Ausnahmezustand vs. Umsturzversuch

Revolutionsstab, ehem. Stadtparlament Kiew

Revolutionsstab, ehem. Stadtparlament Kiew

Ab dem morgigen Montag kann für das Territorium der Ukraine der Ausnahmezustand verhängt werden.

Wenn die ukrainische Regierung sich zu diesem Schritt entschließen sollte, so würde das bedeuten, dass sie es nicht beabsichtigt, eine Wiederholung des Spektakels von 2004 zuzulassen. Die Opposition müsste sich dann die Frage stellen, ob sie den Konflikt auf die harte Tour weiterbetreiben will – mit dem Ziel eines Umsturzes. Noch ist nicht ganz klar, ob sie dieses Risiko eingehen will, obwohl die Lage in der Ukraine de facto bereits Anzeichen eines Umsturzversuchs aufweist. Das Risiko für die Umstürzler wäre, dass sie beim Mißlingen eines solchen Ansinnens bald Timoschenko Gesellschaft leisten würden.

Der Ausnahmezustand würde aber auch für die Regierung den Verzicht auf irgendwelche möglichen Kompromisse bedeuten. Noch droht Janukowitsch nicht unbedingt das Schicksal Gaddafis, aber alles andere würde er nach Einführung eines Ausnahmezustands zu kosten bekommen.

In einer solchen Situation wird die Loyalität der höheren Staatsbeamten kritisch wichtig, insbesondere aber natürlich der Gewaltorgane. Die Handlungsfähigkeit der Regierungsbehörden ist der Schlüsselmoment im jetzigen Zustand der ganzen Geschichte.

Denn:

In jeder beliebigen Sprache und in jedem Land der Welt nennt man das, was in diesen Bildern zu sehen ist, “bewaffnete Banden”. Es ändert gar nichts an dieser Tatsache, dass sie mit Schlagstöcken und noch nicht mit Feuerwaffen bewaffnet sind.

"Erstick an deinem Tannenbaum!"

„Erstick an deinem Tannenbaum!“

Wie 2004, so handelt es sich auch bei den jetzigen Ereignissen um die Symptome einer Demontagetechnologie. Die Meute auf der Straße braucht jetzt eines – ein Opfer. Und arbeitet zielgerichtet darauf hin. Die Liveticker sind voller blutig geschlagener Köpfe, und irgendwo flimmerte auch ein kleines Mädchen vorbei, das natürlich von den Satrapen des Regimes geschlagen und daran später im Krankenhaus gestorben sei. Ob es dieses Mädchen wirklich gab, ob es gestorben ist – keiner weiß es sicher. Aber wenn sie eins brauchen, killen sie eben eines, oder schneiden ihm den Kopf ab. Für die heilige Sache ist niemand zu schade. Wenn selbst Selbstmorde hoher Staatsbeamter mittels zweier Kopfschüsse in der Ukraine niemanden wundern, so ist es ein Klacks, irgendein unbekanntes Mädchen für diese Show aufzutreiben und entsprechend zu präparieren.

Die Maschinerie der Propaganda ist jedenfalls massiv angelaufen, bezeichnend dafür Artikel wie “Berkut – Janukowitschs Sturmtruppen” (vor gar nicht so langer Zeit stand in diesen reißerischen Meldungen der Name eines anderen Präsidenten und “Schabiha”), aber die Krönung kam heute aus Polen: das polnische Außenamt protestiert gegen die Mißhandlung von polnischen Staatsbürgern bei den Unruhen in Kiew und fordert eine Stellungnahme.

Was genau polnische Staatsbürger bei den Zusammenstößen in Kiew zu suchen hatten, wird nicht näher beleuchtet. Wie man im Tumult und Handgemenge einen Polen von einem Ukrainer zu unterscheiden hat, wird im Statement des polnischen Außenministeriums ebenso nicht erwähnt.

“Europa” kratzt schon mit den Krallen am Parkett, tropft Geifer, verurteilt und ist kurz vor einem großen Brüller. Jetzt wäre die Zeit, die Eindrücke etwas zu vertiefen; und womöglich haben die Regisseure schon die Fotos der vorab zum Abschuß ausgewählten Opfer vor sich liegen. Oder sie improvisieren dann. Zum Glück geht die Herde gehorsam von allein auf das Schlachtfeld, die Auswahl wäre also groß genug.

Protest gegen das Janukowitsch-Regime

Ziviler Protest gegen das Janukowitsch-Regime

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  • peter

    Videos, die man gesehen haben sollte, aber die in den Medien nicht erscheinden „dürfen“
    Um die Lenin-Statue:
    http://www.youtube.com/watch?v=ig2tjGfoS5M

    • Naja, in unseren Nachrichten war schon von „Randale“ die Rede. Und eine „gemäßigte Opposition“ hat die auch verurteilt. Ändert erstmal nichts an der Planmäßigkeit dieser noch-nur-„Randale“.

  • walter

    Hier sehen wir vorsätzliche Reaktionen der EU auf den Entscheid der Ukraine, die Assoziierung (vorerst) auf Eis zu legen. Es ist offensichtlich, dass Janukowitsch zu weiteren Handlungen provoziert werden soll. In welche Richtung und zu welchem Zweck ebenso. Die Vorstufen zu bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen werden geschaffen. Welche Optionen hat nun die Ukraine? Jede Aufrechterhaltung der Staatsgewalt führt genauso wie ein Nachgeben zur Entmachtung der jetzigen Regierung. Die Zeit des Lavierens ist nun vorbei. Janukowitsch wird schnell Farbe bekennen müssen und braucht dazu Verbündete innerhalb und außerhalb des Landes.
    Oder er riskiert eine Teilung des Landes mit höchst problematischer Zukunftsbasis für alle Beteiligten.
    Das Ziel der EU kann eine Teilung nicht sein. Sie braucht keinen maroden Westteil ohne Zugang in den kaspischen Raum. Daher könnte genau diese Karte die EU davon abhalten, ihren Hauptanteil an den Ausschreitungen zu überlegen.

  • die angloamerikanischen Eliten, die hier die EU und die Ukraine pushen, haben kein Interesse an einer irgendwie „starken“ Ukraine, die Ukraine wäre ein weiterer Klotz am Bein der EU, was denselben nützen würde. Rußland ist das einzige involvierte Land, das aus Eigennutz eine starke Ukraine wollen muß. Als Außenstehender frage ich mich immer, wo für die Ukrainer da Unklarheiten bei der Wahl bestehen? Die Lemberger mögen ja noch den Eindruck haben, daß es egal ist, ob die Ukrainische Industrie entgültig ins Tal wandert, aber die Kiewern doch wohl nicht mehr. Auf jeden Fall bewirkt die Situation, daß die ukrainischen Eliten nun aus ihrem Schaukelstuhl rauskommen müssen, wenn sie das Land nicht ins Chaos gleiten lassen wollen. Rußland hat mMn erstmal keine aktive Option.

