Archiv für März, 2014

Den Freunden der usbekischen Tanzkunst

Al-Buchari-Brigade in Syrien

Al-Buchari-Brigade in Syrien

Im Zusammenhang mit der jüngsten Terror-Offensive in Latakia fallen die Namen einer ganzen Reihe an mehr oder weniger bekannten Islamistenbrigaden, deren bedeutendste wieder die Al-Nusra-Front ist; ebenso taucht die bekannte Dschaisch al-Muhadschirin wal-Ansar, also die “Auswandererbrigade”, wieder als ein Oberbegriff für zahlreiche kleinere Formationen auf.

Unter diesen “kleineren” fällt seit jüngster Zeit eine Brigade namens “Imam al-Buchari” auf, für die man auf Islamistenwebseiten wie Kavkazcenter oder Umma-News plötzlich verstärkt Werbung zu machen scheint. Diese Brigade besteht komplett aus Usbeken.

Der Namensgeber dieser Terrorgruppe ist der islamische Gelehrte Muhammad al-Buchārī, der vor ca. 1.200 Jahren im heutigen Usbekistan lebte und lehrte. Seinen Beinamen “al-Buchārī” trug er aufgrund seines Geburtsorts – Buchara. Er war wohl einer der herausragendsten islamischen Enzyklopädisten – sein Hauptvermächtnis sind die Sahih al-Buchari, die wichtigste unter den 6 großen sunnitischen Hadith-Sammlungen des Islam. Er soll dafür mehr als eine halbe Million Hadithen (also Überlieferungen über das Leben des Propheten) durchforstet und systematisiert haben, um etwa 2.800 unikale und “orthodoxe” davon zu dieser Hadithensammlung zusammenzustellen. Im Grunde handelt es sich bei diesen Hadithen um die Basis aller möglichen islamischen Schulen. Die Pilgerschaft zum Grabmal des Imam al-Buchārī gilt als eine kleine Haddsch.

Wahrscheinlich würde sich Imam al-Buchārī alle dreizehn Barthaare raufen, wüßte er, welch hirnverbranntes und -gewaschenes Gesindel sich heute mit seinem Namen schmückt, wohl nur, um ihrer einzigen Bestimmung – dem Umbringen von Menschen – eine Art frommes Mäntelchen zu verleihen.

Euromaidan: Faktor Erdgas (Teil 1)

Seinerzeit gab es das Rätsel zu lösen, aus welchem kühlen Grunde der “Zwergenstaat” Katar ein scheinbar vollkommen unbegreifliches Engagement im “Arabischen Frühling”, und insbesondere den Kriegen gegen Libyen und Syrien, an den Tag legte. Weshalb wurden in der arabischen Wüste Nachbildungen des Zentrums von Tripolis gebaut, warum waren ausgerechnet katarische Spezialeinheiten unter den Kräften, die am 22. August 2011 das reale libysche Tripolis ausschalteten? Wieso war Katar einer der Hauptsponsoren der Aggression gegen Syrien? Die Antwort damals lautete verallgemeinernd: Umverteilungskämpfe auf dem globalen Markt für Erdgas. Insbesondere ging es im Fall von Katar um die Auswirkungen einer indigenen Sättigung des US-amerikanischen Marktes, der dem Nahost-Gasriesen demnach nicht mehr als Abnehmer zur Verfügung stand, so dass den gigantischen Infrastrukturprojekten des Katar ohne eine Neuausrichtung der Absatzrouten die Sinnlosigkeit drohte.

Katars LNG-Flaggschiff und Lieblingsfrau des Emir Hamad bin Khalifa al Thani, die "Mozah", am Regasifikationsterminal Bilbao

Katars LNG-Flaggschiff und Lieblingsfrau des Emir Hamad bin Khalifa al Thani, die “Mozah”, am Regasifikationsterminal Bilbao

Nur auf den ersten, flüchtigen Blick scheint es befremdlich, dass ganz ähnliche Rangeleien um Verteilung und Transitrouten etwas mit den jüngeren Ereignissen in der Ukraine zu tun haben. Aber einmal kurz innegehalten, fällt einem ein: die Ukraine ist seinerzeit fast jährlich wiederkehrendes Thema im Zusammenhang mit den Erdgaslieferungen aus Russland gewesen. Die in der Prä-South-Stream-Ära wichtigsten Transportrouten für russisches Erdgas nach Europa verlaufen über die Ukraine. Gab es da nicht auch einmal etwas mit einem Kartellverfahren der EU-Kommission gegen Gazprom? Und Julia Timoschenko trug noch vor ihrem Knast-Karriereknick den inoffiziellen Kosenamen “Gasprinzessin”. Als wären das nicht Hinweise genug gewesen, dass es auch hier zu “Revolutionen” kommen muss.

