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Statement Strelkows am 11.09.2014 in Moskau

igor-iwanowitschIgor Strelkow, der “Schütze”, ist am 11.09.2014 nach Ablauf eines Monats seit seinem fast schon mysteriösen Verschwinden aus Donezk in Moskau mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit getreten, die überaus innenpolitischen Charakters ist. Abgesehen davon, dass darin eine Bewertung der Minsker Waffenstillstandsvereinbarungen vom Gesichtspunkt der “Ideen der Revolution” enthalten ist, kann sie als eine mögliche Antwort auf hier immer wieder auftretende Fragen wie “Wird RIA Novosti vom Kreml oder vom Weißen Haus kontrolliert?” dienen. Ich stelle den Text einmal weitgehend unkommentiert hier ein, mit dem Hinweis, dass er nicht unbedingt für alle interessant sein mag. Wer aber nach Erklärungen für das monatelange “Schweigen Putins” zum Genozid im Donbass sucht, kann hier eine mögliche Antwort aus Sicht eines der wichtigsten Beteiligten finden.

Die russischen Staatsmedien schweigen übrigens weitestgehend zu diesem Auftritt. Kann schon sein, dass er ihnen nicht wichtig genug vorkommt. Man muss sehen, was wirklich an Kraft dahinter steht; in wenigen Wochen hat Strelkow jedenfalls eine “richtige” Pressekonferenz versprochen, die dann etwas konkreter zu seinen Vorhaben Aufschluß geben könnte.

UPDATE. Wer’s konkreter mag, kann gleich zur Fragerunde vorspulen.


Genau ein Monat ist seit dem Zeitpunkt vergangen, an dem ich den Posten des Verteidigungsministers der VRD und Kommandeurs der Volkswehr verlassen musste. Diese Entscheidung ist mir ganz und gar nicht leicht gefallen. Schwierig waren auch die Umstände, unter denen diese Entscheidung getroffen werden musste. Donezk und die ganze Gruppierung der bewaffneten Kräfte der VRD befand sich in einer operativen Einkesselung und konnte die ständigen, von allen Seiten erfolgenden Angriffe der Strafkorps nur mit Mühe abwehren. Nur einzelne in der Führung der Republik wussten, dass in nur wenigen Tagen wichtige Änderungen eintreten würden und dem Feind eine entschiedene Niederlage zugefügt werden wird. Ich bin einer von diesen Wenigen, konnte aber meinen Untergebenen nicht einmal andeuten, dass wir alsbald zum Gegenangriff übergehen und die vom Feind besetzten Stellungen zurückholen würden. Noch schwieriger war es für mich, mir bewusst zu machen, dass nicht mehr ich das Kommando bei der Befreiung der von uns vorher (auch auf meinen eigenen Befehl hin) verlassenen Städte und Ortschaften des Donbass führen würde. Es fiel mir vom moralischen Gesichtspunkt schwer, meine Kameraden gewissermaßen in der “Stunde vor dem Morgengrauen” zu verlassen, in dem Moment, in dem die Dunkelheit am undurchdringlichsten ist und als der Untergang unserer gemeinsamen Sache vielen unausweichlich erschien. Ich will mich nicht mit den Umständen aufhalten, die mich zu meinem Rücktritt gezwungen haben. Nur soviel: diese Entscheidung hat sich schon allein dadurch ausgezahlt, dass am Vortag des Gegenangriffs die Leitung der bewaffneten Streitkräfte der VRD in eine Hand gelegt wurde und es so möglich war, eine Vielzahl von Konflikten zu vermeiden, die gleich einem Geschwür die Republik zerfraßen, gleichwie es so gelang, die Versorgung unserer Truppenteile und Verbände nachhaltig zu gewährleisten.

