Diversifikation

Joe Biden trompetet Europa an, es möge seine Energieimporte diversifizieren und sich aus der Abhängigkeit von Erdgaslieferungen aus Russland befreien – und zwar „jetzt, jetzt, jetzt“:

“Now, now, now is the time to act,” Biden said, speaking at the Atlantic Council’s energy security summit in Istanbul. “What’s happening in Ukraine only underscores the urgency.” (Quelle)

biden-energieErst ein Problem schaffen, und sich dann als Lösung anbieten – keine allzu trickreiche Taktik, aber eben sehr wirksam.

Biden erwähnt nämlich nicht, dass es – derzeit – noch keine freien Erdgasvolumina gibt, welche die aus Russland importierten ersetzen könnten. Da sich die führenden Erdgasexporteure größtenteils auf Südostasien orientieren, bleiben für Europa mittelfristig nur zwei Optionen – Erdgas aus dem Iran (Kaumi hat dazu neulich etwas verlinkt) und… Flüssiggasimporte aus den USA, die wohl ab 2016 möglich sein werden.

Wenn Europa die eingeschlagene Richtung beibehält und in absehbarer Zeit die Kooperation mit Russland in diesem Bereich auf den Prüfstand stellt, dann werden die Vereinigten Staaten alles daransetzen, um als einzige Alternative dazustehen – dem Iran legt man dann ein unüberbrückbares Hindernis in Form des „Islamischen Staats“ in den Weg, das alle erdenklichen Routen für iranisches Gas nach Europa sicher blockiert. Aber es geht um mehr als nur um den Erdgasmarkt Europa – ein Auseinanderbrechen zwischen Europa und Russland geht durch eine ganze Menge an Bereichen und Richtungen, die dann dem Gewinner – den USA – anheimfallen werden. TTIP wird „alternativlos“.

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  • Michel

    Unsere Zukunft ist nur auf den ersten Blick so grau in grau. In Wirklichkeit wird sie eher schwarz. Eine scheinbare, wenn auch kleine, Alternative zu den Gasimporten könnte diese Meldung aufzeigen: Fracking wird bald auch in Deutschland möglich sein (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/deutschland-macht-den-weg-fuer-fracking-frei-13275384.html). Ich würde mich totlachen, wenn wir zum Aufbau der entsprechenden Infrastruktur, Betrieb usw. die Expertise von US-Unternehmen bräuchten.

    • Michel

      Und auch das war noch nicht ganz vollständig. Vor einigen Tagen hatte sich Norwegen explizit bereit erklärt, im Falle des Falles sein Fördervolumen zu erhöhen. Kann die entsprechende Quelle zur Zeit leider nicht finden.

  • kaumi

    http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59004
    UN-Resolution gegen NS-Verherrlichung (von Russland initiiert):
    Die EU enthält sich der Stimme, Kanada, die USA und, selbstredend, die Ukraine stimmten gar gegen diese UN-Resolution. Na also, geht doch…

    • kaumi

      Sorry für dieses Posting. Das Thema war hier ja schon mit eigenem Beitrag honoriert.
      Wollte GFP an einen Freund schicken. Aber die Macht der Gewohnheit ;-)