Was hier in mehreren Teilen nun folgen soll, ist eine “für hierzulande” aufbereitete, ergänzte und teilweise erweiterte Übersetzung einer Analyse aus den Hinterzimmern der bekannten russischen Nachrichtenagentur ITAR-TASS (die bald, zu ihrem 110-jährigen Jubiläum, wieder zum Eigennamen aus Sowjetzeiten – TASS – zurückkehren will, sofern die Regierung als Gesellschafterin das genehmigt). Da es sich bei ITAR-TASS nun einmal um eine Nachrichtenagentur handelt, bei der Analysen und Meinungen bestenfalls Randthema sind, wurde der Text – wie die meisten der “Jahresrückblicke” für 2013 – dort nicht publiziert, sondern vom Autor u.a. mir zur Verfügung gestellt.

Das Thema ist zu komplex, als dass man es in einem einzigen Beitrag abhandeln könnte, deswegen folgt heute nur der erste Teil, der nichts anderes als eine Vorrede darstellt. Die weiteren Teile – dann schon speziell zur Ukraine und den Strategien der jeweiligen Interessensgruppen dort – folgen später, voraussichtlich aber nicht vor Ende kommender Woche. Hierunter also Teil 1 als Einstimmung.


Der globale Markt für Erdgas und seine Neuordnung

Die Schaffung eines globalen Marktes für Erdgas, das Erdöl als Energieträger ablösen kann, erweist sich zweifelsohne als einer der Faktoren für die vor unseren Augen entstehende neue Weltordnung. Dabei wird das Erdöl selbstverständlich nicht von der Bildfläche verschwinden, sondern auch weiterhin einen wichtigen Teil des weltweiten Energiehaushalts darstellen, wie dies zum Beispiel auch für die Kohle der Fall ist. Ungeachtet dessen sind Veränderungen allerdings bereits wahrnehmbar: laut einer Studie von BP betrug der Anteil des Erdöls als Energieträger auf dem Höhepunkt seiner Bedeutung im Jahre 1973 48 Prozent und wird sich bis zum Jahr 2030 auf 28 Prozent verringern. Gleichzeitig wird sich der Anteil des Erdöls an der Stromerzeugung bis zum Jahr 2030 auf 2 Prozent reduzieren:

After the oil price shocks of the 1970s, oil’s share in primary energy consumption fell from a peak of 48% in 1973 to 39% in 1985. Rising oilprices have again increased the burden of oil on the economy in recent years and oil has lost market share again – falling to 33% in 2011. We project this to fall further to 28% by 2030.

High relative prices have led to the substitution of oil by other fuels outside the transport sector where cheaper alternatives are available. Oil’s share in power generation, for example, fell from 22% in 1973 to 4% in 2011 and is forecast to decline to just 2% by 2030.

Quelle: BP Energy Outlook 2030; cf.: BP Energy Outlook 2035

Daten vom September 2013, Preise pro Mio. BTU. Quelle: stansberryresearch.com

Daten vom September 2013, Preise pro Mio. BTU. Quelle: stansberryresearch.com

Im Gegensatz dazu wird das Erdgas zunehmend an Bedeutung gewinnen: der weltweite Handel mit Erdgas wird bis zum Jahr 2030 jährlich im Mittel um 3,7 Prozent zulegen.

Die Schwierigkeiten des Gasmarktes sind von ganz grundlegender Natur:  auf Grund der besonden physikalischen Eigenschaften von Erdgas bestehen gewisse Herausforderungen im Zusammenhang mit dessen Transport. Auf Grund der ungleichmäßigen Verteilung der Regionen, in denen dieses Gas gefördert wird, sind stabile lokale Märkte entstanden, auf denen Erdgas aber zu sich wesentlich unterscheidenden Bedingungen gehandelt wird.

Unter diesen Märkten zeichnen sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt die “vier großen” Schlüsselmärkte ab: der amerikanische, der russische, der europäische und der südostasiatische.

Dabei konnten Russland und inzwischen auch die Vereinigten Staaten ihre Unabhängigkeit im Energiebereich auf Grund eigener Erdgasvorkommen (in den USA auch Schiefergas) und der Entwicklung einer dazugehörigen Industrie sicherstellen. Die wesentlichen Verteilungskämpfe laufen jetzt um den europäischen und südostasiatischen Markt ab.