In den vergangenen Wochen hat sich die Lage an den Fronten in Neurussland grundlegend geändert. An der Mehrzahl der Fronten sind die Strafkorps zurückgeworfen worden, haben schwere Verluste erlitten und sind zur Verteidigung übergegangen. Es wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass das gesamte Territorium des Donbass von den Strafkorps und den Einheiten der Kiewer Machthaber befreit werden konnte. Unter den Vorstößen der Armee der VRD trat der Feind knurrend den Rückzug nach Westen an, sein Heer und dessen Leitung geriet in Panik. Doch was passierte dann?

strelkow-slawjansk

Vor unseren Augen haben sich wieder einmal jene Kräfte in die Angelegenheit eingemischt, die vorher bereits fast damit durchgekommen sind, den “Russischen Frühling” zu zerstören und seither keinen Versuch unterlassen haben, die russische Volksbefreiungsbewegung in Neurussland zu vernichten. Es gibt keine Niedertracht, zu der diese Kräfte, die sich in der jüngsten Geschichte unseres Vaterlandes schon oft genug auf die übelste Weise gezeigt haben, nicht bereit wären. Sie waren es auch, die, von Außen gesteuert, die entscheidende Rolle in der Zerschlagung der UdSSR im Jahre 1991 gespielt haben, und die später in den 1990er Jahren unverhohlen die Völker Russlands schikanierten und eine wahre Raub-Orgie am enormen wirtschaftlichen und kulturellen Erbe der Sowjetunion zelebrierten. Sie hielten in den Überresten unseres Heimatlandes in ihren Folgen ungeheuerliche liberale Experimente ab, kümmerten sich mit keinem Deut um die Folgen für das Land, welches sie verächtlich als “dieses” bezeichneten und auch heute noch bezeichnen. Die Orgie der Zerstörung wurde begleitet von angezettelten und blutigen Kriegen, von exzessiver Kriminalität, von Sittenlosigkeit, moralischem Verfall, von der Propaganda aller möglichen, und dazu schlimmsten vorstellbaren Laster, von der Zerstörung der wirtschaftlichen Eigenständigkeit und der außenpolitischen Souveränität. Aber auch nachdem es Anfang der 2000er Jahre nicht gelang, Russland den Todesstoß zu versetzen, haben sich diese Kräfte nicht einfach in Luft aufgelöst, sondern ihr zerstörerisches Werk verborgen fortgesetzt in der Hoffnung, dass ihre Stunde erneut schlägt und sie dann das begonnene Werk vollenden werden. Doch kaum, dass sich am Horizont das Morgengrauen des “Russischen Frühlings” abzuzeichnen begann, und unser Land davor stand, sich nicht nur verbal, sondern tatkräftig von den Knien zu erheben, die Resultate der Kapitulation Gorbatschows zu überdenken und die ihm seit alters her zustehenden Rechte und Territorien wieder zu beanspruchen und eine wirkliche Souveränität zu erkämpfen, mobilisierte die “Fünfte Kolonne” unverzüglich alle ihr zur Verfügung stehenden Kräfte. Die Rückkehr der Krim in den Bestand der Russischen Föderation führte bei ihnen nicht nur zu einem Schock, der Aufstand in Neurussland nicht nur zu Panik, sondern auch dazu, dass sie erneut ihr wahres Gesicht zeigten.

Wie nach “Alarmplan” wurde das weitläufige Agentennetz, das sich lange Jahre erfolgreich “patriotisch” und “staatsmännisch” gab und unter diesem Mäntelchen in die höchsten Etagen der Staatsmacht, selbst in das nähere Umfeld des russischen Präsidenten vorgedrungen war, mobilisiert und ins Gefecht geworfen. Obwohl sie mit ihren Taten gegen die Interessen des Landes und des Volkes gehen, behaupten diese Verräter weiterhin frech, dass sie “Freunde” des Präsidenten seien, und ihre offenkundige Wühl- und Sabotagetätigkeit geben sie als die einzig richtigen Maßnahmen zur Festigung der russischen Staatlichkeit aus. Woher, so werdet ihr fragen, kommt eine solche Frechheit und Sicherheit über die eigene Unverwundbarkeit? Die Erklärung ist sehr einfach: alles, was für die Vertreter der “Fünften Kolonne” Wert besitzt (also Geld und andere materielle Ressourcen, ebenso auch ihre Familien und Nachkommen) sind schon lange Zeit außer Landes geschafft worden, so dass deren Fortbestand nur von der Gnade ihrer ausländischen Herren abhängt.

