Was will er denn?

Beim Treffen mit dem saudischen Prinzen Bandar bin Sultan. 3. Dezember 2013

Foto: Pressedienst des russischen Präsidenten, kremlin.ru

„Russlands Präsident Wladimir Putin und der saudi-arabische Geheimdienstchef Bandar bin Sultan haben … die Lage in Syrien und im Iran erörtert, teilte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Dienstag mit.“

Das ist momentan noch nichts weiter als die offizielle Verlautbarung. Was den Gegenstand der Gespräche angeht, so wird es schon das gewesen sein, aber bestimmt nicht alles. Interessant nebenbei, dass es um „positive Dynamik bei der Beilegung“ des Streits um das iranische Atomprogramm ging. Die Saud haben aber etwas, um das sie verhandeln können: Sotschi 2014, wo sie im Zusammenhang mit der Sicherheitslage um diese Olympischen Spiele mal eben andeutungsweise die Faust vor die russische Nase halten können. Bandar bin Sultan, der im Wesentlichen hinter der Finanzierung der Terrorbrigaden in Syrien steht, ist denn auch der, welcher die entsprechenden Argumente in seiner Aktentasche hat.

Man wird bei Treffen auf einer solchen Ebene sicher nicht unverblümte Drohungen äußern und an den Fingern abzählen, was alles passieren könnte. Aber Putin wird bestimmt nicht umsonst vor Kurzem geäußert haben, dass all diejenigen, welche in die Vorbereitung der Olympischen Spiele involviert sind, ihren Neujahrsurlaub doch bitte auf die Zeit nach den Paralympics verlegen wollen. Damit meint er sicher nicht nur die Baufirmen und Sportfunktionäre.

Nach dem vorigen Treffen zwischen Bandar und Putin kam es ungeachtet dessen, dass die beiden laut Putins Berater Uschakow wohl nur gemeinsam „philosphierten“, zu einer Menge an höchst unangenehmen Ereignissen wie etwa der Chemiewaffenprovokation in Ost-Ghouta, welche die gesamte Region an den Rand eines Krieges brachte, es gab Terroranschläge in Wolgograd und anderswo in Russland, insbesondere Tatarstan. Viel zu oft steckte saudisches Geld dahinter. Sicherlich nur ein zufälliges zeitliches Zusammentreffen. Vielleicht aber auch nicht.

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Trackback von deiner Website.

  • SaudiA sucht die Lücke, um entweder den Siegtreffer zu landen oder „ehrenhaft“ die Matte verlassen zu können. Darum scharwenzelt der Bandar um den Wladimir. Warum läßt Putin ihn ran? Weil er möchte, das SaudiA von der Matte geht ohne noch weiter um sich zu schlagen. Wenn er es schafft, dem Bandar auf den „ehrhaften“ Weg von der Matte zu führen, wird es einsam um BibiN. Freuen wir uns also auf einen, hoffentlich baldigen Abgang der Saudis, ungefähr so wundersam wie der Katars.

  • kaumi

    Die Reise des Bandar nach Russland ist ja keine spontane Aktion gewesen. Die Terminierung dieser Stippvisite wird vor einiger Zeit stattgefunden haben.
    Das Onlineportal „syriatruth“ macht heute mit einem sehr interessanten Beitrag auf http://www.syriatruth.org/news/tabid/93/Article/11153/Default.aspx.
    In den letzten Tagen sind vor den Toren Damaskus`nicht weniger als 500 saudische Söldner getötet und weitere 300 von der SAA eingebuchtet worden. Das ist eine der größten Verluste der letzten drei Jahre in Reihen der bezahlten Mörder bezogen auf eine lokal umschriebene Schlacht.
    Der Beitrag verknüpft nun die Reise des Ölprinzen mit diesem Desaster und interpretiert, dass Bandar bei Ankunft in Russland und Zusammentreffen mit Putin sicherlich andere Umstände und Ausgangslagen berechnet hatte, nämlich den Fakt eines militärischen Sieges im Rif Dimashq und somit ein Karte, mit der er Putin unter Druck hätte setzen können. Aber seine forcierte Angriffsstrategie mit neu erworbenen saudischen Horden ist, gelinde gesagt, nach hinten losgegengen.

