Dreißig Staaten

Raketenschild OsteuropaUngeachtet des mit dem Iran erzielten Verhandlungsdurchbruchs zieht es die NATO nicht in Betracht, ihre Pläne zum europäischen Raketenschild zu überdenken. Die vorige US-Administration hat ja den Bau des Raketenschilds in Europa insbesondere mit der “iranischen Bedrohung” begründet, obwohl die ganze Absurdität dieser Story schon damals vollkommen offensichtlich war.

Jetzt bietet uns die NATO an, den europäischen Raketenschild als ein Verteidigungsmittel gegen einen überaus abstrakten Feind – “30 Staaten mit der Technologie ballistischer Raketen” – aufzufassen. Für alle Fälle, sozusagen. Natürlich ist diese Story noch viel absurder, aber Lügen, die von Politikern geäußert werden, sind ja, wie man weiß, keine Lügen, sondern deren politischer Standpunkt.

Der Westen hat Russland immer als ein Primärziel angesehen. Alles andere Gerede ist reiner Betrug und Selbstbetrug. Russland war immer im Fadenkreuz und wird es immer sein. Der Sinn eines Raketenabwehrschirms in Europa ist es, im Konfliktfalle russische Gegenmaßnahmen zu neutralisieren. Andere Gegner hat die NATO in dieser Region nicht und es wird auch niemand anderen geben. Aus diesem Grunde ist es egal, ob die Antwort der Russen symmetrisch oder asymmetrisch ausfällt – an ihrer dringenden Notwendigkeit besteht keinerlei Zweifel.

Tags:,

Trackback von deiner Website.

  • Lurker

    ein bischen „off topic“ weils grad so passt:
    http://whoghouta.blogspot.de/2013/11/the-conclusion.html
    Hier wird der UN-Bericht zu den Damaszener Giftgasraketen „zerlegt“.
    Eine Abschätzung zur Reichweite (oder eher „kürze…) wird auch gebracht.

  • apxwn, wo siehst du die Ursache für diese ewige Feindschaft gegen Rußland und die orthodoxe Welt? Warum ist Rußland, die Orthodoxie, Byzanz seit über 1500 Jahren der Gegenpol, der Erzfeind des „Westens“?
    Wenn sie könnten würden sie Rußland so klein machen wie Serbien. Die Ukraine ins betreute Betteln holen um Rußland einen Arm abzuhacken.

    • Beinstuhl

      Ich sehe das ähnlich wie Nobilitatis, „Nix persönliches, rein geschäftlich“.

      Zuerst einmal ist es eine m.E. unzulässige Vereinfachung. Orthodoxie, Byzanz und Russland sind zwar (vorallem durch Erstere) verbunden, aber trotzdem drei paar Schuhe. Auch das, was du als „Westen“ bezeichnest, war immer ausgesprochen volatil. Darum trifft auch die Zeitspanne von 1500 Jahren nicht zu. Es genügt zu zeigen, dass es sowohl in Byzanz ein Reich gab, das ganz und gar nicht orthodox war (Osmanen), als auch ein russisches System, das sich klar von der orthodoxen Kirche distanziert hat (UDSSR). Dennoch gaben beide recht taugliche Feindbilder ab.

      Es liegt in der Natur von Hegemonen, dass sie in Konkurrenz zu jeweils anderen auf ihrem Gebiet stehen. Der Opponent der Orthodoxie war insbesondere die römisch katholische Kirche und der Gegner des osmanischen Reiches war das „christliche Abendland“, auch die späteren, nicht-katholischen Staaten. Dennoch lässt sich auch „Westen“ hier nicht pauschalisieren, denn Preußen und auch England hatten sehr wichtige und kluge Bündnisse mit Russland (z.B. gegen Napoleon) und das deutsche Kaiserreich hatte ein strategisches Bündnis mit dem osmanischen Reich. Die Welt ist nicht geeignet für Schwarz-Weiß-Betrachtungen. Letztlich entstehen Konflikte erst wenn zwei Akteure dieselbe Ressource (Rohstoffe, Handelsrouten, Einflussgebiete…) beanspruchen und eine kriegerische Auseinandersetzung einer der Seiten rentabler erscheint als eine andere Lösung.

      Deine Einschätzung der aktuellen Lage, betreffend Russland und Serbien, teile ich. Aufgrund der Geographie gibt es natürliche Hegemonen und auch natürliche Konkurrenten. Möchte man seine Ansprüche zementieren, muss man den natürlichen Gegner unumkehrbar demontieren. Das geschah mit dem osmanischen Reich und dem deutschen Reich. Danach noch einmal mit Deutschland (Günter Verheugen sinngemäß: die ganze EU ist ein Gebilde um Deutschland durch Einbindung einzudämmen*). Zuletzt ist dies mit Jugoslawien geschehen. Jugoslawien hat viele Funktionen. Besonders hat der Balkan eine Brückenfunktion in zwei Richtungen. Hier verlief sehr lange die Grenze zwischen osmanischem Reich und dem Abendland. Die andere Brücke war aber wohl entscheidend. Jugoslawien war lange ein kulturelles Bindeglied zwischen Mitteleuropa und Russland. Die Trennung dieser Verbindung lag insbesondere im amerikanischen Interesse.

      Dennoch besteht so etwas wie Feindschaft nur unter nicht-pragmatischen Politikern. Gedacht ist sie jedoch für den Pöbel, damit dieser die Oberschicht bei den Geschäften unterstützt oder sie zumindest gewähren lässt.

      • jetzt haben wir zwei verschiedene Vereinfachungen, du hältst sicher die deine für „zulässig“ (gibt es da eine Zulassungsbehörde?), ich habe Gründe für die meine. Deine Argumentation erinnert mich an Buddhas Gleichnis vom Wagen: Bei der Analyse des Wagens findet er keinen Wagen, nur Deichsel, Räder, Achsen und Planken; und wenn er ein Rad analysiert findet er auch kein Rad, sondern nur Nabe, Speichen, Felge
        Die Fuhrleute hat das nicht gehindert weiterzufahren.
        Wenn man die Ideen und Geister, die die Menschen in ihren Geschichten leiten nicht sieht oder sehen will, dann muß man zwangsläufig von Geschichten vom Hühnerhof reden – alles eine Frage der Hackordnung. Nur darf sich derjenige, der die Menschengeschicke nur als blinde Konkurenz um Körner, Suhlplätzchen und Sex sieht, nicht beschweren, wenn ihn andere auch wie ein Huhn auf dem Hühnerhof behandeln und gegebenenfalls rupfen und in die Suppe stecken.

