Front-Rochaden

Entgegen einigen Meldungen vom heutigen Morgen ist der Flughafen Donezk noch nicht vollständig von der Besetzung durch die Kiew-treuen Truppen befreit worden, es werden jedoch weiterhin intensive Bemühungen unternommen. Der erbitterte Widerstand ist kein Wunder: der überwiegende Teil der Militärs, die sich in und um den Flughafen verschanzt haben, sollen angeheuerte polnische Söldner sein. Nichtsdestoweniger geht die Operation ihren Gang, und das Ende des seit Mai andauernden unseligen Theaters mit dem permanenten Mörserfeuer der polnischen Söldner und Junta-Truppen auf die Stadt, das einer Menge an Menschen das Leben gekostet hat, ist absehbar.

Donezk, in Richtung Flughafen. 03.09.2014. Foto: Aleksandr Kots/KP.ru

Donezk, in Richtung Flughafen. 03.09.2014. Foto: Aleksandr Kots/KP.ru

Gestern hatte die Euromaidan-Propaganda versucht, die Armee der VRD einer Art illegalen Kriegführung zu bezichtigen, da es während der Kämpfe zu einer Flutung der Tunnel und Bunker im Bereich des Flughafens kam; das wurde als ein Versuch interpretiert, die im Flughafenbereich einzig noch halbwegs sichere Deckung auszuschalten. Der Grund war indes ein anderer: durch aus dem Flughafen heraus geführten Mörserbeschuss wurde eine Verteilerstation beschädigt, welche eine nahegelegene Mine mit Elektrizität versorgte. Die Pumpen blieben stehen, die nahegelegenen Tunnel und Querverbindungen wurden allmählich geflutet. Eigentor.

Durch die Einnahme des Flughafens wird die Gefahr durch die ständigen Artillerieangriffe auf Donezk selbst minimiert, während der Flughafen wenn schon nicht ins Hinterland der vordringenden Armee der VRD rückt, so doch bedeutend sicherer wird, was auch eine eventuelle Versorgung aus der Luft betrifft.

Vor dem Hintergrund dieser und ähnlicher Entwicklungen lässt Poroschenkos Pressedienst heute mitteilen, es würde eine “ständige Waffenruhe” im Donbass geben. Diese Entscheidung habe er nach einem Telefonat mit Putin getroffen. Chefpropagandist Tymtschuk, dessen Meldungen im Verlauf der vergangenen Monate nur atemberaubende Erfolge der ukr. Armee und Sondereinheiten zum Inhalt hatten und traditionell mit der Phrase “keine Verluste” schlossen, schreibt völlig verdattert von einem überall stattfindenden Rückzug der Strafbataillone und regulären Einheiten der ukrainischen Armee.

Inwieweit eine Waffenruhe nun langanhaltend sein kann, ist natürlich völlig unklar; der Fakt an sich kann aber nur bedeuten, dass Poroschenko seine Kräfte für eine Fortführung des Krieges als gering einschätzt. Um zu verhindern, dass die Armee der beiden Volksrepubliken das gesamte Gebiet der beiden Regionen Donezk und Lugansk einnimmt, muss er versuchen, die momentane Situation mit allen Mitteln festzuhalten und noch das Beste aus dieser Lage zu schlagen.

Nun allerdings werden die bis dato nicht verheizten Nazitruppen, gleich wie ein großer, inzwischen auf rechte Blutrunst getrimmter Teil der ukrainischen Bevölkerung zu seinem Problem. Gut möglich, dass es insgesamt genügend Kräfte gibt, die gleich welche Gespräche verhindern oder wesentlich erschweren, ganz egal, worum es dabei geht oder worauf man sich einigt. Genau das wird auch der Grund dafür sein, dass Poroschenko in den vergangenen zwei Wochen eine ständige Kaderrotation an der Front der sogenannten “Anti-Terror-Operation” unternommen hat, in deren Zuge vor allem reguläre Einheiten aus dem Feuer genommen und stattdessen die diversen irregulären Einheiten und Sonderkommandos eingesetzt wurden. Das mag auch der Grund für seine Ablehnung der Nutzung eines “Korridors” aus dem Kessel um Ilowajsk gewesen sein. Jedenfalls ist bekannt, dass beispielsweise Mariupol ausschließlich von einer Garnison des Strafbataillons “Asow” gehalten wird.

