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Euromaidan: Faktor Erdgas (Teil 3)

Hier folgt der dritte und letzte Teil des „Faktor Erdgas“ – angesichts der jüngsten Ereignisse wirkt er streckenweise ziemlich anachronistisch (er wurde noch vor dem Sturz Janukowitschs verfasst), kann aber recht gut dazu dienen, ein paar Hintergründe zu erhellen.

Links zu den vorangegangenen Teilen:

Der Aufruhr

Die plötzliche Eskalation der Lage Ende 2013 und Anfang 2014 folgte offenbar sowohl aus subjektiven, als auch aus objektiven Faktoren.

Kiew Ende Januar 2014. Bild: Ilya Varlamov

Kiew Ende Januar 2014. Bild: Ilya Varlamov

Zu den subjektiven kann man den Anlass rechnen, auf den unmittelbar der Protest einer nicht allzu großen, aber sehr medienwirksamen Menschenmenge auf dem Maidan folgte: die Nichtunterzeichnung des EU-Assoziationsabkommens durch die ukrainische Regierung. Für sich genommen ist der Grund für den Verzicht auf die Unterzeichnung (genaugenommen handelte es sich um einen Aufschub) durchaus vernünftig: die Bedingungen, zu denen die Ukraine in ein Assoziationsverhältnis mit der EU hätte eintreten sollen, waren in keiner Weise partnerschaftlich, vielmehr handelte es sich um ein Verhältnis zwischen Lehnsherr und Knecht; dabei sollten die Aufwendungen für die Maßnahmen, die es zur Erfüllung der Assoziationsbedingungen durchzuführen galt, durch den ukrainischen Staatshaushalt geschultert werden. Die ukrainische Führung bezifferte diese Aufwendungen mit 160 Milliarden US-Dollar. Gut möglich, dass diese Zahl aufgrund irgendwelcher politischen Überlegungen überhöht wurde, aber klar war dennoch, dass die Aufwendungen enorm sein würden.

Dabei geriet die Ukraine in die Falle der angepflanzten Russophobie: es erscheint unsinnig, die Gewinne und Verluste des Landes bei Anschluss an das eine oder andere der konkurrierenden Projekte – also die EU oder die Zollunion – in ihrem Verhältnis zu diskutieren. Die ukrainische Elite war deshalb gehalten, mit nur einer dieser Integrationsvarianten zu arbeiten und verschloss sich selbst so gegen jede Möglichkeit eines Lavierens dazwischen.

Russland hat in der durch die EU angebotene Variante der EU-Assoziation der Ukraine vollkommen begründet eine Bedrohung seiner wirtschaftlichen Interessen erkannt und die Ukraine vor den Folgen gewarnt – die eine zusätzliche Bürde für die ukrainische Wirtschaft darstellen würden. Unter solchen Bedingungen war es das vernünftigste, die Entscheidung über die eine oder andere Richtung einer Assoziation aufzuschieben und erst einmal eine Auszeit zu nehmen.

Zweifelsohne lastet die Verantwortung für die ganzen recht inkonsequenten Manöver auf der jetzigen Führung der Ukraine [Anm.: Mitte Februar 2014 – apxwn], allerdings geht es dabei im Grunde um die “Geburtstraumata” des ukrainischen Unabhängigkeitsprojekts. Das Problem der Ukraine besteht darin, dass bei solch gravierenden Unterschieden der Regionen untereinander (auch, was deren wirtschaftliche Entwicklung angeht) auch die Vorteile und Lasten jeglicher Integrationsprojekte ebenso ungleich unter ihnen verteilt werden würden, womit die Ungleichheit nur noch weiter vorangetrieben wäre.

Einfacher ausgedrückt: das, was für die Westukraine ein Vorteil gewesen sein könnte, hätte möglicherweise schwerste Nachwirkungen in anderen Regionen des Landes und umgekehrt. In einer Position, von der aus kein Manövrieren mehr möglich war, befand sich die ukrainische Führung von vornherein in schlechter Verhandlungsposition zum Thema Assoziation oder Integration, was sich schließlich in dem ungerechten Assoziationsabkommen niederschlug.

Letztendlich passierte, was passiert ist: nach Abwägung aller Risiken schob die ukrainische Führung ihre Entscheidung zur Unterzeichnung des Assoziationsabkommens auf. Und genau das wurde zum Anlass der jetzigen Unruhen.

