auch, dass diese Waffen zumindest früher durch den CIA geliefert wurden; Fakt ist auch, dass diese Waffen in der überwiegenden Mehrheit zwar in Russland oder China hergestellt sind, aber kaum von diesen (geschweige mit deren Einverständnis) geliefert wurden.
          Somit kommen die Waffen überwiegend aus den alten sowjetischen Verbündeten und heutigen NATO-Vasallen in Osteuropa, also aus dem Raum zwischen Ukraine, Bulgarien, Albanien & Kroatien.
          Alles Staaten, wo Saudi-Arabien kaum, die USA hingegen enormen Einfluss haben.

          Sprich: Entweder die USA verhalten sich weiterhin passiv bis zustimmend, oder aber die Rebellen müssten über kürzeste Zeit enorme Nachschubprobleme erhalten. Denn die Saudis haben zwar das Geld, aber keine Kalashnikow-Fabrik.
          Die von der griechischen Küstenwache angehaltene, mit Kalashnikows vollgestopfte Yacht aus der Ukraine & Istanbul in Richtung Osten, spricht Bände, stellt aber auch die Frage, ob, und wenn ja, von wem die Griechen einen Tipp erhalten haben.

          Auch bei den anderen Playern, mit Ausnahme der Türkei & Saudi-Arabien, die weiterhin eindeutig Krieg führen, ist die Situation fraglich.
          Wir wissen auch bei Qatar nicht, ob sie wirklich raus sind.

          Weiterhin wissen wir nicht, was die USA letzten Endes von der Invasion wirklich abgehalten hat, und wie lange diese Entscheidung hält. Kam ein russisches Angebot oder gar russischen Drohungen, oder war es die Furcht vor großen Verlusten u.a. dadurch, dass das russische Aufklärungsschiff wohl die gleiche Arbeit leistet wie die deutsche „Oker“ (nur für die Gegenseite) und den Amerikanern und Israelis jeden Überraschungseffekt schwer machen würden?

          Was ist mit dem Verhältnis zwischen den USA einerseits und Israel sowie Saudi-Arabien andererseits? Wie zerrüttet ist es wirklich, wie groß der Einfluss der beiden Letztgenannten über den Erstgenannten?

          Was ist Gegenstand der Verhandlungen mit dem Iran?
          Wir wissen, dass der Atomstreit nur ein Vorwand ist, worüber wird wirklich verhandelt?
          Inwieweit ist es ein eigenständiger Streit, inwieweit Teil eines größeren Streites im Nahen & Mittleren Osten?
          Welche Rolle spielt hier Russen & Franzosen, und was ist ihr Ziel?

          Ist das Tauwetter dem Iran gegenüber vielleicht ein Zugeständnis der Amerikaner an die Russen, eine Art Ping-Pong-Diplomatie in die umgekehrte Richtung, und sind die Amerikaner wirklich dabei, wie es aussieht, den Russen & den Iranern größeren Einfluss in diesem immer noch so bedeutsamen Raum zu überlassen?
          Wie können Zugeständnisse von Seiten des Irans aussehen, was kann es den Amerikanern bieten?

          Spielen Zugeständnisse im Fernostasiatischen Raum eine Rolle?

          Für mich viel zu viele Unsicherheiten.

        • walter

          @Jones2theBones
          Natürlich gibt es zum jetzigen Zeitpunkt mehr unbekannte Variablen als gesicherte Koordinaten.
          Und zum Thema Senf & Mayonnaise: Hast schon recht mit deiner netten Anmerkung. Und abgesehen davon, dass ich Mayonnaise mag, freut es mich in diesem Club gemeinsam mit „Enis“ und „Spion Stirlitz“ zu sein. LG

        • Jones2theBones

          „Und zum Thema Senf & Mayonnaise: Hast schon recht mit deiner netten Anmerkung.“

          Also damit wir uns nicht missverstehen: Das war keine Beleidigung oder Stigmatisierung oder sonst etwas, sondern einfach als nett gemeinten Scherz, weil ihr 3 (auch in Abstimmung) eure Posts gleich begonnen habt.

        • walter

          @Jones2theBones
          war mir (und ich denke auch den übrigen Mitgliedern der „Gang“) immer klar!