Einer mehr für den Fährmann, Johnny

In jungen Jahren in "Itschkeria"

In jungen Jahren in “Itschkeria”

Saschka, der Weiße, oder Aleksandr Musytschko starb, wie er gelebt hat – beim Versuch gewisser Sicherheitskräfte des Junta-Innenministers Awakow, ihn zu verhaften, leistete er bewaffneten Widerstand, versuchte zu fliehen und wurde erschossen. Immerhin hat er es geschafft, einen Beamten der Sondereinheit “Sokol” zu verwunden. Soweit zumindest der ganze Hergang nach Awakows Stellvertreter Jewdokimow. Den Fluchtversuch kann man eventuell anzweifeln: der Mann saß kurz vor seinem Tod bereits in einem Fahrzeug der Sicherheitskräfte (insgesamt immerhin 30 Mann, die zu seiner Festnahme abgestellt waren) und trug Handschellen.

Drei von Musytschkos Kumpanen waren verständig genug, sich zu ergeben. Sie werden jetzt wohl nach Kiew geschafft.

Eigentlich ist soweit allen klar, dass der ukrainische Staat als solcher in relativ naher Zukunft endgültig zusammenbricht. Im immer weiter um sich greifenden Chaos wird nur der überleben, der genügend Gewaltstrukturen kontrolliert. In genau diesem Zusammenhang ist auch das Engagement von privaten Sicherheitsfirmen wie Greystone Ltd. durch ukrainische Oligarchen, speziell Taruta und Kolomojskij, zu verstehen – bloß mit Papierdollars kann man sich nicht absichern, und die bewaffneten Knallköpfe vom Maidan eignen sich bestenfalls dazu, Menschen zu verschrecken und einzuschüchtern. Richtige Sicherheitskräfte arbeiten mit Aufklärung, Gegenaufklärung, in operativen Einsätzen und der Einrichtung und Aufrechterhaltung von Sicherheitsbereichen und so weiter. Und das ist etwas für Profis. Und da die ukrainische Polizei inzwischen fast vollständig liquidiert ist, braucht es da, wo es etwas oder jemanden zu schützen gibt, einen Ersatz.

Die Liquidierung des Aleksandr Musytschko ist derweil ein Schachzug der “Vaterlandspartei” im Macht- und Verteilungskampf gegen den “Rechten Sektor” und Jarosch. Logisch wären jetzt irgendwelche Gegeninitiativen, vielleicht solche, die direkt gegen Awakow gerichtet sind (denn Timoschenko und Jazenjuk sind unantastbare heilige Kühe). Das (überhaupt nicht) lustige Spiel der Verbrechersyndikate “Rechter Sektor” vs. ukrainische “Nationalgarde” nimmt langsam Fahrt auf. Es ist aber unwahrscheinlich, dass man der Ukraine die gleiche “Freiheit” zugestehen wird wie Somalia. Die meisten der auswärtigen Stakeholder hocken zu dicht daneben – für solche Fälle gibt es aber die “Variante Afghanistan”, oder, wenn man Glück hat, “Krim”.

Sanktionsabtausch

Die russische Regierung hat die Sanktionsliste der US-Regierung postwendend mit einer Gegenliste gekontert. Bislang sind 9 Personen darauf vermerkt:

  • Caroline Atkinson, stellv. Beraterin des US-Präsidenten für Nationale Sicherheit
  • Daniel Pfeiffer, Berater des US-Präsidenten für Strategie und Kommunikation
  • Benjamin Rhodes, stellv. Berater des US-Präsidenten für Strategie und Kommunikation
  • Harry Reid, Berater des US-Präsidenten
  • John Boehner, Sprecher des US-Repräsentantenhauses
  • Robert Menendez, Vorsitzender des Senatsauschusses für Außenpolitik
  • Mary Landrieu, US-Senatorin von den Demokraten
  • Daniel Coats, US-Senator von den Republikanern
  • John McCain, US-Senator von den Republikanern

Die Menschen in Russland haben das sofort aufgegriffen und (nur eines der zahlreichen Beispiele) logisch weiterentwickelt:

"SANKTIONEN - Dem Präsidenten der USA, Barack Obama, ist der Zutritt zum Geschäft "Мёд" ("Honig") verwehrt. gez. die Geschäftsleitung"

“SANKTIONEN – Dem Präsidenten der USA, Barack Obama, ist der Zutritt zum Geschäft “Мёд” (“Honig”) verwehrt. Gez. die Geschäftsleitung”

Barack Obama grübelt und initiiert eine Sanktionsliste gegen einzelne Branchen der russischen Wirtschaft, so dass man in naher Zukunft wohl mit Balalaika- und Filzstiefel-Engpässen zu rechnen hat.