Die Gründe, aus denen die ukrainische Opposition und der Westen sich dazu entschlossen, auf einem mehr oder weniger alltäglichen Protest gegen eine zwar folgenreiche, aber doch erst einmal funktionierende Entscheidung der Regierung aufzusatteln, sehen freilich weit ernsthafter aus. Das absehbare Ende des Kriegs in Syrien (oder zumindest dessen Übergang in eine zäh dahinfließende Phase) weist darauf hin, dass die Ziele des Kriegs durch den Westen nicht erreicht worden sind. Der Versuch, diesen höchst wichtigen Kreuzungspunkt von Transitlinien in Nahost unter Kontrolle zu bekommen, schlug fehl. Die Rolle dieses Hubs ist für den künftigen globalen Erdgasmarkt aber von enormer Bedeutung – auf dem Territorium Syriens überkreuzen sich gleich drei große Erdgasprojekte – die AGP, die Iran-Irak-Pipeline und die hypothetische Pipeline aus Katar. Derjenige, welcher auf syrischem Boden das Sagen hat, bekommt damit enormen Einfluß auf die Heranbildung der Strukturen des Erdgastransports in Richtung Europa. Außerdem wird der Nahe Osten selbst zu einem großen Verbraucher von Erdgas – in lediglich einem knappen Jahrzehnt vom Jahr 2000 bis 2009 ist der Verbrauch in der Region von 186,7 auf 345,6 Milliarden Kubikmeter gestiegen; der gesamte Markt Nahost brachte es zu Beginn des Jahres 2010 auf fast 12% des weltweiten Marktes für Erdgas. Was diese Entwicklungsdynamik angeht, so ist lediglich das Wachstum des Marktes im Asiatisch-Pazifischen Raum größer:

Erdgasverbrauch nach Region

Erdgasverbrauch nach Region

Wie dem auch sei, in der jetzigen Etappe ist der Kampf um Syrien vorerst mit einem Unentschieden ausgegangen. Die derzeit im schweizer Montreux stattfindenden Gespräche zur Beilegung der Syrienkrise sehen einzig wie ein Versuch aus, dieses Zwischenresultat festzuschreiben und es ist eigentlich vollkommen offensichtlich, dass der mögliche Frieden lediglich ein Waffenstillstand vor einer neuen Eskalation sein würde.

Wahrscheinlicher ist, dass die Verhandlungen einen solchen Waffenstillstand darstellen werden, der mit ihrem Scheitern wieder beendet sein wird. Der stellvertretende russische Außenminister Gennadij Gatilow sagte in einem RIAN-Interview am 4. Februar 2014: “Die Konferenz kann Jahre dauern… Man muss dabei das Ziel verfolgen, zu einem Resultat zu kommen, das für die Konfliktparteien akzeptabel wäre”. Diese Herangehensweise, die an sich sehr vernünftig und begründet aussieht, kann durchaus dazu führen, dass die Verhandlungen lediglich für eine relativ friedliche Atempause genutzt werden, wonach es zu einer neuen Eskalation des Konflikts kommt.

Erdgasversorgungswege aus Nahost nach Europa. Gestrichelte Linien sind Projekte. Rosa gekennzeichnet die wichtigsten Schauplätze von Kampfhandlungen in Syrien. Quelle: kommersant.ru

Erdgasversorgungswege aus Nahost nach Europa. Gestrichelte Linien sind Projekte. Rosa gekennzeichnet die wichtigsten Schauplätze von Kampfhandlungen in Syrien. Quelle: kommersant.ru

Die “Crux” mit Syrien ist bislang nicht entschieden. Der Konkurrenzkampf zwischen den beiden wichtigsten Projekten – dem des Katar und dem des Iran – ist bislang nicht entschieden. Das bedeutet für den Moment nur, dass es weiter geht. Wie und wann genau, wird später entschieden werden.

Es ist unter diesen Umständen aus Sicht der Vereinigten Staaten und “des Westens” durchaus richtig, der Ukraine als einem weiteren, sehr wichtigen Transitland des künftigen Marktes für Erdgas, nun besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Die “farbigen Revolutionen”, die bereits seit anderthalb Jahrzehnten in besonders bedeutenden Regionen und Ländern dazu eingesetzt werden, die Interessen des Westens durchzusetzen, setzen in der Regel zum Zeitpunkt eines wichtigen gesellschaftlichen Ereignisses ein, von dem ausgehend die “Revolution” gestartet wird. Üblicherweise handelt es sich bei dem wichtigen gesellschaftlichen Ereignis um Wahlen, aber auch die von der ukrainischen Opposition in Kiew organisierten Massenproteste gegen den Verzicht der EU-Assoziierung eigneten sich sehr gut als Initialereignis.

