Neues aus der Schlangengrube

Dr. Irina Farion, ukrainische Rada-Abgeordnete von der Swoboda-Partei

Dr. Irina Farion, ukrainische Rada-Abgeordnete von der Swoboda-Partei

Timoschenkos Äußerungen über eine wünschenswerte nukleare Vernichtung von Russen in der Ost- und Südostukraine mag man als privaten, emotionalen Ausrutscher werten – immerhin waren ihre Worte nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, und wer sagt nicht schon einmal beherzt, dass “die Polen Autos klauen”. Wenn dann am selben Ort Parlamentarier TV-Leute für ihre Berichterstattung prügeln und mißhandeln lassen, reagiert immerhin schon die Presse, weil das ja irgendwie ihre Kollegen zu betreffen scheint. Dass das nur die Spitze dessen ist, was in der Ukraine allenthalben passiert, und dass bei den meisten Opfern keiner Meldung macht, ist dann schon eine andere Frage. Immer noch seien Faschisten als dominierender Faktor unter den ukrainischen Putschisten “mutmaßlich” oder eine “laute Randgruppe”; auf diese Weise wird versucht, den Systemcharakter solcher Übergriffe kleinzureden.

Frisches gibt es auf diesem Schauplatz von der Rada-Abgeordneten der Swoboda-Partei Dr. Irina Farion, nämlich Äußerungen bezüglich der Protestbewegungen in den östlichen Regionen der Ukraine. Diese fielen im Zusammenhang damit, dass das Parlament kurz zuvor die Höchststrafe für “separatistische Bestrebungen” auf 15 Jahre Freiheitsentzug angehoben hatte:

“Ich würde in dieser Angelegenheit viel härter vorgehen. Ich würde diese Leute einfach abschießen. Der Feind haust auf unserem Boden. … Man hätte ihn noch 1654 von hier verjagen sollen. Die heutige Reaktion [die Erhöhung des Strafmaßes für “Separatismus” – apxwn] ist absolut angemessen, aber die Maßnahmen müssen viel radikaler sein. Unsere Leute haben ihr Leben hingegeben, aus diesem Grunde verdienen diese Kreaturen nur eins – den Tod.” (Quelle)

Es ist zwar soweit klar, dass die Präsenz von offenkundig psychisch gestörten Personen im heutigen ukrainischen Parlament und unter den jetzigen Machthabern ganz überdurchschnittlich ist. Doch genau die sind der Motor jener psychologischen Vergewaltigung, mit deren Hilfe eine offenkundige Minderheit (“laute Randgruppe”) der Mehrheit ihren Willen diktiert. Eigentlich ist das auch hierzuland nichts neues – es handelt sich um nichts anderes als die Taktik von aggressiven Interessensgruppen von den “FeministInnen” bis hin zu menschenverachtenden Öko-Guerillas. Aggression ist das Stichwort, denn Aggression ist es, durch die – wenn man ihr keine Abfuhr erteilt – gesellschaftlich eigentlich tabuisierte Verhaltensmuster erst in den allgemeinen Diskurs eingebracht und allmählich in den Status einer Norm überführt werden, während traditionelle Werte fortan als extremistisch gelten.

Die “Krassheit”, die man derzeit noch beim Auftreten von Personen wie Farion, Miroschnitschenko oder Timoschenko empfindet, darf nicht dazu führen, dass man diese Dinge als Ausrutscher, Exzesse oder “laute Randgruppe” abtut. Ohne gebührenden Widerstand werden solche Protagonisten zu Kristallisationspunkten einer Aggressivität, die jetzt bereits viele Menschen in der Ukraine erfasst hat. Es ist natürlich einfach zu sagen, dass die Westukraine “schon immer Russland gehasst” hat. Aber das stimmt so nicht. Das Fehlen von gesellschaftlichem und politischem Widerstand gegen aggressive Ausfälle wie diese ist Ursache für den eklatanten kulturellen und politischen Verfall der Ukraine. Und nicht nur der Ukraine, by the way.

UPDATE. Für alle Genießer des Schönen und Geistreichen hier das oben wiedergegebene Statement der Dame vor laufender Kamera:

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