  • Enis

    Was da abgeht erinnert mich an die 90er Jahren nach dem Verfall des Ost-Blocks. Die Menschen dachten der Westen in Form von Messias wird sie zum Glück erlösen. Das Lied go West war ein Bestseller. Dann kam die grosse Ernüchterung mit der Rückbesinnung. Ich denke eine wegweisende Volksbefragung wäre daher angebracht. Bei einem Ja für die EU, kann dann das Volk einfach jeden Morgen vor der Haustür warten, bis das Geld runterregnet.
    Ich denke die Russen werden in den nächsten Jahren auf einige geopolitische „Kriege“ gefasst machen! Sie werden richtig eingeengt!

    Ich zitiere wieder neuste Aussagen Assads:
    “I heard directly from the Russian leadership that they stand alongside Syria to defend Moscow and not just Damascus.”

    Weit vor dem eigenen Tor fängt eine gute Verteidigung. Ich bin überzeugt die Bären sind sich das bewusst.

    • walter

      @Enis
      geh auch davon aus, dass Putin und der gesäuberte Staatsapparat die Dinge so sehen. Und wenn eine wahnsinnige Nato die Tür zu Moskau doch einschlagen versucht, werden wir wissen, was zu tun ist. Gladio einmal anders herum.

    • Gassner

      Ich warnte in Rumänien die Leute schon 1986 vor den möglichen wirtschaftlichen Konsequenzen einer westlichen Übernahme und ich war und bin immer ein Antikommunist gewesen, sie haben mich angesehen als wäre ich ein Irrer.

  • MüllerThorgau

    Das ist doch bestelltes Theater! Lächerlich! Wer die ukrainischen Sicherheitskräfte kennt, der weiß eigentlich, dass nur ein paar lebensmüde Gestalten so etwas vom Zaun brechen könnten. Das ist bestellter Terror – vermutlich sogar von Regierungsseite. Alle schön vermummt und die Handykameras laufen für Lewtube. Sehr professionell.

  • Jones2theBones

    Das mit den Schwarmverhalten ist ja fast eine Wissenschaft für sich, und Menschen- wie Fischschwärme sind trotz fehlender Organisation zu beachtenswerten Manövern in der Lage.
    Aber nicht zu sowas, was gerade in Kiew und in Bangkok abgeht.
    Dass die Leute sich aufteilen und gleich mehrere Orte auf einmal stürmen, etc. etc.
    Damit ist natürlich nicht bewiesen, dass der Westen da seine Finger im Spiel hat (bei der Ukraine jedoch sehr wahrscheinlich), aber mindestens die Orangenen Polenfreunde haben sicher über Facebook et al. eine Form von Organisation am Laufen.

    Dabei wird auf gut Deutsch auf den Willen des Volkes geschissen.
    Welche Aussagekraft haben die Demonstrationen von 200.000 Leuten?
    Keine! Kiew, der Osten & der Süden sind mehrheitlich russischsprachig & russophil & viele Demonstranten werden aus dem Westen kommen.
    Dass auch einige polnische Scharfmacher die Gelegenheit nutzen und über die Grenzen fahren, ist ebenfalls zu erwarten.

    Auf ganzer Linie wird ein Schlammkrieg geführt und kein Trick ist zu faul.
    Man lügt den Leuten vor, bei einem EU-Beitritt bekommt jeder 950€ Grundrente zugesichert und kann dann frei über die Grenze in den Westen fahren & Arbeit finden, man versucht zum zweiten Mal den Gewählten mit Gewalt aus dem Amt zu jagen!
    2004, 2006, 2007 & 2010 hat er bislang jedes Mal gewonnen.

    Ich bin weiß Gott kein Fan von Wahloligarchie, aber die Selektivität der Anhänger der „parlamentarischen Demokratie“ kotzt mich an!
    Wenn Moral gut ist, ist Doppelmoral dann doppelt so gut?

    Dann noch der Umstand, dass über 50 Polizisten schon im Krankenhaus gelandet sind. Sind die keine Bürger? Haben die kein Recht auf körperliche Unversehrtheit? Ich wünsch den Tätern 10 Jahre Lagerhaft!

  • Enis

    @Jones
    Gibt es nicht die Möglichkeit Busse zu organisieren, „improvisierte“ Grenzen zu öffnen und diejenigen die nach Brüssel auswandern wollen mit einem geschenkten one-way Ticket verabschieden?

    Am Einfachsten wäre ein Referendum, falls das ganze Volk das will, dann komplett nix wie rüber! Was sind das für angebliche ukrainische „Nationalisten“ dabei, die angeblich ums verrecken in die EU fahren wollen??

    Mann ist die Menschheit verrückt, während wir für Souveränität und Unabhängigkeit in Syrien kämpfen, wollen die anderen in die Knechtschaft.

    • Jones2theBones

      Im Moment tun eher die Polen zum Protestieren in die entgegengesetzte Richtung fahren.

  • Dike

    Und Deutschland fiebert mit seinem ukrainischen Recken Vitali Klitschko, der sich auch für die nächsten Präsidentschaftswahlen aufstellen lassen will.
    Die Polen sind sozusagen einer der engsten Verbündeten der Amerikaner. Es ist erschreckend zu sehen, wie der absurde Wunsch geweckt wird, unbedingt Teil Europas zu werden, obwohl es an allen Ecken und Enden kriselt und doch alle das Schicksal vieler europäischer Staaten vor Augen haben. Der Mob macht mit bei den Protesten, nicht wissend, dass er von bezahlten Banden aufgestachelt wird um die Situation eskalieren zu lassen. Wie in Syrien. Was hat denn die Ukraine von einem Beitritt? Das Ziel der Anwerbung ist das Vorrücken bis zu den Toren Moskaus. Russland ist bald umzingelt und Zugang zum europäischen Markt wird von der Gunst feindlich gesinnter Nachbarstaaten abhängig. Und dann wird es auch ein Leichtes werden, überall in Russland Unruheherde zu schaffen bis es zum großen Zusammenbruch kommt. Statt dass aus Europa ein echter Gegenpol zu Amerika geschaffen wird, hat man alle europäischen Staaten ihrer Unabhängigkeit beraubt und geschwächt.