Den größten Teil dieser Rochaden an der Front wird Poroschenko abgeschlossen haben. Nun bleibt nur noch die Frage, mit wem, wann und worüber er reden will.

Projekt für neue Schulterstücke der Kiewer Truppen. Die beiden höchsten Ränge lassen sich problemlos mit konkreten Personen in Verbindung bringen.

Projekt für neue Schulterstücke der Kiewer Truppen. Die beiden höchsten Ränge lassen sich problemlos mit konkreten Personen in Verbindung bringen.

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  • Thomas Altorfer

    Werden die neuen Rangabzeichen nach dem Beiritt der Ukraine zum NATO Standard?

  • Jörg
  • Ruth

    Aus dem Artikel:“Russland ist eine absteigende Macht und wird mit der Zeit nur noch schwächer werden…“
    Was für ein Quatsch! Typische Amiansicht.
    Und weiter:
    „…Doch auch wenn es eine aufsteigende Macht wäre, hätte es keinen Sinn,
    die Ukraine in die NATO einzugliedern. Der Grund dafür ist einfach: Die
    Ukraine zählt für die USA und ihre europäischen Verbündeten nicht zu den
    strategischen Kerninteressen; das belegt die mangelnde Bereitschaft,
    ihr militärisch zu Hilfe zu eilen.“
    Obama hat lediglich abgelehnt, JETZT die Ukraine militärisch zu unterstützen (da das rechtlich nicht möglich wäre. Wobei sich der Ami noch nie um Recht geschert hat und auch schon jetzt lustig große Nato-Manöver in UA durchführt). Sobald sie in der Nato wäre, würden die Amibasen ganz schnell direkt an Russlands Grenzen stehen. Ganz abgesehen von den riesigen Gasfeldern im Osten und Süden der Ukraine, auf die Biden jun. und Konsorten nur lauern.

  • Mathew Miller

    http://www.epochtimes.de/Ex-Vizefinanzminister-der-USA-Paul-Craig-Roberts-Luftangriffe-auf-ISIS-koennten-getarnter-Krieg-gegen-Syrien-sein-a1177937.html

    Waffenstillstand in der Ukraine …..Frieden in dieser Region?
    Kriegsvorbereitung in Syrien getarnt als humanitäre Aktion……noch mehr Konfliktpotenzial in dieser Region?
    Bei einem Szenario kann man sich nicht sicher sein.

    Amerika spielt im Auftrag mit der Sicherheit der gesamten Welt.

  • Poroschenko vermeldet „Militärhilfe“ der Nato. In Mariupol (Innenstadt) ist aktuell alles ruhig.
    Für mich klingt der angekündigte Waffenstillstand mehr nach „Zeitgewinn zur Sammlung und Neuordnung“, der aktuelle Widerstand in Kiew ist ungewöhnlich gering, oder wurde mundtot gemacht. Ich denke die Zusage der „Neurussen“ zur Waffenruhe ist ein Moskauer Diktat, was bei Fehlschlagen zu deutlicherer Beihilfe verpflichtet.

    http://de.ria.ru/security_and_military/20140904/269471402.html

    http://webcams.ukrtelecom.ua/cams?id=43

    • @limbojack: Für mich klingt der angekündigte Waffenstillstand mehr nach „Zeitgewinn zur Sammlung und Neuordnung“…

      Genau dafür gibt es Indizien: a) Wie Du schreibst, Poroschenkos Statements in Wales, in dem es darum ging, dass er den „Kampf gegen den Aggressor“ fortsetzen wird und b) die bereits jetzt erfolgende Gruppierung massiver ukr. Streitkräfte, frischer Panzer- und Artillerietechnik, bei Slawjansk.