Der “Maidan” Ende 2013 – Anfang 2014 war aus rein technologischer Sicht eine klassische “farbige Revolution”, die all die vorangegangenen Inkarnationen recht schablonenhaft wiederholte – inklusive der dabei standardmäßigen Ermordung von Aktivisten. Diese Schablonenhaftigkeit hatte es auch zur Folge, dass die “Revolution” eine Zeitlang recht träge vor sich hin lief – die ukrainische Gegenpropaganda konnte sich auf vorangegangene Erfahrungen stützen und die Propaganda-Attacken recht erfolgreich kontern, indem sie deren Art, Ausrichtung und Intensität voraussah. Auf der anderen Seite wurden auch von den Technologen hinter dieser “Revolution” Schlüsse aus früheren Erfahrungen gezogen. Sie steigerte sich praktisch vom Stand weg und ohne großes Federlesen in eine äußerst harte Gangart, die an die Ereignisse in Syrien gemahnte, nur dass die Lage sich in der Ukraine weit dynamischer entwickelte. Es passierte sehr schnell, dass der Großteil der extremistischen und nationalistischen Gruppierungen in der Ukraine zum “Rechten Sektor” zusammengefasst wurden, welcher sofort zur Gewalt gegen Sicherheitskräfte überging und an die Erstürmung von Verwaltungsgebäuden und staatliche Einrichtungen ging.

"Folge dem weißen Kaninchen". Shells Schiefergas-Revier "Jusowskij" aus einem Prospekt von 2012. Im Zentrum des gelb gekennzeichneten Gebiets: Slawjansk.

„Folge dem weißen Kaninchen“. Shells Schiefergas-Revier „Jusowskij“ aus einem Prospekt von 2012. Im Zentrum des gelb gekennzeichneten Gebiets: Slawjansk.

Die ukrainische Führung hatte sich unter Berücksichtigung früherer Gegenmaßnahmen davon enthalten, die Gewalttaten der “Stoßtruppen” dieser “Revolution” entschieden und hart zu kontern, sondern verlegte sich auf eine zähe Taktik, die vor allem eines zum Ziel hatte: den “Revolutionären” das Image von Randalierern und Extremisten zu verleihen. Man muss zugestehen, dass dies zu weiten Teilen gelungen ist – ganz ungeachtet dessen, dass die ukrainische Führung unter Janukowitsch höchst unpopulär war, spielte der Kontrast mit dem auf den Straßen von Kiew randalierenden, zügellosen und gewalttätigen Mob der Regierung ganz offensichtlich in die Hände. Das In-die-Länge-Ziehen der Konfrontation führte auch dazu, dass die Bevölkerung zur Selbstorganisation überging und Freiwilligenverbände organisierte, die den Sicherheitskräften Unterstützung beim Widerstand gegen die Banden der “Revolution” leisteten.

Zu einem gewissen Umbruch kam es Ende Januar 2014, als die ukrainische Polizei in Zusammenarbeit mit Freiwilligenverbänden verhindern konnte, dass eine Reihe an staatlichen Verwaltungsgebäuden im Osten und Süden der Ukraine von mobilen Gruppen des “Euromaidan” besetzt wurden, wonach es noch dazu gelang, eine Zahl an vorher besetzten Institutionen wieder zu befreien. Der Konflikt, der eher wie ein Aufstand aussah, war auf relativ kleine Flächen lokalisiert.

Die legale Opposition scheiterte von Anbeginn an daran, die gewalttätigen Gruppen zu kontrollieren oder gar zu steuern, und die Lage gemahnte auch in dieser Hinsicht an ein “syrisches” Szenario, in dem die der legitimen Regierung zuwiderstehenden Rebellen und die formale Opposition vollkommen unterschiedliche Ziele verfolgten, wohinzu noch kommt, dass weder die einen, noch die anderen diese Ziele in halbwegs konstruktive Formulierungen, geschweige denn in die Form eines konstruktiven Programms bringen konnten.

Das Vorgehen der ukrainischen Staatsführung konnte man unter den gegebenen Umständen als insgesamt sehr geschickt bezeichnen. Zu dem Zeitpunkt, als dieser Text verfasst wurde [Anfang Februar 2014 – apxwn] besteht äußerlich weiterhin eine Patt-Situation, jedoch hat Präsident Janukowitsch einen deutlichen Vorteil: die Gewaltstrukturen verbleiben weiterhin unter seiner Kontrolle, es gibt so gut wie keine Überläufer aus den staatlichen Strukturen, die Opposition ist demoralisiert und ihre Positionen sind hinsichtlich von eventuell vorgezogenen Wahlen bestenfalls als zweifelhaft zu bezeichnen.

