Neurussland

Flag_of_Novorussia_(project).svgIn Donezk wurde auf einer Delegiertenversammlung aus 8 ostukrainischen Provinzen heute der Staat Neurussland gegründet. Momentan besteht er aus den vereinigten Volksrepubliken Donezk und Lugansk, aber es wurde auch gleich gesagt, was Neurussland eigentlich ist – nämlich die 8 folgenden ukrainischen Oblaste (Provinzen): Charkow, Donezk, Lugansk, Dnepropetrowsk, Zaporoschje, Cherson, Nikolajew und Odessa. Der Anschluss einer jeden dieser Provinzen an Neurussland soll im Verlauf von Referenden entschieden werden -analog zu denen, die es am 11. Mai in Donezk und Lugansk gegeben hat.

Die für morgen anberaumte ukrainische Präsidentschaftswahl verliert damit im Osten auch de facto immer mehr an Bedeutung und Sinn. Jedenfalls hat Putin heute recht unzweideutig gesagt, dass der morgen zu wählende ukrainische Präsident – insbesondere, wenn danach, wie es aussieht, eine neue Verfassung verabschiedet werden soll – eine „Übergangsfigur“ werden wird, an deren Legitimität den Kiewer Machthabern nicht gelegen sein muss:

„Alles spricht jetzt dafür, dass … eine neue Verfassung angenommen wird. Wenn das so ist, kann der neu gewählte Präsident eigentlich eine Übergangsfigur sein oder, im Gegenteil, die Machtbefugnisse in seinen Händen maximal konzentrieren. Sowohl das eine als auch das andere Szenario werden mit einer Zuspitzung des politischen Kampfes im Lande verbunden sein“ (Quelle: RIAN)

Der Hintergrund für diese Aussage ist, dass die Rest-Rada nach dem Putsch die Rechte des Präsidialamtes stark beschnitten hat, indem die Verfassung (zurück zum Status von ca. 2004) geändert wurde. Dieser Fakt steht Timoschenko quer im Hals. Da sie momentan aber maximal Aussicht darauf hat, Poroschenko nicht gleich im ersten Wahlgang gewinnen zu lassen, hat sie schon einen „nächsten Maidan“ für den Fall angekündigt, dass sie nicht zur Präsidentin gewählt wird.

Wie dem auch sei. die ehemalige Ostukraine – nun Neurussland – nimmt langsam, aber sicher politische Konturen an. In diesem Sinne können die Russen einen ukrainischen „Übergangspräsidenten“ auch gut und gern anerkennen – schon aus rein pragmatischen Gründen, denn mit irgendwem muss man ja reden können.

Donezk, 24.05.2014

Donezk, 24.05.2014

Donezk, 24.05.2014. Abstimmung zur Konstituierung von Neurussland

Donezk, 24.05.2014. Abstimmung zur Konstituierung von Neurussland

 

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  • limbojack

    Nun das Statement „Neurussland“, ist sicher eine unmissverständliche Aufforderung an das „alte“ Russland.

    • Ruth

      Nicht so ganz, aber sicher auch. Der Begriff „Neurussland“ hat historische Wurzeln
      http://de.wikipedia.org/wiki/Neurussland

      • limbojack

        Ich weiß – aber Putin hatte diesen „Begriff“ vor kurzen „aktiviert“, was jetzt einen gewissen Zugzwang bedeutet. Es wird ein steiniger Weg……

    • Eardwulf

      Neurussland, Genau – passte halt in die Situation… :(

  • Ruth

    Herzlichen Glückwunsch an die Bewohner von Neurussland!
    Und auch hier noch mal das Interview mit dem (nun ehemaligen) Premierminister der VRD Alexander Borodaij:
    http://anjamueller.livejournal.com/40566.html

  • Die Flagge oben ist momentan nur ein Projekt, wenn auch das bevorzugte. Es gibt da eine Reihe von Vorschlägen: http://novorossia.su/flag

  • Ben

    Immerhin, die Google Corporation liefert noch die Suchergebnisse und URL zu anna network news aus. Noch… Ich finde es eh sehr spannen wie soviel der Informatione Weltweit US Technik verwenden müssen

  • soja kosmos

    Leider nicht nur youtube, inzwischen ist auch die ANNA-News-Seite nicht mehr zu erreichen. Es kommt nur das Logo und die grüne Fläche. Hoffen wir, dass das „nur“ ein Störmanöver ist und vorübergehend. Wohin mit der Wut!?

  • soja kosmos

    STIMME RUSSLANDS: „Der Kameramann des russischen Fernsehsenders LifeNews Marat Saitschenko hat am Sonntagmorgen im Äther des Senders erzählt, dass die
    ukrainischen Milizen gedroht hatten, ihn und den Reporter Oleg Sidjakin zu töten.

    Laut Saitschenko hielt man sie zwei Tage lang in einer Grube gefangen. Auf ihren Köpfen lagen Säcke, die so fest um die Hälse gebunden waren, dass sie kaum atmen konnten. Ihre Hände und Füße waren mit Klebeband gefesselt. Danach hielt man die Journalisten in einem verschlossenen Zimmer fest.“

    So viel zum Thema Pressefreiheit in ihrer demokratischen Ukraine, Herr SPD-Steinmaier und Frau schwarzgrün Beck, Harms und wie dieses Gelichter alles heißt. Mir ist übel.

  • limbojack

    Verstärkung trifft in Lugansker Region ein. Die Militärfahrzeuge werden moderner.

    • limbojack

      Das ist wohl die Tschetschenische Verstärkung heute in Donetzk angekommen.

      • limbojack

        • Ruth

          Vielen Dank, limbojack, für das Video. Es macht Mut, die vielen jubelnden Menschen zu sehen.

  • limbojack

    Ich kann die 3 Channel von Anna News hier noch erreichen, aber nicht mehr mit den Chrome Browser. Die US Medien Diktatur beginnt zu arbeiten!

    http://www.ustream.tv/channel/newsfront2

    http://www.ustream.tv/channel/newsfront1

    http://www.ustream.tv/channel/newsfront3

    • s.k.

      ja, scheint am Browswer zu liegen, mit Firefox gehts nicht mehr, mit Safari schon.

      • Ruth

        Bei mir geht es mit Firefox, aber newsfront3 u.1 (2.u.3.link) letzmalig stream von gestern und 1.link letzmalig vor ca.halber Stunde mit versprechen, gleich wieder zu senden.

  • limbojack

    Uniformen und Schutzkleidung – dank an Russland.

  • urkeramik

    „Poroshenko is one of the most odious figures in Ukrainian politics and heads the list of the country’s corrupted persons.“ Wen es interessiert, hier ein wenig Hintergrund zu Poroshenko:
    http://www.strategic-culture.org/news/2014/05/24/weapons-prostitutes-drugs-things-poroshenko-associated-with.html

  • Mathew Miller

    Der Anfang vom Ende der Ukraine.
    Das war es dann mit dem Projekt farbige Revolution.
    Jetzt kommt der Gegenzug.
    Und der kommt erst in Transnistrien zum stehen.
    Direkt an der noch nicht definierten Grenze zur EU.
    Moldawien hat jetzt schon Visafreiheit für den Schengen-Raum.
    Ich denke die Ukraine ist raus aus der Planung.
    Bitter für die Leute.
    Aber das war von Anfang an so geplant.
    Das einzige was diese Menschen von Europas Standard sehen wird sind die Preise.
    Maximaler Gewinn mit geringsten Ausgaben.
    Ich denke das es nicht nur bei diesen paar Oblast’s bleiben wird.
    Die Südstaaten Flagge der Konföderation passt wie die Faust auf’s Auge….und bestens zum Gedanken einer Föderation.
    Da hat einer definitiv mehr Humor als ihm zugetraut wird.
    Ich wünsche den Menschen dieser Föderation alles erdenklich gute und viel Erfolg auf ihrem „Weg“.
    Mit viel Glück ist das de Anfang vom Niedergang eines System das die Menschheit schon zu lange unterjocht.
    Mit demokratischen Floskeln flankiert von so viel Gewalt und Unterdrückung wie zur Sicherung und Ausdehnung der eigenen Macht notwendig ist.
    In der Ukraine denke ich werden keine 13 Sterne auf blauem Grund leuchten, aber wer kann es sagen….wie lange noch alle 50 Stars neben den 13 Stripes funkeln.
    Nichts ist für die Ewigkeit….auch keine demokratische Tyrannei.

  • Mathew Miller

    So geht es der Ukraine derzeit.
    Und das ist es was am Ende rauskommt.

