Archiv für September, 2014

Ar-Raqqa und der Angriff auf Syrien

Wie man solche Bilder doch kennt… die notorischen Aggressoren, allen voran die USA, bombardieren wieder jemanden, selbstverständlich aus rein humanitären Beweggründen.

Die Luftwaffe der Amerikaner und ihrer “Koalition” – momentan vorwiegend aus den arabischen Monarchien – hat das syrische ar-Raqqa unter Beschuss genommen. Ar-Raqqa wurde nun vor gut 1,5 Jahren von islamistischen Terrorbrigaden überrannt, zuerst von der “Ahrar al-Scham”, deren Häuptling Hassan Aboud – einer der vordersten Verfechter der Behauptung, der “Islamische Staat” sei Produkt einer Koalition aus syrischem “Regime” und iranischen Revolutionsgarden – vor ein paar Tagen umgekommen ist. Seit ungefähr einem Jahr hat IS(IS/IL) die Kontrolle über die gepeinigte Stadt. Bislang sprechen die Meldungen nach den Angriffen der Amerikaner von rund 50 Toten, überwiegend Zivilisten.

ar-raqqaDer syrische UN-Botschafter wurde von den Amerikanern vor den Angriffen darüber informiert.

Trotzdem geht es de facto zumindest um das Anwerfen einer Aggression gegen Syrien unter dem vorläufigen Vorwand eines Vorgehens gegen die Terrorgruppen vom IS. Übrigens wurde Russland – gleich wie dem Iran, der das dankend ablehnte – angeboten, sich der Attacke anzuschließen. Ein recht grobschlächtiger Zug, aber er funktioniert: wenn Russland sich jetzt, wie auch immer, gegen den Angriff auf syrisches Gebiet ausspricht, so kann man es bequem dessen bezichtigen, dass es den “Terrorismus gewähren” lassen will. Gleiches zieht übrigens gegen die syrische Regierung: Assad braucht bloß seinen Unmut zu äußern, schon ist er unter Generalverdacht. Es passt, dass der informelle Boden dafür schon bereitet wurde:

“Beispielsweise würden schon allein 3 Fahrzeuge, die über’s Land unterwegs sind, von Assads Luftwaffe angegriffen, da man diese für einen [Rebellen-]Konvoi hielte. Nun sagen Sie mir bitte, wenn sich jegliche Bewegung unter solch genauer Beobachtung befindet, wie konnte die ISIS mit einem Konvoi von 200 Fahrzeugen von einer Provinz in die andere und schließlich in den Irak fahren, ohne dass sie auch nur einmal unter Feuer kamen oder auf Widerstand an einem der Checkpoints des Regimes trafen?” (Scheik Hassan Abboud, Ahrar al-Scham – Quelle)

Wäre Syrien irgendein “Failed state” wie Somalia oder die Ukraine, so könnte man fast geneigt sein, das “Weltpolizisten”-Gehabe zu akzeptieren, aber Syrien hat in einer dreijährigen Aggression gegen genau die Terroristen standgehalten, die man jetzt als Vorwand für einen Angriff auf Syrien nimmt. Es hat nicht einmal Sinn, jetzt davon zu sinnieren, inwieweit die Amerikaner jetzt Präzedenzen schaffen, um gegebenenfalls dann schon syrische Regierungstruppen und Infrastruktur anzugreifen.