  • Spion Stirlitz

    Hallo Walter (Mandl?), werter Bruder im Geiste,

    völlig unbenommen Ihrer, richtigen Feststellung, daß sich (vermutlich) gerade die Akzente Washingtons Richtung Iran verschieben. Es darf nicht außer Betracht gelassen werden, daß hier jederzeit ein Shift dieser Akzente wieder Richtung Riad erfolgen kann. Das Gesamtbild ist noch viel zu unscharf und zu wenig stabilisiert. Daher muss der Plan B weiter verfolgt werden. Es darf sich nicht in vermeintlicher Sicherheit gewogen werden und Riad verschont bleiben. Dafür hat die Satansbrut dort zuviele unschuldige Seelen auf dem nicht vorhandenem Gewissen. Die werden Ihrerseits nicht untätig bleiben, siehe Berichte über einen A-Waffendeal mit Pakistan, weitere Ork-Armeen mit 50000 Dschihadis aus Pakistan usw..
    Und deren mephistolischen Brüder im Geiste aus dem Reich Zions werden sicherlich Ihren Proxy in Riad weiter pushen. Im Gegenteil, ich halte gerade jetzt Schweine-Arabien für so gefährlich wie noch nie zuvor. Die sind natürlich in Panik und da sind die Entscheidungen nicht zwingend rational.

    Wühlarbeit und Unterstützung der „Demokratiebewegung“ sollten oberste Priorität erhalten.

    Gruß

  • Enis

    Die FSA-Esel haben in ihren besetzten Gebieten in Aleppo Generalmobilmachung ausgerufen. Bei Bustan Qsair, die Frontlinie, wurden die Übergänge in andere Gebiete gesperrt. Die SAA schickt weiterhin massiv Nachschub an mechanisierten Verbänden. Es gibt ein wichtiges Problem an der ganzen Operation. Sollte die SAA auf den Knopf drücken und Richtung Aleppo marschieren, würde eine massive Fluchtbewegung der Zivilbevölkerun Richtung türkischer Grenze bedeuten. Weltpolitisch käme es der syrischen Regierung völlig nicht entgegen. Bleibt nur noch die Methode wie in Damaskus. Umzingeln und Enklaven bilden. Die bessere Variante wäre die Unterstützung der Kurden aus dem Nordan um die Ratten in die Zange zu nehmen. Anscheinend habe der militärische Geheimdienst bereits vor 3 Monaten über eine regierungsfreundliche bekannte kurdische Persönlichkeit mit den Kurden aus dem Norden Kontakte aufgenommen. Man habe im Namen von Bashar al Assad ihnen eine Föderation versprochen. Die Berichte über die Bildung der einer lokalen Regierung seitens der Kurdne von heute kommt mir daher nicht überraschend.

    Saudi-Barbaren hin oder her, die Schlinge schliesst sich wirklich. Die Fronten entwicklen sich so schnell zu Gunsten der SAA, dass ich mich fast nicht getraue zu freuen. Es geht mir momentan fast alles unheimlich schnell.

    Ich bleibe trotzdem bei meiner Prognose von bis 4-6 Monaten für die Befreiung von Aleppo und Rif-Damaskus.

    Ich bete für die helden an der Front und für ihre Familien.

  • Moski

    @Enis,
    schliessen Sie eine Kapitulation der FSA aus?

    • ISKANDER

      @Moski:
      ich bin zwar nicht direkt gefragt, möchte aber meinen, das die FSA nicht kapitulieren wird und kann, weil es sie bereits nicht mehr im Kampfverband gibt.
      Sie wird einfach schmelzen wie der Schnee in Europa im Frühling, ohne Getöse und huch – einfach nicht mehr da sein.
      Sie ist bereits heute kein Gegner für die SAA mehr, sondern nur noch eine militärische Leiche.
      Die militärisch bedeutsamen Gegner von Rang sind die ISIS und Nusra & Co. Diese gilt es mit Härte niederzukämpfen und es wird gemäß Enis Prognose geschehen.
      Auch Sauarabien besitzt keine Option trotz Getöse.
      In wenigen Monaten sind die mit sich selbst beschäftigt. Der Krieg gegen Syrien ist in der Endphase, Präsident Assad wird 2014 in freien Wahlen wiedergewählt und kann u.U. mit dem Iran über die Zerlegung des Beduinenreiches KSA mitbestimmen.
      So läuft manchmal die Geschichte.
      Also Kopf hoch.