    Bush-Bandar dürfte im Angesicht seines Teufels (Putin) also wachsweich sein. Dramatische Versuche, das Kriegsglück irgendwie doch noch zu wenden, werden hier und da zu verzeichnen sein. Die Ermordung des Hizbullah-Kommandanten in Beirut (mutmaßlich saudisch-zionistisches Jointventure) dürfte unter diese Kategorie fallen.

  • Beinstuhl

    FSA bietet “SAA” Kooperation an:

    – Idriss gibt die Vorbedingung, dass Assad vor Genf II zurücktreten soll auf
    – Idriss würde sich damit zufrieden geben, wenn Assads Rücktritt am Ende des Verhandlungsprozesses stünde
    – Idriss würde sich dazu bereit erklären, mit dem was dann vom Apparat noch da ist, gemeinsam die Salafisten zu jagen

    http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/syrian-rebels-consider-joining-forces-with-regime-troops-to-fight-alqaida-8981081.html

    PS: Der Kommentar ist auch unter „Qualifizierte Kader“, jedoch kann ich diesen Artikel in der Übersicht nicht finden.

  • LeChevalier

    Ich habe Neuigkeiten von der Front in Syrien, die bringe ich aber besser in den neuesten Artikel rein.

  • jowi

    „Man wird bei Treffen auf einer solchen Ebene sicher nicht unverblümte Drohungen äußern und an den Fingern abzählen, was alles passieren könnte.“

    Peitsche ist das eine, Zuckerbrot das andere. Auch mit dem Zuckerbrot kennt sich Bandar hervorragend aus. Waffenkäufe, … .

    Möchte auch nicht wissen, was die Iraner den Briten geboten haben. Die sind auf einmal so friedfertig: http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/1.560112.
    Money makes the world go round. Und Geld hat Saudi Arabien … .

    • habkind

      ich bezweifle, dass Waffenkäufe von SA für Russland ein Anreiz sind.
      Dazu müsste SA vollständig von den Vereinigten Staaten abweichen – das tut SA nicht.
      Dazu ein interessanter Beitrag von http://www.politaia.org/sonstige-nachrichten/saudis-locken-putin-mit-ruestungsdeals/

    • Beinstuhl

      A propos Briten.

      Irgendein europäisches Land treibt gerade ein lustiges Spiel. Haaretz brachte gestern „EU wird Palästinenser-Unterstützung überdenken, falls Friedensgespräche fehlschlagen“. Das ist genau die Drohung, die Bibi braucht.

      EU stellt Hilfen ein -> Autonomiebehörde bricht zusammen -> Israel übernimmt Verantwortung -> …. -> …. -> Ein-Staaten-Lösung -> Ende des „jüdischen Staates“.
      Da er das nicht möchte, muss er anständig verhandeln.

      • Nobilitatis

        Das ist aber sehr weit hergeholt. Israel muss ja nicht „Verantwortung übernehmen“. Israel ist sowieso ein Apartheid-Staat. Da liegt eine Apartheid-Lösung (mit winzigen verstreuten Palästinenser-Homelands) doch viel näher und im Siedler-Interesse.

        • Beinstuhl

          Nein, es ist nicht weit hergeholt und inzwischen eine verbreitete (wenn auch kreative) Theorie im Konflikt:

          http://www.foreignpolicy.com/articles/2012/04/04/dear_abu_mazen_end_this_farce

          http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/.premium-1.561593
          „Brussels official says that Israel will be forced to assume responsibility for West Bank if the Authority falls due to lack of funds.“

          Was natürlich zwischen „Israel übernimmt Verantwortung“ und „Ein-Staaten-Lösung“ liegt, habe ich bewusst ausgelassen. Jedenfalls lässt sich die Apartheid derzeit ja international halten, weil es eine palästinensische Verwaltung gibt. Gäbe es diese nicht mehr, könnte Israel die Umstände nicht lange aufrechterhalten.

        • Beinstuhl

          Yossi Beilin hat für Israel am Osloer Abkommen mitverhandelt. Abu Mazen ist der Spitzname von Machmud Abbas.

          Die Hauptaussage im FP-Artikel:

          „You and I both understand that the current situation is a ticking time bomb. From my point of view, what is at stake is the loss of Israel as a Jewish and democratic state. From yours, it is the loss of the chance for an independent Palestinian state. And from both of our points of view, the failure of the two-state solution risks a renewal of terrible violence.