    • Nobilitatis

      Ein Assoziierungsabkommen ist gerade KEIN Beitritt. Solche Abkommen wurden mit Norwegen und der Schweiz geschlossen.
      Die EU ist auch nicht die NATO.
      Ich glaube nicht, dass die Ukraine von einer wirtschaftlichen Unterordnung unter Rußland profitieren kann. Siehe Weißrußland (Belarus).
      Aber zur rationalen Entscheidungsfindung gehört auch eine Zielvorgabe. Die Ukraine sollte dringend die Abhängigkeit von Öl und Gas verringern.

      • Das Assoziationsabkommen wäre die Unterordnung unter EU-Jurisdikation. =Auifgabe großer Teile der Souveränität. Es wäre auch Öffnung des Marktes zu den Konditionen der EU. = Weitgehender Zusammenbruch der inländischen Industrie, darausfolgende Arbeitslosigkeit, Einverleibung der Filetstücke durch die Industrie des Westens, Abwickelung des Restes. Die Russische Position hat im übrigen, im Gegensatz zu der der EU, recht wenig mit Erpressung, aber ganz viel mit dem Schutz der eigenen Industrie zu tun. Die würde nämlich aufgrund der immer noch hohen Verflechtung, als für den Westen erfreulicher Kollateralschaden, gleich mit in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Ukraine und Rußland waren schon immer ein Wirtschaftsraum, sind miteinander aufgewachsen. Lediglich die Westukraine, weil lange Zeit litauisch/polnisch und k.u.k geprägt, macht da die Ausnahme. Aber dort ist ebend die ukrainische Industrie nicht zu Hause. Wer eine starke Ukraine will, der muß die Verflechtung der russischen und der ukrainischen Industrie stärken, denn sie ergänzen sich, sind zu einem beträchtlichem Teil aufeinander angewiesen. So gesehen hat die Ukraine gar keine andere Option.
        Dazu kommt, während sich die Ukraine sich zu allerhand verpflichten sollte, hat die EU überhaupt keine Verpflichtungen in Hinsicht des Wohles der Ukraine übernehmen wollte.
        Das ganze Theater, und das ganz unabhängig von den persönlichen Motivationen der Leute auf der Strasse – Gründe die Regierung davonzujagen haben die Ukrainer tatsächlich reichlich, dient einzig der Schwächung Rußlands, die Ukraine ist dabei Kollateralschaden den man gerne in Kauf nimmt, da er Absatzmärkte für die Westwirtschaft erschliesst.
        Die Ukraine wird sich entscheiden müssen entweder ein unbedeutender Staat am Rande des Westens zu werden und ihr Geld damit zu verdienen, das man sich als Aufmarschgebiet gegen Rußland prostituiert, oder gemeinsam mit Rußland an einer möglichen Wiederbelebung des slavischen Kulturraums zu arbeiten. Im Gegensatz zu früheren Zeiten wird bei der zweiten Option ihre politische Unabhängigkeit dabei diesmal gewahrt bleiben können.
        Deshalb gibt es, vom nationalen Interesse der Ukraine her gesehen eigentlich nur eine vernünftige Wahl. Wenn allerdings Klitschko schon mal die USA aufruft Konten von Politikern und Beamten im Westen zu sperren, dann weißt du wo das Hindernis zur Vernunft liegt.

        • Nobilitatis

          Sie argumentieren wirtschaftlich auf dem Niveau des Merkantilismus. Ich sehe in wirtschaftlicher Öffnung per se nichts schlechtes. Sonst hätte Deutschland mit der Eröffnung des Europäischen Wirtschaftsraumes pleite gehen müssen. Oder aber den Rest Europas beherrschen.
          Ganz im Gegenteil, ich wünsche mir eine Öffnung der gesamten europäischen und russischen Märkte zu gegenseitig gleichen Bedingungen. Ohne Verzerrungen durch Subventionen, einseitige Regeln usw.
          Um einen obigen Satz zu persiflieren, die Ukraine sollte keine Verpflichtungen in Hinsicht auf das Wohl der EU übernehmen. Und das Interesse der Ukraine ist es nicht, ein unbedeutender Staat am Rande Rußlands zu sein. Und dafür zu zahlen, Teil des slavischen Kulturraums zu sein.

      • @Nobilitatis: „Aber zur rationalen Entscheidungsfindung gehört auch eine Zielvorgabe. Die Ukraine sollte dringend die Abhängigkeit von Öl und Gas verringern.“

        Das versucht sie. Zumindest, was den Import angeht (mal ungeachtet dessen, dass die Ukraine mit Russland bis 2037 ein Importabkommen über Erdgas hat). Daher die ganze Aktion mit dem im vorigen Artikel zur Ukraine bereits erwähnten Schiefergas. In der Praxis sieht das so aus, dass Shell in der Westukraine, Chevron in der Ostukraine bohrt. Die Verteilung des Erlöses (so es ihn geben sollte) aus der Förderung von Schiefergas erfolgen nach dem Schema 70/30 – 70% an Shell/Chevron und Europa, 30% Ukraine (Quelle).

        • Dike

          Der Artikel ist von Juni 2012. apxwn ist das noch aktuell?

          Ukraine will katarisches Erdgas in Polen über das künftige Flüssiggasterminal kaufen. Der Kampf um die Absatzmärkte tobt. Angeblich steht auch Azerbaidjan als Lieferant zur Wahl während Russland die Ukraine in die Eurasische Wirtschaftsunion einbinden will.

          Nobilitatis, wozu, wenn nicht zu einem künftigen Beitritt soll das Assoziierungsabkommen dienen? Man mag es nennen wie man will, es ist und bleibt eine Mogelpackung.

          An alle, in der Ukraine leben ca 37 Millionen Menschen. Wie viele kann man davon als Gegner der jetzigen Regierung zählen?

          http://de.ria.ru/business/20120607/263742377.html

        • Das haben wir hier damals auch besprochen: Artikel „Soljanka aus Katar“ sowie „Speck für Gas“.

          Insoweit es darum um den katarischen Erdgas-Zugang nach (Mittel- und West-) Europa über das ukr. Pipelinenetz geht, halte ich das für nicht mehr aktuell.

        • littleguerillero

          Dieser Verteilerschlüssel kommt mir bekannt vor…Russland unter Jelzin,
          auch als „PSA Gesetz“ bekannt. Es gibt ja diese Doku über Putin dazu.