  • Mathew Miller

    Zitat:
    UKRAINE-WAHLEN IM LIVE-BLOG
    Wahlbeteiligung liegt über 40 Prozent
    Am Nachmittag hatten 40,4 Prozent ihre Stimme abgegeben, um 19 Uhr schließen die Wahllokale. Im Osten des Landes schüchtern Separatisten Wähler ein. Unser Live-Blog

    Nur gut das in der West-Ukraine die Garde für freie Wahlen sorgt.
    Das kleine Mädel in Lwow schaut recht skeptisch….würde ich auch wenn ich das Waffenholster bedenke auf das der Blick fällt.

  • habkind

    Anna-News läuft jetzt auf rutube:

    http://rutube.ru/video/person/640016/

    • limbojack

      und wieder normal auf youtube!

  • limbojack

    Besteht eigentlich die Chance das der Schoko Präsident ein Mann Moskaus ist?

    • Jones Bones

      Ja, aber die dürfte im Promillebereich liegen.

      • limbojack

        Na mal gucken – ich hatte das Thema schon vor 3 Monaten auf dem Schirm.
        Die Krim muß zurück bla bla, ich reise als erstes nach Donezk dann nach Moskau! Was… „Jatze“ meinte der neue Präsident reist zuerst nach Brüssel?

        • Jones Bones

          Poroshenkos Unternehmen werden in Russland boykottiert, eine wirtschaftliche Verbindung besteht da nicht und somit fehlen Motiv und Indizien für eine Verbindung zu Russland.

          Da der Typ, oder zumindest sein Vater, in organisierte Kriminalität verwickelt waren, kann man auch davon ausgehen dass die Schokolade ein Stück weit auch Geldwäsche ist.
          Dollar-Milliardär durch ein Schokoladenunternehmen, das kann ich bei Lindt noch nachvollziehen, bei der Marke „Roshen“ hingegen, an die ich mich bei meinen Ostblockreisen auch partout nicht erinnern kann, nicht.

          Der Westen würde nicht einen Prorussen an die Macht kommen lassen. Poroshenko wurde und wird von ihnen unterstützt, unter anderem durch die westlich finanzierte UDAR-Partei.

          Selbstredend ist der Mann Populist und wird wohl keines seiner mir bekannten Wahlversprechen einhalten versuchen, geschweige denn können.

          Meine Vermutung ist, dass der Typ ein Stück weit auch Führungsfigur Europas gegen die Führungsfigur der USA (Timoshenko) ist.
          Da er aber von Anfang an beim Euromaidan ganz vorne mitgemischt hat, und dieser den Russen von Anfang an zuwider war, wird er kaum der „Mann Moskaus“ sein.
          Allerdings werden die Russen ihn als einen Machtfaktor kennen und werden, sollte eine Situation entstehen wo dies im beiderseitigen Interesse ist, selbstverständlich mit ihm zusammenarbeiten.

        • Ruth

          Hier noch ein ganz aufschlußreicher Artikel. Da scheint es doch einige wirtschaftliche Verbandelung mit Russland zu geben. Vorallem hält er die Aktienmehrheit an der größten ukrainischen Werft…die aber auf der Krim liegt…
          http://de.rbth.com/politik/2014/05/24/praesidentschaftswahlen_in_der_ukraine_der_kandidaten-check_29611.html
          Irgendwo hatte ich auch gelesen, daß letzen Sommer ein Einfuhrverbot seiner Schokolade nach Russland erteilt wurde, weil irgendwelche bedenklichen Inhaltsstoffe gefunden wurden. Den Link finde ich z.Z. aber nicht mehr.
          Ganz interessant auch der Wiki-Beitrag über ihn mit reichlich Links.

        • limbojack

          Der Wunsch war Vater des Gedanken.
          Aber ich gebe die Hoffnung noch nicht auf…“ Roshen“ ist für die Russen die Schoko Marke schlecht hin. Die ukrainischen Süßigkeiten auf den EU Markt habe ich schon bei „Rewe“ gesehen, aber der Markt ist da sicher satt. Die ersten Worte des neuen Präsidenten machen wenig Mut, anderseits passen sie in das Konzept einer „Marionette“, noch hat er ja keine Gewalt.

        • urkeramik

          Hier gibt es etwas Hintergrund zum Schokoladenmafioso;
          http://www.strategic-culture.org/news/2014/05/24/weapons-prostitutes-drugs-things-poroshenko-associated-with.html

          Das er Europas Gauner gegen Amerika wäre halte ich für ein Gerücht.

        • Jones Bones

          Ist noch nicht mal ein Gerücht, sondern auf meinen Mist gewachsen.
          Auch meinte ich das nicht Schwarzweiß Europa gegen die USA, sondern insofern, dass die Batkivchynapartei tendenziell mehr durch die USA unterstützt wird, und Klitschkos UDAR tendenziell mehr durch die EU.Wie gesagt tendenziell und nicht ausschließlich, außerdem fehlt es mir dabei an konkreten Zahlen und Belegen.

          Getreu dem Motto: „Wess‘ Brot ich ess‘, dess‘ Lied ich sing“, hängt der Einfluss der westlichen Länder auf ihre ukrainischen Erfüllungsgehilfen von dem investierten Geld ab, das die in alle Parteien investieren, und wo der Einfluss der EU auf die UDAR-Partei am größten ist.
          Folglich verstehe ich das Nulandtelefonat auch genau so, dass es durchaus Konkurrenz zwischen den USA und der EU um ökonomische und geopolitische Einflussnahme in der Ukraine gibt.
          Daher das „F… the EU“, und daher auch der Umstand, dass die Nuland die UDAR nicht an der Regierung teilhaben ließ, obschon diese doch größer ist als die rechtextremere Svoboda.
          Dass diese Partei keinen einzigen Regierungsposten ergattert hat, ist doch äußerst bemerkenswert.

          Da die Batkivchina selbst einen Kandidaten aufgestellt hat (Timoshenko), die UDAR & Klitschko den Schokomobster unterstützt, folgere ich daher aus meinem Erklärungsmodell, dass die EU großen Einfluss auf Poroshenko haben dürfte.
          Da der Westen aber zur Zeit sehr geschlossen gegen die Russen steht, fällt das fürs erste kaum ins Gewicht. Man kann aber durchaus sehen, dass der Schokomobster etwas friedlichere Töne ansetzt als die Timoshenko, genauso wie die EU weniger aggressiv mit den Sanktionen ist als die USA.

        • urkeramik

          Poroshenko ist ein „klassischer „Mafiosi. Menschenhandel, Waffenhandel, Prostitution… Ausserdem der 130. auf der Liste der reichsten Juden der Welt. Das die EU auf ihn realen Einfluss hätte halte ich für abwegig, was für einen Deal könnte die EU ihm bieten, der die CIA/Chabad-Family übertrumpfen könnte? Timoshenko ist klar von der CIA erpressbar, war aber nach der orangenen „Revolution“ teilweise auf „Ego-Tripp“ und gilt für ihre Herren als unsicher. (They think they can control her. For some time she fought for her independence, but in the end Filin, Galaka, Likhvintsev, and other Banderovites psychologically broke her. Now Timoshenko believes they will kill her if she disobeys.)Wenn die Amerikaner sie gewollt hätten, dann wäre sie Präsidentin geworden. Sie war sowohl für die Amerikaner als auch für die Europäer zweite Wahl.

  • soja k.

    Der youtube-Kanal von ANNA-News ist wieder erreichbar!!!
    Der internat. Flughafen Donezk bird aus der Luft beschossen – Hubschrauber und MIGs im Einsatz.

  • Det70

    Kann der Präsident das Parlament auflösen und Neuwahlen ansetzen? Das wäre die schnelle Chance das braune Pack aus der Regierung zu bekommen.

    Aaaaaber, wer kontrolliert die dann zwecks Waffen und so?

    PS: Hat jemand Informationen aus Donetzk? Sind die Wostok Kämpfer noch in der Stadt?

    • Zu Donezk nur ganz kurz, bin unterwegs: guckt, wenn es läuft, „Newsfront1“ live — http://www.ustream.tv/channel/newsfront1

      Letzte Nachricht (gegen 17 Uhr GMT+3), dass Verstärkung von Seiten der Volkswehr anrückt.

      Die Einheiten am Flughafen bestehen angeblich vorwiegend aus Freiwilligen aus dem Kaukasus. Mehr später am Abend.

      PS: Der Präsident kann m.E. das Parlament nicht (so einfach) auflösen.

    • limbojack

      Oder ….. Neuwahlen fürs Parlament würden ohne Krim und Osten noch viel mehr braune in die Rada spülen?

  • Jowi

    „Die Kämpfe gehen allerdings erst einmal weiter. Separatisten haben den
    Flugplatz von Denezk besetzt und werden von Kampfhubschraubern des
    ungarischen Militärs angegriffen.“
    http://www.heise.de/tp/artikel/41/41864/1.html

    Die Hervorhebung ist von mir. Kann das sein? Ungarische Kampfhubschrauber?