          Anyone who believes these things must take action. You can do it, and for this step you do not need a partner. A declaration of the end of the Oslo process — justified by the fact that the path to a permanent-status agreement is blocked — is the most reasonable, nonviolent option for putting the subject back on the world’s agenda, with the aim of renewing genuine efforts to reach a conclusive solution.“

        • Nobilitatis

          Was Sie hier mitteilen ist nur, dass Sie nicht wissen, was die Homelands in Südafrika waren. Nämlich pseudounabhängige Ministaaten, die weltweit nicht anerkannt wurden, aber die juristische Grundlage zur Behandlung der dort zugerechneten Schwarzen als rechtlose Ausländer bildeten. Ich halte es für ausgeschlossen, dass es irgendeine Form von „Israel übernimmt Verantwortung“ geben wird.
          Folgerichtig wird in Ihrem zweiten Kommentar auch mit der Folge „schrecklicher Gewalt“ gedroht.
          Die Ideallösung für die derzeitigen Zionisten liegt in einer Pseudoautonomie mit weitgehenden Eingriffsmöglichkeiten zur Weiterführung der Siedlungspolitik. Jegliche Friedenslösung mit 2 Staaten würde die Siedlungsbewegung auf das derzeit ersessene Gebiet beschränken. Und durch die Trennung wären die Palästinenser auch den Status als Quasi-Terroristen los. Und wer weiß, wann man dann Araber als vollwertige Staatsbürger behandeln müsste?

        • Beinstuhl

          Umgekehrt. Sie zeigen, dass Sie diesen Winkelzug noch nicht kennen.
          Er gehört seit Jahren zum Repertoire von Abbas:
          http://www.sueddeutsche.de/politik/nahost-konflikt-abbas-droht-mit-aufloesung-der-autonomiebehoerde-1.1560314
          http://www.welt.de/politik/ausland/article11396754/Abbas-droht-mit-Aufloesung-der-Autonomiebehoerde.html

          Zeigen Sie mir die „Homelands“ in Südafrika doch.

          Weder Israel noch Palästina sind von sich aus lebensfähig. Beide Gebilde leben nur durch die „Gnade“ des Westens. Hätte Israel die Verantwortung, wäre der weltweite Druck immens höher und ich halte es für unwahrscheinlich (wie gesagt), dass Israel die Zustände langfristig aufrechterhalten kann.

          Sie haben Recht, dass es ein Risiko birgt. Ich schätze es aber aufgrund des internationalen Einflusses auf Israel als gering ein.

          Meines Erachtens ist genau diese und keine andere, sogar die Lösung für den langfristigen palästinensischen Sieg. Eine staatlichkeit innerhalb der jetzigen Gebiete von Westjordanland und Gaza mit gleichzeitigem Verzicht auf das Rückkehrrecht wäre der Sieg Israels.

        • Nobilitatis

          „Zeigen Sie mir die “Homelands” in Südafrika doch.“
          Ihnen ist aber schon bewußt, dass die Apartheid in Südafrika inzwischen abgeschafft wurde?
          Ihre Darstellung ist zwar richtig, aber Wunschdenken. Immer noch ist Israel am Drücker und warum sollte es sich gerade jetzt auf irgendetwas einlassen? Läuft doch prima für die Zionisten. Sogar der Winkelzug mit dem Abzug aus Gaza war ein Riesenerfolg.
          Apartheid geht auch ohne Tricks wie die Homelands. Das ist dann der direkte Weg.

        • Beinstuhl

          „Ihnen ist aber schon bewußt, dass die Apartheid in Südafrika inzwischen abgeschafft wurde?“

          Und was glauben Sie denn, wie lange sie in Israel bestand hätte, dass derzeit nicht einmal mehr Einfluss auf die US-Politik gegenüber einfachen „Schurken“ wie dem Iran hat?

          Ja es ist Wunschdenken, aber es ist nicht unrealistisch. Israel hätte überhaupt keine Wahl sich nicht darauf einzulassen (es sei denn es findet einen Dummen der das Westjordanland managen möchte). Es läuft gerade deswegen so prima für die Zionisten, weil Palästina weder Staat noch Nicht-Staat ist. Pseudoautonom, wie Sie es schön sagten.