Beugung und Vergewaltigung des internationalen Rechts sind spätestens seit dem Überfall auf Libyen Tradition. Eines der US-amerikanischen “verrückten Weiber”, nämlich Samantha Power, teilte im Vorfeld mit, die USA hätten auch ohne UN-Mandat eine Rechtsgrundlage für Attacken auf syrisches Gebiet:

“Die Iraker haben sich an die internationale Gemeinschaft gewandt, diese möge ihnen nicht nur im Irak bei der Verteidigung Unterstützung leisten, sondern auch Rückzugsgebiete in anderen Ländern mit einbeziehen. Was sie damit meinen ist selbstverständlich Syrien.” (Quelle)

Um das einmal von US-amerikanisch ins Menschliche zu übersetzen: Die USA haben durch die Bitte der Iraker das Recht, Syrien zu bombardieren und müssen sich dabei nicht unbedingt darum Sorgen machen, dass da irgendwas nicht diesem und jenem entspricht. Die USA sind im Recht, alle anderen können abtreten. Sie folgen genau den Präzedenzen des Rechtsbruchs im großen Stil, die sie sich in der Vergangenheit selbst verschafft haben, und ein anderes Recht als das Präzedenzrecht kennen sie nicht.

Theoretisch wäre es jetzt das einzige Mittel, diese weitere Präzedenz nicht durchgehen zu lassen, mit dem Abschuss aller ausländischen Militärflugzeuge zu drohen, die den syrischen Luftraum verletzen. Wenn man jetzt wieder einmal die Augen davor verschließt, was hier wirklich passiert, dann kommen wir früher oder später zum Beispiel zur Bitte der Ukraine, die Krim ein wenig zu bombardieren, damit diese “von der Okkupation befreit” würde. Die Amerikaner jedenfalls hätten jetzt aus ihrer Sicht alle “Rechts”grundlagen dafür, und auf irgendwelche UN-Sicherheitsräte können sie schon lange pfeifen.

Bislang ist allerdings nichts an Protesten zu lesen gewesen. Die heutige diplomatische Note des Außenministeriums der RF jedenfalls nimmt sich wie gespielte Entrüstung in der x-ten Iteration aus. Oder nicht einmal das.

Erziehungspanzer im okkupierten Slawjansk, 16.09.2014

Slawjansk unter deutscher Besetzung, 2. Weltkrieg

Slawjansk unter deutscher Besetzung, 2. Weltkrieg

Diese Aufnahmen sind wirklich bizarr. Veröffentlich wurden sie vorgestern vom ukrainischen “Grassroots”- und Euromaidan-Internetsender Hromadske.tv, begleitet von dem Kommentar, die Leute von der Anti-Terror-Operation in Slawjansk hätten eine “originelle Methode” gefunden, unter den Leuten ein wenig “Aufklärungsarbeit” zu leisten (Link zum Originalvideo, dort ab 19:18). Fast hätte ich geschrieben: “No Comment”, aber originell ist die Sache eben nicht. Nein, damit würde ich nicht nur auf die Truppen Nazideutschlands anspielen, die – siehe Bild – in genau dieser Gegend einst mit ganz genau den selben Mitteln und wohl auch von Panzern aus solche Tiraden über die unheilbringenden “Juden und Bolschewiken” bellten. Es gemahnt natürlich abgedroschenerweise auch an Orwells “1984″ (oder an die “City 17″) und zeigt eindrucksvoll, wie froh die Menschen in Slawjansk über die Wiederherstellung von “Frieden, Recht & Ordnung” durch die Truppen der Kiewer Junta sein müssen, so dass man solche Appelle von einem nur vergleichsweise leicht gepanzerten Militärfahrzeug (aber immerhin mit RPG-Schutz) aus an die Bevölkerung richten kann.

Nur zur Erinnerung: Strelkow und seine Leute sind am 5. Juli aus Slawjansk abgerückt, also vor zweieinhalb Monaten. Am gleichen Tag ergriffen die ukrainischen Strafkorps die Kontrolle über die Stadt.

Das Megafon dröhnt in reinem Russisch, ohne auch nur den Hauch eines südrussischen Akzents oder südrussischer Eigenheiten wie dem “H” (statt “G”).

Und nun nur noch ein “Comment”: Bitte die Untertitel einschalten.