    • limbojack

      Ich hatte vor 2-3 Tagen gehört, daß die eine Sondereinheit schicken wollten, wegen festgesetzter Journalisten, aber Kampfhubschrauber?

    • Jones Bones

      Moin Jowi,
      wo ich deinen Link angeschaut habe, steht da was von ukrainischen und nicht von ungarischen.
      Ich halte das auch eher für einen Schreibfehler des Autors, wie ich sie auch häufig mache: Man denkt an eine Sache, schreibt über eine andere, und plötzlich hat man ein vermischtes Resultat.

  • limbojack

    Am Flughafen!

  • limbojack

    Hubschrauber mit gestreiften Tarnanstrich?

  • limbojack

  • limbojack

    ANNA wieder normal erreichbar…..

  • Mathew Miller

    Die Regierung in Kiew gehört vor ein Gericht.
    Klitschko würde ich derzeit lieber nicht begegnen wollen.
    Kann da kaum dafür garantieren das ich mich nicht zu einer kleinen Zwischenmenschlichen Interaktion hinreißen lassen würde.
    Spenden für die Ukrainische Armee fi.k dich Klitsche.
    Hab den Vollpfosten schon 2 mal auf verschiedenen Flughäfen in der LHASA -Lounge gesehen.
    Derzeit würde es bei einem Treffen klatschen aber keinen Beifall.
    Wenn ich dann am Boden liege….noch in die Hacke ….

  • Walter Mandl

    Nachfolgendes Video offenbart die Brutalität und Gesetzlosigkeit der Junta in Kiew samt deren Förderer in den Staaten und Europa. Es zeigt den Schauplatz Lugansk nach der gestrigen Bombardierung. Wo bleiben nur die „sorgenvollen“ Aufrufe westlicher Politikdarsteller, wo bleibt die Darstellung in unseren Medien??

    Wir wissen, sie werden nicht erfolgen. Nicht wenn es um Opfer auf der „gegnerischen Seite“ geht. Aber wehe, wenn eine Nutte von Pussy Riot auch nur in Bedrängnis gerät……

    Unfassbar und unhaltbar.

    ACHTUNG: Der Videoclip zeigt Tote und Schwerverwundete unmittelbar nach den Angriffen und sollte daher keinesfalls von Minderjährigen oder sensiblen Menschen betrachtet werden!!!

    • soja kosmos

      Die Bürgerwehr soll heute einen Hubi und ein Kampfflugzeug(!) vom Himmel geholt haben und einen Panzer zerstört.
      Ansonsten: Die Kiewer beschießen auch heute massiv Lugansk und Slawjansk. Hubschrauber und Kampfflugzeuge kreisen über den Orten und schießen.
      Den
      gestrigen Luftangriff auf das Regierungsgebäude in Lugansk bestreiten
      sie, es sei ein Fehlschläger der Separatisten gewesen (unglaublich!).
      Für die
      deutschen Quaitätsmedien hat das gar nicht stattgefunden, lediglich spon berichtet
      davon, die Separatisten würden „behaupten, dass ….“
      Für mich gehört dieses ganze Journalistenpack hinter Gitter.

      ANNA-News ist nach wie vor nicht zu erreichen, aber man kann Internet-TV
      gucken: LiFE NEWS und rossia24 – da gibt es immer aktuelle
      Korrespondentenberichte.

      • soko

        ANNA-News scheint mein persönliches Problem zu sein, bei Freunden läuft es, bei gleichem Browser, allerdings unterschiedlichem System.

      • xxtunguskaxx

        Die OSZE hat bestätigt das der Angriff auf das Gebäude von der Ukrainischen Luftwaffe durchgeführt wurde.

        • soko

          Dann sind die Typen wenigtens für etwas gut. Den Beschuß/Zerstörung der Wohnhäuser, Kindergärten, Krankenhäuser sollen sie dann bitte auch bestätigen und eine Flugverbotszone fordern. Hier wäre sie wirklich einmal angebracht.

        • Reisender

          Die OSZE ist schon für was gut. Die vollständige Berichte geben schon ein einigermaßen echtes Bild wieder. Leider häufig erst 2 – 3 Jahre später. Doch in der Zusammenfassung, das was aktuell berichtet wird, in den Medien taucht nur die verkürzte Sicht auf. Bzw. die Politiker picken sich nur einzelne Ausagen raus.
          Im Augenblick erleben wir, dass die Forderungen und Widerlegungen in der Ukraine und Syrien gerade spiegelverkehrt laufen. RF wird heuchlerisches Verhalten vorgeworfen. Dabei wird nur klar, dass das Verhalten der NATO auch heuchlerisch ist. Es gelten keine grundsätzliche Rechtsgrundsätze sondern nur noch das Recht des Stärkeren. Kosovo / Krim oder Ostukraine / Syrien. Damit die Geschichte nicht nur von den Siegern geschrieben wird, sind die OSZE dann doch gut. Es geht dabei nicht darum, am Boden den Krieg zu gewinnen sondern moralisch (in den Medien). Leider häufig erst nachträglich. Genau deshalb bin ich auch froh, dass es diesen Blog gibt. Dieser ermöglicht es mir, ein deutlich wirklichkeitsnäheres Bild zu bekommen, als ich es damals beim Kosovokrieg hatte.

        • xxtunguskaxx

          Ich fürchte darauf können wir lange warten! War ja schon erstaunt über diese Meldung!

      • ISKANDER1

        Wenn diese Erfolge stimmen sollten: Glückwunsch.
        Ich denke eher, wir alle klammern uns zunehmend an Wunschdenken was von Hoffnung und Empörung genährt wird.
        Die Volkswehr ist im Niedergang.

        • Die Volkswehr ist im Niedergang.

          Ja, das ist sie – mindestens mittelfristig, wenn sich nichts schlagartig ändert.

          Gestern gab es einen Luftangriff auf/in Lugansk. Er blieb ohne jegliche Folgen. Ganz logisch folgten heute schon Luftangriffe auf Krasnyj Liman und Semjonowka bei Slawjansk. Strelkow erwähnte heute – vollkommen verzweifelt – den Einsatz der „Grad“ (Gardewerfer).

          Aus Moskau hört man davon gar nichts. Folglich werden morgen die Angriffe noch weiter verstärkt.

          Gegen solch einen Krieg kann man nichts machen. Die eine „Nona“ und die paar Mörser haben gegen all das keine Chance. Strelkow schrieb heute, dass ein Kräfteverhältnis von 10:1 nur noch nette Erinnerungen an die vergangenen Tage ist. Man kann ohne alle Übertreibung und Panikmache davon ausgehen, dass es in den kommenden Tagen mehr oder weniger zur Einäscherung der Ortschaften um Kramatorsk und Slawjansk kommt.

          Wenn auch das durchgeht, ist Donezk dran. Diese Stadt ist dann natürlich etwas größer, aber es gibt weniger bewaffneten und organisierten Widerstand.

          Allein kommen die Volksrepubliken auf keinen Fall durch. Mal ganz abgesehen von den Ressourcen haben sie einfach keine Zeit, ordentlich funktionierende eigene Streitkräfte aufzubauen – eine Organisationsfrage, für die man ihnen die Zeit eben nicht lassen wird, und das schon allein aus dem Grund, dass der Gegner – das vollkommen zersetzte ukrainische Militär und der nach dem Maidan gut bewaffnete, fanatische Pöbel – es in keinem Fall mit einem richtigen militärischen Gegner aufnehmen kann.

        • TomGard

          „Aus Moskau hört man davon gar nichts.“

          Das ist nicht ganz richtig, allerdings beschränkt Itar-Tass sich auf die Weitergabe der Presseverlautbarungen von Ponomarenko.