          Der Plan scheitert bisher an zwei Dingen:
          Zuallererst an der palästinensischen Elite, die ihre Pöstchen in der Behörde und in einem Vielleicht-Irgendwann-Staat nicht für einen arabischen Vielleicht-Sieg irgendwann in 80 Jahren opfern möchte. Das zweite sind die jungen Palästinenser. Sie müssten absolut stillhalten und auf friedliche Protestmethoden umsteigen, bis Staatsbürgerrechte errungen sind. Dies ist wahrscheinlich eine große Hürde, wenn der Plan schon hier so schwer zu vermitteln ist, wird er es dort erst recht sein.

        • Nobilitatis

          Verstehen Sie mich nicht falsch, ich gebe Ihnen vollkommen Recht. Ich glaube nur, Sie sind zu optimistisch.

  • Beinstuhl

    Wie Sie richtig sagen ermöglichen pseudounabhängige Ministaaten Apartheid. Das Ziel von Israel sei Pseudoautonomie. Genau das ist der jetzige Zustand!

    Der Trick ist, von Pseudoautonomie zu null Autonomie zu kommen. Dann müssen Staatsbürgerrechte her. Notfalls mit Hilfe von UN (auch Friedenstruppen im Eskalationsfall).

    Der langfristige Sieg wird dann durch steten internationalen Druck, der politische Mitbestimmung ermöglicht und Demographie erkämpft ;)

  • Malkaye

    Eine Antwort die die aktuelle Lage in vielerlei Hinsicht entflechten könnte, lautet „Lieferung von S-400 an ein Land mit vier Buchstaben“. Und es hört nicht mit k auf, wenngleich das auch einen gewissen reiz hätte.

    – Motivation für die USA sich dem Iran anzunähern
    – In der Folge diplomatisch beruhigend für Syrien
    – Gleichzeitig festigend für die iranisch-russ. Beziehungen
    – Öffnet die persische Tür des Mutes nach Bahrain etwas weiter
    – Steigert das internat. verlorene Vertrauen in russ. Liefertreue

    Bei den ganzen hegemonial-Entzündungen von Washington (Lateinamerika, Pazifik, Afrika) kann – nein, MUSS – man sich souverän positionieren, um danach mit mehr Gewicht dazustehen. Die Alternative ist eine Kuscherposition unter den kommenden Mächtigen.
    Mal sehen ob das Alter Putin weich gemacht hat.

  • Enis

    Bandar der Schurke hat Putin angeboten Russland zur Führungsmacht in Nahen Osten zu verhelfen, die bekannten Milliarden-Aufträge, sowie eine Garantie abgegeben, dass Russland die Basis in Tartous behalten darf. Saudi Arabien besteht aber darauf, dass Ruslland Assad fallen lässt. Als Ersatz dafür schlagen sie Russland den ehemaligen alawitischen Verteidigungsminister Ali Haddad vor.

    Russlands Antwort war angeblich das bekannte „Njet“! Aber Saudi Arabien bewegt sich langsam..

    • Ich denke nicht, das Putin sich auf solche Angebote einläßt. Hat er gar nicht nötig, SaudiA ist politisch in einer Sackgasse und sucht einen Ausweg, glaubt immer noch die Situation wenden zu können. Putin ist viel zu sehr Kampfkünstler, um Bandar von der Matte schlüpfen zu lassen. Er wird ihn fair aber nachdrücklich auf die Matte klatschen.
      Im übrigen darf das Gerücht ruhig als Propaganda gegen Rußland gelten, denn kein Land kann für SA die USA ersetzen, ohne Petrodollar ist das Königreich nichts als Sand. Die Symbiose zwischen SA und USA ist so eng, daß da im Moment mMn keine Wahl besteht.

  • Nobilitatis

    Führungsmacht wird man nicht, indem man seine Freunde verrät.

  • kaumi

    Erstens hat Enis recht, dass sich KSA (laangsam) bewegt, aber zweitens kann die Inthronisierung eines Nichtsunniten anstelle Assads nicht wirklich ernst gemeint sein. Es sei denn, Haddad ist gekauft und somit eine Übergangslösung.
    Drittens gebe ich auch Nobilitatis absolut recht, dass sich Russland keine verdorbenen Datteln andrehen lassen wird. Dafür haben sich die Prinzen zu sehr aus dem Fenster gelehnt.