Heisere Propaganda für Dummies

Inhaltlich würde ich das durchaus nicht alles mit Eigenblut unterschreiben, zumal der Faktenstand in etwa der vom August ist. Aber ich wollte immer schon mal an einem solch krassen Schocker mitwirken… Und bis auf ein paar audiotechnische Schnitzer, die auf meine Kappe gehen, ist das Ergebnis akzeptabel - zumal für ein Genre mit solch kurzlebigen Produkten.

Ein paar Worte als Hintergrundinfo: Das Video, dessen Idee, Skript und Produktion gehen auf reine Privatinitiative zurück. Nicht auf meine. Es ist in keiner Weise irgendwessen “offizielles Statement”, drückt aber recht gut “Gefühle von Mehrheiten” aus. Der Stil ist reißerisch, ich assoziiere ihn damit, was man typischerweise und ständig im russischen Fernsehsender “NTW” um die Ohren gehauen bekommt. Aber mit Sicherheit gibt es auch hierzulande entsprechendes Zielpublikum.

Die ganze Sache mag überspitzt und reißerisch sein wie sie will, aber die Sache mit dem “Krieg” ist eben leider kein bloßes Schreckgespenst. Vielleicht nur als Illustration eine vor etwas über einer Stunde abgegebene Twitter-Meldung von Jazenjuk:

“Morgen wird die Vereinbarung mit der EU durch die Oberste Rada ratifiziert. Die Regierung wird sie vom ersten Tag an umsetzen. Am Mittwoch wird das Ministerkabinett über dessen Implementation entscheiden.”

Morgen durch ein aufgelöstes Parlament ratifiziert. Und ab Mittwoch umgesetzt & implementiert. Wenn Jazenjuk nicht bloß blufft, sondern diese Ankündigung ernst gemeint ist, dann sind die erst vor ein paar Tagen getroffenen Abmachungen über eine Verschiebung (der Abschaffung von Importzöllen auf EU-Produkte) auf Anfang 2016 schon kurz darauf Makulatur gewesen. Wenn er und “die Regierung” damit durchkommen.

Das würde nämlich de facto bedeuten, dass Russland gezwungen sein wird, seinerseits sogleich Importzölle auf Waren aus der Ukraine zu erheben. Die oben erwähnte Verschiebung hat Russland sich ausgehandelt, um Zeit zu bekommen, für “Importersatz” zu sorgen: Russland importiert jährlich Waren im Volumen von rund 23 Mrd. USD (Stand: 2012) aus der Ukraine. Das sind knapp 30% des ukrainischen Exports. Die 100 Milliarden Rubel an Verlusten für die russische Wirtschaft im Fall einer EU-Assoziation der Ukraine treten damit also nicht erst ab 2016 ein. Sondern, wie Schabowski einst sagte, “das tritt nach meiner Kenntnis ist das sofort, unverzüglich” (sic).

Jemand hat es eilig. Jazenjuk selbst ist nur ein recht kleinkalibriger US-Satrap für die ehemalige Ukraine. Und so abgedroschen das klingt, die USA sind auf Kriegskurs und werden es den Russen nicht gestatten, mittels des geplanten Importersatzes militärisch wie wirtschaftlich sicher zu bleiben. Die Sache muss nach dem härtesten denkbaren Szenario laufen. Jazenjuk selbst agiert natürlich in keiner Weise im Interesse der Ukraine – seine Aufgabe als Spielfigur ist es, Russland maximalen Schaden zuzufügen.

Auf der US-Checkliste für die ehemalige Ukraine fehlt das Häkchen lediglich noch beim Punkt “NATO-Militärbasis”. Mal sehen, wie der zombifizierte Euromaidan dann “springt”, wenn er feststellen muss, dass das Territorium seines ruinierten Landes ins Fadenkreuz eines Schwarms Topol-Raketen rückt.