  • Nobilitatis

    Die Ukraine besteht aus 2 Teilen. Einem russophilen und einem ukrainischen Teil. Ich weiß nicht genau, inwieweit eine ungeteilte Ukraine Konsens im Land ist. Es gibt für die Ukrainer sehr gute Gründe, sich nicht zu stark an Rußland anbinden zu wollen. Schauen Sie mal in ein Geschichtsbuch. Aber besser nicht in ein russisches.
    Die polnischen Staatsbürger sind auch ukrainische. Sie sind ethnische Polen und haben, wie Deutsche in Polen, einen polnischen Pass erhalten. (Siehe: Westverschiebung Polens) Selbstverständlich kann man von den Sicherheitskräften nicht verlangen, den Pass dessen zu kontrollieren, der gerade verprügelt wird.
    Wenn die Ukraine den Weg Weißrusslands einschlägt, kommt es nicht auf das konkrete Verhalten oppositioneller Spitzenpolitiker an. Egal, wie man zur Person der Regierung Timoschenko steht, die Verurteilungen der Amtsträger (nicht nur Timoschenko selbst) waren juristisch lächerlich. Und nur in der Person begründet. Eine Lösung kann nur in normaler Oppositionsarbeit bestehen. Die muss Janukowitsch zulassen. Wenn eine Hälfte der Ukraine gegen eine EU-Anbindung ist, muss man das respektieren. Aber eben auch, dass die andere Hälfte gegen eine Rußland-Anbindung (noch dazu eine erpresste) ist. Die Ukraine ist so groß, sie sollte in der Lage sein, zwischen beiden Blöcken unabhängig Politik und Wirtschaft zu betreiben.

    • walter

      @Nobilitatis
      „Egal, wie man zur Person der Regierung Timoschenko steht, die Verurteilungen der Amtsträger (nicht nur Timoschenko selbst) waren juristisch lächerlich. Und nur in der Person begründet.“

      Das ist natürlich exakt jenes Bild, dass den Massen im „Westen“ suggeriert wurde und wird. Doch Vorsicht ist angebracht:
      Als im Winter 2008/2009 es abermals zu Gas-Liefer/Preis/Entnahme/Transit-Streitigkeiten zwischen Russland und der Ukraine kam, haben Deutschland (Merkel) und andere europäische Staaten Timoschenko Anfang 2009 zur Unterschrift des Gas-Vertrags mit Russland gedrängt, weswegen die (spätere) Oppositionsführerin zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde. Sie hat sich damit über die Entscheidung ihres eigenen Kabinetts hinweggesetzt! (Vulgo: Amtsmissbrauch!!!)

      http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-06/ukraine-timoschenko-gas-deutschland

      • Nobilitatis

        Erstens habe ich ausdrücklich alle Prozesse, die gegen Politiker der Timoschenko-Partei geführt wurden, zu einer Gruppe zusammengefasst. Und die waren nicht rechtsstaatlich. Zweitens handelt es sich bei der Unterschrift von Frau T. um eine politische Entscheidung. Amtsmissbrauch ist etwas grundsätzlich anderes. Wenn Sie sich erinnern: Auch Rußland hat protestiert.
        Die Apologeten der Timoschenko-Bestrafung verweisen in der Regel darauf, dass sie unter dubiosen Umständen vorher reich geworden ist. Gegen die anderen Politiker wird gar nichts vorgebracht, deren Verurteilungen werden einfach verschwiegen.

  • Jones2theBones

    Nobilitatis, du solltest lieber mal deine Hausaufgaben machen.
    Sowas zu lesen macht mich direkt wütend. Nicht nur weil du anscheinend keine Ahnung von der Situation anderer EU-Mitglieder wie Griechenland, Bulgarien & Rumänien zu haben scheinst, nicht nur, weil du keine Ahnung von der enormen wirtschaftlichen Abhängigkeit der Ukraine von Russland zu haben scheinst, nicht nur, weil du Geschichtsverfälschung verbreitest und der Gegenseite selbiges unterstellst, sondern weil deine Worte mehrere meiner Familienmitglieder und Familienfreunde direkt angreifen, die sich eben als beides sehen: Ukrainer & Russen. Und du in arroganter Westlermanier willst ihnen vorschreiben, sie haben nur das erste zu sein.

    Hier mal ein paar Karten für dich:

    Die „Kiewer“ Rus:
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5c/Rus_de_Kiev_en_1237.png
    Dir sollte auffallen, dass selbst jetzt noch der Osten Polens einst russisch war.
    Die polnisch-litauische Ostverschiebung gelang, indem man den von Osten durch die Mongolen angegriffenen Russen in den Rücken fiel und in den eroberten Gebieten sowie in allen Kriegen eine Politik der verbrannten Erde, sowie eine gnadenlose Polnifizierungs- & Katholisierungspolitik führte.
    Später wurden die Russen erst mit den Tartaren fertig, und befreiten sich dann Stück für Stück von den Polen.
    Die heutige Zentralukraine einschließlich Kiew wurde von den Ukrainern (Saporoger Kosaken) selbst befreit, und sie schlossen sich selbst an Russland an!
    Kiew ist eine der 5 Hauptstädte Russlands, von hier aus nahm die russisch-orthodoxe Kirche ihren Ausgang, Kiew war Jahrhunderte lang das Zentrum Russlands. Kiew ist die Mutter aller russischen Städte und das Jerusalem des Ostens!

    Polen 1919:
    In ihren 18 Jahren hat die II. polnische Republik es geschafft, gegen ALLE ihre Nachbarn Krieg zu führen. Davon, dass sie einen Waffenstillstand mit Litauen einen Tag nach Verabredung heimtückisch gebrochen haben und sich an Hitlers Invasion der Tschechoslowakei beteiligt haben, will ich gar nicht reden.
    Aber vergleich mal die Karte VOR der polnischen Osterweiterung mit den beiden danach:
    http://commons.wikimedia.org/wiki/File:PBW_March_1919.png

    Hmmm… Und wie polnisch waren dann die „befreiten Gebiete“, die wieder einer gnadenlosen Polnifizierung unterzogen wurden?
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/60/Poland1937linguistic.jpg

    Und welche Gebiete waren es, die danach wieder an die Sovietunion gingen?
    http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Curzon_line_de.svg

    HMMM…Nach 28 Jahren von „Westverschiebung“ reden, ist für mich da blanker HOHN!
    Auch haben die Polen angesichts ihres eigenen Verhaltens & ihrer eigenen historischen Aggressivität über eine angebliche „Russifizierung“ nix zu meckern!

