Neue Wesen kehren gut

klitschko-neue_wesenEs sieht fast so aus, als haben das demokratische Europa und die ukrainische Opposition sich inzwischen auf einen Kern geeinigt, um den herum sich diese Opposition vereinen und der gleichzeitig eine zielgerichtete Unterstützung durch den Westen ermöglichen würde. Es beginnt unverkennbar eine Königsmacher-Kampagne zugunsten von Witalij Klitschko. Dass dieser Boxer den größten Teil seines Lebens außerhalb der Ukraine verbracht hat, kann man dabei im Lande selbst auch positiv verkaufen: die Ukrainer, die nach Jahrzehnten Raub und Willkür der derzeitigen Eliten einfach die Nase von den gängigen Politikervisagen voll haben, können dem “Waräger” durchaus den Vorzug vor den lokalen Clans und den vollkommen diskreditierten pro-westlichen Oppositionellen geben. Egal was, Hauptsache etwas anderes: das wäre eine klassische Protestwahl, die zwar im Endeffekt nichts bringen wird, aber erst einmal effektvoll aussieht.

Für die EU ist die Variante Klitschko sicher auch die beste. Dem Zuschauer wohlbekannt, charismatisch, Wiedererkennungswert. Dass man ihn das halbe Leben lang auf den Kopf geschlagen hat, ist für ihn als potentiellen Partner der EU auch von Vorteil; vom Dorfältesten braucht das RMfdbO der EU keine Kompetenz und kein Verständnis für Zusammenhänge, sondern Loyalität und Pflichttreue. Eine schwache Figur an der Spitze eines assoziierten Landes ist überhaupt so etwas wie ein “Euro-Standard”.

Klitschko selbst wittert ganz offenbar auch seine Chance (und wenn nicht, dann wird man ihm das schon vorsagen, ist er ja gewöhnt – wie sonst immer im Ring in halb komatösem Zustand), denn abgesehen von den ab und an erklingenden Phrasen von der “Wahl Europa” redet er nun vom Rücktritt der Regierung, von Parlaments- und Präsidentschaftsneuwahlen. Die Menschen, die von der aktuellen, x-ten Eskalation der Idiotie in der Ukraine einfach die Schnauze voll haben, können aus solchen Beweggründen durchaus diesen, weil wenigstens irgendeinen Ausweg aus dem Chaos auf dem Maidan und anderswo unterstützen.

Auch der unscheinbare Rest der Oppositionellen wäre mit diesem Kandidaten wohl zufrieden; die jüngste Welle der Unruhen hat keinerlei greifbare Resultate gebracht, so dass es ohne eine solche neue Figur wohl eher schlecht aussieht mit den Chancen – immer dieselben Gesichter in der Politik führen beim Zuschauer, ganz wie im Fernsehen, zum unterschwelligen Drang, schnell wegzuzappen. Mit Klitschko hätte die Opposition immerhin die Hoffnung, einen kleinen Teil der Segnungen des künftigen Lehnsherren abzubekommen.

Janukowitsch dagegen hat offensichtliche Probleme. In der Staatsmacht gibt es Leute, die gegen ihn spielen. Davon zeugt zwar schon allein das Chaos am Wochenende, u.a., als teils schwer verwundeten Berkut-Leuten die Behandlung ihrer Verletzungen in Kiewer Krankenhäusern verweigert wurde, aber deutlicher wurde es in einem Statement des ukrainischen Vizepremiers Arbusow, dass die “Behörden der Ukraine” zu Gesprächen über vorgezogene Präsidenten- und Parlamentswahlen bereit seien. In Abwesenheit des Präsidenten kommen solch mutige Verlautbarungen wie eine Ermunterung der in den Kiewer Sackgassen zappelnden Opposition daher; nichts geringeres als ein Signal für sie, dass es noch verfrüht ist, das Betreieben von Chaos einzustellen.

Wenn es noch mehr solche Freunde in Regierungskreisen gibt, dann ist der Fall Janukowitschs nur eine Frage der Zeit. Besonders, wenn er Schwäche zeigt. Die nach ersten Andeutungen nicht allzu erfolgreiche Reise Janukowitschs nach China macht ihn da übrigens schon einmal verwundbar.

Klitschko nebst Bilbo Beutlin und anderen Hobbits

Klitschko nebst Bilbo Beutlin und anderen Hobbits

Die Lage ist also insgesamt immer noch auf der Kippe. Man kann nur auf die kommenden Neujahrsfeiertage und weitere Schwierigkeiten beim Bezahlen der “Protestler” hoffen, denn ansonsten kann Klitschko als “Trumpf” durchaus ziehen. Im Moment hat die Marketingkampagne noch den Charakter der Fertigung eines später feinzuschleifenden Werkstücks. Und mal sehen, wie Timoschenko dazu passt.

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