          Der „Knackpunkt“ liegt m.E. darin, daß selbst der Guardian unter Berufung auf einen Armeesprecher von einer „ganz neuen Strategie“ spricht, während bei TASS und RT nichts dergleichen zu lesen ist, obwohl die TASS-Berichte diese Strategie klar erkennen lassen, besonders im Fall Semjonowka. Demnach ist die Armee dazu übergegangen, die Bevölkerung der Zielorte während 24 bis 48 stündigem vergleichsweise schadlosen Bombardements zu vertreiben, um anschließend gegen verbliebene Checkpoints und Stellungen der Aufständischen mit Grad-Werfern, Luftwaffenangriffen und einer Übermacht von Panzern vorzugehen. Das strategische Ziel scheint mir ziemlich deutlich, nachdem Turtschinow entgegen früheren Verlautbarungen nun auf Verhängung des Kriegsrechts drängt. Nachdem lt. Tass neuerlich weitere 20 Abgeordnete der Partei der Regionen, die bisland ausgeharrt hatten, „überzeugt“ worden sind, es sei gesünder die Fraktion zu verlassen, wird er das durchbekommen. Daraufhin kann die Armee die von der Bevölkerung frei gebombten Landstriche aus der Luft kontrollieren und nachts auf jedes Fahrzeug feuern, das sich in der Region bewegt. Bevölkerung und Militante werden auf diese Weise zusammen mit etlichen Tausend Flüchtlingen in Slaviansk, später wahrscheinlich auch Luhansk und Donetsk, zusammengesperrt und eine der Beginn einer „humanitären Katastrophe“ angesetzt. Dann soll vermutlich die Stunde der OSZE schlagen und die Bevölkerungstrennung, aka Vertreibung aufrührerischen Reservoirs nach Russland, das jetzt nicht stattfindet, weil eine indolente Bevölkerung noch nicht glauben will, was da abgeht, kann beginnen.

          Von „einäschern“ würde ich selbst dann nicht reden, wenn das Wort örtlich gerechtfertigt wäre, weil das glatt eine Verharmlosung einer Strategie ist, die mir als nachgerade opernhafte Inszenierung aller internationalen Akteure erscheint, mit Churkin als Vortänzer in seiner UN-Show, an der der jordanische Sicherheitsratsvertreter mehr Anteil nimmt, als der chinesische …

        • Als weiteres Futter für diese Linie, speziell zur „humanitären Katastrophe“ können wir heute bieten:
          – weitgehende Zerstörung der Trinkwasserversorgung in und um Slawjansk
          – rund 7.000 Flüchtlinge sind in den vergangenen 24 Stunden in Russland eingetroffen.

        • urkeramik

          Gute Darstellung, aber eine Frage drängt sich mir auf: Was könnte/sollte die RF tun, um auf dem heißen Boden nicht (mit-)tanzen zu müssen und ohne die, etwa von big Zbig http://www.politico.com/magazine/story/2014/05/what-obama-should-tell-americans-about-ukraine-106277.html#.U48lI3YZn-o, gewünschte Eskalation in einem „long term low level conflict“ selbst herbeizuführen?

        • ISKANDER1

          Die RF müsste nur konsequent die Gunst der Stunde nutzen, sich

          vom Westen und seiner „Wertegemeinschaft“ nachhaltig abzukoppeln.
          Ich bezweifle, das dies gewollt ist. Auch in der RF sind die Oligarchen – gut vernetzt mit dem Westen + seinem Kapital und aktiv.

          Und all die vielen pinkfarbenen dicken Ladys mit ihren Handys, die McDonalds Konsumenten und Sport BMW Fahrer….

          Der Tod der RF wird durch „Ja – aber“ -. Politik, durch Kapitalismus a la Rothschild und letztenendes schleichender Zersetzung des nationalen Wir – Gefühles eintreten.
          Die übliche Symptomatik.
          Der Verrat der RF an den Landsleuten in der Ostukraine ist der eigentliche, der heimliche Sieg der USA/NATO. Diese Injektion ist „mehr wert“ als die ganze erbeutete Ukraine denn es wird in Russland selbst zum Mißtrauen führen: Jeder gegen jeden. Volk gegen Führung.

        • Jones Bones

          „nur“


          Ernsthaft???
          So einfach stellste dir dat vor?

        • soja kosmos

          Ich habe keine Illusionen. Das Projekt Neurussland ist ohne offene oder verdeckte Hilfe von aussen – bzw. im Moment überhaupt – zum Scheitern verurteilt.
          Dabei fällt es mir schwer, über Russlands Politik zu urteilen oder sie zu verurteilen. Sicher, ich bin nicht frei von »romantischen« Gedanken, Russland könnte verdeckt den Aufständischen mit Waffen helfen, aber wo fängt das an, wo führt das hin und wo endet das?
          Was für Chancen gäbe es, außer einem endlosen Blutbad?
          Im Moment gibt es entscheidende Gegenbewegungen gegen die ukrainische Regierung nur in Lugansk und Donezk. Charkow ist ruhig, Odessa ist ruhig, Dnepopetrowsk ist ruhig, in Kershon regt sich gar nichts, ebenso in Mykolajew und Saporoshe – alles Oblaste, die zu Neurussland gehören sollen. Es gibt dort nicht mal eine nennenswerte Unterstützungsbewegung für Donezk und Lugansk. Jedenfalls nicht sichtbar und nicht auf der Straße.
          In Donezk und Lugansk und der gesamten Ukraine gibt es keine organisierte politische Kraft, die die Aufstände bündeln, führen, organisieren könnte.
          Entstanden sind die Aufstände als Gegenbewegung der russischsprachigen Bevölkerung gegen die nationalistische Politik der Kiewer Regierung und gegen die Neofaschisten in der Westukraine. Aber im Wesentlichen riefen die Leute »Russland, Russland, Putin hilf«. Sie wollten »zurückgeholt« werden wie die Krim. UdSSR-Nostalgie war unverkennbar, auch russischer Nationalismus.
          Nur leben in den Oblasten aber nicht nur Russen. Wenn, dann müsste es zu einer demokratischen Bewegung kommen, gegen Nationalismus, gegen die Oligarchen. Vorstellungen, die vielleicht Gubarew (allerdings in einer eher romantischen Variante), handfest auf jeden Fall aber Zarjow vertritt. Aber die haben keine Partei oder Organisation. Zarjow ist nun überhaupt aus der Ukraine „verbannt“. Ich sehe keine ernsthafte politische Bewegung, die auch die ukrainischen Ukrainer einbindet. Wenn es sie in Ansätzen gibt, dann braucht es Zeit, so etwas aufzubauen.
          Worauf soll das alles unter diesen Bedingungen also hinauslaufen? Ein Aufstand, bei dem sich die Bevölkerung nur bedingt beteiligt. Neurussland als ein Projekt, bei dem nur Donezk und Lugansk mitmachen? Sollen am Ende die Russen die Ukrainer in den restlichen Oblasten bekämpfen?
          Was soll die russische Regierung da machen? Klar sind ihre Interessen berührt, sicher hätten sie nichts gegen Neurussland, wenn schon die Westukraine an die EU/NATO fällt, aber sie sind so unter Druck – die gesamte Ukraine-Politik des Westens richtet sich nur gegen Russland, die Amis wollen nebenbei noch Europa schwächen. Würde Russland militärisch eingreifen – die Folgen wären unüberschaubar. Und wie weit sollte Russland gehen? Bis Lugansk und Donezk? Oder weiter? Die Ukraine besetzen und gegen die ukrainische Bevölkerung kämpfen? Absurd.
          Eine verfahrene Kiste. Wenn sich in der Ukraine selbst nicht mehr regt, seh ich keine Lösung. Sind denn in Kiew irgendwelche Demokraten auf der Straße gegen diese Mistregierung? Gegen den Militäreinsatz? Nein.
          In Europa? Was gesehen oder gehört? In Deutschland? Hier graben sich die Friedensgrüppchen gegenseitig das Wasser ab und die Linke versagt auf der ganzen Linie. Gewerkschaften scheint es auch nicht mehr zu geben.
          In den Massenmedien findet die Militäraktion gegen die Bevölkerung in Slawjansk, Kramatorsk, Lugansk gar nicht statt.
          Und Putin solls nun richten? Russland, das einem so massiven Druck ausgesetzt ist, wie ich ihn vor einem Jahr mir nicht hätte vorstellen können.
          Dieser »sterbende« Imperialismus mit seiner Führungsmacht USA, die sind schon recht schlagkräftig, auch wenn sie nur kaputtmachen. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Was wahr ist, ist wahr. Auch in der Ukraine.
          Worauf soll man hoffen? Auf ein Wunder?

        • Walter Mandl

          Die Spuren der Unterdrückungsaktivitäten in der Ostukraine werden Folgen nach sich ziehen. Jeder Tag des Einsatzes verschärft die Lage in Richtung Konterrevolution. Kiew ist sich dessen bewusst und will daher möglichst zügig zu einem „Abschluss“ kommen. Ein Ende der Operationen in Sinne von Befriedung wird Kiew nicht gelingen. Dafür reicht die politische und materielle Unterstützung seitens der RF vermutlich immer aus. Die sich daraus ergebenden wirtschaftlichen Kosten werden mit Sicherheit die Etats der ukrainischen Oligarchen genauso wie jene der transatlantischen Okkupanten sprengen. Libyen ist ein Beispiel dafür. Bevor Russland nicht eine ähnliche „Aufnahmesituation“ wie sie auf der Krim war, sieht, kann es nicht offen intervenieren. Das sagtest du ja selbst. Es geht nicht um eine Veränderung in der Ostukraine alleine, wir stehen vor einem Kräftemessen zwischen West und Ost. Und alle beteiligten Kraftzentren konzentrieren sich daher auf eine möglichst gut vorbereitete Reorganisation für diesen Akt. Auf dem Weg dahin wird die gesamte Ukraine dem „Westen“ wesentlich mehr kosten als effektiven Nutzen bringen. Und deine berechtigte Frage, wie weit Russlands Intervention denn zu gehen hätte, wird sich im Augenblick der dann VOR dem Vorhang stattfindenden Geschehnisse wie von selbst lösen. Die Brüsseler Gemeinschaft wird zerfallen, teilweise kapitulieren oder sogar koalieren. Der Eisenbahnwagon in Compi’egne kann wieder hergerichtet werden.

