Archiv für Januar, 2014

Jahresrückblick 2013: Iran

Quelle: itar-tass.com

jahresrückblick-iranDas Jahr 2013 kann man in Nahost zweifelsohne als “Jahr des Iran” bezeichnen. Ungeachtet dessen, dass in der Region weiterhin der “Arabische Frühling” und der Krieg in Syrien toben und in Libyen und Jemen katastrophale Desintegrationsprozesse verliefen, ist der Iran aufgrund der Bedeutung des großen globalen Spiels rund um ihn und sein Atomprogramm zurecht auf Platz eins gerückt.

Um den Sinn dieses Spiels zu verstehen, muss man ein wenig in die Vergangenheit eintauchen. Der Iran wurde noch 1979 zu einem unzweideutigen Signal für die gesamte islamische Welt – eine Verwestlichung dieser einzigartigen Zivilisation unter dem Aushängeschild einer “Modernisierung” führt zu schwersten inneren Spannungen und Schieflagen. Die Geschwindigkeit, mit welcher Prozesse abliefen, für die Europa Jahrhunderte gebraucht hatte, schlug sich unweigerlich in einer Ablehnung auf Ebene der Mentalität nieder, und der Versuch, Kultur-Codes und Lebensinhalte radikal zu ändern, führte letztlich zur Explosion und zum Einlegen des Rückwärtsgangs – zurück zu den Anfängen der Zivilisation.

Nichtsdestotrotz haben die arabischen Herrscher diese offensichtliche Bedrohung noch recht gleichgültig hingenommen und ihre sozialen und wirtschaftlichen Experimente fortgesetzt. Schließlich, nach Beginn des Arabischen Frühlings, sah sich der Großteil der arabischen Länder mit der Notwendigkeit konfrontiert, ihre Modernisierungsstrategien zu überdenken und suchte fieberhaft nach einer Balance zwischen der Notwendigkeit, diese Modernisierung voranzutreiben, und den Eigenheiten des Islam als einer Lebensweise.

In diesem Sinne ist der Iran sogleich vom Paria der islamischen Welt zu ihrer führenden Nation aufgestiegen – einstweilen noch als “hidden leader” und überwiegend noch nur “potentiell”. In den drei Jahrzehnten seit der Revolution von 1979 schaffte er es, seinen eigenen Weg zur Lösung dieses durchaus nicht simplen Gegensatzes zu finden. Allerdings machte die verhärtete Front zum Westen und insbesondere zur USA seine Führungsfunktion zu einem lediglich virtuellen Faktum.

Genau diese, im Schwebezustand befindliche Lage des Iran veranlasste Saudi-Arabien und Israel dazu, dem Land gegenüber immer höchst besorgt zu begegnen. Die Stellung dieser beiden Länder in der Region hing voll und ganz vom Konfrontationsverhältnis zwischen dem Iran und den USA ab, und bei jeglicher Änderung der Balance in diesem Verhältnis käme es sofort zu entsprechenden neuen Gegebenheiten für sie.

Gekaperte Wohlfahrt

IHH: "Sensitive charitable donations"

IHH: „Sensitive charitable donations“ (Quelle)

Türkische Grenzer haben einen IHH-Lastkraftwagen an der Grenze zu Syrien aufgehalten, der unter dem Vorwand von “humanitären Hilfstransporten” Raketen, Waffen und Militärausrüstung transportierte.

Die IHH (İnsan Hak ve Hürriyetleri ve İnsani Yardım Vakfı) ist eine türkische Nicht-Regierungs-Organisation, 1992 “für Bosnien” gegründet und Trägerin verschiedener Effizienz- und Projektpreise. Sie verschreibt sich der Aufgabe, in Konflikt- und Katastrophenzeiten den betroffenen Menschen humanitäre Hilfe zu leisten. Ein bedeutendes Projekt der IHH war die “Friedensflottille” nach Gaza Ende Mai 2010, die von israelischen Militärs geentert worden ist. Einer “gängigen” Version zufolge hat die Besatzung eines der Schiffe dieser Flottille israelische Soldaten angegriffen, so dass diese sich mit tödlichen Schüssen zur Wehr setzten mussten.

Nun tritt die IHH im Zusammenhang mit Waffenschmuggel zugunsten der in Syrien hausenden Rebellenbanden in Erscheinung. Das ist gar nicht einmal so erstaunlich – Bürgerrechts-, Hilfs- und Umweltorganisationen werden von Geheimdiensten aller möglichen Staaten zur Verdunkelung ihrer Tätigkeiten genutzt, was auch bereits eine lange Tradition hat: das “Rote Kreuz” lieferte beispielsweise Ende der 1910’er Jahre bereits Waffen für die Koltschak-Armee. Die deklarierten und den jeweiligen Satzungen entsprechenden Tätigkeiten kaschieren dabei den eigentlichen Sinn ihrer Existenz und verschaffen überdies legalen Zugang zu Konfliktzonen und Sperrgebieten. Natürlich leisten diese Organisationen auch tatsächlich humanitäre Hilfe – die IHH beispielsweise in Kosovo, wenn freilich auch sehr selektiv, fast ausschließlich zugunsten der Albaner.

Russland hatte unlängst in einem ähnlichen Fall mit Greenpeace-Aktivisten zu tun. Es ist ja klar, dass man die “Priraslomnaja”-Bohrinsel nicht unter CIA-Flagge samt einer Besatzung von Geheimdienstlern mit den entsprechenden Dienstausweisen ansteuern kann – das gäbe ein viel zu verqueres Bild des Übergriffs auf die Bohrinsel, als wie es sich so darstellt, nämlich als Aktion von Umweltaktivisten. Im Grunde war aber auch das eine ganz banale Diversion.

Was die Türkei angeht, so ist nicht der Waffentransport unter IHH-Label das Erstaunliche. Das liegt eher in der Natur der Sache. Interessant ist die Reaktion der türkischen Grenzer, als sei das etwas noch nie dagewesenes. Sie hätten sich wohl kaum Anordnungen von oben widersetzt, bestimmte Transporte nicht genauer zu untersuchen. Es gibt also eher das Gegenteil, nämlich eine Anordnung zu genaueren Inspektionen dessen, was so an Dingen für die Rebellen nach Syrien einzurollen gedenkt. Die Türkei muss in der jetzigen Phase das Scheitern ihrer aggressiven Syrien-Politik einräumen – Ziele wurden keine erreicht, während auf türkischem Territorium ohne größere Probleme bewaffnete Banden herumstreunen und militärisches Gut durch die Gegend fährt, es massenweise Flüchtlinge in den zu Syrien benachbarten Provinzen gibt und, abgesehen von blankem Diebesgut, keinen Warenaustausch mehr mit Syrien besteht.

Die Türken suchen zweifelsohne nach einem Ausweg aus diesem Konflikt, so dass die Interventionen türkischer Grenzer eher noch zunehmen werden.

Retrospektive Dschobar: Bergung eines T-72

Hier kommen ziemlich einzigartige Aufnahmen von der Bergung eines T-72, dessen Kette beschädigt worden und der deswegen unmittelbar an der Frontlinie steckengeblieben ist. Die Besatzung verbleibt in der Maschine, wartet darauf, abgeschleppt zu werden und gibt der Infanterie dabei immer noch Feuerschutz. Andrej Filatow (Kameramann von ANNA-News) springt unmittelbar um den liegengebliebenen Panzer herum und filmt aus nächster Nähe.

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