Unter Berücksichtigung all dessen kommt es vollkommen vorhersehbar zur Erhöhung des internationalen Drucks auf die ukrainische Staatsmacht, aber selbst dieser Druck sieht recht nebulös aus, was dessen Folgen betrifft. Das Übliche, was man in solchen Fällen hervorholt, sind großangelegte Menschenrechtsverletzungen. Aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es für eine solche Anschuldigung keinerlei Grundlage. Das Vorgehen der marodierenden Banden sieht weit gefährlicher und extremistischer aus als die Reaktionen der Staatsgewalt darauf. Die Provokationen, die von den Banden und von der Opposition durchgeführt werden, machen einen eilig zusammengeschusterten Eindruck – kaum durchdacht und miserabel durchgeführt. Der Fall mit dem angeblich entführten Anführer der “Kavallerie des “Rechten Sektor” – des “Automaidan”, Dmitrij Bulatow, sieht beispielsweise derart fabriziert aus, dass die Kampfbrigaden ihn schnell außer Landes bringen mussten, um eine offizielle Untersuchung des Falls zu verhindern – hier wäre die getürkte Entführung ansonsten sehr schnell aufgeflogen.

Die einzige Möglichkeit, die den Organisatoren des “Maidan” bleibt, ist natürlich eine Eskalation des Konflikts.  Ein militärischer Aufruhr sieht aber unter den gegebenen Umständen, zumindest ohne massive auswärtige Unterstützung mit Personal als auch mit finanziellen, materiellen und anderen Ressourcen, recht aussichtslos aus. Die relativ träge vor sich hin laufende Propagandakrieg gegen die Ukraine liefert bislang auch keinen Anhaltspunkt dafür, dass es demnächst zum “harten” Szenario übergeht.

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Pro-EU-Demo #euromaidan Ende Januar in Kiew. Bild: Ilya Varlamov

Das schließt natürlich Versuche nicht aus, den Konflikt in eine “heiße” Phase zu überführen, doch der Aufwand, der für eine bewaffnete Konfrontation getrieben werden müsste, sieht vom gegenwärtigen Standpunkt noch immens aus – obwohl es möglich und machbar bleibt. Beispielsweise bleibt die Möglichkeit, die Krim in den Strudel der Kiewer Ereignisse zu reißen – einerseits würde das die Aufmerksamkeit der Polizei- und Sicherheitskräfte von den Vorgängen in Kiew ablenken, andererseits gäbe das Gelegenheit, Russland in die Ereignisse zu verwickeln. Anschläge auf militärische Objekte der Schwarzmeerflotte und eine unweigerliche Antwort der russischen Seeleute darauf könnten problemlos als Aggression gegen einen souveränen Staat gewertet werden. Bedenkt man zusätzlich, dass eine bestimmte Anzahl von Krim-Tataren unter den Terrorbrigaden am Krieg gegen Syrien teilgenommen haben, so kann man davon ausgehen, dass auf der Krim lebende Islamisten bereits einiges an Erfahrung in der Kriegführung gegen reguläre Armeen besitzen; hier könnte es dazu kommen, dass diese Erfahrungen zur Anwendung kommen.

Folgerungen

Es ruft keinerlei Zweifel hervor, dass der Hauptgrund für die Versuche, die legitime Regierung in der Ukraine zu stürzen, in einer “Bestellung” aus dem Ausland zu suchen ist. Das stützt sich auf eine Vielzahl von Faktoren: angefangen von den Herausforderungen, vor denen die Europäische Union steht und die im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise eine großangelegte Erweiterung der Absatzmärkte erfordern, bis hin zu den globalen Aufgaben einer Neugestaltung der Weltordnung, unter denen sich auch eine Herabsetzung der Bedeutung und der Rolle Russlands befinden. Die Ideologen des Westens machen kein Hehl daraus, dass die Ukraine ein Zwischenziel des eigentlichen Angriffs auf Russland ist. Schon während des sich in Kiew entwickelnden Konflikts hat einer dieser Ideologen, Zbigniew Brzezinski, am 10. Dezember 2013 in der “Financial Times” einen Artikel unter der vielsagenden Überschrift “Russland wird, wie die Ukraine, eine echte Demokratie werden” veröffentlicht; darin betrachtet er die Ereignisse in Kiew als den Beginn eines neuen Kampfes des Westens um “Demokratie” in Russland.