        • Beinstuhl

          Leider bist du nicht auf meine Aussage eingegangen, sondern hast dich an zwei Worten aufgehangen. Dann schriebst du, du habest „Gründe“, ohne diese zu nennen. Falls du wieder antwortest, nenne sie bitte. Ich habe meine Aussage ebenfalls begründet.

          Ich habe mich von der Geschichtsesoterik verabschiedet, als ich das das lex parsimoniae (auch „Ockhams Rasiermesser“) auf ihre Theorien angewendet habe. Es steht ausser Frage, dass du, mit dem was du gemeint hast, eventuell recht haben kannst. Doch solange sich die Phänomene viel plausibler erklären lassen, nutz ich das. Die Erklärung „es geht ums Geschäft“ lässt sich auf den Großteil der Konflikte zwischen den Akteuren anwenden. Viel komplizierter wäre die These einer „ewigen Feindschaft“, die von verborgenen Lenkern über 1500 Jahre weitergegeben und gepflegt wird (oder liegt die in den Genen?) zu untermauern. Mir ist bewusst, dass es okkulte Strömungen gibt, die versuchen so etwas zu erarbeiten, doch gibt es (abgesehen von den Kirchen) keine, die eine derart lange Traditionslinie nachweisen können (egal wie gern sie sich aufs alte Ägypten oder sonst wen beziehen) und ihr Einfluss wird sehr gerne überschätzt. Den größten Einfluss in unserer Welt hat schlicht das Geld.

          Nun habe ich provoziert, aber du bist weder auf meinen Erklärungsansatz eingegangen, noch hast du deine, den historischen Erkenntnissen nicht Stand haltende Aussage „Rußland, die Orthodoxie, Byzanz [ist] seit über 1500 Jahren der Gegenpol, der Erzfeind des “Westens”“ differenziert.

        • Es war eigentlich nicht meine Absicht hier eine ganze Geschichtsphilosophie zu schreiben, aber zwei Punkte will ich gerne machen. 1. Okhams Rasiermesser ist ein gefährliches Werkzeug, dessen Existenzrecht und Nutzen in der Logik ich nicht bezweifle. Es aber auf Lebendiges anwenden heißt schon immer Beschneiden, Amputieren, Töten. Das Gleiche gilt für seine Anwendung auf alles Geistliche, also dort wo Geister (ein bischen Provokation darf ich zurückgeben?!) miteinander kommunizieren, und auch das Geistige, sofern es sich ebend nicht aufs Formale selbst beschränkt, wie ebend in der Logik. Das gute Messer hat folglich in der Geschichte (die eigentlich ins Reich des Geistlichen gehört) nichts verloren, es kann dort notwendig nur Schaden anrichten. Also kurz, ich halte das Messer für ein unangemessens Instrument geschichtliche/politische Abläufe zu verstehen. 2. Falls du mit mir übereinstimmst, daß die Menschheit kein Hühnerhof ist, auf dem ein paar Gockel um Futter und Weibchen zanken (?), kannst du mir vielleicht auch folgen, wenn ich sage, daß das. was uns von den Hühnern scheidet, eben das Geistlich/Geistige ist: eine Idee verwirklichen, etwas Schönes/Nützliches schaffen, seinen Geist schulen, einen Kult pflegen, ein Unsichtbares symbolisch in die Sichtbarkeit bringen, eine Ordnung schaffen, einem Gott dienen…. In diese Sphäre gehört alles Geschichtliche. Die Rangeleien um Ressourcen sind dabei immer nur Bedingtes, Abgeleitetes. Meine obige Frage zielte mehr auf „Ideen“, den Geist der dahintersteht.

        • Nobilitatis

          Nein. Der Hühnerhof ist kein gutes Beispiel. Eher die Affenhorde in Konkurrenz zu anderen Affengruppen. Aber ansonsten genau dieselbe Problematik. Auf einem deutlich höheren Niveau. Und die Strategien sind deswegen ebenfalls komplexer. Dennoch läßt es sich auf dasselbe Grundproblem zurückführen. Allokation von Ressourcen. Und die Eliten, die treibenden Kräfte sind nur ein (wichtiger) Teil der Affenhorde.
          Die geistige Idee ist lediglich Teil der Strategie. Und hält die Affenhorde bekanntlich nicht davon ab, andere Horden mit derselben Idee zu unterwerfen. (Siehe dreißigjähriger Krieg)

        • Beinstuhl

          Die Messer-Metapher ist nett. Ich denke jeder wissenschaftlich geschulte, durchaus auch geisteswissenschaftlich, kann darauf eine Antwort geben. Auch Historiker ab dem vierten Semester. Kurz: es ist nichts als eine Methode um die Anzahl Forschungshypothesen zu reduzieren, das auch Anwendung in der Geschichtsforschung findet.

          Ich für meinen Teil begebe mich nicht gern auf dieses Gebiet, weil sich hier so wenig Greifbares findet und man dabei immer Gefahr läuft (schaut man sich im Internet nach solcherlei Dingen um), in die Beliebigkeit abzurutschen.