    Kommt der heutige Zustand dazu:
    Der Unterschied zwischen der ukrainischen & belorussischen Sprache im Vergleich zur russischen fällt verdammt gering aus!
    Er fällt um ein Vielfaches geringer aus als die Unterschiede zwischen den skandinavischen Sprachen aus, und angesichts der Tatsache, dass manche Hochdeutsche keine Mundart verstehen, geschweige denn schwätze können, auch geringer als innerhalb des deutschen Sprachraums! Schon mal Platt probiert?

    Oder de schöne Basler dialäkcht?
    Gottverdori, do verstosch due vo usserhalb kai Woort! Die tün beim ARD des Geschwätz untertiteln! Läkch! Da brochsch mir nümme dumms Zeuch schwätze!
    http://www.basel-deutsch.ch/baseldeutsch_bd_ein_stadtidiom.html

    Und im Vergleich dazu habe ich mit meinem vergleichsweise miserablen Russisch mit Ukrainern & in der Ukraine keine Verständnisprobleme!
    Kommt dazu dass ich mindestens ein Dutzend Ukrainer als Freunde & Familienmitglieder habe, die eben Ukrainer sind und auch Russen, wie Bayern eben auch Deutsche sind.
    Käme die Ukraine in die EU, müsste die Visafreiheit mit Russland abgeschafft werden, mit schlimmen Folgen für die vielen Leute, die Verwandte auf der anderen Seite der Grenze haben!
    Jeder fünfte Ukrainer ist Russe, viele andere sind prorussisch, und dann haben die Orangenen ja auch noch alle möglichen Bauernfängertricks auf Lager, die das Meinungsbild verfälschen.
    Beispielsweise die Lüge eines garantierten Monatslohns von 950€ pro Monat und die Möglichkeit, im Westen Arbeit zu finden. Ersteres würde nie passieren, und zweites auch nicht schon mit dem Assoziierungsabkommen.

    Und als letztes noch die Wirtschaft.
    Es ist ja nicht nur so, dass die Ukraine enorme Schulden bei den Russen haben.
    Es ist ja nicht nur so, dass die ukrainische Wirtschaft bei den EU-Gaspreisen, die sie dann wie alle anderen nach einem Beitritt zahlen müsste, verrecken würde.
    Russland ist auch der Außenhandelspartner, auf den der Löwenanteil des gesamten Außenhandels entfällt.
    Die Ukraine kann nicht beides sein. Sie ist entweder prorussisch oder eine „EUkraine“, und im letzteren Fall wird Russland sie nicht mehr auf der Tasche liegen lassen!
    Von dem her hat Janukowich das einzig richtige gemacht und auch aus rein wirtschaftlichen Gründen!

    Weiterhin kann von Erpressung kaum ’ne Rede sein. Wenn ich bei meinen Eltern gratis wohne und dafür den Abwasch mache(-n muss), dann ist das eben so.

    Meine Fresse! Das musste mal raus!

    • Jones2theBones

      P.S: Jupp, ich bin wütend, allerdings nicht auf dich. Bitte Nobilitatis, nimm da nix persönlich.

      • Nobilitatis

        Ich habe wahrscheinlich nicht so detaillierte Kenntnisse, wie Sie das von sich andeuten. Allerdings geht aus Ihren Ausführungen auch hervor, dass ein russophiler Blickwinkel den Blick verzerrt. Wenn Sie mir Geschichtsfälschung vorwerfen, müssen Sie etwas konkreter werden. Ich habe gar keine geschichtlichen Aussagen getroffen. Und ich nehme das auch nicht persönlich. Falls ich mal unrecht habe, ist das so.
        Ihr Modell mit dem bei den Eltern wohnen ist für die Ukrainer beleidigend. Die wohnen nämlich in ihrem eigenen Land. Da müsste das in dem Beispiel so aussehen: Die Eltern geben Ihnen was zu den Heizkosten dazu, dafür gelten in Ihrem Haus die Regeln Ihrer Eltern weiter. Da würden Sie sagen, dann hätte ich nicht ausziehen brauchen, ich zahle meine Heizkosten lieber selbst.
        Die Kosten von Gas richten sich auch nach dem Transport. Aber ich gebe Ihnen recht, man muss Unabhängigkeit mit allen Konsequenzen betreiben. Das war es, was ich oben mit der Reduzierung der Abhängigkeit meinte. Übrigens reduziert auch die Produktion von eigenem Gas nicht die Abhängigkeit davon. Man muss den Verbrauch reduzieren.

    • ISKANDER

      Sehen wir es doch ganz nüchtern:
      Das Theater von Kiew ist nur Teil eines großen Schachspieles.
      Die Terrorallianz des Westens (ihre Spieler und Bauern kennen wir vom Thema Syrien her), zieht den nächsten Zug weil Syriens Turm den Weg zum König Matt – hartleibig verstellt.
      In subito versucht man es über den Läufer in der Diagonale.
      Dort steht die Ukraine und wer die Terrorpolitik des westlichen Spielers in den letzten Jahren explizit verfolgt hat, weiß auch, was der übernächste Zug sein wird.
      Fazit ist: So wie der Krieg gegen Syrien niemals von syrischen Territorium ausging, wird ebenso die Randale + Bürgerkrieg in spe in der Ukraine, seine Wurzeln in der Ukraine und ihren Bürgern haben.
      Die Frage ist; was ist diesem inzwischen sehr transparenten Spielverhalten der Terrorliga global entgegen zu setzen? Wie kommt man aus der Defensive in die Offensive?
      Erstens: Russland muss weltpoltisch & militärisch aggressiver reagieren. Immerhin geht es um das Fell dieses Bären.
      Die militärisch – wirtschaftliche Sammlung von kleineren, ebenso bedrohten Staaten und Organisationen sollte doch für das energiegeladene Russland kein Problem darstellen.
      Ich denke an Iran, Venezuela, Cuba, Bolivien, Ecuador, Nicaragua, Malaysia, Sudan, Algerien, Weißrussland, Nordkorea, Simbabwe, all die „Parias“, welche als nächste auf der Liste der Terrorallianzen stehen.
      Militärische Beistandspakte die Fallen stellen, warum nicht?
      Zweitens: Die enge Partnerschaft mit dem ebenso bedrohten China ist massiv voran zu bringen. Erdgas gegen Pakt. Warum nicht?
      Drittens: China selber sollte die Dollarreserven zum Platzen bringen.
      Naiv? Warum?
      Es ist doch das schöneste Lindenblatt auf der Schulter des „unverwundbaren“ Giganten USA.
      Viertens: Russland sollte auf alte Rezepte von OPA UdSSR zurück greifen: Intervention in der Ukraine auf Ruf der rechtmäßigen Regierung. Macht das die USA nicht schon seit Ewigkeiten so?
      Um die Eliten in der Ukraine mach ich mir keine Sorgen.
      Die werden sehr rasch begreifen, wo der Zug hin fährt und sich Russland zuwenden. Die Frage ist nur, ob sie diese Entscheidung erst treffen wenn das Land brennt, oder ob sie lernfähig, sprich raffiniert genug sind, um sich frühzeitiger ins russische Lager zu retten.
      Der Westen kann dann mit einigen Tausend Prügelproleten, einer FEMEN – Brigade und eigens eingeflogenen ANTIFA – SA Mob aus Deutschland nicht viel ausrichten.
      Immer mehr erweist sich Weißrusslands Präsidenten – General als der weitblickendste Politiker in Osteuropa. Wehre den Anfängen! Hat er es nicht wasserfest hingekriegt? Wetten, das er ein heimliches Vorbild für all die Möchtegerndemokraten Regierungschefs in der EU ist? :-)