  • Enis

    @urkeramik,Nobilitatis, kaumi

    Dass Russland nicht auf solche Märchen eingeht ist ausser Diskussion. Die Motive sind aber hintergründiger und sind gar nicht so abwegig . Zuerst mal, Ali Habib gilt als „softi“ in der SAA. Er war einer der Hauptverantwortlichen(nebst Familie Tlas), die Bashar al Assad zu seiner anfänglichen Zurückhaltung in der Krise überreden konnten. Als sich weder die Situation beruhigte und noch die Absetzungsbewegung innerhalb der sunnitischen Offiziere endete, hat die oberste Staatsführung nach mehreren Monaten entschieden beide aus allen Entscheidungsbefugnissen freizustellen. Dass gleichzeitig wichtige alawitische und sunnitische Persönlichkeiten abgesägt wurden, hatte es keine grosse Wirkung in das komplexe Staatsgefüge gehabt. Die SAA hat dann einige Zeit gebraucht um sich neu zu organisieren und sich den neuen Kampfgegebenheiten anzupassen. Wie gut das geklappt hat, sehen wir in den Erfolgen der letzten Monaten.

    So was bedeutet aber jetzt das Ganze? Ich sage es mal ganz ehrlich und offen, fern meiner patriotischen Überzeugung, damit man vielleicht einige Zusammenhänge besser versteht. Über 2/3 der Verluste in der SAA, NDF und Volksmilizen gehen auf Kosten der alawitischen Minderheit. Die christlichen Brüder haben ca. 10% zu beklagen. Es gibt keine alawitische Familie in Latakia, Tartous und Homs die keinen Märtyrer zu beklagen hat. Die Bilder der Märtyrer prägen praktisch alle Strassen in diesem Gebiet. Fast alle jungen Menschen aus dieser Gemeinschaft, die keine spezielle Entschuldigung haben, dienen aktuell irgendwo in diesen Institutionen. Die meisten davon an der Front des Todes in Aleppo, in Ost-Ghouta oder Homs.

    Ich will den Aufsatz hier unterbrechen und auf den Punkt kommen.

    Viele hohe Offiziere sind der Meinung -aus verständlichen Gründen unter vorgehaltener Hand- Syriens Einheit, Bestand und die Siege der SAA sei dem vielen verflossenen Blut der alawitischen Jugend zu verdanken. Entgegen vieler Mythen und Behauptungen, war diese Gemeinschaft in wirtschaftlicher Hinsicht eher sehr benachteiligt. Auch politisch waren sie mit Ausnahme ausgewählter Familien eigentlich fast bedeutungslos. Diese Offiziere werden nach diesen Umständen deshalb keine politische Lösung akzeptieren, die diese Gemeinschaft aus den höchsten Ebenen ausschliessen würde. Russland weiss das sehr sehr genau. Es gibt auch nicht dumme Saudis, die das jetzt auch verstanden haben. Zusammen mit den Türken versuchen sie jetzt einige Alawiten als Ersatz für Assad ins Spiel zu bringen, die von der SAA auch akzeptiert werden können. Das Problem ist nur, dass die SAA einen Ersatz für Assad erst dann akzeptiert, wenn er wirklich selber gehen will, was ja momentan fast nicht in Frage steht.

    Zum Schluss noch die Ergänzung, dass die überwiegende Anzahl der alawitischen Toten in der SAA nicht automatisch bedeutet, dass sie darin auch übervertreten sind. Es soll vielmehr darauf hin deuten, dass diese überwiegend an den härtesten Fronten vertreten sind.

    Auf die felsstarke patriotische Loyalität der christlichen Brüder während der gesamten Krise und die steigende Einsicht der breiten sunnitischen Brüder solle zum Schluss ausdrücklich hingewiesen werden.

    • Enis

      Noch was..
      Al Nabk ist inzwischen befreit! Die syrische Flaggen wehen über die Stadt. Das Volk feiert die Befreier.
      Jetzt heisst es auf nach Yabroud..