      • Damit wäre ja der Grund der ukrainischen Seite für eine Waffenruhe erklärbar,
        so bleibt die Frage, warum findet sich die Gegenseite auf dieser Linie wieder?
        In Mariupol wurden teilweise Bereiche des äußeren Verteidigungsring zerlegt. Die Option der möglichen Erstürmung wurde unterstrichen.

        • Nun, vielleicht als Einleitung (aber leider nur für die, welche Russisch verstehen) der heutige Bericht des Kommandeurs der Strafeinheit „Asow“, welche Mariupol hält: http://youtu.be/DxvDmxJ9YUg

          Um zu dieser späten Stunde nicht einen eigenen Text dazu zu schreiben zu müssen, vielleicht erst einmal nur (m)ein Fazit:
          – Ja, Kiew (Poroschenko) lässt die irregulären Sonderkommandos ***bewusst*** aufreiben und liquidieren
          – Und ***ganz genau das Gleiche*** ist – im Sinne der Ausschaltung „nicht kontrollierbarer“ Elemente – auf Seiten der „Neurussen“ bereits passiert. Es ist frappierend, wie sehr der heutige Bericht des Asow-Kommandeurs den „Beschwerden“ Strelkows aus dem eingekesselten Slawjansk ähnelt. Fast im Wortlaut identisch (cf.: „Slawjansk: Einkesselung“, bzw. http://youtu.be/YEfIEeqUNGo ). Strelkow hat sich mit seinem Abzug aus Slawjansk (05.07.) gerettet und damit gewisse Moskauer Kreise sehr verärgert. Glücklicherweise haben die dann ihren Willen unblutig, aber dennoch durchgesetzt.

          Als Resultat haben wir (wenn wir die noch zappelnden Strafkorps der Kiewer Junta einmal ausblenden) zwei verhandlungsbereite Seiten. Auf beiden Seiten wurde dafür mit einem gewissen Grad an Verrat an den jeweiligen Idealen gezahlt.

          Und genau das ist die Konfiguration, die Moskau mit all seinem (Nicht)Handeln in den Monaten seit, sagen wir, Mai – an einem Strang mit „Kiew“ (Poroschenko) ziehend, also – angestrebt hat. Sie hat sich noch nicht vollends eingestellt, denn die US-Kriegspartei fährt dagegen natürlich ihre Störmanöver. Und all das kann – und soll wohl – noch kippen. Aber das sollte der Grundkonsens für die diversen Waffenruhen und Friedenspläne werden.

        • Also schauen wir mal ….weil ich Strelkow sehe…weiß wer was von Ihm?
          Es gab so Video von weit weg ….https://www.youtube.com/watch?v=TYY2gtQ40EU….das könnte ich aber auch sein.

        • Da spackt auch noch Dugin durch’s Bild. :D

          Also, ob Valaam oder nicht, weiß ich nicht, aber ich weiß sicher, dass Strelkow in Russland ist; er ist nicht tot, nicht verwundet, nicht im Kerker, sondern es geht im gut.

        • Gut zu hören – danke euch!

        • urkeramik
        • urkeramik

          Mosgovoi war auch in Moskau: „Traveling around Moscow, Alexey Mozgovoy has painted over the Ukrainian flag on the number plates of his car with the flag of the People’s Republic of Lugansk (LPR). The traffic police constantly pulled the strange car over and, with obvious surprise, studied the man clad in full field-camouflage, sensing danger. In the centre of the idle capital, among the glamourous boutiques and expensive restaurants, he seemed alien, like a wild lynx at a competition among the groomed cats. Once recognition set in, the policemen would ask for an autograph and would wish him to make it to Kiev. Talking to Mozgovoy, one understands: he will make it. He is a man who “only now started living”.“ http://slavyangrad.org/2014/09/02/an-interview-with-alexey-mozgovoy-commander-of-the-lugansk-ghost-brigade-290814/

  • urkeramik

    Barroso der Feigling kneift und verhindert die Veröffentlichung seines Gespräches mit Putin. Schade, hätt ich gerne gelesen. http://en.itar-tass.com/world/748232