Alexandr Chodakowskij, Kommandeur des "Wostok"-Bataillons der VRD, gilt als "Mann Achmetows"

Alexandr Chodakowskij, Kommandeur des „Wostok“-Bataillons der VRD, gilt als „Mann Achmetows“ und ist maßgeblich verantwortlich für das blutige Scheitern des Versuch der Erstürmung des Flughafens Donezk am 26. Mai 2014

In den fünf Monaten des Kampfes haben die Menschen in Neurussland vollumfänglich die “Früchte” dieser Art von Sabotage zu spüren bekommen. Als russische Militärhilfe für die praktisch unbewaffneten Bürgerwehren überlebensnotwendig war, und als eine solche Hilfe noch praktisch unblutig zur Befreiung aller russischsprachigen Gebiete hätte führen können, haben diese Agenten unisono davon zu heulen begonnen, dass eine direkte militärische Unterstützung der Aufständischen unmöglich und unzulässig sei. Die Peiniger verbrannten Menschen in Odessa, zerschossen Slawjansk aus schwerer Artillerie und bildeten eilends eine kampffähige Armee, während ihre in die Führungsetagen der russischen Außenpolitik vorgedrungenen Mittäter nicht nur eine jedwede militärische oder politische Hilfe für die Aufständischen sabotierten, sondern auch in voller Einmütigkeit mit Poroschenko, Turtschinow, Achmetow, Taruta und den anderen Vertretern der ukrainischen Oligarchie Spaltungen in die Führung der Bürgerwehr brachten, es verhinderten, ein einheitliches Kommando zu schaffen, und es unter vereinten Kräften versuchten, den russischen Präsidenten in die von ihnen ausgelegten Fallen zu stoßen. Die Standhaftigkeit und Selbstlosigkeit der Volkswehr haben es verhindert, dass die Strafbataillone den Aufstand niederzuschlugen, bevor endlich eine wirkliche Hilfe aus Russland bei den Empfängern ankam. Die Volkswehr ging zum Angriff über. Aber auch hier haben sich die Verräter in aller Pracht offenbart.

Wladislaw Surkow, einer der von Strelkow nicht namentlich genannten prominentesten Vertreter der sog. "Fünften Kolonne"

Wladislaw Surkow, einer der von Strelkow nicht namentlich genannten, aber deutlich beschriebenen prominentesten Vertreter der sog. „Fünften Kolonne“. Foto: RIAN

Den kurz vor ihrer totalen Zerschlagung stehenden Strafkorps reichten sie eine “helfende Hand”, organisierten einen Waffenstillstand und versuchten im Verlauf von Verhandlungen, praktisch alle von den Aufständischen besetzten Gebiete preiszugeben und sie der Gnade der Kiewer Junta zu überantworten. Es ist kaum möglich, sich schändlichere Verhandlungsergebnisse vorzustellen als die, welche man derzeit in Minsk aushandelt. Derweil stockt Kiew eilends sein Militär auf, trainiert es, und macht sich bereit, den Genozid an den Russen in Neurussland fortzuführen. Als Ergebnis haben wir jetzt ganz genau wieder dieselbe Lage wie zu Anbeginn unserer Bewegung, nur mit weit ungünstigeren Ausgangsbedingungen. Während nämlich im April oder Mai Kiew noch keine wirklich einsatzfähige Armee hatte, ebensowenig eine Unterstützung im Volk, so sind die Strafkorps jetzt voll mobilisiert und bis an die Zähne aufgerüstet worden, während die Bevölkerung der Ukraine unter massiver Propagandaeinwirkung, bei der großangelegt Methoden des Neuro-linguistischen Programmierens zur Anwendung kommen, bedeutend “zombifiziert” und nicht mehr in der Lage ist, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden. Innerhalb dieser wenigen Monate sind eine Reihe von Wirtschaftsanktionen gegen Russland verabschiedet worden, und aus dem Munde hoher Militärs und Diplomaten westlicher Länder hört man auf einmal auch wieder Ansprüche bezüglich Abchasien und Südossetien, unverhohlene Drohungen kommen nun auch von den durch Amerika kontrollierten islamistischen Banden.