      • Anhar hat zumindest gestern noch dementiert. Drei ihrer bekannten Militärs sind dort aktiv und berichten von immer noch anhaltenden schweren Kämpfen, wiewohl Teile der Stadt inzwischen befreit sind.

        • Enis

          diese Nachricht habe ich vor Stunden. Ich habe erste Bilder und kurze Aufnahmen verfolgen können. Die Quelle berichtet laufend aus dieser Gegend. Die meldet eigentlich keine Siege, bevor die Sache klar ist.
          Es gibt noch vereinzelt Kämpfe am Rande der Stadt.

          Auch das syrische Fernsehen hat erste Aufnahmen:

        • Danke!

    • kaumi

      Achi Enis,

      im Grunde gibt es zu deinen Ausführungen nicht mehr viel zu ergänzen oder gar zu korregieren, nur Folgendes:
      die Christen gehören in unserem Land zu den größten Nationalisten, oder um es positiv auszudrücken, Patrioten. Ihr Fehler war es, es sich in der Anfangszeit geleistet zu haben, sehr lange eine neutrale Position einzunehmen, was KÄMPFERISCHE Tätigkeiten außerhalb der regulären Verbände angeht. Ihre Meinung zu dieser aberwitzigen „Revolution“ haben sie hingegen immer deutlich geäußert.
      Dieser Versuch eines möglichst frontfreien Spiels, hauptsächlich der christlichen Lehre und der Historie der christlichen Minderheiten in arabischen Staaten geschuldet, sollte sich mit der Zeit als Bumerang herausstellen. Die Pro-Assad-Fraktion „tadelte“ sie ob ihres Stillhaltens in der gleichen Weise wie es die Anti-Assad-Fraktion tat. Als dann seitens der Söldner die brutalen Übergriffe auf alle Syrer nicht mehr zu ertragen waren, mussten auch die Mitglieder der „du sollst nicht töten“- Gemeinschaft geschloßen zu den Waffen greifen. Die alawitischen Brüder selbstredend wussten vom ersten Tag an, was „ihre“ Stunde geschlagen hatte: Selbstverteidigung oder Auslöschung! Unsere sunnitischen Freunde und Mitbürger hatten es am schwersten, hier ging die Grenze des politischen Standpunktes quer durch Großfamilien. Ich kenne ehemalige Nachbarn, wo der Onkel „Rebell“ und der Neffe Teil der SAA ist – aus Überzeugung. Wie solche Gräben in Zukunft zugeschüttet werden sollen, bleibt ein Rätsel. Allein mein Glaube an ein gemeinsames Ziel, nährt die Hoffnung, dass es später wieder ein gemeinsames Miteinander geben wird.

      Bezüglich Al saud:
      der Iran ist, in wahabitischen Augen, des Teufels Werkzeug.
      Hauptbestandteile dieses Werkzeugkoffers sind Schiiten und Alawiten. Daher, so meine absolute Überzeugung, kann ein Konsens in Richtung alawitischer oder schiitischer Assadersatz niemals saudischer Staatsräson sein. Die einzige Ausnahme habe ich oben erwähnt. Aber, DASS die Saudis dieses Spiel überhaupt annehmen, zeigt mittlerweile ihre Verzweifelung.

      • jowi

        Wenn ich mich da einmischen darf:
        du überschätzt vermutlich den Einfluss der Religion auf das Verhalten dieser Minderheit. Jede Minderheit in einer schwachen Position wird sich in Zeiten eines gewaltsamen Umbruchs mit ungewissem Ausgang, vorsichtig verhalten. Vorsichtig heißt: sich zurück halten. Das hat mit dem Christentum zunächst wenig zu tun.

        • kaumi

          jowi,

          „hauptsächlich der christlichen Lehre und der Historie der christlichen Minderheiten in arabischen Staaten geschuldet,…“
          Ich darf mich kurz selbst zitieren. Beide Punkte spielen eine Rolle. Müßig darüber zu diskutieren, dass die christliche Religion in Syrien definitiv anders, sprich basaler, ausgelebt wird als in hiesigen Breiten. Wusstest du, dass Scheidungen in Syrien (zwischen christlichen Ehepartnern) de facto nicht existent sind? Abtreibungen?
          Bewaffnete Christen?