          Da du dich von Beiträgen, wie den meinigen, aber nicht von deiner Suche abbringen lässt, möchte ich dir sagen, was ich darüber weiß. Was die Richtigkeit und Widerlegbarkeit der Aussagen angeht, übernehme ich keine Verantwortung ;-)

          Vor 100 bis 150 Jahren zog sich durch westliche Eliten (besonders europäische) ein esoterischer Trend. Okkultes zog viele Teile der höheren Schichten an, man hielt Seancen ab und lauschte den Vorträgen von allerlei „Hellsehern“. Mit dem Bezug auf Hinduismus, Kabbala, Hermetik, Gnostik und Sufismus entstanden okkulte Schulen und Orden wie Golden Dawn, Ordo Templi Orientis (in dem Leute wie z.B. Aleister Crowley lernten) und die Theosophie. Vieles von dem, was man heute (m.E. fälschlicherweise) den Freimaurern zuschieben möchte, kann man hier tatsächlich finden. Grob gesagt ist diesen Strömungen gemein, dass sie von der Existenz unsichtbarer Mächte ausgehen, die Einfluss auf Entwicklungen auf der Erde nehmen. Diese unsichtbaren Mächte kämpfen nun wiederum gegen andere unsichtbare Mächte. Die genannten Orden zum Beispiel haben sich solchen Mächten verschrieben und kämpfen gegen die Orden, die sich gegnerischen Mächten verschrieben haben. Irgendwo hörte ich einmal, dass es zum Beispiel „feindliche Derwisch-Orden“ geben soll, gegen die „geistig angekämpft“ wird.

          Nach dieser langen Einführung zu deiner konkreten Frage bezüglich „Russland“ und dem „Westen“:
          Soweit ich weiß, vertrat die Theosophie (auf die sehr vieles der aktuellen europäischen Esoterik zurückführbar ist) die Auffassung, dass folgende Reihenfolge der Hochkulturen richtig („vorgesehen“) ist:

          1. Indien
          2. Persien
          3. Ägypter (mit Chaldäern)
          4. Griechisch und Römisch
          5. Mittel- und Westeuropäisch <- heutige Zeit
          6. Slawisch
          7. Amerikanisch

          Nun ja, die Welt sieht derzeit aber anders aus. Europa schwindet und obwohl es noch ca. 1000 Jahre "dran" wäre, sieht man (noch) wenig von einer slawischen, doch viel von einer amerikanischen Hochkultur (die derzeit aber auch schwindet). China kommt darin überhaupt nicht vor.

          Nun argumentieren theosophisch beeinflusste Okkultisten damit, dass dies eben die aktuellen Coups sind, die es zu bekämpfen gälte. Ein Amerika sei aktuell nicht dran, aber es klammert sich an die Macht. Gleichzeitig will es verhindern, dass die Hochkultur von Europa auf Russland übergeht, indem es Feindbilder nährt und Brücken wie Jugoslawien zerschlägt. Natürlich seien alle wichtigen Politiker ebenso dem Einfluss von unsichtbaren Mächten ausgesetzt und würden ihre Entscheidungen vom Willen der jeweiligen Strömung abhängig machen.

          Ich bin mir sicher, dass Okkultisten so etwas und ähnliches für bare Münze nehmen, jedoch halte ich ihren Einfluss auf heutige Politik für äußerst fraglich. In der Vergangenheit hatte insbesondere die Thule-Gesellschaft Einfluss auf Führungsfiguren des Nationalsozialismus (wenn man hier recherchiert, landet man so schnell bei UFOs, dass ich lieber bei Ockham bleibe). Die einzige effiziente Gruppierung die meines Wissens übrig geblieben ist, ist Scientology. Ihr Gründer, L. Ron Hubbard hat indirekt bei Crowley gelernt, der wiederum im Ordo Templi Orientis lernte. Ich halte Scientology aber nicht für eine ernstzunehmende okkulte Schule, sondern für ein ernstzunehmendes Unternehmen. Dennoch (und vielleicht gerade deswegen) hat dieses Unternehmen realen Einfluss auf US-Politik, welche regelmäßig die Bundesrepublik ob ihrer reservierten Haltung gegenüber des Hirnwaschunternehmens tadelt. Doch auch diesen Einfluss halte ich für geringfügiger als den der Waffenlobby oder der Schwerindustrie.

          Wenn man über solche Gruppierungen spricht, landet man schnell bei Rotschilds, Rockefellers, den Skull&Bones, Bilderberg-Konferenzen und der "jüdischen Weltverschwörung". Ein Zeichen dafür, dass die Welt nicht so aber nicht funktioniert ist der aktuelle Iran-Deal. Oder ist der nur ein Ablenkungsmanöver der jüdischen Weltverschwörer?

          Fazit:
          Es gibt Gruppierungen mit ideologischen Zielen, die nach Einfluss auf die Politik suchen. Es gibt Politiker, deren Handlungen ideologisch geprägt sind (Beispiel: George W. Bush dachte m.E. wirklich, dass er die heilige Pflicht zu Kreuzzügen hat). Ich glaube aber, dass der Ideologie dort Grenzen gesetzt sind, wo die Interessen der Geschäftstreibenden verletzt werden (ein Gegenbeispiel mag das dritte Reich sein).
          Ich denke die Interessen von Monsanto oder Boeing wiegen im Weißen Haus schwerer als die von Scientology oder den Mormonen. Genauso wie im Kreml die Interessen Gazproms schwerer als die der Orthodoxie wiegen werden. Einfluss auf Politik bedarf immer großer Finanzmittel. Natürlich kann eine Person mit dem nötigen finanziellen Gewicht (z.B. George Soros) auch ideologisch in die Politik eingreifen. Ich sehe es aber nicht als Regel.

          PS:
          Der Beitrag war besonders auf Okkultismus bezogen (da ich deine Beiträge so laß, als suchtest du in dieser Richtung). Viel klarere Einflüsse von Ideologie auf Politik sieht man am Beispiel Evangelikale und die USA und die Allianz von Christentum und Zionismus. Populäre evangelikale Prediger dechiffrieren die Bibel und weissagen, dass der Messias wieder kommt, wenn alle Juden in Israel sind (darum wird fleißig gespendet). Danach (oder davor?) kommt es dann zum dritten Weltkrieg, bei dem Iran+Russland gegen Israel+USA stehen. Solche Leute haben leider viele Schäfchen im Land der unbegrenzten Begrenztheiten. Den Iran-Deal haben sie dennoch nicht verhindert, also ist auch ihr Einfluss auf Realpolitik begrenzt.

        • Wir reden offensichtlich etwas aneinander vorbei. Nichts für ungut, aber wir sollten die Klärung nicht hier austragen. Vielleicht ergibt sich ja mal eine passende Möglichkeit.