      • Comrade John

        Schön geträumt.
        Aber mit RUS unter Putin und seinen Einflüsterern wie Berel Lazar wird das so natürlich nichts.
        Da würde ich heutige russische Politik eher als das letzte nationale Zucken begreifen als anzunehmen, die wollten ihre Interessen ausserhalb der Landesgrenzen nochmal energisch vertreten, um… ja was eigentlich zu erreichen? Dem Ruf nach Intervention einer benachbarten Regierung zu folgen oder der Schutz russischer Minderheiten in Ukraine u. sonstwo ist eben kein weltanschauliches Programm u. als Begründung für militärische Aktionen ziemlich dünn.
        In Georgien wurden 2008 auch nur halbe Sachen gemacht, das Land stolpert ungebremst in die westl. Arme, und RUS schaut gebannt zu. Der jüngste vorläufige Höhepunkt der westl. Einflussnahme ist (im Blog wg. der Ukraine untergegangen) das Assoziierungsabkommen Georgiens (Moldawien übrigens auch) mit der EU.
        Ein Triumvirat Dugin-Fursow-Schirinowski könnte es richten, bei ihnen steckt, sagen wir mal, ein perspektivischer Geist dahinter, der den Gegenstoss u. die Stossrichtung andeutet. Aber mit dem müssten dann schon wichtige Teile der russischen Oberschichten ebenfalls infiziert sind, womit es, denke ich, mau aussieht.
        Deshalb wird, meine Prognose, im Jahre 20xx bei der Folgekonferenz Genf 8 oder 10 wohl eher über die vollständige nationale Kapitulation Russlands vor USrael verhandelt werden, wenn Putins Nachfolger so weitermachen wie alle Amtsvorgänger.

        Ns. Wenn China, wie man heute nur noch liest, wirklich ein Gegenmodell zur unipolaren Weltordnung darstellt, weshalb sehen wir dann nichts von dessen (andersartigen) Inhalten, und warum hat es keine anderen Geschäftspartner als die, die wir schon kennen –
        http://german.china.org.cn/business/txt/2008-09/19/content_16506616.htm
        http://seeker401.wordpress.com/2012/07/31/rothschilds-are-firmly-embedded-in-china/

  • http://german.ruvr.ru/2013_12_02/Opposition-beginnt-mit-Bildung-provisorischer-Regierung-der-Ukraine-9918/

    @jones: Siehst du denn irgendwo in der Ukraine eine Kraft, die eine vernünftige nationale Politik verfolgt? Warum organisiert sich soetwas nicht? Weil Rußland kein Geld dafür gibt? Mein Eindruck ist, das die Janukovic Verwaltung zur Gegenwehr nicht willens und in der Lage ist. Vermutlich weil sie Angst um die im Westen gehortete Vermögen haben. Und weil sie durchsetzt sind mit West-Agenten. Eine ukrainisches Putin-Pendant ist nirgends in Sicht. So, wie die Kräfte aufgestellt sind, kann Rußland nicht aktiv eingreifen. Wenn russische Politiker dasselbe machen würden wie die Polen etc, wären hier die Zeitungen voller Sanktionsforderungen.

  • Nobilitatis

    Wenn Sie ukrainische Geschichte nur aus der russischen Perspektive betrachten, lügen Sie sich selbst in die Tasche. Ein ukrainischer Nationalist ist immer gegen Rußland. Lesen Sie es nach.
    Ich halte es für sinnlos, durch Interpretation geschichtlicher Fakten heutige Zustände wegzudiskutieren. Die Ukraine existiert als eigenständiger Staat und sie ist groß genug, um sich nicht verstecken zu müssen. Es gibt in der Ex-SU noch mehr Länder mit hohem russischsprachigem Bevölkerungsanteil. Wenn ich geschichtlich argumentieren würde, müsste ich auch deutsche Gebiete zurückfordern. Mindestens Königsberg, vielleicht auch die Wolga-Republik und Gotenland.
    Das Argument, dass wirtschaftliche Dominanz Rußlands keinen positiven Einfluss auf die nationalen Wirtschaften hat, am Beispiel Weißrußlands, ist nach wie vor gültig.
    EU-Assoziierung ist eine Anpassung von Standards. Die EU besteht derzeit aus 28 Ländern, Rußland ist ein Land. Rußland und die EU haben viel umfangreichere Wirtschaftsbeziehungen als der Rest der Welt. Und da gibt es dann noch die WTO.
    Ich hielte es für kein Unglück, wenn sich die Ukraine vorerst weder Rußland noch der EU unterordnet. Außerdem strebt auch Rußland nach einer Konsolidierung der Wirtschaftsbeziehungen mit Europa. Leider kommt es da immer wieder zu erratischen national inspirierten Handlungen der russischen Bürokratie, die langfristig nicht zu dem erhofften Image eines verläßlichen Handelspartners führen. Sinnvoll wäre eine gemeinsame Kommission, die solche Streitigkeiten regeln kann (wie ein internationales Handelsgericht gedacht).
    Die Ukraine könnte sich genauso in einen gemeinsamen Markt integrieren und gesamteuropäisch verflechten. Es gibt keinen Grund, Wirtschaftsbeziehungen nur nach Rußland zu pflegen. Zumal sich vielleicht einige noch an einen gemeinsamen Wirtschaftsraum bis zur Elbe erinnern können.