Man bereitet sich darauf vor, lang und ernsthaft Krieg gegen Russland zu führen, und sowohl der Westen, als auch die “Fünfte Kolonne” machen kein Hehl daraus, dass sie es vorhaben, Präsident Putin zu stürzen und hernach eine volle Demontage Russlands einzuleiten, während ihre Meinungsmacher die Staatsführung mit allen Kräften davon zu überzeugen suchen, dass ein Abfinden nicht nur möglich, sondern einzig notwendig ist. Der Umstand, dass die Feinde Russlands sich mit nichts anderem als nur der Kapitulation zufriedengeben, wird beflissentlich vor der Öffentlichkeit und, auch das könnte ich mir vorstellen, vor dem Präsidenten verborgen.

Auf diese Weise sind all die außerordentlich guten Möglichkeiten, welche Russland noch im Frühjahr hatte, unverwirklicht geblieben und wir befinden uns ganz im Gegenteil vor dem Angesicht einer ständig wachsenden Kriegsgefahr. Der Verdienst der “Fünften Kolonne” daran ist nicht zu bestreiten.

Aus welchem Grunde treten denn unsere Liberalen so unversöhnlich und, man könnte meinen, selbstmörderisch gegen den Präsidenten und seinen Kurs auf? Wieso sind sie auf einmal so tapfer geworden und fordern ihn und seine Politik heraus? Meiner Meinung nach gibt es hier zwei Faktoren, und der erste besteht darin, dass auch die “Fünfte Kolonne” keine andere Möglichkeit mehr hat als den Aufstand (der noch verdeckt ist – noch). Die “Revolution von Oben”, die von Wladimir Wladimirowisch Putin begonnen worden ist, lässt ihnen keine Chance auf politisches Überleben, und lediglich das Land in Richtung ihrer mit “enormem Fleiß” erworbenen ausländischen Besitztümer zu verlassen – das gestatten ihnen ihre ausländischen Herren nicht. Der zweite Faktor ist noch offensichtlicher: die Verräter, die über Einfluß an Machtpositionen und über bedeutende finanzielle Ressourcen verfügen, rechnen ernsthaft damit, die Macht selbst an sich zu bringen und danach im Wonnetaumel die Reste des einstmals großen Landes zu verschachern und die es bewohnenden Völker zu “verwerten”. Doch um das wahr werden zu lassen, bedarf es noch einer Reihe an Handlungen zur Vorbereitung. Vor allem anderen müssen sie Präsident Putin der breiten Unterstützung durch das Volk berauben, die er durch die außen- und innenpolitischen Maßnahmen der vergangenen Jahre verdientermaßen genießt. Und was könnte in diesem Sinne erfolgversprechender sein, als das “Abschreiben” der Russen in Neurussland und die darauf unbedingt folgende persönliche Schuldzuweisung an Putin? Die Vertreter der “Fünften Kolonne” selbst halten sich wie Hyänen sorgfältig in seinem Schatten auf und vermeiden jede Öffentlichkeit.

Strelkow und Gubarew

Strelkow und Gubarew

Der Weg, den die Feinde zu gehen gedenken, ist für uns bereits klar ersichtlich. Ein maximales Verschleppen des Kriegszustandes, begleitet von möglichst vielen Opfern und Entsagungen für die russische Bevölkerung auf beiden Seiten der Grenze – das ist ihre gegenwärtige Aufgabe. Es der Volkswehr nicht gestatten zu siegen, an den russischen Grenzen eine immer mehr blutende “Wunde” schaffen, wohinein Russland Mal ums Mal seine Ressourcen einbringen muss und wo als Folge einer Politik “ein Schritt vor, zwei zurück” nie ein wirklich greifbarer Erfolg zustandekommen wird. Gleichzeitig wird der Russischen Föderation eine schwere Last aufgebürdet, zu Beginn in Form von Hunderttausenden, dann von Millionen von Flüchtlingen, während die Sanktionen des Westens allmählich die finanzielle und wirtschaftliche Lage des Landes untergraben, besonders, da unsere hausgemachten Oligarchen allen dadurch zustandekommenden Verlust auf die Schultern breiter Teile der Bevölkerung abladen werden. Im Endeffekt hoffen die Verräter darauf, die Lage soweit zu bringen, dass ein schändlicher und erniedrigender Frieden geschlossen wird, der sich durch einen Verrat an der russischen Bevölkerung der Ukraine auszeichnet, um so eine zusätzliche Welle der Entrüstung in Russland selbst loszutreten. Weiter wird es schon in voller Übereinstimmung mit den noch Anfang des 20. Jahrhunderts erprobten Technologien gehen – ein Moskauer “Maidan”, auf dem in angeblich gerechtem Zorn Rechte und Linke, Patrioten und Liberale zusammenfinden. Es läuft dann auf das bereits in den Jahren 1905 und 1917 approbierte Szenario nach dem Motto “schmachvolle Niederlage – Wirtschaftskrise – Diskreditierung der Staatsmacht – Unruhen im Volk – Palastrevolte” hinaus.

