Archiv für April, 2014

MiG-29 in Syrien

Als emotionalen Konterpart zur heutigen gestrigen Meldung, die in Syrien operierenden Terrorbrigaden hätten erstmals „moderne panzerbrechende Waffen“ im Einsatz (das entsprechende Video soll aus der Provinz Idlib stammen und zeigt einen Dschihadisten beim Abfeuern einer BGM-71 TOW) würde ich – nur zwischen den Texten – einmal eine ziemlich effektvolle Aufnahme einer syrischen MiG-29 anbieten. M.W. gab es noch keine solch „glücklichen“ Bilder von der syrischen Luftwaffe im Einsatz:

An der Unterseite der Flügel erkennt man die Startbehälter (B-8) für ungelenkte Luft-Boden-Raketen (S-8), Standardausrüstung für den Einsatz gegen Bodenziele.

Vor einiger Zeit gab es hier Meldungen in den Kommentaren, es stünde unmittelbar eine massive, von Jordanien aus angeleierte Angriffswelle von US-instruierten und -geführten Terroristenarmeen, samt „Eliteeinheiten“ und mutmaßlichem israelischen „Enthauptungsschlag“ auf Damaskus bevor. Ohne das kleinreden zu wollen, scheint es eine kleine „Dislokation“ dieser Initiative gegeben zu haben. Al-Akhbar redete jedenfalls vor 3 Tagen von einer „Luftbrücke“ Jordanien –> Türkei (Iskenderun). Damit wäre die Herkunft der zusätzlichen Humanressourcen bei der jüngsten Terroroffensive in Latakia geklärt, es bleibt die Frage nach der verbleibenden Substanz für den gemutmaßten „massiven Schlag“ an der Südfront.

Euromaidan: Faktor Erdgas (Teil 2)

Die Fortsetzung des “Faktors Erdgas” (Teil 1) für die Ukraine behandelt alles in allem weniger das Erdgas, als vielmehr den Aufbau von Szenarien in der Ukraine, wie sie seit ihrer Unabhängigkeit vor 23 Jahren zu beobachten sind. Der vorliegende Text stammt noch aus der Zeit vor dem Sturz Janukowitschs, was man an der einen oder anderen Stelle merkt. Da er aber wichtige Hintergründe liefert, hat er nichts an Aktualität verloren.

Die Strategien des Westens und Russlands in der Ukraine

Die Bedeutung der Ukraine als wichtigstem Transitland zwischen Westeuropa und der osteuropäischen Ebene und – über selbige hinaus – Zentralasien und dem Kaukasus braucht man nicht einmal zu bestreiten versuchen.

Im Jahr 2013 wurden vom gesamten, von Gazprom an die Endabnehmer gelieferten Erdgases, etwa 52% oder 83,7 von 161,5 Milliarden Kubikmeter durch das Pipelinesystem der Ukraine geleitet. Die übrigen Routen – darunter Nord Stream – machten 48% oder 73,1 Milliarden Kubikmeter aus. Nord Stream wird derzeit auch nur mit der Hälfte seiner Maximalkapazität gefahren.

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Man könnte annehmen, dass die Bedeutung der Ukraine für Russland entsprechend der Zuschaltung von Kapazitäten von sowohl Nord Stream und South Stream abnimmt. Allerdings spricht der Umstand, dass allein schon Nord Stream derzeit nur zur Hälfte seiner Möglichkeiten genutzt wird, davon, dass die Ukraine wohl schwerlich kurzfristig aus den Transportplanungen der russischen Erdgasproduzenten ausgeschlossen werden kann, vielmehr werden die genannten neuen Pipelines womöglich sogar nur Backup-Leitungen für etwaige Komplikationen darstellen als wirkliche alternative Routen.

Es würde genügen, auf eine Karte bereits funktionierender wie auch noch geplanter Pipelines in Europa zu schauen, um eine Ahnung davon zu bekommen, welche Bedeutung das Territorium der Ukraine (und Weißrusslands) für die Gewährleistung der europäischen Sicherheit hat, und zumindest zu einem Teil hat man dann auch schon die Antwort auf die Frage, warum denn nur Europa so vehement an einer “Demokratisierung” dieser jungen Staaten interessiert ist.