Statement Strelkows am 11.09.2014 in Moskau

igor-iwanowitschIgor Strelkow, der “Schütze”, ist am 11.09.2014 nach Ablauf eines Monats seit seinem fast schon mysteriösen Verschwinden aus Donezk in Moskau mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit getreten, die überaus innenpolitischen Charakters ist. Abgesehen davon, dass darin eine Bewertung der Minsker Waffenstillstandsvereinbarungen vom Gesichtspunkt der “Ideen der Revolution” enthalten ist, kann sie als eine mögliche Antwort auf hier immer wieder auftretende Fragen wie “Wird RIA Novosti vom Kreml oder vom Weißen Haus kontrolliert?” dienen. Ich stelle den Text einmal weitgehend unkommentiert hier ein, mit dem Hinweis, dass er nicht unbedingt für alle interessant sein mag. Wer aber nach Erklärungen für das monatelange “Schweigen Putins” zum Genozid im Donbass sucht, kann hier eine mögliche Antwort aus Sicht eines der wichtigsten Beteiligten finden.

Die russischen Staatsmedien schweigen übrigens weitestgehend zu diesem Auftritt. Kann schon sein, dass er ihnen nicht wichtig genug vorkommt. Man muss sehen, was wirklich an Kraft dahinter steht; in wenigen Wochen hat Strelkow jedenfalls eine “richtige” Pressekonferenz versprochen, die dann etwas konkreter zu seinen Vorhaben Aufschluß geben könnte.

UPDATE. Wer’s konkreter mag, kann gleich zur Fragerunde vorspulen.


Genau ein Monat ist seit dem Zeitpunkt vergangen, an dem ich den Posten des Verteidigungsministers der VRD und Kommandeurs der Volkswehr verlassen musste. Diese Entscheidung ist mir ganz und gar nicht leicht gefallen. Schwierig waren auch die Umstände, unter denen diese Entscheidung getroffen werden musste. Donezk und die ganze Gruppierung der bewaffneten Kräfte der VRD befand sich in einer operativen Einkesselung und konnte die ständigen, von allen Seiten erfolgenden Angriffe der Strafkorps nur mit Mühe abwehren. Nur einzelne in der Führung der Republik wussten, dass in nur wenigen Tagen wichtige Änderungen eintreten würden und dem Feind eine entschiedene Niederlage zugefügt werden wird. Ich bin einer von diesen Wenigen, konnte aber meinen Untergebenen nicht einmal andeuten, dass wir alsbald zum Gegenangriff übergehen und die vom Feind besetzten Stellungen zurückholen würden. Noch schwieriger war es für mich, mir bewusst zu machen, dass nicht mehr ich das Kommando bei der Befreiung der von uns vorher (auch auf meinen eigenen Befehl hin) verlassenen Städte und Ortschaften des Donbass führen würde. Es fiel mir vom moralischen Gesichtspunkt schwer, meine Kameraden gewissermaßen in der “Stunde vor dem Morgengrauen” zu verlassen, in dem Moment, in dem die Dunkelheit am undurchdringlichsten ist und als der Untergang unserer gemeinsamen Sache vielen unausweichlich erschien. Ich will mich nicht mit den Umständen aufhalten, die mich zu meinem Rücktritt gezwungen haben. Nur soviel: diese Entscheidung hat sich schon allein dadurch ausgezahlt, dass am Vortag des Gegenangriffs die Leitung der bewaffneten Streitkräfte der VRD in eine Hand gelegt wurde und es so möglich war, eine Vielzahl von Konflikten zu vermeiden, die gleich einem Geschwür die Republik zerfraßen, gleichwie es so gelang, die Versorgung unserer Truppenteile und Verbände nachhaltig zu gewährleisten.

In den vergangenen Wochen hat sich die Lage an den Fronten in Neurussland grundlegend geändert. An der Mehrzahl der Fronten sind die Strafkorps zurückgeworfen worden, haben schwere Verluste erlitten und sind zur Verteidigung übergegangen. Es wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass das gesamte Territorium des Donbass von den Strafkorps und den Einheiten der Kiewer Machthaber befreit werden konnte. Unter den Vorstößen der Armee der VRD trat der Feind knurrend den Rückzug nach Westen an, sein Heer und dessen Leitung geriet in Panik. Doch was passierte dann?