      • Enis

        @Iskander
        Danke für Deine Antwort. Ich setze meine Unterschrift drauf! Die FSA gibt es nur noch in den Yachten am Bosporus oder in Antalya..
        Es gibt nur noch zwei Arten von Gegner, die Jihadisten und die Gruppe von kriminillen Profiteure in Form von lokalen Brigaden. Die zweite Gruppe ist sehr pragmatisch und rettet den Kopf durch Gebrauch von Amnestien. Einige Gebiete in Homs und Rif Damaskus konnten in näherer Zeit durch Abmachungen zwischen der SAA und diesen Gruppen befreit werden. Die erste Gruppe ist eine Hardcore-Gruppe. Sie sind gekommen zu sterben. Die werden niemals kapitulieren. Ganz in unserem Sinne. Denn deren Überleben bedeutet eine Gefahr für die nächste Generation!

        Wie ich in den letzten Tagen bereits schrieb, die SAA macht wirklich sehr schnelle Schritte. Die SAA steht vor den Toren Aleppos! Klar bin ich sehr vorsichtig mit meiner Quelle, weil sie ohnehin befangen ist. Aber im grossen und ganzen passt die Stossrichtung. Auch der Kioskladen in London berichtet von den Fortschritten der SAA Richtung Aleppo und von der Generalmobilmachung der Terroristen..

        Wir bleiben trotzdem verhalten optimistisch.

        http://www.romandie.com/news/n/_Syrie_combats_dans_le_nord_entre_jihadistes_et_armee53131120131259.asp

        • @Enis, et al.
          Über die neuerliche Mobilmachung der Terrorbrigaden in Aleppo könnt ihr hier in recht authentischer Quelle (inkl. Scan des Aufrufs) nachschauen: فصائل معارضة تعلن „النفير العام“ بعد تقدم الجيش من السفيرة باتجاه حلب
          Alles in allem ein Zeugnis für die verzweifelte Lage der Invasoren.

        • Enis

          @apxwn
          Wer keine breite Basis im Volk hat, der ist zum Scheitern verurteilt. Hoffentlich verstehen jetzt die Aggressoren warum sich der grosse Präsident seit mehr als 2.5 Jahren halten kann…

          Übrigens die Partei von Kadri Jamil werde sich anscheinend an der lokalen Regierung in den Kurdengebieten beteiligen. Dies gab Jamil persönlich in Moskau bekannt..

          Mit Jamil in der Regierung kann ich mit einer föderalen Lösung gut leben. Vielleicht war sein Rausschmiss wirklich eine Inszenierung?

        • Moski

          @Iskander,
          danke für Ihre Prognose, leider ist mir diese zu vage.
          Ob die Jihadisten ihren Tod der Gefangenschaft (mit eventueller anschliessender Repatriierung) vorziehen, wird sich zeigen. Ich halte ein Kapitulationsangebot der Syrischen Regierung für einen möglichen Weg zur Abkürzung des Krieges.

        • Jones2theBones

          @Moski:
          Nein, es wird zu keiner Kapitulation kommen, weil so etwas für die FSA nicht von Vorteil ist.
          Es kann zur Kapitulation einzelner kleiner Verbände (Gruppierungen passt bei der Unorganisiertheit vielleicht besser) kommen und in recht kleinem Maßstab ist dies auch hin und wieder vorgekommen, aber für die FSA als Ganzes gibt es hierfür keinen Grund.
          Stattdessen gibt es zwei Möglichkeiten:
          Einen Verhandlungsfrieden, wo sie mit „Würde“ aus dem Krieg ausscheiden, was auch bei ihrem letzten „Gesprächsangebot“ als Vorbedingung zu hören war, oder eben eine stille Auflösung, ohne dass die Niederlage eingestanden wird.
          Was die Gesprächsmöglichkeiten angeht, so sind die sehr begrenzt.
          Grundsätzlich ist die Regierung pragmatisch genug, dass sie nicht aufgrund von Emotionen auf den einen oder anderen Handel verzichtet, der sie weiterbringen kann.
          Allerdings tun die Rebellen übermäßig hohe Forderungen stellen (und müssen das tun), dass ein Friedensschluss auf höchster politischer Ebene nur im Rahmen einer internationalen Vereinbarung möglich ist.

          Was das weitere Schicksal der Jihadisten angeht, so kann man das bislang nicht voraussehen, da das sehr stark sowohl von Person zu Person unterschiedlich ist und auch von der Außen- & Innenpolitik vieler Länder stark abhängig ist. Die Faktoren schwanken stark.
          Einige werden zu ihren Familien heimkehren, vielleicht irgendwann aufwachen, andere werden wohl im Verlauf der Kämpfe sterben oder gefangen genommen werden, und wieder andere werden vielleicht zum nächsten Jihad weiterziehen.