        • Nobilitatis

          Ein Kreuzzug, der zur Vernichtung der Christen führt? Da tun Sie Bush unrecht.
          Ich halte die Verpflichtung auf das Ölgeschäft für entscheidender. Das ist etwas greifbares, nachweisbares. Kreuzzüglerische Handlungen der US-geführten Allianz hat es dagegen nicht gegeben. Deshalb klassifiziere ich solche Vermutungen als verschwörungstheoretisch.

  • Nobilitatis

    Nix persönliches, rein geschäftlich.

    • Schau auf das Ende von Gadaffi, schau auf die Auslöschung der Kennedys, die Ächtung der deutschen Kaiserfamilie nach WWI, die Ausrottung der Romanovs 1917… und dann sage mir das ganze nochmal: „nix persönliches…“

  • john schacher

    @ urkeramik
    die Antwort auf Deine berechtigte Frage liegt in Rom!
    so ein Schisma…

  • das sehe ich schon, Westrom-Ostrom, Katholizismus-Orthodoxie, was mir fehlt, ist, was diese Spaltung so unversöhnlich macht über so viele Jahrhunderte.

    • Fursow (Historiker) versucht ein paar Antworten in seinem bekannten Text. Es sind nicht Länder oder Völker, die untereinander unversöhnlich sind, es sind „Eliten“ und von ihnen repräsentierte Zivilisationen vor dem Hintergrund von Ressourcenverknappung. Sibirien ist fast die letzte Region, die nicht komplett erschlossen und ausgebeutet ist. M.a.W. handelt es sich wohl letztlich um eine Art evolutionären Überlebenskampf.

      • ich find Fursows Artikel schon ganz brauchbar, aber die Erzählung von der „Ressourcenverknappung“ ist auch so eineStory, mit der man in Köpfen herumschraubt um unter dieser schönen Überschrift die Machtkonzentration voranzutreiben. Seit ’72 geht in 10 Jahren das Öl alle – nur mal so als beispiel. Der Hinweis auf „die Eliten“ geht wohl in die richtige Richtung. Aber wer ist das und woran orientieren die sich?

  • Es wurde oben völlig zu Recht auf den bis ins Persönliche gehenden Vernichtungswillen hingewiesen. Es steht dahinter aber keineswegs der alte (eigentlich fast obsolete) Gegensatz Ostrom – Westrom. Natürlich gab es den, und leider hindert er immer noch griechische und lateinische Gläubige an der vom Herrn uns aufgetragenen Einheit – durch mentale Blockaden vor allem, behaupte ich.

    Doch der aktuelle (und dabei keineswegs junge) weltpolitische Ost-West-Konflikt ist etwas ganz und gar anderes und wurzelt fernab jedes kirchlichen Zusammenhangs.

    Der Haß der „westlichen Wertegemeinschaft“ trifft den Osten nur, insoferne er orthodox ist und auf die natürliche Familie baut. Derselbe Haß trifft aber auch im Westen – sogar noch ungleich heftiger im Alltag, weil die direkte Konfrontation gegeben ist – alles, was gläubig, was katholisch ist oder was auch nur an der natürlichen Familie als Fundament aller Gesellschaft und staatlichen Ordnung festzuhalten sich erdreistet.

    Derselbe Haß, der das alte Reich zerschlagen und zertrümmert hat und noch seine Nachfolger weiter verfolgte und vernichtete – namentlich Österreich-Ungarn, aber auch Bismarcks Großpreußen, in welchem noch zu viel Alteuropa in Potenz verblieben war –, derselbe Haß verfolgte und vernichtete auch das russische Reich und seinen gottgesalbten Zaren samt allen Nachkommen.

    Die Täter, die Hasser haben keine Wurzeln in irgendeinem christlichen Kontext. Wenn freilich die Gläubigen in West und Ost nicht begreifen, woher dieser Haß stammt, dann werden sie sich und ihre Kinder ihm ausliefern.

  • Gegensatz Ostrom-Westrom obsolet? An welcher Linie lief die Auseinandersetzung in Jugoslawien? Wo läuft sie in der Ukraine? Immer zwischen dem katholischen und dem orthodoxen Teilen. Der Haß der von Katholen und speziell Franziskanern unterstützten und beratenen Ustasha gegen orthodoxe Serben hat wo seine Ursache und warum wurde er vom Vatikan gestützt und gedeckt? Bandera und die UNA und ihre heutigen Nachfolger hatten und haben ihre Basis im katholischen Teil der Ukraine und wurden und werden romseitig gestützt. Warum? Warum plünderten katholische Kreuzfahrer Konstantinopel und bereiteten so die Okkupation duch die Seldschuken vor. Gab es da wenigstens mal eine Entschuldigung für? Irgendwo verbirgt sich hier im eindeutig „christlichem Kontext“ doch etwas sehr unchristliches. Kann man das benennen? Ist der Punkt auffindbar, an welchem „das Christentum“ durch welche „Eliten“ genau gekapert und zum weltlichen Machtinstrument gemacht wurde? Das Schisma zwischen Orthodoxie und Katholika wurzelt nicht im Christlichen, da gebe ich dir unbedingt recht, keine Kirchenteilung wurzelt im Christlichen, sondern ist immer Ausdruck des Abfalls vom Glauben. Genau wie übrigens auch der Drang zur kirchlichen Zentralverwaltung (mit Gruß an den Großinquisitor). Aber was, außer dem Engagement Einzelner und den Predigttexten, wurzelt in der Kirche noch im Christlichen? Den antichristlichen Hauptzug „westlicher“ Politik sehe ich durchaus, sogar als sehr zentrales Motiv. Aber warum ist das so, wer trägt das – bis hin zum tiefen Haß?

    • Du hast recht, „Urkeramik“, daß die kroatisch-serbische Grenzlinie grob entlang der Grenze zwischen Ost- und Westrom oder wenigstens zwischen lateinischem und byzantinischem Ritus verläuft.