Lektionen im Terrormanagement

Ortseingangsschild von Al-Bukamal, Syrien, nahe der Grenze zum Irak: jetzt eine Stadt im "Wilayat al-Furat" (Provinz Euphrat) des "Islamischen Staates"

Ortseingangsschild von Al-Bukamal, Syrien, nahe der Grenze zum Irak: jetzt eine Stadt im “Wilayat al-Furat” (Provinz Euphrat) des “Islamischen Staates” (via @ajaltamimi)

Zu den derzeit scheinbar recht träge dahinlaufenden US-Bombardements gegen den sogenannten “Islamischen Staat” wird sich offenbar in recht kurzer Zeit auch Großbritannien gesellen, ganz in klassischer, 2003er-Manier der “coalition of the willing”. David Cameron meinte dazu, dass es “bald” (innerhalb von Wochen) losgehen würde, und zwar nachdem die neue britische Regierung steht. Präzisiert wurde das einstweilen mit der Erklärung, dass die Briten “irakische und kurdische” Militärs ausrüsten, trainieren und anleiten werden – in etwa so, wie es z.B. die Bundeswehr wohl schon tut. Dabei wird von Vizepremier Clegg süffisant angemerkt, dass “Luftschläge allein nicht funktionieren” werden.

Der Akzent, der seit Wochen auf eine Aufpeppelung insbesondere der Kurden gelegt wird, kommt nicht von ungefähr. Peschmerga hin oder her, die Kurden werden im Endeffekt eine ausgerüstete, trainierte Armee haben – eines der Attribute eines jeden Staates, der die Kraft hat, sich nachhaltig in der Weltgeschichte zu manifestieren.

Dahingegen taucht eine Unterstützung der “nicht-kurdischen” “irakischen Streitkräfte” bestenfalls auf Platz 2 auf, was bedeutet, dass die schiitischen Teile des Irak letztlich dem “Islamischen Staat” zum Fraß vorgeworfen werden, beziehungsweise dem Iran, der sich in diesen Sumpf wird hineinziehen lassen müssen.

George Friedman, Stratfor-Chef und, was ein offenes Geheimnis ist, einer der Sprecher der US-amerikanischen Geheimdienstcommunity, spricht in seinem Artikel “Ukraine, Iraq and a Black Sea Strategy” unzweideutig davon, dass die USA davon abrücken, eine Einheit des Irak unter einer Regierung in Bagdad zu unterstützen. Der Schwenk geht in Richtung einer “Nutzung” von Proxies, um den “Islamischen Staat” zu “containen”, das heißt: einzudämmen und… die Richtung seiner Aktivitäten zu steuern.

Ein Umstand der Veröffentlichung dieses Friedman-Strategiepapiers ist hochinteressant. Unlängst hatte Al-Arabiya die Absicht des “Islamischen Staats” verbreiten lassen, in absehbarer Zeit “Tschetschenien und den gesamten Kaukasus zu befreien”. Diese Meldung kam entweder zeitgleich oder kurz nach der Publikation des Friedman-Artikels auf, fast wie auf Kommando. Inhaltlich nichts anderes hatte Friedman nämlich in seinem Text als jene “US-Strategie” angekündigt, in deren Zuge die beiden aktuellen Konfliktherde – Irak/Syrien und Ukraine – mit einer einheitlichen Herangehensweise zu einem großen Konflikt zu gruppieren wären, der von den Vereinigten Staaten gemanaged wird.