Das zwingt Russland nun seinerseits, die Ereignisse in Kiew und in der Ukraine insgesamt als einen Angriff auf seine Interessen zu werten. Die Reaktion Russlands, die sich in der Bereitstellung einer von ihrem Ausmaß her beispiellosen finanziellen Unterstützung des Präsidenten Janukowitsch äußerte, ist – bei allen Mankos dieser eilig getroffenen Entscheidung – taktisch wohl gerechtfertigt, auch wenn bestimmte, daraus folgende Schwierigkeiten in Zukunft absehbar sind.

Das Hauptproblem der Ukraine besteht indes weniger in den versuchten Staatsstreichen, sondern ihre Stabilität gegenüber solchen Versuchen. Ganz offensichtlich geht die Reaktion der ukrainischen Regierung von einer “Verteidigungsdoktrin” aus. Die Initiative zur Durchführung von Handlungen zur Erschütterung der Staatsmacht ist in die Hände von bewaffneten Banden und Kollaborateuren aus der Opposition gegeben worden; auf taktischer Ebene kann das einen Etappensieg bedeuten, allerdings sieht diese “Doktrin” unter strategischem Gesichtspunkt sehr dürftig aus.

Die für die Ukraine kritischen Probleme bleiben bestehen – ein unverständliches “Projekt” hinter ihrer Unabhängigkeit und die fehlenden Parallelen zwischen dem inneren Bau des Landes und der es regierenden Strukturen. Die Zentralregierung muss, indem sie von ihrer Entwicklung, den Traditionen, der Kultur und der Mentalität solch verschiedene Regionen des Landes abdeckt, zwangsläufig deren Interessen zugunsten einer Einheit des Landes zurückstellen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das gegenwärtige Staatsmodell den inneren Bedürfnissen des Landes in keiner Weise mehr entspricht. Die Ukraine muss schleunigst daran gehen, ihre kritischen Probleme zu lösen, ansonsten wird ihre weitere Entwicklung, wie bisher, immer nur von einer Krise zur nächsten gehen, wobei die Intervalle zwischen diesen Krisen sich immer weiter verkürzen werden.

Auf diese Weise haben wir es in der Ukraine mit einer schwachen Staatsmacht zu tun, die im Rahmen der gegebenen Ideologien und Herrschaftsformen unfähig ist, eine Entwicklung des Landes nachhaltig zu steuern. Das macht sie beliebigen äußeren und inneren Anfechtungen gegenüber verwundbar, diese kann sie weder verhindern, noch adäquat darauf reagieren.

Für Russland bedeuten die Ereignisse einen paradox erscheinenden, aber durchaus auch logischen Schluss. Im langfristigen Interesse Russlands liegt die Existenz einer starken, wenn auch möglicherweise nicht freundlich gesinnten Ukraine – was einer schwachen, dabei aber befreundeten und “verbrüderten” vorzuziehen ist. Die Schwäche der Ukraine und ihre Instabilität gegenüber allen möglichen Angriffen schaffen jetzt und künftig immer wieder Probleme in dieser Richtung.

russland_ukraine-vsusaEine starke Ukraine wird, ganz unabhängig von ihren Beziehungen mit Russland, ein exakt formuliertes System an eigenen Interessen haben, über die man reden und sie gegebenenfalls mit den russischen Interessen in Einklang bringen kann. Das völlige Fehlen von eigenen ukrainischen Interessen ist es letztlich auch, was die Formulierung einer eindeutigen russischen Ukrainepolitik behindert; es fällt schwer, die russische Seite aus diesem Grunde zu kritisieren. Die Verantwortung für das Fehlen einer klaren Agenda liegt im Mindesten bei beiden Seiten.