In diesem Zusammenhang ist ein Schutz Neurusslands und eine Unterstützung seiner Bevölkerung kritisch wichtig dafür, das Große Russland zu bewahren und die Pläne der “Fünften Kolonne” zu durchkreuzen. Wenn es uns gelingt, dort einen Sieg zu erkämpfen, dann werden wir Russland bewahren können. Verlieren wir dort, so verlieren wir entsprechend die Reste unseres Vaterlandes. In diesem Kampf kann es keine Kompromisse mehr geben, und jeder, der etwas Gegenteiliges behauptet, gießt Wasser auf die Mühlen des Feindes. Entweder – oder. Entweder kann Russland eine wirkliche Souveränität vollumfänglich wiederherstellen, oder es wird zerstört von einer Koalition aus aus- und inländischen Oligarchenclans.

Ende August 2014 im Walaam-Kloster

Ende August 2014 im Walaam-Kloster

Im Kampf gegen die Wühlarbeit der Saboteure habe ich nach meinem persönlichen Platz gesucht und eine Entscheidung getroffen. Die Hauptfront des Kampfes um Russland verläuft derzeit hier. Ich hoffe, dass ich gerade in Russland maximal von Nutzen sein kann. Dabei will ich erneut unterstreichen, dass die, welche darauf hofften oder hoffen, mich selbst oder meinen Namen für destruktive Ziele zu gebrauchen, schwer enttäuscht sein werden. Wie kritisch ich auch vielen, vielen vergangenen innenpolitischen Entscheidungen des Präsidenten gegenüberstehe, so halte ich es unter den Bedingungen des gegen uns entfesselten Krieges für notwendig, ihn als den einzigen legitimen Oberbefehlshaber und wichtigsten Garanten für die Freiheit und Unabhängigkeit unseres Landes bedingungslos zu unterstützen. Meiner Ansicht nach ist es in erster Linie notwendig, das von einem faschistischen Genozid heimgesuchte Neurussland durch Demaskierung und Kaltstellen derer unter ihren “Freunden und Gönner” wirklich zu schützen, die uns an den Rand einer militärischen Niederlage gebracht haben.

Denen aber, die beharrlich daran gegangen sind, in den Medien das Bild eines “Oberst Strelkow, des Führers eines Volksprotests” zusammenzubasteln, möchte ich mitteilen, dass sie nicht darauf zu hoffen brauchen, mich durch falsche Lobhudelei oder Versprechugen zu bestechen. Das Wesen der Offizierspflicht ist es, seinem Land und seinem Volk zu dienen. Den oft undankbaren, aber treuen Dienst gegen falschen Ruhm und Popularität zum Gefallen der Feinde des Vaterlandes einzutauschen ist für mich der Gipfel der Ehrlosigkeit. Sollen sie endlich befreifen, dass es in Russland noch Menschen gibt (und damit meine ich nicht nur mich allein), die Pflicht und Anstand über den eigenen Vorteil und die Eitelkeit stellen. Wie die Ereignisse in Neurussland gezeigt haben, gibt es noch eine ganze Menge solcher Menschen! Wir werden es nicht gestatten, dass Russland wieder so zerrissen und zerrüttet wird, wie man 1917 das Russische Reich oder 1991 die UdSSR zerstört hat.

http://youtu.be/ZHO3c0v_1bM?t=15s

Das ist alles.

[Applaus]

Das ist nicht nötig, danke.

Fragerunde

Igor Iwanowitsch, was ist Ihre Botschaft an die Russen in der Ukraine, in Neurussland und Russland, was sollen sie jetzt – jeder Einzelne – tun, um ihr Land zu retten?