        • Enis

          @jowi
          nicht die Religionen, sondern die Religionsangehörigkeit hat wohl eine gewichtige Entscheidung mitgespielt. Ich würde es folgendermassen zusammenfassen:

          a) Die Alawiten wussten ab Tag 1 – wie kaumi oben erfasst hat- es gibt nur Auslöschung, oder Selbstverteidigung. (Die ersten Dörfer in Daraa und Hama, hatten schon gar nicht die Wahl, die wurden über Nacht niedergebrannt und niedergemetzelt)

          b)Die Christen dachten, das ist ein innermuslimisches Problem. Wir halten uns einfach daraus und können dann heil rauskommen. Wenn es gut läuft, bekommen wir von den anderen vielleicht weiterhin die gleichen Rechte.

          c)Die moderaten Sunniten dachten, als Angehöriger der Mehrheit habe ich ohnehin ein Schutzschild. Ich schau mal wohin sich die Waage der Macht bewegt und springe mal auf den Zug.

          a) blieben ausschliesslich in Syrien, hatten jeden Tag den Schwert am Hals fefühlt. Die beste Verteidigung war Offensive.

          b) das wahhabitische Schwert hatte auch bald sie erreicht. Die eine Hälfte ist leider tatsächlich nach „Beirut“ -so wie die takfiris es wollten. Die andere Hälfte hat sich a) angeschlossen.

          c) das verschwommene Bild hat sich geklärt. Die Motive dieser blutrünstigen takfiris wurde klar -die Zerstörung aller die nicht ihre Sicht des Glaubens teilten. Also schliess sich ein Teil aus Überzeugung a) an. Der andere grosse Teil sieht den Zug zugunsten der SAA und der Regierung fahren. Dahe melden sich unterdessen viele „untergetauchte“ Bürger den Behörden an, um am Kampf teilzunehmen.

          Ich wollte wirklich keine Religionsdiskussion starten. Aber ich fand es doch wichtig, dass wir einige Hintergründe erleuchten, damit uns allen bewusst wird, dass eine politische Lösung in Syrien nicht so einfach sein wird. Genf hin oder her.

        • kaumi

          „Ich wollte wirklich keine Religionsdiskussion starten“
          Das ist keine Religionsdiskussion, eher politische Wertung der Lager.
          Eins muss man aber postulieren: die Religionszugehörigkeit, die bis Februar 2011 im Bilad u Sham eine nichtrelevante Größe unter den Normalo-Syrern darstellte, wird in Zukunft – leider – nicht mehr irrelevant bleiben können.

        • Enis

          sehe ich leider auch genau so!
          a) und b) sind in eine Zwecksehe eingegangen. Als syrische Patrioten müssen wir dafür sorgen, dass wir möglichst viele von c) umarmen und sie überzeugen. Ich denke das klappt recht gut. Wenn man bedenkt dass die religiösen Minderheiten zusammen ca. 23% ergeben und über 60% hinter Assad stehen, sollte es selbsterklärend sein.

          Mir ist die Gefahr des fanatischen Gifts dieser takfiris bewusst. Dieser breitet sich in den Seelen kleiner Kinder aus und bedroht unsere nächste Generation. Aber der syrische Wille und unsere Liebe zu Bilad u Sham ist stärker als ihre Krankheit.

  • Enis

    wie interessant, wie interessant.
    Lügen und Ungerechtigkeit haben kurze, sehr kurze Beine..

    http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Das-Weisse-Haus-und-die-manipulierten-Daten-/story/31421778

    • kaumi

      Der Punkt mit den „Sensoren/Vorwarnsystemen/Abhörungstechniken“ wurde hier doch nur Stunden nach den ersten Meldungen über den Giftgasangriff bereits besprochen und dargelegt. Dass im Westen auch alles so lange braucht, bis es enthüllt wird?

      • Enis

        die Story mit den Sensoren habe ich irgendwie übersehen. Nach welchen Kriterien soll überhaupt so ein Sensor funktionieren?? Wie soll dieser dorthin befestigt worden sein?? Hört sich irgendwie nach James Bond and.