Es ist dabei klar, dass eine passive Wartehaltung, bis die ukrainische Elite einmal die ganze Katastrophe hinter ihrer (fehlenden) Einstellungen begreift, keinerlei Sinn macht. Gleichzeitig kann man wohl schwerlich mit schnellen Ergebnissen rechnen. Eine Lösung liegt in der Schaffung eines stabilen Images von Russland als dem eines befreundeten Nachbarn, in der Unterstützung ukrainischer Politiker, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Medienfiguren, die sich der Notwendigkeit bewusst sind, dass die Herangehensweisen der Ukraine an die Lösung ihrer kritischen Probleme dringend zu überdenken wären. Dabei wäre ist zweitrangig, ob diese Persönlichkeiten Russland gegenüber freundlich gesinnt sind. Das Kriterium für ihre Unterstützung muss in der Frage liegen, wie sie sich zur Frage der Schaffung eines starken ukrainischen Staates verhalten. Aber auch die Möglichkeit, in der die Ukraine ihrer Probleme nicht Herr wird und infolge dessen gezwungen ist, ihr Unabhängigkeitsprojekt einzustellen, muss Berücksichtigung finden – in diesem Falle muss Russland zu sofortiger Reaktion auf die Entwicklung der Ereignisse und zur Übernahme der Initiative auf den Gebieten sein, die sich objektiv an Russland orientieren. Dabei sieht die Gefahr eines Konflikts mit dem Westen nicht allzu groß aus (bei allen dann wahrscheinlichen Drohegbärden und Rhetorik). Kommt es also zu einem solchen Szenario, so darf Russland keinen Augenblick zögern, die ihm freunlich gesinnten Regionen der Ukraine unter seinen Schutz zu stellen.

Bei allem Gesagten ist die Variante eines Zerfalls der Ukraine aufgrund der kaum möglichen Vorhersagbarkeit eines solchen Prozesses absolut nicht wünschenswert; es gilt, alles erdenkliche zu unternehmen, einen solchen Zerfall zu verhindern.

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Trackback von deiner Website.

  • Mathew Miller

    Die Ukraine als Staat ist nicht vorhanden.
    War es nie.
    Wird es nie sein.
    Gerade wird mit allen Mitteln ausgehandelt wer das größere Stück vom Kuchen bekommt.
    Wobei die Größe dabei zweitrangig und eher kostspielig wird.
    Bisher hat Russland alles richtig gemacht.
    Die Krim ist durchaus von Interesse.
    Und nicht nur geopolitisch und unter militärischen Aspekten.
    Russland will einzig und allein den Zugang zu den Gas und Öl-Transportwegen.
    Odessa und das Umland samt Transnistrien sind der nächste Baustein den es zu setzen gilt.
    Wenn das immer noch nicht reicht dann dürfte Kiew recht zeitnah komplett von der Westukraine abgeschnitten sein.
    So entstehen Gebiete die stabil sind und leicht zu kontrollieren.
    Bitter für die Ulraine, aber das ist der Preis den man zahlt wenn man sich auf Spielchen einlässt bei denen man die Gegner nicht einschätzen kann.

  • Mathew Miller

    Zustimmung zu der Einschätzung.
    Alles richtig.
    Dennoch wir die Ukraine in der derzeitigen Form nicht weiter bestehen.
    Russland spielt eindeutig bei den NWO-Bestrebungen mit.
    Wie könnte es auch anders sein.
    Allerdings sitzt Russland imho noch nicht mit im Boot, geschweige denn das es den Kurs mitbestimmt.
    Eines ist jedoch auch klar…der Steuermann dieses NWO-Selenverkäufers wird gerade ausgetauscht.
    Und da kommt Russland eindeutig ins Spiel.
    Der Posten ist ausgeschrieben und Russland hat diverse Partner um sich vereint die in dem Spiel entscheidende Rollen spielen.
    China der globale Produzent und kommende Absatzmarkt mit riesigem Bedarf was Ressourcen angeht die eben Russland hat oder die es über seine Partner kontrolliert.
    Genau das was Amerika bisher sicherstellte.
    China braucht die USA nicht als Partner…als Absatzmarkt schon.
    Jedoch sollte man nicht vergessen das China diesen Absatzmarkt selbst finanziert.
    Somit ist dieses System nur solange von Bedeutung solange ein Vorteil daraus entsteht.
    Entstehen neue Märkte und das auf Kontinenten die Amerika nicht perfekt kontrolliert dann ist ganz schnell die Luft raus.
    Genau das trifft auf Asien zu.
    Was wir derzeit erleben ist ein dreckiges Spiel.
    Die alte Weltordnung der vergangen 50 Jahre geht unter.
    Die NeWorldOrder wird nur wenige Gewinner haben…die USA, Europa, sehe ich gerade nicht unter ihnen.
    Die Ukraine gehört eindeutig zu den Verlierern.
    Solange sich Europa der anglo/amerikanischen Bündnispolitik voll und ganz unterordnet wird es keine Möglichkeit geben sich neu auszurichten.
    Aus diesem Grund wird Europa derzeit ja auch mit voller Absicht an die Wand gefahren.
    Nicht alle werden den Aufschlag überstehen.
    Einige jedoch werden gestärkt aus der Krise hervorgehen.
    Hat das nicht auch „Mutti“ Merkel zur Euro_Krise gesagt.
    Ein Schelm wer böses dahinter vermutet.
    Jedoch genau das steckt dahinter.
    Die Veranstaltung endet immer erst wenn die „fette Dame“ gesungen hat.
    Dann ist die Oper“n- Vorführung beendet…das Theater geht aber weiter.
    Die Show muss weiter gehen.
    Und das wird sie.
    Jedoch mit neuer Besetzung.