Das ist eine sehr schwierige Frage, ich denke, dass ich in Kürze gemeinsam mit meinen Kameraden gewisse Lösungsvorschläge, bestimmte Handlungsvorschläge machen kann, an denen sich die Menschen wie auch verschiedene öffentliche Organisationen beteiligen können, und die darauf abzielen, Neurussland zu unterstützen und Russland verteidigen helfen. Für den Moment möchte ich nur anmerken, dass es notwendig ist, sich von jedweder destruktiven oppositionellen Tätigkeit zu enthalten, und zu erkennen, dass gegen uns ein Krieg geführt wird, und unter Kriegsbedingungen spielen jegliche Unruhen in unserem Hinterland einzig dem Feind in die Hände.

Igor Iwanowitsch, bitte sagen Sie uns – bedeuten Ihre Worte „Mein Platz ist jetzt hier, in Russland“, dass Sie nicht an einen Kommandoposten in Neurussland, im Donbass, in Lugansk oder an einen anderen Ort zurückkehren werden?

Wenn es nötig sein sollte und ich mobilisiert, und in irgendeine Region kommandiert werde, dann bin ich bereit, jeden Befehl zu befolgen, allerdings ziehe ich eine solche Variante derzeit nicht in Betracht.

Igor Iwanowitsch, haben Sie vor, sich hier in Russland einer politischen Betätigung zu widmen, beispielsweise bei Wahlen zu kandidieren?

Nein, das habe ich nicht vor. Ich glaube generell nicht an Wahlen als solche. Schauen Sie doch einmal, wen man in der Ukraine gewählt hat.

Sie sprachen von entscheidenden Veränderungen der militärischen Lage; können Sie die Behauptung der ukrainischen Seite bestätigen oder widerlegen, in der gesagt wird, dass diese Veränderungen mit einer Intervention russischer Militärverbände zu tun haben?

Mitte August, als ich Neurussland verlassen habe, gab es keinerlei russische Militärverbände auf dem Territorium von Neurussland. Ich kann nicht bestreiten, dass dort Freiwillige kämpfen, die in den Streitkräften der Russischen Föderation dienen. In meiner Brigade beispielsweise dienten ein paar Offiziere, die während ihres Urlaubs auf vollkommen freiwilliger Basis zu uns stießen; sie wurden aber in keiner Weise zu uns kommandiert, um Neurussland zu verteidigen und in unseren Verbänden zu kämpfen. Das ist alles, was ich dazu sagen kann. Natürlich weiß ich mehr oder weniger genau, was derzeit dort passiert, aber ich habe keinerlei Information über eine direkte Beteiligung russischer Streitkräfte vor Ort.

Ich möchte gern wissen, was Ihre Meinung zum gegenwärtigen Waffenstillstand ist: warum, denken Sie, ist der Waffenstillstand für die „Kriegspartei“ – also Leuten wie Timoschenko, Ljaschko und Kolomojskij – nicht von Vorteil, warum wollen sie den Krieg fortführen?

Nun, es ist erst einmal sehr schwer, den jetzigen Zustand als „Waffenstillstand“ zu bezeichnen. Bei allem, was ich weiß, gibt es durchschnittlich aller 2-3 Stunden Artillerie-Schusswechsel an den derzeitigen Frontlinien, wobei in aller Regel die ukrainischen Kräfte die Initiatoren sind. Mehr noch, unter dem Schutz des „Waffenstillstands“ hat der Feind eine Reihe an Ortschaften besetzt, aus denen er vorher vertrieben worden war, und befestigt sich jetzt dort. Sie haben ihre Truppen in eine Reihe von sogenannten „Kesseln“ eingeschleust [? – d.Ü.], sie befestigen sich in Debalzewo, und nach den mir vorliegenden Informationen werden dort mindestens 3, wenn nicht 4 Stoßgruppen gebildet, die für eine Angriffstätigkeit vorgesehen sind. Mit anderen Worten nutzt die ukrainische Seite den Waffenstillstand ausschließlich zur Aufstockung ihrer Truppen, zum Austausch der Militärtechnik, zum Mobilisieren der Reserven und zur Angriffsvorbereitung. Aus diesem Grund ist es naiv, mit irgendwelchen positiven Ergebnissen des Waffenstillstands zu rechnen.