Novoalaska

“Ein Rückgriff auf die Tage der Zaren, der Versuch, Ländereien zu beanspruchen, die im 19. Jahrhundert verloren wurden, ist sicherlich nicht der Weg, auf dem Russland im 21. Jahrhundert seine Größe sichern kann.” (Barack Obama am 03. September 2014 in Tallinn; Quelle)

barack-obmanaNicht von ungefähr schrieb heute jemand, dass 1.000 Psaki eine Nuland, und 1.000 Nuland ein Obama seien. Als Maßeinheit für … für American exceptionalism, perhaps.

Das einzige Gebiet, das die Russen im 19. Jahrhundert “verloren” haben, war Alaska. Und Fort Ross, sprich Kalifornien, das an Mexiko verkauft wurde. Jedenfalls scheint der POTUS Lunte gerochen zu haben.

Aus der Festung Neuropa

Heute und/oder morgen wird vermutlich ein kritischer Moment zur Lage in der Ukraine eintreten – und das hat mit dem NATO-Gipfel in Wales zu tun; dort soll es Konsultationen nicht nur auf dem üblichen aggressiven Niveau geben, sondern ganz speziell auch die Ukraine thematisiert werden.

Tick, Trick und Track. Foto: nato.int

Tick, Trick und Track. Foto: nato.int

Poroschenko reist nicht umsonst zum Meeting der notorischen Aggressoren. In Kiew hofft man auf tatkräftige Unterstützung durch den Militärblock und, folgt man den üblichen Sprachrohren der Kiewer Junta, träumt von dutzenden Divisionen von US-Marinecorps in den Steppen um Mariupol. Ganz so wird es vermutlich nicht werden, aber bestimmte Fragen tauchen bei den Russen dann doch auf. Der Sicherheitsrat der RF ließ erst vorgestern verlauten, dass eine jedwede Aggression gegen die Krim als ein Angriff auf Russland gewertet wird. Ganz so ruhig Blut ist im Zusammenhang mit dem NATO-Gipfel also auch nicht, denn ohne, dass man vorher eine gründliche Einschätzung potentieller Gefahren unternommen hat, äußert eine solche Stelle sich nicht so.

Innerhalb der NATO besteht auch noch keine Einigkeit, was der offene Brief ehemaliger US-Geheimdienstler recht deutlich illustriert. In Erinnerung an den auf der Grundlage von Lügen vom Zaun gebrochenen US-Überfall auf den Irak wird darin vor hastigen Entscheidungen auf der Grundlage dubioser nachrichtendienstlicher Erkenntnisse gewarnt. Offenbar gehen diejenigen, die dieses Schreiben verfasst und an die Öffentlichkeit gegeben haben, davon aus, dass ihr Einfluss auf die im Weißen Haus geplanten und in Auftrag gegebenen Manöver nicht dazu ausreicht, eventuelle Korrekturen zu veranlassen; also soll die Öffentlichkeit mobilisiert werden. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass das Gewicht der Kriegspartei in den USA und der NATO die vorsichtigen Stimmen beiweitem überwiegt.

Front-Rochaden

Entgegen einigen Meldungen vom heutigen Morgen ist der Flughafen Donezk noch nicht vollständig von der Besetzung durch die Kiew-treuen Truppen befreit worden, es werden jedoch weiterhin intensive Bemühungen unternommen. Der erbitterte Widerstand ist kein Wunder: der überwiegende Teil der Militärs, die sich in und um den Flughafen verschanzt haben, sollen angeheuerte polnische Söldner sein. Nichtsdestoweniger geht die Operation ihren Gang, und das Ende des seit Mai andauernden unseligen Theaters mit dem permanenten Mörserfeuer der polnischen Söldner und Junta-Truppen auf die Stadt, das einer Menge an Menschen das Leben gekostet hat, ist absehbar.