Die Machthaber in Kiew legen sich derweil mit Japan an. Die dort enorm populäre Staatsanwältin der AR Krim, Natalja Poklonskaja, wird in Abwesenheit ihres Amtes enthoben und bekommt eine Strafanzeige:

“Die ukrainische Staatsbürgerin Natalja Poklonskaja wird der Vergehen nach §109 Abs. 1 (Handlungen, die auf eine gewaltsame Veränderung oder den Sturz der verfassungsmäßigen Ordnung oder auf einen Staatsstreich abzielen) Strafgesetzbuch der Ukraine verdächtigt.”

Ein Gericht in Kiew gibt damit dem Antrag der Kiewer Staatsanwaltschaft auf Festnahme von Natalja Poklonskaja statt. (Quelle)

poklonskaja

Willkommen im Kalten Krieg allerseits.

Krak des Chevaliers

Fast unauffällig, aber durchaus zeichenhaft ist in Syrien die Festung Krak des Chevaliers (arabisch al-Husn) von der Syrischen Arabischen Armee befreit worden. Gleiches gilt für zwei von der Al-Nusra-Front besetzte, nahegelegene Orte.

Die im 11. Jahrhundert erbaute Festung wurde ungefähr Anfang März 2012 von den “Rebellen” gestürmt und erobert, nachdem die dort wachhabende Polizeimannschaft ausgelöscht worden war. Am 17. Juni 2013 wurde berichtet, einer der Türme der Festung sei durch einen Luft- oder Artillerieangriff der Armee zerstört oder schwer beschädigt worden. Anhar Kotschnewa hatte dokumentiert, dass sich die Schäden in Grenzen hielten und nicht nachhaltig sind – es gebe Spuren von 2 größeren Einschlägen in den Mauern, die “Ecke eines der Türme” sei beschädigt.

Noch Mitte 2013 zählten die in der Festung und in den anliegenden Orten verschanzten Dschihadisten ca. 1.700 Mann. Seit ungefähr Mitte Januar 2014 waren Festung und besetzte Ortschaften abgeriegelt, es gab teilweise schwere Kämpfe bei Ausbruchsversuchen der Rebellenbanden.

Krak des Chevaliers, Provinz Homs, Syrien. Foto: Xvlun / Wikimedia Commons

Krak des Chevaliers, Provinz Homs, Syrien. Foto: Xvlun / Wikimedia Commons

Putins Rede zum Beitritt der Krim

Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin am 18. März 2014 im Kreml vor Abgeordneten der Staatsduma, vor Mitgliedern des Föderationsrats, Gouverneuren des Landes und Vertretern der Zivilgesellschaft bezüglich der Bitte der Republik Krim und der Stadt Sewastopol um Aufnahme in den Bestand der Russischen Föderation

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Guten Tag, sehr verehrte Mitglieder des Föderationsrats, sehr verehrte Abgeordnete der Staatsduma! Sehr geehrte Vertreter der Republik Krim und der Stadt Sewastopol – ja, sie sind hier, unter uns, als Bürger Russlands, Einwohner der Krim und Sewastopols!

Verehrte Freunde, heute haben wir uns zur Besprechung einer Frage hier versammelt, die lebenswichtig und von historischem Ausmaß für uns alle ist. Am 16. März hat auf der Krim ein Referendum stattgefunden. Dieses Referendum verlief in voller Übereinstimmung mit demokratischen Normen und internationalen Vorschriften.

An der Abstimmung haben mehr als 82% der Wähler teilgenommen, über 96% sprachen sich für einen Anschluss an Russland aus. Diese Zahlen sind durchaus überzeugend.

Um zu verstehen, warum es zu genau dieser Wahl gekommen ist, genügt es, die Geschichte Russlands zu kennen und zu verstehen, was die Krim für Russland und was Russland für die Krim bedeutet.