Eine Frage zur „Boeing“ – warum wird der Abschuß der „Boeing“ in den Medien häufig mit der Volkswehr in Verbindung gebracht? Wer war es denn nun, der die „Boeing“ abgeschossen hat?

Die abgeschossene „Boeing“ wird einzig deshalb mit der Volkswehr in Verbindung gebracht, weil sie über einem Gebiet abstürzte, das – teilweise – von der Volkswehr kontrolliert wurde. Ganz offen gestanden weiß ich nicht, wer die „Boeing“ abgeschossen hat, da ich in diesem Moment gerade einen Militäreinsatz befehligte und gar nicht die Zeit hatte, eine Untersuchung zu führen. Meine persönliche Meinung ist aber, dass die „Boeing“ von der ukrainischen Seite abgeschossen worden ist. Sie hat diesen Abschuß als eine schwere Provokation vorbereitet, denn alle Fakten sprechen dafür, dass die „Boeing“ vorsätzlich in dieses Gebiet geleitet worden ist, und die ukrainische Seite hat alle Bedingungen dafür geschaffen, dass sie abgeschossen wird. Wahrscheinlich haben sie dann, als sie gewahr wurden, dass die Sache so nicht funktioniert, sie auch noch selbst abgeschossen. Ansonsten [- wäre unsere Schuld nachgewiesen – d.Ü.] würden die internationalen Medien uns schon „volle Kanne“ in Behandlung haben.

Igor Iwanowitsch, bereuen Sie es möglicherweise, dass Sie Slawjansk verlassen haben, dass Sie sich jetzt in Russland befinden? Wie bewerten Sie das, was jetzt in der Volksrepublik Donezk passiert? Ich frage damit nach Ihrer Einschätzung als Militärkommandeur.

Als Kommandeur möchte ich sagen, dass unter den Bedingungen, unter denen die Volkswehr kämpft, die Handlungen des dortigen Militärkommandos wohl recht angemessen sind. Man darf nicht vergessen, dass die Volkswehr den ukrainischen Kräften nach wie vor zahlenmäßig unterlegen ist, ebenso auch, was die Militärtechnik betrifft. Freilich hat sich die Zahl der Kämpfer der Volkswehr erhöht. Aber die Überlegenheit des Gegners an Mannkraft und Bewaffnung ist nach wie vor ziemlich groß. Ich habe es nicht vor, die Handlungen der Volkswehr irgendwie zu kritisieren, zumal nach den Erfolgen, die in den vergangenen Wochen erreicht worden sind.

Es gab [bei Ihnen] die Aussage, dass kaum eine größere Demütigung vorstellbar sei, als die, welche durch die Vereinbarungen von Minsk besteht. Ist es Ihrer Meinung nach sinnvoll, die Verhandlungen fortzusetzen, zumal Litwinow auf dem gestrigen Briefing davon sprach, dass derzeit keine Möglichkeit besteht, alle Punkte der Minsker Vereinbarung umzusetzen?

Ich möchte betonen, dass die Minsker Vereinbarung einen zeitweiligen Waffenstillstand zum Inhalt hat. Die Bedingungen, die dort von der ukrainischen Seite für die weiter geplante friedliche Beilegung vorgebracht und aus irgendeinem Grunde überhaupt für diskutabel erachtet worden sind, habe ich als demütigend bezeichnet. Meine Meinung ist, dass solche Bedingungen überhaupt nicht diskutiert werden können, denn sie führen zu einer schändlichen Niederlage und im Grunde zu einer vollständigen Zerschlagung Neurusslands, wie auch zu all den Folgen, die ich in meiner Erklärung aufgezählt habe. Mit anderen Worten, es stehen damit enorme Einbußen für Russland und eine innenpolitische Krise in Russland in Aussicht.

Haben weitere Verhandlungen überhaupt einen Sinn?

Ich nehme für mich nicht das Recht in Anspruch zu beurteilen, ob es einen Sinn in weiteren Verhandlungen gibt oder nicht; in diesem Fall bin ich Soldat. Verhandlungen sind die Aufgabe der Diplomaten, und eine Entscheidung über Verhandlungen zu treffen wäre das Vorrecht des russischen Präsidenten und der höchsten Ebene der Staatsführung. Aber, um mich noch einmal zu wiederholen, wäre es de facto eine Kapitulation, auf die von der ukrainischen Seite vorgebrachten Bedingungen einzugehen.