      In der Westukraine dagegen liegen die Dinge schon komplizierter. Denn neben dem ukrainisch-russischen Gegensatz gibt es ebenso einen polnisch-ukrainischen, und da sind auf beiden Seiten „Katholen“. Und was ist mit dem tschechisch-slowakischen Konflikt? Dem deutsch-polnischen? Deutsch-slowenischen? Deutsch-französischen? Israelisch-palästinensischen? Amerikanisch-iranischen? Mit dem chilenisch-argentinischen?

      Wenn wir einmal ganz konkrete (Macht-, Einfluß-, Geld-)Interessen außen vor lassen, scheinen mir da stets moderne Ideologien dahinterzustehen, namentlich der neuzeitliche Nationalismus.

      Die Religion hat in nicht wenigen Fällen die Nationbildung befördert oder erst ermöglicht. Das gilt zum Beispiel von Kroatien und Serbien. In einigen Ländern aber ist die Religion eine ungute Verbindung mit solchem Nationalismus eingegangen. Ich denke besonders an Polen, Serbien und die Westukraine.

      Jedenfalls aber tragen die Konflikte zwischen diesen Völkern eindeutig den Stempel des Nationalismus, nicht der Religion.

      Sieht man sich die führenden Köpfe dahinter an, so findet man regelmäßig Leute, welche die (sei’s katholische, sei’s orthodoxe) Religion wenigstens ebenso hassen wie das Nachbarvolk, dazu nicht selten die auswärtige („schwarze“ oder „unsichtbare“) Hand, welche teilt, um zu herrschen.

      Nationen lassen sich aufeinanderhetzen, das sehen wir. Leider schützt davor augenscheinlich weder ostkirchliche noch westkirchliche Herkunft. Das liegt in der condicioni humanæ begründet. Interessanter ist aber die Frage, wer da die Völker aufeinanderhetzt. Wer Nationalismen schürt. Wer auf Teufel komm raus nicht ruhte, bis die alte Ordnung Europas vollends zerstört war und ihr letzter Rest in Jekaterinburg verblutete. Wer heute noch und gerade jetzt auszurotten trachtet, was in den Köpfen vieler noch – naturgegeben! – als Rest der alten Ordnung steckt: die christliche, ja als ihre Seinsvoraussetzung die natürliche Familie und Ehe.

      Nec plus ultra. quod scripsi scripsi.

  • Butterkeks

    Der Autor hat auch noch nicht ganz verstanden, was dieser „Raketenschild“ wirklich ist.
    Das ist kein System „für den Ernstfall“, das ist ein Erstschlag- System(„preemptive strike“), was den Erstfall erst ermöglicht. Bitte den Unterschied sehen.
    Das ist ein ganz klar offensives System, in Orwellscher Manier als „Verteidigungssystem“ verkauft.
    So wird das auch vom Russischen Militär und den Strategen gesehen, die lachen sich tot über diese dümmlichen Erklärungen der EUSSR und US Verbrecher

    • Hat er schon verstanden, denke ich. Ist ja nicht ganz blöd, der Mann.

  • Martin

    Erstschlag-System: Exakt. Und zwar, um die verbleibende Antwort auf einen westlichen Erstschlag zu neutralisieren. Das kann das System nämlich, im Gegensatz zum Abwehren eines russischen Erstschlags.
    Ost- und Westrom würde ich nicht bemühen, es ist viel einfacher. Der russische Einflussbereich erstreckt sich über die größte Landmasse der Erde, mit unermesslichen Ressourcen an Rohstoffen und Menschen. Dazu kommt der hohe Grad der Technologie. Wenn die Angelsachsen dieses Potential nicht zerschlagen können, ist ihre jahrhundertelange Dominanz sehr bald perdü, und zwar endgültig. Die Musik spielt dann von Mitteleuropa bis Ostasien.

    • @Butterkeks & Martin – Wartet mal, jetzt komme ich nicht mehr mit: „Erstschlag“-System zur Neutralisierung der Antwort auf einen westlichen Erstschlag?

      Mit all der Erfahrung der vergangenen Jahre, insbes. des „Arabischen Frühlings“, sehe ich ein mögliches Szenario etwas anders. Der Sinn dieser Installation ist es primär, Russland im nötigen Augenblick ein Ultimatum stellen zu können, mit Bedingungen, die es unmöglich ablehnen kann. Wie in Syrien zum Beispiel. Da hat niemand irgendwen bombardiert, aber Syrien hat unter der Androhung von Bombenangriffen seine gesamten C-Waffen ausgeliefert. Es wurde mit etwas gedroht, was Syrien nicht adäquat hätte beantworten können.

      Wenn man in Russland nun drei bis fünf „Rebellionen“ nach dem Muster derer in Tschetschenien vom Zaun bricht (und die Grundlagen dafür sind bereits weitgehend gelegt), ein paar Massendemos in den Großstädten sponsort, dann kann es jemandem einfallen, die Herausgabe der russ. Atomwaffen „in die internationale Kontrolle“ zu fordern, weil diese ja dann nicht mehr sicher sind bei der instabilen Lage. Der „Raketenschirm“ wäre dann auch eine zusätzliche Garantie gegen einzelne Generäle, welche einen solchen Befehl verweigern mögen.

      Das wäre jetzt nur ein Beispiel. Ein jedes Waffensystem arbeitet auch ohne jemals zu feuern, ab dem Augenblick seiner Installation.

      • Jones2theBones

        Richtig. – Allein durch ihre Existenz würde der russische Einfluss massiv verkleinert werden, denn schon die teilweise Negierung des MAD-Prinzips würde reichen.
        Zwar haben Russland (einschließlich Sowietunion) ihre nukleare Schlagkraft im Gegensatz zu den Amerikanern meines bescheidenen Wissens nach nur defensiv eingemünzt, während die Amerikaner der SU ein ums andere Mal sowie durch mehrere Präsidenten mit nuklearen Erstschlägen gedroht, und während der 40 diesen auch direkt vorbereitet hatten, und diese Drohungen haben auch oft gewirkt.
        Sie haben jedoch auch eine Grenze, wenn die Russen wissen, dass sie auch zu Vernichtung ihres Gegners in der Lage sind.