    • Jones2theBones

      @Nob:
      Ja, die Schweiz und Norwegen haben mehrere Abkommen mit der EU.
      Und weil ich direkt an der Grenze wohnte, konnte ich regelmäßig das Theater bei Volksabstimmungen zur EU erleben.
      Beim Beitritt zum Schengen bauten die Gegner direkt an der Grenze ein trojanisches Pferd auf.
      Die Schweizer Regierung wiederum investierte in den Beitritt Hunderte Millionen. Dass die Schweiz winzig ist und von der EU umzingelt, wurde also bei den Verhandlungen auch ausgenutzt.
      Geändert hat sich, abgesehen davon, dass unsere Besucher aus dem Osten keine zwei Visen mehr brauchen, NICHTS.
      An der Grenze wurde ich schon vorher nie kontrolliert, die Grenzposten stehen immer noch, und jeden Tag fährt ein Polizeiwagen vom Zoll meinen Hügel hoch zu einem 30 Meter breiten und Hunderte Meter langen Streifen, der zur Schweiz gehört, und prüfen nach, ob jemand die Grenzsteine, von denen manche die Jahreszahl 1600 tragen, nicht um ein paar Meter verschoben worden sind.

      Also brauchst du mir in Sachen Multikulturalismus nix erzählen. Ich bin das perfekte Beispiel dafür! Wohne im Dreiländereck mit Eltern aus zwei anderen.
      Und mag die EU sich als Messias aufspielen, für uns Lokale war die Grenze immer offen.
      Und natürlich gehört die Ukraine den Ukrainern, wie den Bayern Bayern, und den Russen und Arabern in der umgangssprachlich Stalinallee genannten Straße der Wohnblock Kleinmoskau.
      Ändert dennoch nichts daran, dass die Ukraine alles, nur nicht momentan politisch, Russland ist und war, genauso wie Bayern eben auch Deutsch.

      Interessant ist auch, dass die Schweiz und die Norweger kein Interesse an einem Beitritt haben. Weil die Wirtschaft nicht zwangsläufig Vorteile daraus ziehen kann und weil die politische Bevormundung Mist ist.

      Als mein Vater in Dänemark zur Volksabstimmung zum EU-Beitritt ging, hieß es damals noch, dass die dänische Souveranität voll gewahrt würde, und die Abstimmung gelang recht knapp.
      Neuerdings kam die Zahl raus, dass die dänische Politik zu 80% (!!!) von der (demokratisch in keinster Weise legitimierten) EU (fremd-)bestimmt werde!
      Sogar unsere traditionellen Zimtschnecken will man uns verbieten!!!
      Läkch! Die EU wünsch i keinim!

      • Nobilitatis

        Alle Länder haben irgendwelche Abkommen mit der EU. Jedes Abkommen muss für sich betrachtet werden. Schengen hat nichts mit der Assoziierung zu tun. Warum die Schweiz und Norwegen nicht der EU beitreten wollten, können Sie nachlesen. Ich denke, gute Gründe.
        Das Argument war, dass eine Assoziierung gerade kein Beitritt ist.
        Und in Dänemark gibt es genau wie überall sonst in der EU Ärger über bestimmte Regeln der EU. Das heißt nicht, dass man glaubt, die EU habe geschadet. Wie errechnet man eine Prozentzahl, in der man fremdbestimmt wird? Was genau bedeutet „Souveränität“? Wenn man ohne die „Bevormundung“ entscheidet, richtet man sich dann absichtlich gegen die Entscheidungen der Nachbarländer?

  • Comrade John

    Der einzige Grund warum die EU sich mit Ukraine assoziieren möchte (mit Georgien u. Moldawien hat sie es nunmehr fast erreicht) ist die politische Isolierung Russlands und nicht das, was der blau-goldene Nobbi hier erzählt.
    Die angeblichen wirtschaftlichen Gründe (ja beiderseitige Vorteile sollen es sein) können den Schritt nämlich nicht nahelegen, da der Freihandel nachhaltig weder der EU als Ganzes nutzt noch der Ukraine hilft; für diese sind vielmehr schwerste wirtschaftl. und Finanzprobleme zu erwarten, falls es zur Assoziierung kommt.

    Das Für und Wider einer Assoziierung und die wahren Absichten der EUdSSR-Strategen verständlich u. plausibel erklärt bei
    Mein Parteibuch Zweitblog – 29. November 2013
    EU-Ausgreifen nach Osten bringt allen Seiten wirtschaftliche Nachteile und schafft neue Kriegsgefahren

    http://nocheinparteibuch.wordpress.com/2013/11/29/eu-ausgreifen-nach-osten-bringt-allen-seiten-wirtschaftliche-nachteile-und-schafft-neue-kriegsgefahren/#more-8956

    • Genau so ist es. Ein wirtschaftlicher Vorteil ergäbe sich mit einiger Sicherheit nur bei der Variante Zollunion, weshalb ich der Meinung bin, ein gesundes Eigeninteresse der Ukraine muß sie dahinführen. Aber genau das soll verhindert werden, einzig und allein um Rußland zu schaden. Und das ist, nobilitatis, keine russische Sicht, sondern die Sicht, quasi von oben herab auf die platte Landkarte.

    • Nobilitatis

      Die Pseudo-Erklärung von nocheinparteibuch ist Unsinn. Politisch motivierter Blödsinn.
      Wirtschaftliche Austauschbeziehungen funktionieren nur als Tausch. Ein Absatzmarkt, der nix bezahlen kann, kann auch nichts kaufen. Subventionen für den ukrainischen Agrarsektor waren nie Thema. Weiterleitung von Öl und Gas aus Rußland liegt sowohl in russischem als auch im EU-Interesse. Die Reduzierung von bürokratischen Handelshemmnissen hilft Unternehmen, ihre Güter zu exportieren. Das trifft auf Rußland genauso zu. Wenn Sie in ein beliebiges Land etwas verkaufen wollen, müssen Sie sich an die dortigen Regeln halten. Werden diese Regeln aneinander angepasst, wird das deutlich leichter. Und das Argument des Konkurrenten: Konkurrent ist, wer die gleichen Güter an die gleichen Kunden verkaufen will. Sitzen beide in unterschiedlichen Ländern, hat der einen Vorteil, dessen Land ihm durch die geltenden Regeln einen Vorteil verschafft.
      Ich kann nicht sehen, wie die Bedingungen beim Handel z.B. in Moldawien zum Krieg mit Transnistrien führen sollten. Auch zwischen Georgien und den abgefallenen Provinzen gibt es keinen wirtschaftlichen Austausch mehr.

