Euro-Philologen

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Im „Haus der Gewerkschaften“ in Kiew

Die ukrainischen Schlägerbanden sehen sich gezwungen, die gestrige Explosion im von ihnen besetzten Kiewer Haus der Gewerkschaften zu erklären. Nicht sich selbst – sie wissen zweifelsohne bestens Bescheid. Aber es bedarf einer Erklärung für die Außenwelt. Es ist momentan noch schwer, die Wahrheit zu sagen; der “Rechte Sektor” ist wohl noch nicht dazu bereit, sich unverhohlen terroristische Aktivitäten auf die Fahne zu schreiben.

Also muss vorerst noch ein gewisser Unbekannter mit “russischem Akzent” her. Sicher aus demselben Korps, wie der unbekannte russische Scharfschütze, nur dass der jetzige nicht Russisch, sondern Ukrainisch sprach, aber mit eindeutigem “russischen Akzent”. Der “Rechte Sektor” hat ganz offenbar einen Troß Ethno-Philologen mit auf dem Maidan:

“Nach Angaben des Opfers habe ein Unbekannter ihm eine Schachtel geschenkt, nachdem er sich nochmals davon überzeugt hat, dass er auch wirklich ein Mitglied des “Rechten Sektors” sei. “Er sprach Ukrainisch, aber so, wie es sonst Russischsprachler tun – deutlicher, als man es normalerweise tut. Er sah das Abzeichen des “Rechten Sektor”, fragte wieder, ob der junge Mann tatsächlich vom “Rechten Sektor” ist, und übergab ihm, nachdem er sich davon überzeugt hatte, eine braune Schachtel mit den Worten: “Jungs, Helden, hier habt ihr ein Geschenk…” (Quelle)

Interessant ist, dass diese neue Version nicht allzu sehr der von denselben Chargen geäußerten Version von gestern entspricht, in der es darum ging, dass eine Schachtel mit der Aufschrift “Medizin” explodierte, die sich unter den Spenden der Bevölkerung befand. Heute gibt es schon einen konkreten, dabei aber unbekannten Menschen, 1.75 groß, mit Palli-Tuch und grauer Jacke. Aber unbedingt mit russischem Akzent. Und die Arzneimittelschachtel wurde zum Zigarettenetui.

Die rechten Schläger vom Maidan geben womöglich erstklassige Philologen ab, aber als Märchenerzähler taugen sie nicht. Ihre Stories sind eintönig und abgedroschen. Weshalb ein zufälliger Passant des “Rechten Sektor” den russischen Geheimdiensten so wichtig gewesen sein soll, dass man ihm mit einer Explosion die Hand abriss, bleibt durch die Mythologie verborgen.

Kleiner Nachtrag zum vorgestern publik gewordenen Telefonat zwischen Victoria Nuland und Jeffrey Payett, dem US-Botschafter in der Ukraine, das hierzulande unverdientermaßen dadurch bekannt geworden ist, dass Nuland ein “Fuck the EU” darin äußert:

http://www.youtube.com/watch?v=zB8coFCyzbI

Zemanta Related Posts ThumbnailVictoria Nuland hat sich nach einer kurzen & nachvollziehbaren Auszeit gegenüber der EU entschuldigt, sie mit einer solch flapsigen Phrase verunglimpft zu haben.

Derweil hatte die ukrainische Opposition den Mitschnitt natürlich auch diskutiert. Die einhellige Meinung war, dass es sich um eine Provokation von Seiten russischer Geheimdienste handele, welche dieses Telefonat gefälscht hätten. Wie sie nach Nulands Entschuldigung darauf reagieren, weiß man nicht – höchstwahrscheinlich gar nicht. Denn dann müssten sie zugestehen, dass sie im Dienste einer Tante von der anderen Seite des Ozeans performen. Und das ist auch der eigentliche Inhalt des Telefonats, nicht das verschmerzbare “Fuck the EU”, das nur vom Interesse weiterer auswärtiger Stakeholder in der Ukraine zeugt und nichts weiter tut als nochmals zu belegen, dass Klitschko ein (vielleicht vorsätzlich) mißratenes deutsches Projekt ist.

Denn gegenüber dem ukrainischen Volk hat sich Victoria Nuland nicht entschuldigt. Was auch nachvollziehbar ist – solche großen Gesten sind nicht für die Wilden.

 

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