  • berlinathen

    Die Zweifel von Jörg über die Absichten von Putin, Lawrow und Co sind leider auch meine Zweifel. Russland, auch wenn man ihm seine Schwäche gegenüber der NATO zugute hält, verhält sich amoralisch gegenüber Ländern wie Irak, Libyen oder Syrien – und jetzt Ukraine-Ost, deren Bevölkerung zum Teil auf eine russische Hilfe gehofft und gegen den Überfall der vom Westen eingesetzten Banditen sich stemmte.

    Und dies hat, leider, Tradition. Als die Griechen sich gegen die Osmanen Anfang des 19. Jh. rebellierten, hat sie der damalige Zar im Stich gelassen, obwohl die russische Flotte (Orlow) in der Ägäis auftauchte und den Aufständischen Mut machte.

    Dergleichen beim griechischen Bürgerkrieg 1945-1949, bei dem Stalin erstmal die griechischen Partisanen unterstützte und nach der Yalta-Konferenz völlig alleine ließ. Ein Verrat, an den sich die Griechen noch heute erinnern.

    Und jetzt sehen wir Putins Verhalten, getreu dieser Tradition, der dasselbe mit den Ost-Ukrainernmacht. Ich habe immer gehofft, dass bald der russische Bär dem verbrecherischen Westen die Krallen zeigen wird, doch leider zieht sich dieser Bär in seinen Bau zurück und läßt die armen Ost-Ukrainer im Regen stehen – und den Repressalien der Kiewer Junta, die deren Leader bald exeplarisch bestrafen wird.Russland,

    Russland, Russland, warum enbttäuscht du mich immer so schrecklich?

    • ISKANDER

      Alle hier vorgetragenen Argumente für und wider Russlands (Nicht)Tun, die gestellten Fallen und diplomatischen Verzwickungen geben immer stärker das Bild eines Aufgegebenseins der Ostukrainer ab.
      Fassen wir mal zusammen:
      Putin ließ sich schon unmittelbar nach dem Kiever Putsch ermächtigen zur militärischen Option. Ok.

      Dann klingt mir noch in den Ohren – Putins Ankündigung: „Wenn russische Soldaten kämpfen werden, dann gemeinsam MIT den ukrainischen auf der gleichen Seite (der Barrikade?). Alles sinngemäß.
      Was ist geschehen?
      Nichts.
      Die Massaker in der Ostukraine schreiten in Größenordnungen, die ukrainische Armee – die unfähig war den Maidanterror mit entschiedenem Handeln zu ersticken, schießt fröhlich in das eigene Volk und notfalls auch auf russische Schutztruppen – so sie denn kämen.
      Die NATO holt sich über die Kiever Marionetten die wirtschaftlichen Filetstücken der Ostukraine und Transnistrien geriert in die Rolle von Berg Karabach und Franz Werfels Musa Dagh zugleich.
      Also, entweder gibt es praktisch begründete Beißhemmungen bei Putin – oder er will gar nicht.
      Ersteres deutet auf militärische Erkenntnise einer Unterlegenheit hin (im zu erwartenden Gesamtkonflikt), zweiteres auf Absprachen und Theater.
      Die Menschen in der Ostukraine wurden letztlich erst ermutigt durch Putins tolle Ermächtigung und nun sterben sie – für nichts.
      Das muss ein Scheißgefühl sein, wenn man erst ermutigt und dann allein gelassen wird.
      Gelten lass will ich allein die Möglichkeit, das Putin den richtigen Moment des finalen Bisses erarbeiten muss und dazu noch Zeit braucht.
      Und ich vermisse schmerzlich die Paktfindungsarbeit mit China, Iran usw. Ebenso die unsinnigerweise verhinderten Raketenlieferungen an den Iran.
      Ich denke mal, nicht allein der EU/USA läuft die Zeit davon sondern Putin, wenn er weiter in der Flatline verharrt. Der Imageschaden für ihn + RF ist täglich größer!

