Wir sind keine Hooligans

Euromaidan 2014In der Ukraine gibt es an wirklich aktiven Medien fast nur “orange”. Allenthalben hört und liest man vom Terror des Berkut, vom Leiden der Euro-Aktivisten, von “erhöhter Radioaktivität” im Bereich der “Demonstrationen”, davon, dass der Berkut “Aktivisten foltert” und von russischen Sturmtruppen, die nach Kiew unterwegs seien. Medienklassiker im orangen Genre.

Aus diesem Grunde sollte man natürlich jede Meldung “von dort” erst einmal in Frage stellen, da es vor verschieden talentierten Infokriegern nur so wimmelt. Die Nachricht eines rumänischen Journalisten namens Adrian Florea liest sich derweil aber ziemlich interessant:

“Fußballfans aus ganz Europa reisen nach Kiew, um die für Gerechtigkeit eintretenden ukrainischen Aktivisten zu unterstützen… (Große Gruppen von) Fans aus Tschechien, der Slowakei, Rumänien, Griechenland, Deutschland, Ungarn und aus anderen Ländern (werden in Kiew anreisen). Im Fußball sind wir Gegner, aber in der Not sind alle einander Brüder.” (Quelle; inzwischen hundertfach verbreitet)

Hooligans hin oder her, die Lage wird auch ohne sie recht entschlossen auf “syrische Bahnen” gelenkt. Die heimischen ukrainischen “Ultras” haben noch nicht genug Masse, ihre durchaus illegalen Anliegen durchzudrücken, also kommen ihnen Kumpel aus dem Ausland zu Hilfe. In Deraa lief es zu Beginn nicht anders, nur dass hier keine “Fußballfans”, sondern Kriminelle aus den benachbarten Jordanien, Ägypten und dem Libanon “den Aktivisten zu Hilfe” eilten. (Im Video aus Deraa vom 21.03.2011 brennt das Gerichtsgebäude und das Kriminalarchiv. In Kiew werden auch bereits gezielt Justizgebäude angegriffen.)

Wenn diese Meldung (oder ähnliche über die Beteiligung von auswärtigem Mob) in etwa stimmt, dann wäre die nächste Phase der “Pro-Eu-Demonstrationen” durch Blut und erste Tote gekennzeichnet. Wie in jedem dieser Fälle sind offene Grenzen den Interventen dienlich, denn es ist unmöglich, sich mit breiter Brust in ein sperrangelweit offen stehendes Tor zu stellen und damit eine anstürmende Meute aufhalten zu wollen. Zumal diese offenen Tore in ukrainischen Provinzen zu finden sind, die Janukowitsch de facto feindselig gegenüberstehen.

Was denn, es zirkulieren bereits Aufrufe zur Erstürmung von Waffendepots der Armee. Teilweise wird eine solche irgendwo bevorstehende Erstürmung von den Oppositionellen zwar als “Provokationsplan der Regierung” bezeichnet, aber was tut man nicht alles, um sich zu maskieren. Es gibt ja keine Stimmen, die dazu aufrufen, solche Eskapaden zu vereiteln. Und damit ist die Lage schon nicht mehr nur eine Frage von Mob auf den Straßen, sondern greift vitale Sicherheitsinteressen des Landes an. Da die Eurointegratoren bereits alles unternehmen, um Polizei und den Berkut zu zersetzen, bleibt abzuwarten, wie die Armee auf etwaige solche Versuche reagiert. Am Ende müssen die Russen sich fragen, ob es nicht ratsam wäre, eine Pufferzone in der Ostukraine einzurichten.

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