Donezk, in Richtung Flughafen. 03.09.2014. Foto: Aleksandr Kots/KP.ru

Donezk, in Richtung Flughafen. 03.09.2014. Foto: Aleksandr Kots/KP.ru

Gestern hatte die Euromaidan-Propaganda versucht, die Armee der VRD einer Art illegalen Kriegführung zu bezichtigen, da es während der Kämpfe zu einer Flutung der Tunnel und Bunker im Bereich des Flughafens kam; das wurde als ein Versuch interpretiert, die im Flughafenbereich einzig noch halbwegs sichere Deckung auszuschalten. Der Grund war indes ein anderer: durch aus dem Flughafen heraus geführten Mörserbeschuss wurde eine Verteilerstation beschädigt, welche eine nahegelegene Mine mit Elektrizität versorgte. Die Pumpen blieben stehen, die nahegelegenen Tunnel und Querverbindungen wurden allmählich geflutet. Eigentor.

Durch die Einnahme des Flughafens wird die Gefahr durch die ständigen Artillerieangriffe auf Donezk selbst minimiert, während der Flughafen wenn schon nicht ins Hinterland der vordringenden Armee der VRD rückt, so doch bedeutend sicherer wird, was auch eine eventuelle Versorgung aus der Luft betrifft.

Vor dem Hintergrund dieser und ähnlicher Entwicklungen lässt Poroschenkos Pressedienst heute mitteilen, es würde eine “ständige Waffenruhe” im Donbass geben. Diese Entscheidung habe er nach einem Telefonat mit Putin getroffen. Chefpropagandist Tymtschuk, dessen Meldungen im Verlauf der vergangenen Monate nur atemberaubende Erfolge der ukr. Armee und Sondereinheiten zum Inhalt hatten und traditionell mit der Phrase “keine Verluste” schlossen, schreibt völlig verdattert von einem überall stattfindenden Rückzug der Strafbataillone und regulären Einheiten der ukrainischen Armee.

Inwieweit eine Waffenruhe nun langanhaltend sein kann, ist natürlich völlig unklar; der Fakt an sich kann aber nur bedeuten, dass Poroschenko seine Kräfte für eine Fortführung des Krieges als gering einschätzt. Um zu verhindern, dass die Armee der beiden Volksrepubliken das gesamte Gebiet der beiden Regionen Donezk und Lugansk einnimmt, muss er versuchen, die momentane Situation mit allen Mitteln festzuhalten und noch das Beste aus dieser Lage zu schlagen.

Nun allerdings werden die bis dato nicht verheizten Nazitruppen, gleich wie ein großer, inzwischen auf rechte Blutrunst getrimmter Teil der ukrainischen Bevölkerung zu seinem Problem. Gut möglich, dass es insgesamt genügend Kräfte gibt, die gleich welche Gespräche verhindern oder wesentlich erschweren, ganz egal, worum es dabei geht oder worauf man sich einigt. Genau das wird auch der Grund dafür sein, dass Poroschenko in den vergangenen zwei Wochen eine ständige Kaderrotation an der Front der sogenannten “Anti-Terror-Operation” unternommen hat, in deren Zuge vor allem reguläre Einheiten aus dem Feuer genommen und stattdessen die diversen irregulären Einheiten und Sonderkommandos eingesetzt wurden. Das mag auch der Grund für seine Ablehnung der Nutzung eines “Korridors” aus dem Kessel um Ilowajsk gewesen sein. Jedenfalls ist bekannt, dass beispielsweise Mariupol ausschließlich von einer Garnison des Strafbataillons “Asow” gehalten wird.

Den größten Teil dieser Rochaden an der Front wird Poroschenko abgeschlossen haben. Nun bleibt nur noch die Frage, mit wem, wann und worüber er reden will.

Projekt für neue Schulterstücke der Kiewer Truppen. Die beiden höchsten Ränge lassen sich problemlos mit konkreten Personen in Verbindung bringen.

Projekt für neue Schulterstücke der Kiewer Truppen. Die beiden höchsten Ränge lassen sich problemlos mit konkreten Personen in Verbindung bringen.