  • Mathew Miller

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/gerhard-wisnewski/dritter-weltkrieg-briten-machen-panzer-mobil.html
    Und ich dachte die Insela..en sind aus Deutschland abgezogen.
    Wie man doch getäuscht wird.

  • Mathew Miller

    http://www.zlv.lu/spip/spip.php?article11724
    Zitat:
    NATO debattiert über Truppenverlegung nach Osten.

    Da dachte ich mir doch woher kennst du nur dieses Bild…das Hotel kommt dir doch bekannt vor.

    Und ja so war es dann auch.

    Das Dniprohotel in Kiew.

    Mal gleich auf das erste Bild in der Slide-Show achten.
    http://www.dniprohotel.ua/en

    Tja sowas aber auch.

    Schön bei Abend und ohne Soldaten der Nato?…Söldner privater „Sicherheitsdienste wie Graystoke oder Academy…formerly known as Black Water:-)…was zeigt uns das Bild des ersten Link“s der Luxemburgischen Regionalzeitung?
    Kiew Hhm…Nato…da war doch was.
    Fragen über Fragen.

    Ich denke ja die Jungs sind abgereist und haben irgendwo in Dnipropetrowsk neue Logie.

    Machen gerade Ausflüge in die Umgebung.
    :-)
    Leider nicht zum lachen.
    Eher zum heulen.

    • Kotromanic

      Nun leider hab ich wohl recht behalten.
      Zu der Aufzählung wer alles noch im Stich gelassen wurde von Russland
      kann man noch Armenier im ersten Weltkrieg dazuzählen.
      Immer das gleiche erst Mut machen damit sie aufbegehren und dann wegschauen
      während sie niedergemacht werden. Mann könnte glatt glauben das die Russen
      das quasi als Dienstleistung anbieten für Länder die einen Grund brauchen um
      gegen ihre Minderheiten Vorzugehen …

      Nun ich hoffe das spätestens jetzt kein Mensch in keinem anderen Land mehr den
      Russen glaubt das sie helfen werden. Gibt ja leider immer wieder so Narren …

  • Klotho

    Die Russen haben immer gezögert mit militärischen Aktionen, auch unter Stalin, erst wenn sie massiv angegriffen werden schlagen sie zurück. Das ist ihre alte Taktik mit der sie alle Kriege gewonnen haben. Sie setzen auf Selbstverteidigung und nicht auf Angriff, im Gegensatz zu USA und NATO, die sofort angreifen und auch nicht zögern anzugreifen. Daher ist das russische Verhalten nicht falsch, sondern moralisch richtig, indem sie nicht in Konflikte anderer souveräner Staaten aktiv eingreifen.
    Das mag für ungeduldige Naturen so aussehen als das sie andere Nationen im Stich lassen, aber moralisch ist es richtig. Und es bestehen zwischen den derzeit im Konflikt geratenen Nationen wie Syrien auch keine bindenden Verträge, welche ein militärisches Eingreifen rechtfertigen. Unter dem Warschauer Pakt war dies möglich, aber der Warschauer Pakt existiert nicht mehr.
    Die Russen und Chinesen haben eine andere Aussenpolitik wie USA und EU, sie agieren nicht aggressiv und militärisch und das mag auf längere Sicht hin die bessere Aussenpolitik darstellen, als die aggressive NATO-militärisch-industrieller Komplex-Politik des Westens.

  • Radostin

    Wenn du als NWO dass internationale Finanzsystem und den Vorrang der Geldwirtschaft siehst, so ist das richtig: Russland soll als Finanzplatz innerhalb dieses Systems entwickelt werden. Wenn du also NWO die globale Vorherrschaft der US-Elite siehst, so ist das nicht richtig. In Syrien hat Russland im übrigen bisher einen Überfall der Nato geschickt verhindert. Warum? Weil das Volk deutlich hinter Bashar Al-Assad steht, und auch bereit ist Opfer zu bringen. In Lybien war das nicht ersichtlich. In Jugoslawien war Putin noch nicht im Amt. Damals hätte man handeln sollen. Die Bilder aus Kramatorsk zeigen, dass die Bevölkerung in der Lage ist die Spezialeinheiten zum Umkehren zu bewegen. Das ist genau der Einsatz den man von ihnen verlangen kann: Sich den Truppen unbewaffnet entgegen zu stellen.