Ukraine, Mission R2P

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Parlament der Autonomen Republik Krim, 01.03.2014

So, wie es inzwischen aussieht, hat sich wohl die militärische Option bei der Eindämmung des Bandera-Putsches als die einzig vernünftige erwiesen. Es ist immer noch schwer zu sagen, aufgrund welcher Fakten am Boden Russland eine solche Entscheidung getroffen hat, aber man kann gut und gern davon ausgehen, dass die Staats- und Militärführung Informationen und analytische Ressourcen haben, von denen unsereins nur träumen kann.

Der derzeitige patriotische Jubel der Russen und der ihrer Sympathisanten ist verständlich und bestimmt irgendwo auch gerechtfertigt – das Aufbegehren des Faschismus in der Ukraine, allzu deutlich als Rammbock gegen bestehende Staats- und Gesellschaftsordnungen eingesetzt, ist eine Schande. Eigenartig natürlich, dass weit weniger Menschen den Wahhabismus als ein ganz gleichartiges Instrument erkennen. Kein Wunder, dass Dmitrij Jarosch, Chef des ukrainischen “Rechten Sektors”, angesichts der Entscheidung des Föderationsrats der RF ausgerechnet Doku Umarov zum aktiveren Kampf gegen den russischen Staat aufruft:

“Das ukrainische Volk und die Völker des Kaukasus einigt das gemeinsam vergossene Blut. Viele Ukrainer haben mit der Waffe in der Hand den Freiheitskampf des tschetschenischen und anderer kaukasischer Völker unterstützt. Jetzt ist es an der Zeit die Ukraine zu unterstützten!”

Um wessen vergossenes Blut es hierbei geht, wird wohlweislich verschwiegen. Ramsan Kadyrow, der erst im Januar verlauten ließ, es sei sicher, dass Umarov “in die Hölle geschickt” worden sei, versprach Jarosch heute, ihm eine Einwegfahrkarte ebendahin zu organisieren.

"Antimaidan" am 01.03.2014

„Antimaidan“ am 01.03.2014. Quelle: RT

Bei alledem gibt es freilich auch Rationales. Es ist sonnenklar, dass die militärische Option weniger mit der Krim allein zu tun hat – denn auf der Krim haben die Bandera-Putschisten trotz eines Versuchs über die Tataren keinen Fuß fassen können, und ansonsten haben die “höflichen Menschen” die Lage zum heutigen Tage eigentlich komplett unter ihre Kontrolle gebracht. Allerdings geht es schon damit los, dass die Krim vom Festland aus mit Elektroenergie und Trinkwasser versorgt wird. Es geht also letztlich mit Sicherheit um die Wiederherstellung der verfassungsgemäßen Ordnung in der gesamten Ukraine – vom Osten bis an ihre Westgrenze. Um eine Teilung geht es eher nicht – das Budapester Memorandum verpflichtet Russland (und andere) dazu, die territoriale Integrität der Ukraine zu wahren. Die Aufgabe des russischen Militärs wird es demnach sein, die bewaffneten Bandera-Truppen zu liquidieren und wahrscheinlich auch Janukowitsch nach Kiew zurückzubringen. Sobald es dann gelungen ist, die Lage wieder zu stabilisieren – etwa durch das Wiederbeleben der von den Putschisten zerstörten und zerstreuten Polizei- und Sicherheitskräfte – ist keine russische Militärpräsenz mehr vonnöten und Janukowitsch kann sich in Ruhe abwählen lassen oder gleich aus Gesundheitsgründen abdanken.

Die Chancen, die sich Russland und der Ukraine alles in allem bieten, sind enorm. Denkbar ist ein ukrainisches Referendum über die künftige Beschaffenheit des Landes – es schreit geradezu nach einer Föderalisierung. Putins “Eurasische Union” nähme am Horizont Gestalt an.

Wie genau die Dinge verlaufen werden, kann man momentan nur rätseln. Wenn nichts dazwischen kommt, dann voraussichtlich in Form des noch von Janukowitsch (nach der Bewaffnung des “Rechten Sektors”) angeordneten landesweiten Anti-Terror-Einsatzes. Wie dem auch sei, die Entscheidung ist gefällt, jetzt gilt es, sie umzusetzen.

 

UPD. Die auf der Krim stationierten regulären Streitkräfte der ukrainischen Armee und Marine sind überwiegend auf die Seite der dortigen Autonomieadministration übergewechselt; wo nicht, sind sie abgeriegelt oder bereits entwaffnet. (Quelle)

Wladimir Putin teilt seine Kippe mit dem einfachen ukrainischen Volk.

Wladimir Putin teilt seine Kippe mit dem einfachen ukrainischen Volk.

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