        • SoKo

          Sender Jerewan: Im Prinzip ja. Bist wohl ein Romantiker? An welchen Zeithorizont dachtest du?
          Ich meins nicht bös, bin selbst eher verdreifelt … :-(

        • Reisender

          http://www.politico.com/magazine/story/2014/05/what-obama-should-tell-americans-about-ukraine-106277.html#.U48lI3YZn-o

          Die Falken der USA wünschen sich so sehr, dass die RF mit Bodentruppen in die Ukraine eindringen. Die wünschen Russland noch mal ein „Afghanistan“ -Erlebnis.

        • Walter Mandl

          Als Romantiker fühlen sich gelegentlich alle Menschen die meinen, sich fürs Gute einzusetzen. Zeitliche Prophezeiungen sind nichts wert und kämen einer Wette auf den (eigenen) Tod sehr nahe. Auf alle Fälle erfordern große Auseinandersetzungen zumindest jene Vorlaufzeit, bis eine Seite sich entweder gut überlegen oder derart aussichtslos sieht, dass Angriff als die beste Verteitdgung erscheint. Orientiere dich an den Vorbereitungszeiten des letzten WK. Nicht nur Gutes braucht Zeit zur Reifung, auch das Böse

          versucht sich zu stärken. Auf alle Fälle wirst du und wir alle den offenen Konflikt erleben. Ob er
          auch überlebbar ist, hängt von vielen individuellen Umständen ab.

        • so ko

          Bitte verzeih, ich war sehr flapsig. Mir sind Romantiker ja überaus sympathisch.
          Was den großen, offenen Konflikt angeht – langsam scheint es mir auch so, als könnte ich ihn möglicherweise noch erleben. Die leider schlechten Entwicklungen nehmen in letzter Zeit derart an Fahrt auf, dass ich mich – als alter Zoni – an Wendezeiten erinnert fühle.

        • Johann

          Hervorragende Analyse! Auch das Gezetere, Putin „verrate“ die Ukraine, ist nur Teil der anti-Putin-Propaganda und soll ihm vor allem im eigenen Land die Zustimmung nehmen. Vorbereitung für eine „farbige Revolution“ in Russland?
          K

        • soja kosmos

          Nachtrag: Zarjow will doch wieder zurück in die Ukraine. Todesmutig, anders kann man es nicht nennen. Ich schätz den so ein, dass er es nicht über die Ehre bringt, im Trockenen zu sitzen, wenn die anderen in der Scheiße stecken. Von dem hab ich bis jetzt die vernünftigsten Sachen gehört. Toller Mann, unheimlich sympathisch, mutig, aufrichtig, politisch klug. Vielleicht kann er etwas bewirken. Ich hoffe, er wird nicht zum Märtyrer.

    • Ben

      Alleine, es bleibt eine irgendwie völlig demoralisierende Fassungslosigkeit ob der systematischen Verlogenheit der hiesigen Eliten in ihren sauberen Anzügen, feinen frisuren und teueren Limusinen die wir alle auch gleich noch bezahlen… das Schweigen, es breitet sich aus, wird immer arroganter, die Doppelzüngigkeit gleich mit. Noch basieren diese Informationen alleine auf US Technik die prinzipiell zentral kontrolliert und abgeschaltet werden kann. Jederzeit…

      Offenbar ist der Abstand zwischen Bürger und Eliten dermassen gross geworden das diese den Unmut der Bürger nicht mal mehr für real einstufen… trotzdem wird die Propaganda aufrechterhalten, Europaweit.

    • ISKANDER1

      Meine Befürchtungen des Verrates der RF an den in der Ostukraine aufgestandenen Menschen verdichtet sich.
      Die Brutalität der Junta Söldner nimmt exorbitant zu, es scheint eine Art Freibrief zu geben. Das am Anfang noch vorsichtige Lavieren ist Geschichte.
      Man wird die Ostukrainer abschlachten und/oder vertreiben nach Russland.
      Was hat man Russland an Silberlingen gezahlt?
      Heute las ich, man bereitet die Rückkehr Russlands in die G8 vor….

      • berlinathen

        Hallo Iskander1 (wo ist Iskander gebliebenß), ich stimme dem, was du schreibst, uneingeschränkt zu. Nur in einem Punkt bin ich skeptisch und zwar über die Silberlinge, die man evt. Russland bezahlt hat. Für mich, wie für dich auch, ich kann mich gut erinnern, war die Sache schon lange klar, ich habe geschrieben, dass ich traurig bin, weil Russland den Leuten in Donbas Mut gemacht und dann im Regen stehen lassen hat. Vermutlich aber nicht wegen der Silberlinge, sondern eher schon wegen irgendwelcher Abmachungen zwischen USA/Israel/Deutschland und Russland über die Verteilung der Beute „Ukraine“. Ich denke, man hat Putin klar gemacht, dass er mit der Krim zufrieden geben und keine weiteren Forderungen mehr stellen sollte. Und so sieht es jetzt auch aus

        • ISKANDER1

          Hallo berlinathen!
          Ich bin der „alte“ ISKANDER :-), nur ging es über Disqus nur mit dem Zusatz „1“, weil es vielleicht irgendwo einen anderen gibt.
          Der Begriff Silberlinge soll nicht als Münzenhaufen gesehen werden, sondern als faustisches Geschenk.
          Dazu gehören ohne Frage auch solcherlei Interessenabsteckungen wie du sie sehr richtig beschrieben hast.
          Ich kann nur jedem Mitschreiber hier empfehlen, Mikis Theodorakis + Pablo Nerudas Werk: „La United Fruit Co“ aus dem „Canto General“ in youtube + Text !!!!!! zu inhalieren.
          Der Begriff: „Moscas“ – (Canto General) ist eine köstliche Umschreibung aller Diktatoren und Helfershelfer.
          Typen die man heute in Nadelstreifen und auf Wahlplakaten sieht, gar unromantisch, friedlich lächelnd fast.
          Die Zeiten als grimmige Generäle wie Ubico, Humedas und Pinochet, RiosMont oder Somoza dieses Label trugen, die sind weit weg.
          Doch der Sumpf ist nicht trockener geworden, eher tiefer.

  • urkeramik

    Der Hinweis das Staaten uund ähnliche Gebilde nur Schein-Subjekte sind ist richtig, der auf den Anti-Kommunismus, besonders auch des reexSoz ebenso. Dein Punkt drei ist so allgemein, daß ich ihm ohne weiteres zustimmen kann, wobei dies natürlich auf jegliches Schein-Subjekt, sei es Staatenförderation, Staat, Kommune, Verin oder Unternehmen zutrifft. Lediglich beim mitschwingenden Bedauern über die „christlich/nationalistischen Bevölkerungsmassen“ würde ich allzugerne einen Disput aufmachen – wenn wir hier beim Wein säßen. Kommentarspalten sind kein guter Ort für soetwas.

  • urkeramik

    Alles gute Punkte, die aber das Kernproblem nicht angehen, wie man sich die Anmaßung globaler Herrschaft einer globalen Oligarchie wirksam vom Hals halten kann. Letztlich wird das wohl nur möglich sein, wenn die Bevölkerung der Kernländer des Imperiums sich bewegt und ihre „die bisher gültigen Nutzen- und Schadenskalküle fraglich“ stellt. Dafür dürften die ersten drei Punkte nützlich sein.

  • Jones Bones

    1) Dir ist sicher geläufig, dass die Staatstheorie seit dem Absolutismus eine kontinuierliche Entwicklung durchlaufen hat, und dass in einer absoluten Monarchie gilt: „L’etat, ce moi!“.
    Der Souverän ist also der Staat, und wo die sog. „Demokratien“ ansetzen, mag sich vieles geändert haben, doch dieses Rechtsverständnis wurde weitgehend übernommen.
    Insofern ist Putin Russland, weil er dessen Chef ist, auch wenn Staaten an sich ein eher loses pyramidenförmiges organisches Gebilde ist, wo die Zellen vieles sehr eigenständig tun.