        Diese Gefahr war jedoch schon lange vorhersehbar & Russland hat auch schon die eine oder andere Antwort parat. Beispielsweise tuckern Topol-Raketen durch das Land und sollen durch ihre unbekannte Startposition dem Opfer ihre Abwehr schwer machen, während man bei den Borei-U-Booten auf eine Fertigstellung der Bulavaraketen wartet.
        Trotz ihres teilweisen Vorsprungs werden die Russen in einem Rüstungswettlauf langfristig das Nachsehen haben. Die westlichen Raketenabwehren sind zwar momentan miserabel, können jedoch nur besser werden.

        • Spion Stirlitz

          Mein bescheidener Senf hierzu:

          Die Antwort muss und wird auch vielschichtig sein. Das gesamte Thema rein auf Raketen-Startzeiten und technische Details zu reduzieren wird der Dimension nicht gerecht.

          Insofern ist die präemptive Sicherheitsstrategie, neben der Erforschung und Entwicklung verbesserter Raketen und neuartiger physikalischer Abwehrwaffen (Mikrowellen, IR-Technologie, HF-Laser, Tarnkappen, etc. etc.) v.a. in der Bekämpfung des Gegners mittels Subversion auf dem Boden zu suchen.

          Warum soll die RF abwarten, bis die „Technologien“ des Gegners auf russischem Boden greifen? Reines reagieren wird die Finanzmafioso aus Übersee nicht abwehren können. Zumal sie jetzt via diverser Al Quaida Derivate unendliches Potential an Orks für Kamikaze-Aktionen in den Weiten Russlands rekrutiert haben. Da werden keine Bulawa-Raketen auf U-Booten etwas gegen ausrichten können. Energische Entwicklungsarbeit bei Drohnen, Aufklärungstechnik, Grenzsicherungstechnik, neuartige Minen, Viren (Biowaffen!) die gegen bestimmte genetischen Sequenzen bei Orks optimiert wurden, ….

          Nochmal zu Al Qualamun: Wieso werden keine Schlangen, Ratten, Körbe mit Hornissen, oder als „chemische Waffen“ Ammoniak oder Buttersäure o.ä etc. in die Tunnelsysteme eingeleitet? Von mir aus auch Fäkalien via Tanklastzüge. Es gäbe soviel an Ideen die man ausprobieren könnte, irgendwie fehlt es der SAA an Kreativität. Die Orks kann man nicht nur mit Bomben und Granaten aus den Tunneln holen, das dauert eh zu lange.

          Auch psychologische Kriegsführung mit äußerst nervigen akustischen Signalen via Lautsprechern wären doch Möglichkeiten. Wenn man nicht mehr schlafen kann, weil die Ganze Zeit Quietschgeräsusche mit 100 dB via Lautsprecher in den Tunneln kreischen, …..

        • Nobilitatis

          Weil ein Tunnel seine Funktion verloren hat, sobald er lokalisiert wurde. Zur Bekämpfung greift man dann auf Vorhandenes zurück. Im Prinzip könnten die Orks aufgeben, sobald man sie gefunden hat, aber die wollen ja an ihre Jungfrauen ran.

        • …uuund weil die Kollegen von der Hisbollah Ahnung von Tunneln haben. Immerhin konnte es die Hamas von ihnen lernen (um es dann nicht nur in Gaza, sondern u.a. in Rif Dimashq und auch Qalamun anzuwenden).

        • Spion Stirlitz

          …Hamas ist ein gutes Stichwort. Was wird aus den Palis, wenn die Syrien-Tragödie vorbei ist? Die haben mit Bashar Ihren fast wichtigsten Unterstützer gegen die Söhne Zions verloren.

          Syrien wird sich vermutlich umfassend neu positionieren, wenn die Scheiße erstmal ausgestanden ist. Für die Palis wird Syrien nie wieder einen Finger krümmen. Die haben sich für Ihre sunnitischen Brüder entschieden – bitte schön! Viel Spaß noch, auf Wiedersehen!

          Zum Thema Qalamun lieber Nobilitatis: Die Tunnel im Bergmassiv müssen ja nicht mehr entdeckt werden, die sind dort drin, daß ist doch bekannt. So wie in Tora Bora auch.

          Das ist doch nicht das Problem. Die Frage war, wie man die Orks von dort herausbekommt, um sie mit Flammenwerfen, Snipern, Panzer- und Artelleriegranaten auf freiem Feld zerfetzen und abfackeln zu können. Darum mache ich mir Gedanken. Aber wahrscheinlich klappt es auch so.

          Danke.

        • Nobilitatis

          Und die Antwort war: Mit „konventionellen“ Mitteln. Sobald man vor dem Tunnel sitzt, hat der Ork verloren. Wie die Katze vor dem Mauseloch.
          Im Qalamun glaube ich sogar, dass die Offensive bewußt vor dem Winter gestartet wurde. Im Libanon sperrt das Gebiet Hisbolla/ die libanesische Armee, in Syrien die SAA/ NDF, bewohnbare Orte werden besetzt, wer seine Nase zeigt, wird erledigt und ansonsten hat sich das Problem bis zum Frühling erledigt. So ist, glaube ich, der Plan.

          Und die Palästinenser bestehen nicht aus der HAMAS. Die haben sowieso oft den Eindruck einer 5.Kolonne der Israelis erweckt. Der Widerstand ist breiter und Syrien versteht sich nach wie vor als Teil des Widerstands. Den werden die Zionisten irgendwann wieder stärker zu spüren bekommen, das Fenster für Verhandlungen über einen Palästinenserstaat schließt sich wieder. Die allgemeine Überzeugung ist, dass Israel keinen Frieden wünscht. Auf Herausforderungen müssen immer wieder neue Antworten gefunden werden.
          In dem Fall glaube ich, dass einem Siedlungsdruck durch eine Verschlechterung der Bedingungen entgegengewirkt werden wird. Das ergibt sich quasi natürlich. Man wird es wohl die 3. Intifada nennen.

