Mariupol, 09.05.2014

mariupolDen ganzen letzten Meldungen nach zu urteilen läuft in Mariupol derzeit eine Strafexpedition ohne Rücksicht auf Verluste. Es wird scharf geschossen, bislang mindestens ein toter Zivilist. RT meldet einen per Bauchschuss schwerverletzten Ruptly-Reporter.

Momentan kurvt die ukrainische Nazigarde durch die Straßen der Stadt und ballert hin und wieder auf Gebäude und Menschen. Zum Hergang schreibt RT:

„Eine große Menschenmenge sammelte sich zu den Feierlichkeiten zu Tag des Sieges, begab sich zum Gebäude der Stadtverwaltung und hielt eine spontane Demonstration zur Unterstützung der dort verbarrikadierten Polizeikräfte ab. [Das Gebäude ist seit gestern durch ukr. Militärs und Nationalgarde abgeriegelt. – apxwn] Die Menschen skandierten „Faschisten!“; einer der Schützenpanzerwagen eröffnete das Feuer auf die Demonstranten.“

Livestream aus Mariupol: http://www.ustream.tv/channel/newsfront4

Letzte Aufnahmen des verletzten Ruptly-Reporters:

Die „Nationalgarde“ schießt auf Zivilisten, Verletzte und Tote:

Das Vorgehen ist in allen ostukrainischen Städten gleich: die Terrorgruppen der Junta fahren ein, ballern und fahren ab. Unterstützung haben sie in den Städten nicht. In Odessa hat Parubij momentan die Stadt im Würgegriff (Sperrstunde, Banden auf den Straßen inklusive), den derzeitigen Terroreinsatz in Mariupol befehligt Präsidentschaftskandidat Oleg Ljaschko.

Zivilisten versuchen, ein BMP aufzuhalten:

https://www.youtube.com/watch?v=MhfPkHvFBvE

Vorläufiges Fazit: laut Ljaschko 8 Tote unter den Demonstranten, mindestens ein durch Scharfschützenfeuer (Ljaschko: „russischer Speznas“) getöteter Angehöriger von „Sondereinheiten“, weitere teilw. schwerverletzte Leute von der Nationalgarde. Ein gekapertes (oder besser gesagt von der Besatzung verlassenes) BMP.

Facebookminister Awakow präzisiert: Angriff durch 60 bewaffnete Terroristen auf das städt. Polizei-HQ, 20 tote Terroristen, 4 verhaftet. Verluste der Nazigarde bzw. der Sondereinheiten: 1 Toter, 5 Verletzte.

Der Livestream strafte Awakow allerdings ein wenig Lügen. Der Gerechtigkeit halber sei angemerkt, dass die Lage sich immer noch sehr unübersichtlich darstellt und man kaum sagen kann, wer diese Scharfschützen waren und wer den Überfall auf das Polizei-HQ unternommen hat. Derweil ist bekannt, dass aus Slawjansk ein Entsatz der „Volkswehr“ nach Mariupol unterwegs ist. Darüber, dass die Städter die Militärintervention der Junta ablehnen, besteht keinerlei Zweifel (Beispiel: „Macht euch fort von hier, was habt ihr hier zu suchen..?“). Oder hier: Einwohner verjagen einen Pulk der Nazigarde / RS. Letztere eröffnen das Feuer auf die Menschen.

Fazit: Terror

„Was sollte eigentlich das Ziel dieser Terroraktion sein? Sie haben nichts erreicht, ausser noch verhasster zu sein.“ (Det70)

Eben – in den Aktionen der Strafbatailone gibt es keinen „nachhaltigen“ Sinn: die in eine Stadt einfallenden paar Hundert Mordbuben können sehr gut Menschen auf den Straßen beschießen, aber diese Stadt in ihre Kontrolle bringen – das schaffen sie nicht. Maximal können sie sich in einem Gebäude, einem Straßenzug, einem Stadtviertel verschanzen. Aus diesem Grunde ist das Ziel solcher Aktionen genau das selbe, wie es der ganze „Anti-Terror-Einsatz“ der Kiewer Junta verfolgt: Einschüchterung vor dem von den ostukrainischen Regionen beabsichtigten Referendum, und sonst nichts.

Oleg Ljaschko, Rada-Abgeordneter und Präsidentschaftskandidat

Oleg Ljaschko, Rada-Abgeordneter und Präsidentschaftskandidat

Der „Sinn“ von Terror ist die Einschüchterung, und je sinnloser und massiver Terror ist, desto größer die Angst. Nichts anderes lief in Syrien. De facto ist die heutige Ukraine das, was Syrien geworden wäre, hätte die „FSA“ im Sommer 2011 einen Umsturz bewerkstelligt. Solche Strafexpeditionen hätte eine dann schon „syrische“ Junta beispielsweise nach Latakia unternehmen müssen. Das lief in Syrien aber u.a. deswegen anders, weil die syrische Armee im Gegensatz zu der ukrainischen nicht schon jahrelang demontiert und demoralisiert worden ist.

Auf allen möglichen Videos von den heutigen Ereignissen in Mariupol sieht man ganz gut, wer da auf wen geschossen hat. Die Nazibanden haben selbst RPGs eingesetzt, als sie das besetzte Polizei-HQ attackierten. Infolgedessen es abbrannte.

In der „Hitparade“ der sinnlosen Massenmorde in der heutigen Ukraine hat Parubij zwar – nach seinen Einsätzen in Kiew und Odessa – nach wie vor die Nase vorn, aber nach dem heutigen Gemetzel in Mariupol (Opferzahlen stehen immer noch nicht fest, „die Ärzte“ melden insgesamt 45 Tote) bekommt er Konkurrenz durch Oleg Ljaschko. Man vergißt solche Namen zwar ziemlich schnell, aber auch Ljaschko ist in der ganzen Euromaidan-Geschichte kein Unbekannter: er fiel in diesem Zusammenhang auch hierzulande erstmals dadurch auf, dass er einen „Separatistenführer“ vor laufender Kamera mißhandeln ließ. Das und Leichen auf den Straßen der Städte ist der ganze „Wahlkampf“ der Bandera-Truppe.

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