        • kaumi

          Was auch immer mit Sensoren gemeint ist: die Aufklärungsdichte und -fähigkeit (Satelliten, V-Personal, Geheimdienste, Abhörtechnik) USraels ließe es nicht zu, dass Vorbereitungen zum Abschuß chemischer Waffen unbemerkt stattfinden könnten.
          Und genau hier läge auch noch die Beweismöglichkeit, aber: kein syrischer Waffenangriff, keine Aufklärung, keine Beweise. Daher die Manipulation und Selektion der „Daten“. Auch das müssten die Amis nicht tun, denn selbstredend wissen sie genau, wer der Initiator des Abschußes ist…

        • Jones2theBones

          Ein „Sensor“ ist erstmal all das, was „fühlt“.
          Bei den Westlern gibt es da eine ziemliche Bandbreite an Gadgets, die zum Einsatz kommen, und gerade Syrien, das sich dagegen kaum wehren kann, dürfte die ganze Bandbreite abbekommen.
          Mikrofone et al. in Gebäuden, Trojaner in den staatlichen (geheimdienstlichen) Netzwerken, und außerdem die Satelliten, die von außerhalb reinhorchen. Beispielsweise vom deutschen Flottenschiff Oker, das mit ziemlich hoher Sicherheit sich am Bürgerkrieg in Syrien beteiligt und daran mitwirkt, die Rebellen mit Informationen zu versorgen, außerdem natürlich von Satelliten und von allerlei Gerät, das in Israel, Jordanien, Türkei und vielleicht auch Saudi-Arabien stationiert ist.
          Auch könnten mit Sensoren auch menschliche Informationsquellen gemeint sein, Spitzel, die sich eh nie vermeiden lassen, sowie türkische, israelische und andere Geheimdienste.

          Ansonsten ist kaumi beizupflichten.
          Die Ressourcen, über die die amerikanischen Geheimdienste verfügen, und die den Syrern zur Abwehr schon fehlen, machen es wahrscheinlich, dass die Amerikaner bei tagelangen Vorbereitungen auch sehr schnell Bescheid wüssten.

          Kommt das technische hinzu, dann gibt selbst Brown Moses, der pro FSA ist und fest daran glauben will, dass die syrische Regierung einen Chemieangriff in unmittelbarer Nachbarschaft und bei unsteten Windverhältnissen ausgeführt haben soll, von improvisierter Munition redet.
          Nur spricht das dummerweise so rein gar nicht für die SAA, und es ist völlig bescheuert, dass sie dann die Hezbollah involvieren würden, wie Moses spekuliert. Dann nimmt man lieber eine eigene, und über solche Waffen verfügen die Syrer auch.

  • Enis

    unglaublich, dieses Wort muss wirklich viel Synergie bewirken. Man beachte 0.43min, kaum das Zauberwort Allahuakbar gesagt, schon passiert was. Eigentlich sind sie nur am Brot backen..
    https://www.youtube.com/watch?v=Gn0CQLum4hM

    Eben Gott ist anscheinend doch gross und bestraft, die in seinem Namen urteilen..

  • Beinstuhl

    Der Dailystar glaubt zu wissen was Bandar wollte:

    -Putin anbieten, die Islamisten zurückzudrängen, wenn Putin Assad fallen lässt (wobei dieses Fallenlassen auch später, im Lauf der Verhandlungen erfolgen kann). Diesen Punkt haben wir hier schon kennen gelernt. Zusätzlich bot Bandar ihm bilaterale Kooperation um dieses Ziel zu erreichen.

    Hierauf habe Putin keine „abschließende Antwort“ gegeben.

    Zudem stellte Bandar drei Bedingungen für Genf II.
    1. Nichtteilnahme Irans.
    2. Verschiebung der Konferenz in Erwartung militärischer Siege (Bandars) auf dem Boden.
    3. Die Übertragung der exekutiven Regierungsmacht auf die Übergangsregierung.

    Besonders gegenüber Bedingung 3 sei Putin sehr reserviert gewesen. Er bekräftigte aber die Nützlichkeit des Antiterrorkampfes, die Dringlichkeit einer politischen Lösung und die Offenheit für bilaterale Beziehungen ;)

    http://www.dailystar.com.lb/News/Lebanon-News/2013/Dec-16/241218-report-bandar-asked-putin-to-delay-geneva-ii-conference.ashx#ixzz2nckwQ5cV