Haben Sie für die Aktivität jetzt in Moskau einen Segen bekommen, und ist es aus Ihrer Sicht für russische Menschen im Ausland wichtig, aktiv kirchlich zu sein oder reicht es, wenn sie einfach nur gläubig sind?

Ich habe noch keinerlei Aktivitäten in Moskau angefangen, und folglich auch noch keinen Segen dafür bekommen, aber was alles Übrige angeht, so kann ich sagen, dass ich es immer angestrebt habe, von den Geistlichen, auch von meinem Beichtvater oder den Geistlichen, die sich in der Nähe befanden, einen Segen für alle meine entschiedenen Handlungen zu bekommen. Das andere ist eine viel zu komplexe Frage, als dass wir sie hier erörtern könnten.

Sie haben gesagt, dass die ukrainische Seite während des Waffenstillstands ihre Truppen an den Orten zusammenzieht, an denen es als Nächstes zu Kampfhandlungen kommen kann. Könnten Sie eine Prognose darüber abgeben, in der Sie das Potential der Volkswehr einschätzen, die tatsächlich eine Menge an ukrainischer Militärtechnik gekapert hat, und wie sich die Lage entwickelt, wenn es nicht gelingt, sich zu einigen?

Die Sache ist die, dass es mir sehr schwer fällt, nach inzwischen schon einmonatiger Abwesenheit an der Frontlinie irgendwelche Prognosen zu machen. Aber in aller Kürze kann ich sagen, dass der Gegner sich zum Angriff bereitmacht, und die Konfiguration der von ihm zusammengestellten Stoßgruppen zielt auf Angriff ab. Gleichzeitig werden im Hinterland Verteidigungseinrichtungen gebaut, wo sie, allem Anschein nach, im Falle einer Niederlage auszuharren gedenken. Diese Konfiguration ist alles in allem aber gar nicht gegen die Volkswehr gerichtet, sondern gegen Russland. Gerade die Konfiguration der Verteidigungseinrichtungen. Mit anderen Worten, indem er sich dazu bereitmacht, die Volkswehr zu vernichten, bereitet sich der Gegner gleichzeitig auf einen Krieg mit Russland vor. Und zwar auf einen großen Krieg.

Was das Potential angeht, hat denn die Volkswehr letztlich genügend Kräfte?

Natürlich hat die Volkswehr genügend Kräfte für den Kampf und dazu, den Feind aufzuhalten, aber – um mich zu wiederholen – ohne eine großangelegte Unterstützung aus Russland, die ich seinerzeit mehrfach erbeten habe und es auch weiterhin tue, wird es der Volkswehr unmöglich sein, gegen die von der gesamten sogenannten „westlichen Gemeinschaft“ unterstützte Ukraine einen endgültigen Sieg zu erringen. Die blutende Wunde an unserer Grenze aber muss man so oder so beseitigen.

Igor Iwanowitsch, was halten Sie in aller Kürze von der Idee, eine Mauer zwischen Russland und der Ukraine zu bauen?

Die Sache ist die, dass Mauern nie wirklich irgendwen geschützt haben. Eine Mauer ist lediglich – wie es die Berliner Mauer gewesen ist – ein Symbol der Trennung zwischen dem Ost- und dem Westblock, und die sogenannte ukrainische Mauer, die sie jetzt bauen wollen, wird lediglich ein materielles Symbol der Trennung der Ukraine von der russischen Welt sein. Und zwar einer widernatürlichen Trennung. Die Ukraine war, ist und – da bin ich überzeugt – bleibt ein Teil der russischen Welt, egal, wie sehr jemand etwas anderes will und wie sehr man auch ihre Bevölkerung verblödet. Man kann Mauern bauen wie man will, aber ich denke, dass es letztlich mißlingen wird, das Volk zu spalten.

Wann wird denn der Krieg in der Ukraine vorüber sein, und was wird sein Ergebnis sein?

Wäre ich der Herrgott, so würde ich sehr gern auf diese Frage antworten.

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