Die jemenitische Spur

Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben sich wahrscheinlich nur die ganz besonders Faulen noch nicht zu den „False-Flag“-Indizien des Gemetzels in Paris geäußert: der mutmaßliche Fehlschuss, der den gestolperten Polizisten auf dem Gehweg tötete, das dreimal gleiche Rettungsteam an drei verschiedenen Opfern, die wahrscheinlich aus Gründen der Treibstoffersparnis nur zwei Krankenwagen (für insgesamt 32 Opfer) im Einsatz, Hollande schon dreißig Minuten später an einem potentiell gefährlichen (vielleicht verminten) Ort und so weiter und so fort.

AQAP

AQAP

Regelrecht langweilig wird es dann, wenn es um im Auto liegengelassene Ausweise oder Führerscheine der Terroristen geht. Aber es kam ja noch etwas, und zwar, dass die Terroristen unmittelbar vor dem Anschlag, die Granatwerfer schwenkend, gegenüber irgendwelchen Passanten eine kleine Ansprache gehalten zu haben scheinen, deren Essenz in der folgenden Aufforderung formuliert wurde: „Vous direz aux médias que c’est Al-Qaïda au Yémen“ – also: ihr sagt den Medien, dass es die Al-Kaida im Jemen war. Diese Story wurde denn auch glatt von den „médias“ aufgegriffen und breitgetragen.

Hätten sich die Attentäter als Algerier, Libyer, oder wenigstens noch als Syrer ausgegeben, dann könnte man das noch irgendwie verstehen, aber warum ausgerechnet als AQAP? Die Al-Kaida im Jemen ist eine recht „spezialisierte“ Al-Kaida und exakt darauf ausgerichtet, mit den schiitischen Zaiditen und der jemenitischen Regierung Krieg zu führen. In vielerlei Hinsicht gilt sie als einer der Kettenhunde der saudischen Geheimdienste, geschaffen in Kooperation mit analogen US-amerikanischen Diensten, um im Großen und Ganzen dem iranischen Einfluß auf der Arabischen Halbinsel entgegenzuwirken. Kurz, Frankreich und die dort wirkenden Vollidioten von Karikaturisten sollten der Al-Kaida im Jemen eigentlich vollkommen egal sein.

Sicher ist es die Aufgabe der Ermittlung, all diesen Dingen auf den Grund zu gehen. Aber die Fragen, die natürlicherweise auftreten und nun schon in sog. „Verschwörungstheorien“ (analog zu denen nach 9/11) ausufern, bleiben ja bestehen. Tatsächlich passt die äußerste Dummheit der Terroristen, die einen ihrer Ausweise im Auto „vergessen“ haben, durchaus zu einer so geplanten Aktion. Der Anschlag selbst wurde in Rekordzeit (exakt 11.00-11.15 Uhr) durchgeführt, die Terroristen verschwanden noch vor Eintreffen der Polizei. Dabei handelt es sich nun aber nicht etwa um ein entlegenes dagestanisches Dorf, sondern um eine europäische Hauptstadt. Danach identifiziert man sie, versucht sie, in einem ihrer Häuser zu stellen, von wo sie aber, nur wenige Minuten vor Zugriff, aus der Beschattung verschwinden. Und der Ausweis im Auto. Und der Terrorist, der, an einem ganzen Pulk von Gaffern vorbeirennend, diesen mitteilt, er sei von der AQAP. Hollywood war gestern, jedenfalls.

Wie dem auch sei, die jetzt so durch die Meldungen gekarrte „jemenitische Spur“ läßt stutzig werden.

Die meisten werden sich daran erinnern, dass George W. Bush nach dem Anschlag auf das New Yorker WTC, als der Betonstaub noch in der Luft über Manhattan hing, bereits die Schuldigen benannte. Ganz klar – die Al-Kaida. Nur für diesen Zweck wurde sie ja schließlich hochgezüchtet, um ihr im passenden Augenblick irgendeine monströse Schuld zuzuschreiben. Dabei gab es noch vor dem US-geführten Überfall auf Afghanistan genügend saudische Spuren in den Anschlägen von 9/11. Und nicht viel anders verhält es sich nämlich bei dem Gemetzel von Paris und der angeblichen Spur nach Jemen: die Saud haben es nämlich, seit den Erfolgen der schiitischen Houthi-Milizen im Jemen, auf Regierungsebene mit Repräsentanten einer Bewegung zu tun, die sie selbst vor einem knappen Jahr auf ihre Terrorliste setzten.

Spätestens seit der Eroberung Sanaas durch die Houthis, die als iranische Proxies gelten, im September 2014, erscheinen immer wieder Meldungen und Betrachtungen zur „Gefährdung saudischer Interessen“, bzw. gar direkter Konfrontation mit ihren Grenzern, und der Befürchtung einer verstärkten Rolle des Iran, was wiederum natürlich auch Israel zu einer Interessenspartei werden läßt. Zuletzt, kurz vor oder parallel zum Pariser AQAP-Hype, hieß es bei Al-Monitor: „Der Jemen entgleitet dem Griff der Saud“. Die „jemenitische Spur“ in Paris ist für Saudi-Arabien also sicher von besonderem Interesse. Und sie haben ganz sicher nichts dagegen, dass jemand herbeikommt und ihre Probleme für sie löst.