        • Dike

          Spion, Syrien wird niemals den Kampf für die palästinensische Sache aufgeben. Als Teil der Achse des Widerstandes gegen Israel hat es sich dazu verpflichtet und wird dies auch weiterhin tun. Dieser permanente Widerstand und das Beharren auf der Durchsetzung der UN Resolutionen zu Palästina waren auch ein entscheidender Grund, warum Syrien überhaupt seit drei Jahren gegen internationale Terroristen kämpfen muss. Wie Nobilitatis richtig anmerkt, bestehen die Palästinenser zum Glück nicht nur aus Hamas. Nicht Syrien, sondern die Palästinenser werden sich umfassend neu positionieren müssen und sich von dem Schmutz in den eigenen Reihen befreien, ihre Spaltung überwinden und ihren Kampf gereinigt und vereint fortsetzen. Hoffentlich! Sonst war alles umsonst. Aber Syrien wird ganz sicher in Zukunft alle Beziehungen zu wem auch immer prüfen, prüfen, prüfen. Syrien ist auf „gute Freunde reingefallen und hat bitter bezahlen müssen. Insofern stimmt Neu-Positionierung natürlich schon. Das Misstrauen

          Frederic Pleitgen von CNN hat ein Interview mit Faisal Mekdad geführt. Konnte leider den link nicht finden. Laut Mekdad werden alle Beschlüsse zur Zukunft Syriens in einem Referendum durch das syrische Volk entschieden. Mekdad sagte, dass genau davor die Opposition Angst hat, weil sie weiss, dass das Volk nicht hinter ihr steht.

          Sieh an sieh an. Es scheint gerade so, als ob die Türkei massiv die Annäherung an den Iran sucht. Der türkischen Regierung kann man nicht trauen. Ich hoffe, dass die Syrer misstrauisch bleiben.

          http://german.irib.ir/nachrichten/politik/item/232178-davutoglu-sanktionen-gegen-iran-haben-der-t%C3%BCrkei-sch%C3%A4den-zugef%C3%BCgt

          http://german.ruvr.ru/news/2013_11_27/Iran-und-Turkei-rufen-zu-Waffenruhe-in-Syrien-vor-Friedenskonferenz-in-Genf-auf-1506/

  • Martin

    @apxwn – hört sich zunächst mal nicht gerade logisch an, macht aber durchaus Sinn. Die Fähigkeit zum totalen Sieg mittels nuklearem Erstschlag streben die USA seit 1945 an. Die dazugehörigen Strategien und Entscheidungen sind historisch belegt.
    Was braucht man für so eine Strategie?
    – Nukleare Angriffswaffen, die die Kontrollzentren und vor allem die Kapazitäten für einen Vergeltungsschlag soweit wie möglich sofort ausschalten können: Sehr kurze Vorwarnzeiten (Mittelstreckenraketen 1960 in der Türkei, 1982 in Europa, U-Boote mit Nuklearwaffen vor der pazifischen Küste der USSR), genügend und zielgenaue Angriffswaffen (Zielkonflikt Wirksamkeit gegen globale Auswirkungen).
    – Wirksame Optionen für den Gegenschlag: Ein Erstschlag kann die Fähigkeit zum Gegenschlag nicht vollständig eliminieren. Bereits wenige noch wirksame Interkontinentalraketen können per Abschreckung die Erstschlagsoption inakteptabel machen. Dafür ein „Raketenschild“. Das kann zwar nachgewiesenermaßen nie und nimmer einen größeren Angriff abwehren, wohl aber wenige verbleibende Interkontinentalraketen nach einem Erstschlag in der Startphase zerstören.

    Deshalb: Das „Raketenschild“ ist ein Erstschlagsystem, dass sich allerdings gut als Verteidigungswaffe verkaufen lässt. Nichtsdestotrotz ist es ein integraler Bestandteil einer Erstschlagoption und damit Angriffswaffe – durch das einseitige Drohpotential noch dazu auch ohne es wirklich einsetzen zu müssen.

    http://www.foreignaffairs.com/articles/61931/peter-c-w-flory-keith-payne-pavel-podvig-alexei-arbatov-keir-a-l/nuclear-exchange-does-washington-really-have-or-

  • littleguerillero

    Auch wenn viele der Beiträge hier, mir neue interessante Blickwinkel eröffneten, teile ich die Erstschlagstheorie nicht. Offene Rüstung war und ist immer Politik, welche nicht zwangsläufig zum Krieg führt.
    „Rüstungspolitik“ ist nicht anderes als Wirtschaftskrieg…..
    Rüstungsprojekte wie die Atombombe, SDI oder das Raketenabwehrschild, sind Programme, welche ein massives Gegenprogramm aktivierten. Der „Westen“ unter Busch , wollte Russland abwickeln und war auf einen „guten“ Weg.
    Mit Putin setzte ein massiver Verlust der Kontrolle des Westens auf die Wirtschaft Russlands ein, der Ochse welcher schon im Stall schien, wurde nun zum Stier. Betriebe, Bodenschätze, Medien rückgeführt…
    Das von Bush gestartete Abwehrschild, ist eine Versuch die Finanzen Russlands über zu strapazieren.
    Obama bremste den Ausbau ein, die USA wie Europa sind pleite….

    • Martin

      @littleguerillero
      Natürlich ist Krieg fast immer zu allererst ein Wirtschaftskrieg. Das heisst aber überhaupt nicht, dass ein heisser Krieg mit Massenvernichtungswaffen nicht geplanter Teil dieses Wirtschaftskriegs ist, ganz im Gegenteil. Krieg ist ein integraler Bestandteil des Umgangs mit kollidierenden wirtschaftlichen Interessen (und dazu auch noch ein Geschäft). Schließlich ermöglicht Krieg Kontrolle im inneren wie über äußere Gegner.
      Natürlich hat ein Atomkrieg extreme Risiken, die denkbare Ziele relativieren oder unerreichbar machen. Seine Vorbereitung ist und bleibt ein gigantisches Verbrechen. Seit dem Waffentest in Hiroshima und Nagasaki weiss man aber, dass der Massenmord mit nuklearen Mitteln sehr real sein kann, und seit damals gab es mehrere Situationen, in denen der menschengemachte Weltuntergang nur um Haaresbreite nicht stattgefunden hat.
      Es ist keine Erstschlags“theorie“, sondern eine historisch belegte Strategie, die schon mehrfach fast umgesetzt wurde und die nachgewiesenermaßen vorbereitet wird. Es gibt überhaupt keinen Grund zur Beruhigung.

