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Den Freunden der usbekischen Tanzkunst

Al-Buchari-Brigade in Syrien

Al-Buchari-Brigade in Syrien

Im Zusammenhang mit der jüngsten Terror-Offensive in Latakia fallen die Namen einer ganzen Reihe an mehr oder weniger bekannten Islamistenbrigaden, deren bedeutendste wieder die Al-Nusra-Front ist; ebenso taucht die bekannte Dschaisch al-Muhadschirin wal-Ansar, also die “Auswandererbrigade”, wieder als ein Oberbegriff für zahlreiche kleinere Formationen auf.

Unter diesen “kleineren” fällt seit jüngster Zeit eine Brigade namens “Imam al-Buchari” auf, für die man auf Islamistenwebseiten wie Kavkazcenter oder Umma-News plötzlich verstärkt Werbung zu machen scheint. Diese Brigade besteht komplett aus Usbeken.

Der Namensgeber dieser Terrorgruppe ist der islamische Gelehrte Muhammad al-Buchārī, der vor ca. 1.200 Jahren im heutigen Usbekistan lebte und lehrte. Seinen Beinamen “al-Buchārī” trug er aufgrund seines Geburtsorts – Buchara. Er war wohl einer der herausragendsten islamischen Enzyklopädisten – sein Hauptvermächtnis sind die Sahih al-Buchari, die wichtigste unter den 6 großen sunnitischen Hadith-Sammlungen des Islam. Er soll dafür mehr als eine halbe Million Hadithen (also Überlieferungen über das Leben des Propheten) durchforstet und systematisiert haben, um etwa 2.800 unikale und “orthodoxe” davon zu dieser Hadithensammlung zusammenzustellen. Im Grunde handelt es sich bei diesen Hadithen um die Basis aller möglichen islamischen Schulen. Die Pilgerschaft zum Grabmal des Imam al-Buchārī gilt als eine kleine Haddsch.

Wahrscheinlich würde sich Imam al-Buchārī alle dreizehn Barthaare raufen, wüßte er, welch hirnverbranntes und -gewaschenes Gesindel sich heute mit seinem Namen schmückt, wohl nur, um ihrer einzigen Bestimmung – dem Umbringen von Menschen – eine Art frommes Mäntelchen zu verleihen.

Die diversen Betätigungen der Usbekenbrigade werden auf den Islamistenwebseiten ausführlich beleuchtet, wobei bei ausnamslos allen Aufnahmen ihre Gesichter unkenntlich gemacht werden. Aber ansonsten ist das PR für diese scheinbar marginale Bande “state of the art”: eigene Webseite (registriert im September 2013 in der Türkei), Twitter- und Youtube-Kanal, Facebook-Seite.

Die Unkenntlichmachung der Gesichtszüge deutet denn auch darauf hin, dass diese islamistischen Freischärler noch an Orte zurückzukehren gedenken, wo man ihre Visagen möglichst nicht mit dem Terror in Syrien in Verbindung bringen soll; weil ihnen, sagen wir, daraus Probleme erwachsen könnten. Zurückzukehren hätten ethnische Usbeken an gar nicht so viele Orte – als Varianten gäbe es natürlich Usbekistan selbst, außerdem die usbekische Enklave in Afghanistan oder die “Black box” Zentralasiens – das Ferghana-Tal. Für die Zustände in Afghanistan wäre es wahrscheinlich unnötig, seine Gesichter zu verdecken. Man kann gut und gern davon ausgehen, dass diese Kerle in nicht allzu ferner Zukunft an einem ganz konkreten andern Ort eingesetzt werden sollen.

Das alles wäre vielleicht keiner näheren Betrachtung wert, würde nicht ausgerechnet jetzt Usbekistan mit einer Seifenoper-Meldung in die Nachrichten kommen. Kaum jemand hierzulande kann auf Anhieb sagen, wo dieses -stan denn nun wieder liegt, aber die Medien spulen trotzdem eine aktuelle Geschichte über die arme Gulnara Karimowa, Diktatorentochter unter Hausarrest, ab. Der Hintergrund: sie habe einen handgeschriebenen Brief an die BBC gerichtet, in dem sie über über Mißhandlungen klagt. BBC hat natürlich sofort einen Handschriftvergleich veranlasst und die Echtheit des Briefs so ziemlich bestätigt.

„Ich stehe unter massivem psychischen Druck“, heißt es in dem Brief laut BBC. Auch sonst scheint sie Grund zu Beschwerden zu haben: „Man kann die Zahl der Blutergüsse auf meinen Armen zählen.“ (Quelle: SPON)

Gulnara Diktatorentochter

Gulnara Diktatorentochter

Und dazu wird in dem Brief das herkömmliche Bild diktatorischer Regimes gezeichnet: Koks, Gewalt & Nutten.

Das wichtige an solchen Meldungen, bei denen immer im Schnelldurchlauf davon gesprochen wird, dass die Echtheit nicht bestätigt werden kann (oder wie hier nur zu 75% wahrscheinlich ist), ist die periodische Erinnerung daran, dass da noch irgendwo ein böses Land ist, dessen Diktator zusammen mit seiner menschenverachtenden Clique nicht einmal seinen eigenen, in Ungnade gefallenen Töchtern (Hint: zukünftigen Präsidentschaftskandidatinnen) die Freiheit verweigert. Bei nächster sich bietender Gelegenheit kann man dann locker sagen: hier, ihr wißt doch, die Medien haben berichtet.

Was haben wir also?

  1. usbekische Islamistenbrigaden in der Kampferprobung
  2. einen Diktator, sowie (per Handschrift auf Zettel) ausführlich und authentisch dokumentierte Menschenrechtsverletzungen
  3. ein Land, das in Zentralasien liegt und durch das die Zentralasien-China-Erdgaspipeline führt.

Die US-Luftwaffenbasis Karshi-Khanabad wurde übrigens Ende 2005 nach den niedergeschlagenen Unruhen in Andijon zwangsweise geräumt. Fast klingt’s wie ein Rezept für die Zukunft. Punkt 1 suggeriert ein wenig die nahe Zukunft. Für den Namen der entsprechenden ausländischen „Freundes“-Organisation habe ich mit der Überschrift zu diesem Text bereits einen Vorschlag abgegeben.

Zentralasien-China-Erdgaspipeline

Zentralasien-China-Erdgaspipeline

Persönliche Anmerkung: Aufgrund einer etwas besseren Landeskenntnis frage ich mich, wie man – im Falle eines Falles – Turkmenistan “knacken” will. In diesem Land sind kaum Bruchlinien zu identifizieren.

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