Gekaperte Wohlfahrt

IHH: "Sensitive charitable donations"

IHH: „Sensitive charitable donations“ (Quelle)

Türkische Grenzer haben einen IHH-Lastkraftwagen an der Grenze zu Syrien aufgehalten, der unter dem Vorwand von “humanitären Hilfstransporten” Raketen, Waffen und Militärausrüstung transportierte.

Die IHH (İnsan Hak ve Hürriyetleri ve İnsani Yardım Vakfı) ist eine türkische Nicht-Regierungs-Organisation, 1992 “für Bosnien” gegründet und Trägerin verschiedener Effizienz- und Projektpreise. Sie verschreibt sich der Aufgabe, in Konflikt- und Katastrophenzeiten den betroffenen Menschen humanitäre Hilfe zu leisten. Ein bedeutendes Projekt der IHH war die “Friedensflottille” nach Gaza Ende Mai 2010, die von israelischen Militärs geentert worden ist. Einer “gängigen” Version zufolge hat die Besatzung eines der Schiffe dieser Flottille israelische Soldaten angegriffen, so dass diese sich mit tödlichen Schüssen zur Wehr setzten mussten.

Nun tritt die IHH im Zusammenhang mit Waffenschmuggel zugunsten der in Syrien hausenden Rebellenbanden in Erscheinung. Das ist gar nicht einmal so erstaunlich – Bürgerrechts-, Hilfs- und Umweltorganisationen werden von Geheimdiensten aller möglichen Staaten zur Verdunkelung ihrer Tätigkeiten genutzt, was auch bereits eine lange Tradition hat: das “Rote Kreuz” lieferte beispielsweise Ende der 1910’er Jahre bereits Waffen für die Koltschak-Armee. Die deklarierten und den jeweiligen Satzungen entsprechenden Tätigkeiten kaschieren dabei den eigentlichen Sinn ihrer Existenz und verschaffen überdies legalen Zugang zu Konfliktzonen und Sperrgebieten. Natürlich leisten diese Organisationen auch tatsächlich humanitäre Hilfe – die IHH beispielsweise in Kosovo, wenn freilich auch sehr selektiv, fast ausschließlich zugunsten der Albaner.

Russland hatte unlängst in einem ähnlichen Fall mit Greenpeace-Aktivisten zu tun. Es ist ja klar, dass man die “Priraslomnaja”-Bohrinsel nicht unter CIA-Flagge samt einer Besatzung von Geheimdienstlern mit den entsprechenden Dienstausweisen ansteuern kann – das gäbe ein viel zu verqueres Bild des Übergriffs auf die Bohrinsel, als wie es sich so darstellt, nämlich als Aktion von Umweltaktivisten. Im Grunde war aber auch das eine ganz banale Diversion.

Was die Türkei angeht, so ist nicht der Waffentransport unter IHH-Label das Erstaunliche. Das liegt eher in der Natur der Sache. Interessant ist die Reaktion der türkischen Grenzer, als sei das etwas noch nie dagewesenes. Sie hätten sich wohl kaum Anordnungen von oben widersetzt, bestimmte Transporte nicht genauer zu untersuchen. Es gibt also eher das Gegenteil, nämlich eine Anordnung zu genaueren Inspektionen dessen, was so an Dingen für die Rebellen nach Syrien einzurollen gedenkt. Die Türkei muss in der jetzigen Phase das Scheitern ihrer aggressiven Syrien-Politik einräumen – Ziele wurden keine erreicht, während auf türkischem Territorium ohne größere Probleme bewaffnete Banden herumstreunen und militärisches Gut durch die Gegend fährt, es massenweise Flüchtlinge in den zu Syrien benachbarten Provinzen gibt und, abgesehen von blankem Diebesgut, keinen Warenaustausch mehr mit Syrien besteht.

Die Türken suchen zweifelsohne nach einem Ausweg aus diesem Konflikt, so dass die Interventionen türkischer Grenzer eher noch zunehmen werden.

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