      • littleguerillero

        Ich weiß das aktuell kein Grund zur Beruhigung vorliegt…gezündelt wird ja überall. Aber seit den WWII ist auch klar, diese überlegenden Systeme (damals Wunderwaffen) sind in erster Linie nichts anderes als Säbelrasseln, eine Blendgranate welche den Gegner zu kostenintensiven Gegenmaßnahmen zwingt. Man kündigt die wirklich relevanten Systeme, die einen Krieg möglich machen könnten, aber nicht lange vorher an.
        Alles was man z.B. im Baltikum aufbaut , könnte man auch gleich zur Analyse nach Sankt Petersburg schicken. Diese Projekt schadet finanziell Russland wegen der Gegenmaßnahmen und Europa wegen der Anschaffung, darin besteht der Gewinn für die USA. Das die immer an was basteln, was die Vorherrschaft wieder gewährleisten soll, steht außer Frage.

  • littleguerillero

    …das „Abwickeln“ bezog sich auf die Jelzin Zeit….

  • Jones2theBones

    Martin hat recht, aber auch Guerillero liegt nicht ganz falsch mit der Aussage, dass es sich ein Stück weit um Politik handelt.

    Generell sind Politik, Militär (Clausewitz: Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln) und Ökonomie untrennbar verbunden; die Rüstungswettläufe immer auch Wirtschaftswettkämpfe und müssen nicht zwingend im Krieg münden, sofern der Verlierer vorher schon nachgibt.

    Ebenso Fakt ist, dass die Amerikaner vorhatten, mit einem nuklearen Erstschlag die Sowjetunion zu überrumpeln. Die auffällig nah aneinander liegenden Daten der Gründung beider Deutschländle, der Allianzenbildungen NATO & Warschauer Pakt einerseits sowie die Zündung der ersten sowjetischen Atombombe andererseits sehe ich als Zeichen dafür, dass die Westmächte ein Stück weit die Hoffnung verloren, die Sowjetunion auf absehbare Zeit stürmen zu können. Die Vorbereitungen auf einen heißen Krieg (die schon im zweiten Weltkrieg begannen, während die Nazis mit der Hoffnung, sich mit den Westmächten gegen die „Mongolen aus dem Osten“ trotz aussichtsloser Lage weiterkämpften) hörten jedoch nie auf.

    Aufgrund ihrer Aggressivität sind wir schon mehrfach an einem Atomkrieg nur knapp vorbeigeschrammt, bespielsweise damals, als man während der Kubakrise ein mit Atombomben ausgerüstetes sowjetisches U-Boot angriff und zum Auftauchen zwang.
    Es gibt gleich mehrere Russen, die die Erlaubnis zum atomaren Angriff hatten, ohne sie zu nutzen.

    Sowohl jetzt, als auch für die Zeit nach dem MAD-Frieden könnte man meinen, dass aufgrund der gravierenden Folgen eines Nuklearkrieges die Westmächte sich auf das politische & ökonomische Ummünzen des Vertrages beschränken würden: Dem ist höchstwahrscheinlich leider nicht so, denn es gibt genug Indizien für das Gegenteil.

    Beispielsweise die fortgesetzte Aufrüstung der NATO mit taktischen Nuklearwaffen, die neuerdings gar an Fahrt zunimmt.
    Weil die Eurofighter dieser Aufgabe nicht gerecht werden, lässt die Bundeswehr im Rahmen ihrer „internationalen Verantwortung“ die Tornados quasi bis zur letzten Schraube weiterfliegen.
    Auch der Iran würde im Falle eines Angriffes höchstwahrscheinlich mit nuklearen Bunkerbustern traktiert werden.
    Auch der vielleicht tägliche Einsatz von depleted Uranium & wahrscheinlich auch angereichertem Uran, dem die Natur, die Zivilbevölkerung & die eigenen Soldaten zum Opfer fallen, beweisen, dass der Westen hier keine Skrupel kennt.

  • Jones2theBones

    Noch mein Senf zu den 1500 Jahren:

    Ich komm auf Teufel-komm-raus nicht auf diese Zahl…
    – Ab 862 beherrschte Rurik Novgorod, also vor 1151 Jahren. Erst ab dann kann man von Russland sprechen.
    – 1054 war das Schisma, also vor 959 Jahren. Erst ab dann kann man von „Orthodoxie“ im Sinne zweier getrennter katholisch-orthodoxer Kirchen sprechen.
    – Das einzige, wo mir vor ca. 1500 Jahren einfallen würde, was auch nur annähernd dazu passen würde, wäre der Fall Westroms.
    Allerdings kann da von einem Ost-Westgegensatz keine Rede sein. Das kann man frühestens ab 800 mit der Krönung des Franken Karls des Großen zum Westkaiser, also vor 1213 Jahren.

    Richtig wäre aber, zwischen Katholisch-/Orthodoxem Gegensatz sowie dem West/Russland Gegensatz.

    Letzteres gibt es seit ungefähr 1770.
    Wurde Russland früher von den Briten als strategisch wichtiger Handelspartner wahrgenommen, dessen Erstarken für die Briten vorteilhaft war, änderte sich dies im russisch-osmanischen Krieg.
    Russland hätte schon damals den Panslawismus wiedereinführen, Konstantinopel & die früher byzantinischen Gebiete befreien können, doch französischer, österreichischer, britischer und später auch preußisch/deutscher Druck haben das bis heute verhindert.
    Es folgen Dinge wie The Great Game, Krimkrieg, die 3 Revolutionen 1905 & 1917, Sowjetunion, Kalter Krieg, die alle eine Kontinuität darstellen, aber auch die Angelsachsen einerseits & Russen andererseits stets kooperieren ließen.

    Moltke, der in den 1830ern den Osmanen als Berater diente, hat sich hierzu recht fein formuliert:
    „Es ist lange die Aufgabe der abendländischen Heere gewesen, der osmanischen Macht Schranken zu setzen. Heute scheint es die Sorge der europäischen Politik zu sein, ihr das Dasein zu fristen.“