Keks?

Victoria Nudelman verteilt Kekse auf dem Kiewer Maidan“Nuland versorgt die Demonstranten mit Keksen, Brötchen und Brot aus einer großen Tüte… Die Demonstranten begrüßen Nuland mit freudigen Rufen, manche singen “God bless you!”

Eine solche Szene ist für die Amerikaner natürlich Klassik in Reinform: man denke an den weißen Mann, der im Indianerreservat vom Pferd aus generös Glasperlen in die Meute wirft. Im ukrainischen Kontext wäre eigentlich noch ein Fass Konfitüre angebracht, aber wenn die unvernünftigen Tiere eben damit zufrieden sind, was man ihnen gibt, so kann man in diesem Fall die Debilisierung des Landes auch nur mit Trockenfutter erreichen. In Krisenzeiten ist Sparen angesagt.

Die Masken sind damit aber endgültig gefallen. Der Versuch des ukrainischen Präsidenten Janukowitsch, in Brüssel wenigstens irgendwie für die Interessen der Ukraine einzustehen, wird als Ungehorsam gewertet. Ab sofort ist er abgeschrieben. Gestern hat die Eurokommission verkündet, dass der vom ukrainischen Präsidenten angekündigte Besuch des Regierungschefs Arbusow nach Brüssel nicht stattfinden wird, da “die EU sich nicht auf Zahlenspielereien einlassen will”. Selbst die auf 20 Milliarden Euro heruntergestauchte “Kompensation” wird es nicht geben. Auch aus Berlin gibt es gleichlautendes: Kohle gibt’s keine für euch, aber ducken müsst ihr. Das ist alles in allem schon nicht mehr nur das Verhalten von Kolonialherren. Das ist das Verhältnis zwischen einem Jäger und seiner Beute.

Mehr noch, die Oppositionellen in Kiew werden praktisch offiziell durch eine Delegation des EU-Parlaments angeführt, Guy Verhoftstadt und der erfahrene Kriegstreiber Cohn-Bendit spucken Moskau ins Gesicht und rufen gleichzeitig zum “Dialog” auf. Nuland sichert dem Mob ihre Unterstützung zu und begibt sich unter frenetischen “God bless you”-Rufen (exakt wie in Bengasi!) zu Janukowitsch, wo sie ein “schwieriges Gespräch mit dem Präsidenten führte”, aber meint, “er weiß jetzt hoffentlich, was zu tun ist”. Und Ashton äußert die magische Phrase von “allen Optionen”, die auf dem Tisch lägen – bis hin zur Flugverbotszone zu Sanktionen. Der Regierung wird mithin angeboten, den auf den Straßen randalierenden Mob als gleichgestellten Gesprächspartner für Kapitulationsverhandlungen zu akzeptieren. Darin verbirgt sich auch die Antwort auf die Frage, was denn der Nazi-Mob auf den Straßen Kiews mit Europa am Hut habe. Nichts. Es ist das angefütterte Fußvolk, das Kanonenfutter, die Ramme, die man später natürlich wieder loswerden müsste. Ganz exakt wie die paramilitärischen Brigaden der Moslembrüder in Libyen und Syrien.

De facto ist das aber eine Verurteilung. Und noch mehr, ein Signal an die ukrainischen Oligarchen, dass es Zeit ist, die Wartehaltung zu beenden und auf die Seite der Gewinner zu wechseln. Firtasch ist dabei schon “übergelaufen”, der von ihm bediente EU-Markt der chemischen Industrie ist ihm wichtiger als der russische. Gleiches gilt für Pintschuk und Kolomojskij aus der Metallurgiebranche. Fehlt noch Achmetow, und der wackelt auch schon.

Nur von diesen hängt letztlich alles ab. Nur diesen kann “Europa” eventuell interessant sein, und zurückgehalten werden sie einzig dadurch, dass sie zu teilen haben werden. Mit den “alten Europäern”, denn vom europäischen Gesichtspunkt aus sind sie reine Konkurrenz. Manche mögen durchkommen und überleben, aber nicht alle werden es schaffen.

Janukowitsch hat noch alle Trümpfe in der Hand. Und gebraucht sie auch und nennt die Dinge beim Namen (Zentren der “Batkiwschtschyna” wurden ausgehoben, Millionen Sponsorengelder sichergestellt nebst einer Ämterverteilung für die geplante, kommende Regierung – Klitschko natürlich Präsident). Er teilt also auch aus, nur immer noch zögernd, um niemanden zu verletzen. Vollkommen verfehlt, denn mit Sicherheit läuft im Hintergrund aktiv ein Schmieren und Aufkaufen des Offizierskorps bis hin zu den höchsten Rängen. Auf diese Weise kommt es irgendwann zu einer Wiederholung der “Erstürmung Tripolis’”, denn auch der “Berkut” gehorcht nur Befehlen und handelt nicht selbständig.

Wenn Janukowitsch ein Kerl ist oder wenigstens nicht dumm, kommt es nicht dazu. Wenn doch, ist er selbst schuld. Man wird ihn demonstrativ bestrafen, zu viele wollen mit ihm reinen Tisch machen. Und wenn in Moskau nicht gerade Leute sitzen, die nur die Milliarden zählen, sondern Politik mit wenigstens etwas Weitsicht machen, dann wird man dort wohl auch begreifen, dass es hier um nichts anderes geht als die Stunde X. Es gilt, Nulands Kekse auf dem Maidan zu überbieten.

Tags:, ,

Trackback von deiner Website.