Alles auf der Krim ist von unserer gemeinsamen Geschichte, unserem gemeinsamen Stolz durchdrungen. Hier liegt das antike Chersones, wo der heilige Fürst Wladimir getauft wurde. Seine geistliche Aufopferung – die Annahme des orthodoxen Glaubens – bestimmte die allgemeine kulturelle Basis, das Wertesystem und die Zivilisation voraus, welche die Völker Russlands, der Ukraine und Weißrusslands vereint. Auf der Krim gibt es Gräber der russischen Soldaten, durch deren Heldenmut die Krim im Jahre 1783 unter russische Herrschaft kam. Die Krim – das ist Sewastopol, eine Legende von einer Stadt, eine Stadt mit einem großartigen Schicksal, eine Festungsstadt und die Heimatstadt der Schwarzmeerflotte. Die Krim – das ist Balaklawa und Kertsch, Malachow und Sapun-gora. Jeder dieser Orte ist ein Heiligtum für uns, all das sind Symbole für militärischen Ruhm und Heroismus.

Die Krim ist eine einmalige Mischung aus den Kulturen und den Traditionen verschiedener Völker, und auch dadurch ähnelt sie dem großen Russland, wo im Verlauf der Jahrhunderte keine einzige der zahlreichen Völkerschaften verschwunden ist oder sich aufgelöst hat. Russen und Ukrainer, Krimtataren und Vertreter anderer Völkerschaften lebten und wirkten gemeinsam auf dem Boden der Krim, sie bewahrten sich ihre Eigenständigkeit, ihre Sprache und ihren Glauben.

Übrigens sind von den 2.200.000 Einwohnern der Krim heute fast anderthalb Millionen Russen, 350.000 Ukrainer, die überwiegend die russische Sprache als ihre Muttersprache betrachten, sowie ungefähr 290-300.000 Krimtataren, ein bedeutender Teil derer, wie das Referendum gezeigt hat, sich ebenfalls in Richtung Russland orientiert.

Ja, es gab eine Zeit, als man den Krimtataren, wie auch anderen Völkerschaften der UdSSR gegenüber mit Härte und Ungerechtigkeit aufgetreten ist. Ich will eines sagen: Millionen von Menschen verschiedener Nationalitäten wurden Opfer der damaligen Repressionen, vor allem natürlich auch Russen. Die Krimtataren sind inzwischen in ihre Heimat zurückgekehrt. Ich bin der Ansicht, dass es notwendig ist, alle politischen und rechtlichen Schritte dazu zu unternehmen, die Rehabilitation der Krimtataren zu vollenden und ihren guten Namen in vollem Umfang wiederherzustellen.

Wie die Herrin, so die Hündin

“Wenn der Stiefel des russischen Soldaten unseren Boden betritt, so werden wir alles dafür tun, dass der Okkupant teuer dafür bezahlen muss. Wir wissen: Russland verdient sein Geld damit, dass es Erdöl und Erdgas durch unsere Pipelines nach Westen pumpt – deswegen werden wir diese Pipelines zerstören und den Feind so seiner Einnahmequellen berauben. Möge die Erde unter den Füßen der Besatzer brennen, mögen sie am eigenen Blut ersaufen, wenn sie unser Territorium überfallen. Kein Schritt zurück! Wir gestatten es dem rasenden, totalitären Regime in Moskau nicht, einen Dritten Weltkrieg zu entfachen!” (Dmitri Jarosch, Chef des “Rechten Sektor”, zit. nach telegraf.com.ua, deutschsprachige Meldung hier)

jaroschOffenbar bekommt der Gruppenführer gerade seinen Höhenkoller. Der rasante Aufstieg aus dem braunen Sumpf auf die Hochebene der Regionalpolitik führt dazu, dass diverse Körpersäfte zu Kopf steigen, und Jarosch beginnt, in globalem Maßstab, in Kategorien wie “Dritter Weltkrieg”, zu halluzinieren.

Freilich sieht er die Herausforderungen auf dieser Ebene ganz genauso unkompliziert wie im gewohnten kriminellen Milieu. Die Sprengung einer Pipeline ist dann wohl auch das phantasievollste, womit Jarosch seinen außerirdischen Feind schrecken kann. Dabei ist natürlich nicht ganz klar, ob er diese Drohungen mit dem Eigentümer der Pipeline abgestimmt hat – diesem könnte ein solcher Aktionismus durchaus unangenehm werden; ebenso unklar ist, ob er von seinen Alliierten, den Empfängern des Erdöls und Erdgases, eine Genehmigung für diesen Auftritt erhalten hat. Diese zahlen immerhin mit ihren mühsam zusammengekratzten Budgets dafür – mit anderen Worten, Jaroschs Ausfall sieht eher nach rasendem Uhland aus, als nach ernstzunehmender Drohung. Mit einer solchen Herangehensweise überfällt man bestenfalls Imbißbuden in der Provinz.