    2) Kein Wort verstanden, um ehrlich zu sein.

    3) So viel Blut kann die RF kaum vergießen, wie der Zerfall derselbigen kosten würde. Ob die Leute einen Staat in Frage stellen, hängt nur sekundär von diesem ab.
    Um Evo Morales zu zitieren: „Das einzige Land der Welt, wo es keinen Putsch geben kann, ist die USA, weil es dort keine US-amerikanische Botschaft gibt.“

  • urkeramik

    Der Wein ist für den Inhalt der Debatte sicher belanglos, aber da diese, um überhaupt sinnvoll geführt zu werden, genügend Zeit und Raum bedarf, wäre eine Flasche Wein – oder auch ein guter Tee, oder ein ha Heu zum gemeinsamen sensen – schon förderlich.

    Ansonsten: die Anerkenntnis einer Anmaßung ist aus meiner Sicht keine „theoretische Absegnung“ derselben sondern auf der einen Seite die Anerkenntnis, daß diese Anmaßung eine geschichtliche Kraft ist (das wirst du nicht im Ernst leugnen wollen), als auch, eben durch die Benennung als „Anmaßung“ die DElegitimierung desselben als reinen Grössenwahn ohne theoretische oder moralische Legitimität. Praktische Legitimität jedoch verschafft sich dieser Größenwahn immer wieder durch die Anwendung organisierter Gewalt, die Gewehrläufe sind da nur die Spitze des Eisberges und das rituelle Opfer auf öffentlichem Platz nur das Hochamt, das den Größenwahn in den Köpfen des Publikums als reale Macht verankert. Und die Hohepriester der Macht wissen das selbstverständlich: „the West won the world not by the superiority of its ideas or values or religion but rather by its superiority in applying organized violence. Westerners often forget this fact, non-Westerners never do.“ (Huntington) Und diese „organisierte Gewalt“ ist tief verankert in der Gesellschaft und Kultur in der wir leben, man könnte glatt von einer Erlkönig-gesellschaft sprechen -die Gewaltandrohung ist, unterschwellig mehr noch als offen, immer präsent. Deshalb ist auch weniger die Anmaßung zu dekonstruieren, sondern das System der „organisierten Gewalt“, der am lebendigen Menschen schmarotzende Todespilz der Macht, der alles und jeden längst befallen hat, längst Teil dessen ist, was wir sind – die Anmaßung wohnt (im Kleinen) auch in dir und mir.

    Herrschaft ist immer konkret, wie überhaupt alles was wir zurecht als seiend charakterisieren können. Soweit, so richtig. Doch kommt Herrschaft niemals ohne Abstraktion aus, denn das Wesen der Herrschaft ist ja, das Konkrete, Einzelne als solches zu negieren und einem als übergeordnet angenommenen Abstraktum als Teil und Mittel einzuordnen. Das das dem Oligarchen und Beamten genauso trifft wie den Arbeiter oder Harzvertilger ist selbstverständlich, ja genau genommen ist sogar der Pharao, der Kaiser oder der Präsident der, der am meisten von seiner Individualität absehen muß, der am wenigsten Ausweg aus der Einordnung unter die Zwecke der Herrschaft hat.
    Ich hör hier mal auf, das führt an dieser Stelle zu weit, übersteigt mein Zeitbudget und überfordert möglicherweise mitlesendes Publikum, das hier andere Interessen verfolgt.
    Und ja, die Debatten um diesen Punkt sind nötig aber es braucht Zeit und Raum und auch manch gute Flasche Wein , guten Tee und die Rückbindung an konkretes und gemeinsames Tun dafür. Und die Stigmatisierung des unvermeidlichen Abstrakten in der Debatte als Symtom der Krankheit, der man beikommen will.
    Gruß, ich geh jetzt sensen.

  • kranich05

    Die Vorstellung, dass die Superreichen ihren subjektiven Willen, wie Klein-Erna an objektive Sachzwänge abgäben (während Majore herrschen) erscheint mir völlig abwegig.

  • Jones Bones

    „Herrschaft kommt seit Erfindung des Schießpulvers nahezu ausschließlich aus Gewehrläufen.“
    Nicht, dass ich hier Fliegensch… betreiben will, aber nicht erst seit dem. Die Erfindung des Schießpulvers hat die Kriegsführung gravierende Auswirkungen auf das traditionelle Machtgefüge gehabt, indem das Rittertum, und somit das Feudalwesen, obsolet wurden. Mit dem graduellen Umstieg auf Massenheere kamen auch gravierende Veränderungen in Machtverhältnissen, die erst es den Monarchien ermöglichte, zu absoluten Herrschern zu werden, aber schließlich auch Revolutionen nicht nur ermöglichte, sondern auch herbeiführte.
    Man vergleiche die Schlacht bei Frankenhausen (Bauernkrieg) mit 6 Toten Landsknechten und tausenden getöteten Bauern mit einer Schlacht aus den Revolutionskriegen.

    Die Zeit der Massenheere ist aber nun vorbei, lediglich als Materialschlachten bleiben die bestehen.
    Und weil Waffen immer auwändiger und teurer werden, wird die Welt über kurz oder lang zwangsläufig auf eine Refeudalisierung zusteuern. Und das können wir momentan ohnehin gut beobachten.
    Sozialer Aufstieg wird immer schwerer, und wo der Reichtum in der Familie bleibt, kann man auch getrost von Geldadel sprechen.

    Und wie schwer der Aufstand ist, können wir gerade auch sehr gut in der Ukraine beobachten. Aufstände waren zwar nie einfach, aber wo es Raketen hagelt, sind sie fast aussichtslos.

    Dennoch…
    „Dort steht einfach und erzählerisch erklärt, daß und warum Herr-Schaft
    konkret ist, nicht abstrakt, und warum der abstrakte Gehalt, den der
    bürgerliche Verstand dem Phänomen Herrschaft gewöhnlich zuschreibt seine
    Quelle nicht in irdischer, sondern wahnhafter göttlicher Herrschaft
    hat: Ehrfurcht.“

    …hast du damit zwar teilweise Recht, aber nur teilweise. Macht und Machtausübung ist in ungefähr demselben Ausmaß real, wie sie auch eine Illusion ist.
    Und es gibt gute Gründe, der Illusion nachzuhängen:
    Staaten mit fest etabliertem System, das nicht hinterfragt wird, sind oft stabiler als jene, die permanent hinterfragt werden, wo ein Putsch dem nächsten hinterherjagt, auch wenn die Kehrseite die Gefahr einer Stagnation ist.

    „Deshalb hat oben Jones gegen Dich recht, obwohl Jones zwischen Theorie und Glaubensbekenntnis nicht unterscheiden kann.“
    Ich möchte dich bitten, das auszuführen, damit ich mich da bessern kann.

  • ISKANDER1

    Hat bei dir wieder der pawlowsche Reflex eingesetzt?
    Das ist ja witzig wie in einem alten Horror Film, wenn der Missionar ein Holzkreuz aus der Tasche zieht und der „Böse“ aufkreischend den Arm vor die Augen hält.
    Es ist halt deine alte Krux, dein Festhängen an Barrieren, die dich hindern, einen wirklichen Beitrag zur Humanisierung der Welt zu bringen.
    Sektiererei ist eine Sackgasse, Tom.
    Ganz besonders wenn sie reflexgesteuert ist.
    Und schade daran ist besonders, das du offensichtlich ein sozial empfindender Mensch bist, sozial wache Menschen sind mir lieber als die vielen Karrieristen und Egomanen auf die dieses System seine Herrschaft erbaut hat.

  • Jones Bones

    Sorry Tom,
    aber:
    1) Auf Teufel komm raus kann ich mir nicht herausinterpretieren, was du das aus meinem Zitat herauslesen willst. Ich sehe in meinem Geschreibsel lediglich einen Prozess beschrieben, wie er rechtsgeschichtlich auch tatsächlich so stattgefunden hat.
    Von Apologetik keine Spur, allein schon deshalb nicht, weil ich den Übergang der Staatsformen aus persönlicher Überzeugung wertungsfrei schreiben wollte.
    2) Eine Theorie ist ein Glaubensbekenntnis insofern, indem es ein Erklärungsmodell für etwas ist, genauso wie Religion ein Erklärungsmodell für sehr vieles ist. Was du in schlechtem bayrisch (warum eigentlich?) drunter geschrieben hast, nennt man Dogma.
    Meine Thesen habe ich m.W. begründet geliefert.
    3) Volk, Bevölkerungen, NSDAP… Äh, wie meinen?
    4) Angesichts der Tatsachen, dass in der Natur jedes mir bekannte Wesen, dessen Intelligenz das von Sardellen übersteigt und das den sozialen Umgang auch außerhalb der Paarung kennt, auch soziale Hierarchien kennt, und dass mir aus der gesamten Menschheitsgeschichte kein Volk, kein Stamm und keine Kultur ohne diese bekannt ist, leite ich mal ab, dass die von dir ach so gewünschte Anarchie doch sehr wider die Natur und gegen die Vernunft ist. Mal abgesehen davon zeigst du ein sehr eingeschränktes Verständnis von Staat, und scheinst von dessen logistischen Aufgaben nichts wissen zu wollen, und wärst von uns allen für die Anarchie am denkbar ungeeignetsten, weil du in allen Menschen nur das allerschlechteste siehst, das du dir vorstellen kannst.
    5) „Staat sei die Erfüllung / Bedienung des Anspruches / Wunsches einer Bevölkerung auf (nach) Herrschaft (Führung).“
    Nein, nach Stabilität und Ruhe.