      • @nobilitatis: Warum geht die EU nicht auf die ukrainische Bitte nach dreiseitigen Verhandlungen ein? Warum geht Rußland darauf ein?

        • Nobilitatis

          Das ist ja genau mein Punkt. Und ich kann die Frage nicht beantworten. Ich bin hier nicht der Verteidiger der EU-Politik.

        • He he. Nichts neues oder sensationelles. Es spricht eher noch für die ganze Armut. 150 Griwna sind etwa 14 Euro. In Moskau auf der „Bolotnaja“ gab’s wesentlich mehr.

        • schon klar, aber ich fand es irgendwie lustig. Hat wohl das Geld nicht für alle gereicht, oder ein Verteiler hatte Mehrbedarf.

        • Nobilitatis

          Es wundert mich jedenfalls nicht. Aber: Auch die politische Gegenseite hat immer mit ähnlichen Methoden gearbeitet. Wenn der Oligarch seine komplette Belegschaft mit Bussen zum Protestieren nach Kiew karrt, ist das in etwa dasselbe.
          Und selbst aus Deutschland hat man auch schon ähnliches gehört. Natürlich zu besseren Preisen.

        • In der Tat. Ich erinnere mich an eine Episode von vor vielleicht drei Jahren, wo Leute von hier aus kostenlos nach Paris gekarrt wurden. Zwischen Sightseeing und Shopping sollte man sich nur irgendwo zu einer Menschenmenge gesellen, die da „protestierte“, oder so. Initiatoren waren die Iraner… :)

        • Beinstuhl

          Wofür haben die denn demonstriert?

          Und wieviel muss man überhaupt in Moskau oder gar hier bezahlen, damit sich jemand den ganzen Tag in die Kälte stellt?

        • Nobilitatis

          Das läuft natürlich informell. Da können Sie nicht einfach ne Preisliste bei Verdi anfordern.

  • Beinstuhl

    Das Schweizmagazin behauptet man habe den Demonstranten für die Teilnahme 150 Griwna versprochen.

    http://www.schweizmagazin.ch/nachrichten/ausland/17415-Ukraine-Demonstranten-mit-Geldversprechen-gekdert.html

  • walter

    Die wahren Antidemokraten
    Jede demokratische Ordnung steht und fällt mit der Respektierung demokratischer Wahlergebnisse.
    Die derzeitige Regierung in Kiew hat ihre Legitimation aus den Parlamentswahlen 2012. Auch wenn es zu diesen Wahlen unterschiedliche Interpretationen bezüglich ihrer „Korrektheit“ gibt, ist das offizielle Ergebnis zu respektieren. Tut man dies (jetzt und im Nachhinein) nicht, wären auch sämtliche Vorgespräche zu beabsichtigten EU-Assoziierung mit einer nicht legitimierten Volksvertretung geführt worden und damit ohnehin obsolet.
    Wenn anlässlich der wachsenden Proteste in Kiew westliche Medien und Politiker die Teilnehmer unisono als „friedliche und gewaltferne Demokraten“ titulieren, kommt dies angesichts klar ersichtlicher Gewalteskalationen seitens bestimmter Gruppen einem von außen geführten Putschversuch gleich!
    Der vielfach vorgebrachte Vorwurf in Richtung Moskau, durch politisch-wirtschaftlicher Druckausübung auf Kiew das Assoziierungsabkommen verhindert zu haben ist berechtigt, greift jedoch angesichts der EU-Malversationen vor – und vor allem nach – der ukrainischen Entscheidung zum Abkommen mit der EU nicht mehr!
    Europäische Politiker und Medienvertreter (incl. deren Freunde namens Klitschko & Timoschenko) zeichnen sich damit als Antidemokraten aus, die „Demokratie“ nur zur Durchsetzung eigener Interessen und Machtansprüche missbrauchen.
    Bedrohlich und verräterisch zugleich ist eigentlich nur die Unverblümtheit mit der europäische Posaunen ihre Vasallen- und Hurenlieder spielen dürfen!

  • Martin

    > Bedrohlich und verräterisch zugleich ist eigentlich nur die
    > Unverblümtheit mit der europäische Posaunen ihre Vasallen- und
    > Hurenlieder spielen dürfen!

    Exakt. In der Brüsseler Nomenklatura sind offensichtlich einige Maulwürfe installiert, die europäische Interessen sabotieren. Von den Briten ist man das ja schon gewöhnt, und der Hochverrat eines Sarkozy an Frankreich hat auch bis Hollande Spuren hinterlassen. Beides ist aber offensichtlich nur die Spitze des Eisbergs.

  • Übrigens ist das oben im Artikel erwähnte 15-jährige Mädchen, das man ganz schnell zum ersten Opfer der „Gewalt gegen friedliche Demonstranten“ erklärte, wieder auferstanden. Sie fand sich einfach zu Hause. Fertig.

    Neu ist diese Art von „Revolutionstechnologien“ aber nicht erst seit Syrien oder Libyen. In der russischen Februarrevolution von 1917 gab es in Petrograd genausolche Gerüchte – Polizisten seien mit Maschinengewehren auf den Dächern der Häuser postiert und würden Protestler abschießen. Es gab natürlich keine Maschinengewehre. Aber dank dieser Mundpropaganda wurden Polizeistellen überfallen und zerstört, Polizisten wurden an Holztüren regelrecht gekreuzigt oder bei lebendigem Leibe verbrannt. Tja, von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen.

  • demq

    In Armenien fängt die farbende Revolution (oder können wir jetzt vom „Osteuropaeischem Herbst“ reden?) auch wieder an, was 2008 kläglich gescheitert ist. Die selben Provokateur, mit den selben Parolen…
    Putin war erst vor einem Tag dort, ergebniss: Gas zu 35% günstigerem Kondition und Waffen zu innerrussischen Preisen (das heist zum selben Preis wie es die russische Armee es bekommt)! Des weiteren werden drei neue Militärstützpunkte in Armenien aufgebaut.
    Das Alles ist auf jeden Fall ein Grund für ein „Regimechanege“

    ach ja es heißt anti Putin Protest

  • demq

    Korrektur: drei neue RUSSISCHE Militärstützpunkte!