  • urkeramik

    Natürlich bin ich ebenfalls nicht ganz einverstanden. Wäre sonst ja auch langweilig :-)
    Werkzeug muß scharf sein, wenn die Arbeit Spass machen soll. Meine Sense mach ich so scharf, dass es Freude macht mit ihr durchs Gras zu fahren. Bei meiner Sense redet mir keiner rein. Bei Worten/Begriffen ist das anders, die werden nur richtig scharf, wenn sie gemeinsam benutzt werden. Und das heißt auch schon, dass ich auf andere, Mitsprecher, angewiesen bin und nicht selbst entscheiden kann, ob und wann sie „scharf genug“ sind. Deshalb ist auch der Anspruch auf „semantischer/theoretischer Reinheit“ Quatsch, das könnte ich bestenfalls für mich selbst (und vllt noch ein paar Fans, die „mir nach“ denken) realisieren, dann bleibt es aber wirkungslos. Menschliches Dasein ist dialogisch, an den Dialog gebunden und sich in ihm realisierend. In einem solchen Kontext muß Sprache geradezu einen gewissen Grad an „Unreinheit“ haben, sonst erstarrt sie zum Monolog. Das wollen wir beide nicht, sonst würden wir hier nicht schreiben und deshalb freu ich mich an der Reibung die so entsteht. Das alles spricht natürlich nicht gegen ein gewisses, nötiges Maß an sprachlicher Disziplin, deren Basis das Hören ist. Nur wer hört, auch zu-hört, findet das rechte, mitunter auch scharfe Wort. Als Hörer aber bin ich angewiesen auf den Anderen der spricht, muß ich also meine Begrenztheit ebenso annehmen wie die (Sprach-)Mächtigkeit des Sprechers. Hören ist so schon eine halbe Unterwerfung magst du einwenden, aber diese ist unvermeidlich wenn man leben will oder muß. Die zweite Hälfte der Unterwerfung kommt aus dem wahnhaften (Herrschafts-)Anspruch (Anmaßung, weil sie dem Menschsein nicht angemessen ist), der sich mittels Gewalt, dauerhaft nur mit organisierter Gewalt, realisiert, indem er dem Hörer die Freiheit der Antwort nimmt. Kurz gesprochen: wer nicht will, das ihm die Freiheit zu antworten, wie es ihm selbst entspricht, genommen wird hat zwei Möglichkeiten. Entweder er wird superior in der Anwendung organisierter Gewalt, so dass niemand ihn in die Unterwerfung zwingen kann. Dieser Weg ist zwangs(!)läufig eine Sackgasse, weil er dem Unterwerfer genauso der Freiheit beraubt wie den Unterworfenen. Oder er geht den Weg, der kurz und würzig „Liebe deine Feinde!“ heißt (und wer sich an Religion stört, kann das zB im Aikido tun). Freiheit kostet nichts! Sie ist uns quasi mit der Geburt an die Backe geheftet – wir können hören und antworten – aus uns selbst heraus. Politik freilich hat diesen zweiten Weg nicht, denn sie ist immer schon auf dem ersten Weg, dessen Kind sie ist. Organisierte Gewalt um organisierte Gewalt zu beenden wäre, wenn „erfolgreich“, finale Gewalt, mit deren Androhung wir seit Jahrzehnten leben.

    ebenso bedankt-
    Andre

  • Olga

    Neurussland hat jedenfalls Zukunft. Die Idee und das konkrete Projekt. Denn eine souveräne Volksrepublik beruht auf politisch bewussten und aktiven Menschen. Sie hat ihre Wurzeln in den Lebenserfahrungen der Menschen in den letzten 25 Jahren. In Für Russland ist das sehr gut dokumentiert von Naomi Klein in „Die Schockstrategie“. die Ereignisse in Russland bieten eine Hintergrundfolie, einen roten Faden, um die aktuellen Vorgänge auch in der Ukraine verstehen zu können.

    Die plötzliche Auflösung der Sowjetunion durch Jelzin und die darauf folgenden Ereignisse führten gleich zu mehreren traumatischen Schocks für die Bevölkerung Anfang der 1990er Jahre.
    Jelzin regierte ab Dezember 1991 mit Sondervollmachten per Dekret am Parlament vorbei.
    Um das zentralistische Wirtschaftssystem aufzubrechen, wurden ökonomische Schocks
    verabreicht. Dazu finanzierte und entsandte die US-Regierung eigene Experten. Deren Aufgaben bestanden darin Erlasse und Anordnungen zur Privatisierung
    der 225 000 Staatsbetriebe zu verfassen (zu Gunsten einer kleinen Minderheit), eine Aktienbörse nach dem Vorbild USA aufzubauen, einen russischen Markt für Investmentfonds und Direktinvestitionen aufzubauen, den Freihandel einzuführen und die Preiskontrollen aufzuheben. Die Ergebnisse waren eine Katastrophe: ein Drittel der Bevölkerung rutschte unter
    die Armutsgrenze, Millionen Arbeiter bekamen monatelang keinen Lohn,…

    Im Dezember 1992 wurde Premierminister Jegor Gaidar abgewählt, im März 1993 entzog das
    Parlament Jelzin die Sonderbefugnisse wieder. Jelzin rief sofort den Notstand
    aus. Drei Tage später entschied das Verfassungsgericht dagegen. Nun befand sich
    die kapitalistische Schocktherapie in direkter Konfrontation zum Parlament und
    zur Verfassung. Westliche Politiker und Medien stellten sich hinter Jelzin und
    die Chicago Boys. Das Parlament legte einen Haushaltsentwurf vor, der nicht den
    IWF-Forderungen genügte. Jelzin versuchte daraufhin per Volksentscheid das
    Parlament aufzulösen. Der IWF stoppte die Auszahlung von 1,5 Mrd. Dollar.
    Intensiver Druck aus Washington. Jelzin erließ PER DEKRET(!) die Aussetzung der
    Verfassung und die Auflösung des Parlamentes. Zwei Tage später entschieden die
    Abgeordneten des Parlaments mit 636 zu 2 Stimmen die Amtsenthebung des
    Präsidenten. Vizepräsident Rutzkoi erklärte, Russland hätte bereits einen hohen
    Preis für das politische Abenteurertum von Jelzin und den Reformern bezahlt.
    Aber Clinton stärkte Jelzin den Rücken „und der US-Kongress bewilligte Jelzin 2,5 Mrd. Dollar Hilfsgelder. Jelzin, der wieder Mut geschöpft hatte, ließ das Parlament von Truppen umstellen und wies die städtischen Energieversorger an, Strom und Fernwärme abzustellen sowie die
    Telefonanschlüsse stillzulegen. Boris Kagarlitzky erzählte mir, dass Demokratieanhänger zu Tausenden herbeikamen und versuchten, die
    Blockade zu durchbrechen. Im Angesichts der Truppen und Polizeikräfte wurde
    zwei Wochen friedlich demonstriert, was dazu führte, dass die Blockade des
    Parlaments teilweise gelockert wurde, sodass Leute Lebensmittel und Wasser
    hineinbringen konnten. Von Tag zu Tag wurde der gewaltlose Widerstand populärer
    und gewann immer breitere Unterstützung.“
    Jelzin aber brach die Verhandlungen ab und ließ niemanden mehr passieren. Am 3.
    Oktober 1993 wollten Demonstranten zum Fernsehzentrum Ostankino, wurden jedoch mit Gewalt aufgehalten, rund 100 Menschen starben. Am nächsten Tag, den4. Oktober, setzte Jelzin Tausende Soldaten dutzende Panzer, Hubschrauber und Elitetruppen in Marsch, um das Parlament zu stürmen und in Brand zu setzen. „Am Ende des Tages hatte der militärische Rundumschlag annähernd 500 Menschen das Leben gekostet, fast 1000 wurden verwundet.“

    Nach dem Putsch vom 4. Oktober 1993 wurden alle Stadt-und Regionalräte aufgelöst. Das Verfassungsgericht wie die Verfassung selbst außer Kraft gesetzt. Ausgangsperre verhängt und Presse zensiert.

    „Was taten die Chicago Boys und ihre westlichen Berater [viele davon auf den
    Gehaltslisten diverser US-Nachrichtendienste] in diesem entscheidenden Moment?
    Dasselbe wie im schwelenden Santiago de Chile 1973 und wie später im brennenden Bagdad: Befreit von den Einmischungen der Demokratie
    veranstalteten sie eine Gesetzgebungsorgie. … Während das Land noch unter dem Schlag
    taumelte, peitschten Jelzins Chicago Boys [u.a. der berüchtigte Anatolij Tschubais]
    die strittigsten Maßnahmen ihres Programms durch: riesige Etatkürzungen, Aufhebung aller
    Preiskontrollen für Grundnahrungsmittel, noch mehr und schnellere
    Privatisierungen-die Standardpolitik, die auf der Stelle so viel Elend bringt,
    dass man anscheinend einen Polizeistaat braucht, um einen Aufstand zu
    verhindern. … Der Wandel vollzog sich so rasch, dass die Russen unmöglich auf
    dem Laufenden bleiben konnten. Oft wussten die Arbeiter nicht einmal, dass ihre
    Fabriken und Bergwerke verkauft worden waren-ganz zu schweigen davon, zu welchen Bedingungen und an wen.“

    Die Wahl 1996 gewann Jelzin nur dank massiver Manipulationen im Vorfeld und durch
    mutmaßliche Wahlfälschung. Die genauen Hintergründe können hier nicht im Detail
    dargestellt werden, sie warten noch auf ihre Offenlegung. Wie schon in der
    Ukraine unter Kutschma, wurden nach der
    „Wahl“ auch die strategischen Positionen des russischen Staates verhökert. Öl,
    Gas, Nickelproduktion, Waffenfabriken und Elektronik. Heute fragt man sich, wie war das überhaupt möglich?

    „Der Skandal bestand nicht nur darin, dass Russland staatliche Aktivposten für einen Bruchteil ihres Wertes verschleudert wurden-in echt korporatistischem Stil wurden sie auch noch mit
    öffentlichen Geldern gekauft. Frech taten sich die Politiker, die Staatsfirmen
    verkauften, und die Unternehmer, die sie erwarben, zusammen, und mehrere von
    Jelzins Ministern, unter anderem Jegor Gaidar, transferierten große Summen
    öffentlicher Gelder, die an die Nationalbank oder an den Staatshaushalt hätten
    gehen müssen, auf Privatbanken, die hastig von Oligarchen gegründet worden
    waren. Die beiden wichtigsten Oligarchen-Banken waren Michail Chodorkowskis
    Bank Menatep und Wladimir Potanins Uneximbank. Dann beauftragte der Staat
    dieselben Banken mit den Privatisierungsauktionen der Ölfelder und Bergwerke.
    Die Banken organisierten die Versteigerungen, boten dabei auch selbst mit-und
    natürlich beschlossen die Oligarchen gehörenden Banken, sich selbst zu den
    stolzen neuen Eigentümern der zuvor dem Staat gehörenden Aktivposten zu machen.

    Das Geld, mit dem sie die Anteile an diesen öffentlichen Unternehmen kauften, waren
    mit hoher Wahrscheinlichkeit dieselben öffentlichen Mittel, die Jelzins
    Minister zuvor bei ihnen deponiert hatten. Anders ausgedrückt: Das russische
    Volk gab das Geld für die Ausbeutung des eigenen Landes“

    Das dürften Gründe genug sein, um das heutige Oligarchensystem an und für sich in Frage zu stellen.

    Das sind die Ursachen des sozialen Widerstandes in der Ukraine. Das wissen auch die herrschenden Mächte in Kiev, Washington und Berlin. Und durch eine Angliederung an EU und Nato erhoffen sich die Oligarchen und Nutznießer der Plünderungsökonomie in der
    Ukraine eine Fortschreibung und Sicherstellung des status quo, ad infinitum.

    Für die Menschen in der Ost-Ukraine wiederum Gründe genug für eine Volksrepublik?

    (alle Zitate aus: Naomi Klein: Die Schockstrategie, S. 312 ff.)

    • Ruth

      Danke für die aufschlußreichen Fakten. Anfang der 90er befand ich mich selbst noch in Schockstarre ob der Annexion der DDR, so daß ich mich mehrere Jahre relativ wenig mit Politik in Nachbarländern in dieser Zeit beschäftigte.
      Im Zusammenhang mit dem, was jetzt in der Ukraine abläuft, ist es sehr interessant, sich mal wieder mit dem vor knapp 100 Jahren geschlossenen Friedensvertrag von Brest-Litowsk zu beschäftigen. Was der Westen, allen voran Deutschland, damals nicht schaffte, scheint nun ja (leider) endlich in Erfüllung zu gehen.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Friedensvertrag_von_Brest-Litowsk

  • limbojack

    Ich lese grade nicht ob es schon wer geschrieben hat….“Poroschenko hat eine Waffenruhe für die nächste Woche verkündet!

    • sina

      Eine gute Nachricht, wenn endlich Frieden einziehen würde!

      • limbojack

        Ich möchte das im Detail noch nicht deuten, aber sicher verfügt Poroschenko über alle relevanten Fakten. Ein Angebot zur Waffenruhe kann als Alibi für spätere Aktionen dienen, oder aber auf die Nutzlosigkeit aller Offensiven hindeuten. An einen generellen Politwandel mag ich noch nicht glauben.

        • Ruth

          Interessant ist, wie lange sich Poroschenko halten wird. Der nächste „Maidan“ hat schon begonnen.
          http://de.ria.ru/politics/20140608/268711810.html

        • Reisender

          Selbst über eine Waffenruhe sollte man direkt mit dem militärischen Gegner verhandeln. Wie er all jene irregulären Kräfte, welche mehr oder weniger Koordiniert mit der „ukrainische Seite“ kämpfen (Privatarmeen oder Rechter Sektor bzw. Teile der Nationalgarde) auch zu dem Waffenstillstand zwingen kann, ist mir noch offen. Nicht an den Worten, an den Taten sollt ihr sie beurteilen.
          Ich glaube an den Politwandel auch noch nicht. Dafür müsste er zuerst Teile der Regierung auswechseln. Doch Poroschenko sollte schon klar sein. Er hat jetzt genau eine Chance. Es beginnt jetzt ein Neuanfang oder er wird als Teil der defacto Regierung von Kiew gesehen.

        • limbojack

          Genau Daran wird er sich messen lassen. Die reguläre ukrainische Armee wird mit wehenden Fahnen in die Kasernen einfahren.
          Die Nationalgarde sicher mit gemischten Gefühlen, aber wohl gehorsam das selbe tun. Alles andere steht in den Sternen. Sollte Poroschenko nur geringe Teile der Kiewer Kräfte nicht unter Kontrolle bringen, ist das Land endgültig Geschichte. Was jedoch das Ziel hinter dieser Ankündigung ist, bleibt offen. Im schlimmsten Fall holt er sich den Freifahrschein für schlimmere Operationen. Da gerade wieder US Besuch da war und eine „Endlösung“ im Sinne der Sponsoren wäre, spricht vieles für diese Variante. Da aber Poroschenko auch kurzfristig kalkulieren muss und Putins grenzkontroll Zusagen für einen Deal sprechen, warten wir lieber mal ab.

  • kranich05

    Manches, was Du sagst, könnte auf die Phase des Kapitalismus passen, die als „Kapitalismus der freien Konkurrenz“ bezeichnet wird. In Deutschland ging diese Zeit vor rund 120 Jahren zu Ende.

  • kranich05

    Über Tiefsinn der Art, dass eine Juncker- oder spätfeudale Gesellschaft untergegangen sei, möchte ich tatsächlich nicht diskutieren.
    Dass Ökonomie und Politik nicht identisch sind, ist eine Binse. Allerdings ist nunmal die Ökonomie die „Grundlage der Basis aller Fundamente“. :-) Die menschliche Verkörperung des Machtfaktors „Ökonomie“ heutzutage ist nunmal der Superreiche. Ich nenne es auch gern GGG, das „Ganz Groβe Geld“. Dass in diesen Bezeichnungen das Produktionsverhältnis nicht zum Ausdruck kommt, sei eingeräumt.

  • Ruth

    Für nicht Russischsprechende gibt es jetzt hier aktuelle Infos aus Noworossija

    http://vk.com/neurusslandinfo