Und die immer im richtigen Augenblick wie Springteufel in die Medien hüpfenden „Geheimdienstkreise“ der Amerikaner geben dem Trend von sich aus Schwung in dieselbe Richtung: die Terroristen wurden selbstverständlich im Jemen trainiert. Wahrscheinlich verstecken sie sich inzwischen schon dort.

Es ist alles in allem gut möglich, dass der ganze Sinn des Anschlags in Paris darin bestand, dass jemand Jemen ins Gespräch bringt. Die niedrigeren Chargen von Lokalpolitikern und Lobbyorganisationen nutzen ihn natürlich auf die ihnen jeweils passende Weise, aber das gehört sicher lediglich zum Hintergrundbild. (So nimmt sich momentan auch der hie und da nachzulesende Versuch aus, mal wieder persönlich Putin hinter den Anschlägen zu sehen.)

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  • Petrovski

    Was hälst du denn von der Anmerkung, dass diese „Vorfälle“ eine Reaktion auf Hollands Vorstoß war, erstens die antiruss.Sanktionen abzuschaffen und zweitens, den Staat Palästina anzuerkennen?

    • Das ist eine Note in der Kolumne von Pepe Escobar: „It was a pro job“.

      Momentan haben wir zwei Meldungen i.S.v. eine Übernahme der Verantwortung für den Terror-Angriff: von der „AQAP“ und auch eine von einer niederen Daesh/IS-Charge. Wenn sich letzteres in der Medienlandschaft erhärtet, gibt es zwei Optionen, wo die Franzosen mit „Koalition“ demnächst aktiv werden könnten: Libyen oder Syrien.
      In der katarischen „Al-Arab“ wurde schon geäußert, dass das Charlie-Massaker ein Anlass sein würde, in Libyen zu intervenieren. Hintergrund: in Libyen ist die „pro-westliche“ Zeidan-Regierung (zu gewissen Teilen französische Ziehkinder) durch katarische Proxies, v.a. Islamisten aus Misurata, entmachtet worden.

      Na, und Syrien… die Verantwortlichen für das Pariser Koscher-Laden-Massaker „könnten in Syrien sein“. Wer hätte das gedacht.

      • Josch

        Nicht zu vergessen, dass das Interesse der Weltöffentlichkeit auf diesem Wege weggelenkt wird von dem peinlichen CIA- Folterbericht.

      • Spion Stirlitz

        Wahrscheinlicher ist es, dass zunächst erstmal die Innere „Sicherheit“ – sprich Totalüberwachung und Polizeistaatsmethoden -für Frankreich und im Schlepptau auch in der Rest-EU um sich greifen werden. Denn der Euro-Kollaps – „Grexit“- ist nicht mehr ausgeschlossen, mit unabsehbaren Folgen für die EU-Wirtschaft und in der Konsequenz für Chaos in den Gesellschaften mit Bürgerkriegszuständen vor Banken, Geschäften, usw..
        Praktisch oder, dass da von „Daesh“, IS, Al Quaida etc. so pünktlich einen Angriff auf unsere Sicherheit und Werte begonnen haben – für Karikaturen die vor 5 Jahren (!) und mehr veröffentlicht wurden. Da fühlten sich halt ein paar Moslems schwer beleidigt, kann man verstehen. Ist doch klar. So ein (passender) Zufall aber auch.
        Für Syrien und Libyen-Abenteuer hat die „Grande Nation“ allein denke ich wohl kaum finanzielle Ressourcen. Von den militärischen Kapazitäten mal ganz zu schweigen. Höchstens wieder als NATO-Gemeinschaftswerk wie in Ex-Jugoslawien 1999. Aber das wäre wieder ein ganz andere Geschichte…

  • habkind

    die Geschichte wiederholt sich. 9/11 fand man zufällig den Reisepass von Atta noch am gleichen Tag im Schutthaufen der WTC. Daraus hat man sofort geschlußfolgert, dass Atta der Täter sein muss. Andere Reisepässe von Flugpassagieren fand man damals nicht.
    Und jetzt vergisst ein Attentäter tatsächlich seinen Ausweis im Auto. Entweder sind alle Terroristen sehr nachlässig mit ihren Unterlagen oder es muss einen anderen Grund geben.

  • kaumi

    In Frankreich passiert gerade wieder was…

    • habkind

      Was? werd doch mal deutlicher.
      Wird der Clown abgesetzt?

    • Franz

      Auch in Tunesien und Kuweit… und das kurz vorm Freitagsgebet

  • kaumi

    Im Grunde darauf geschissen, aber Charlie Hebdo und die Führer der freien Welt standen ja wie eine Eins hinter Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Freiheit überhaupt. Wir erinnern uns alle noch gut…http://4.bp.blogspot.com/-4h4WBD0qNvo/VeSbcnwcUVI/AAAAAAAAbeE/91FXJTqukas/s1600/NatanjahuKarikatur.jpg
    Ein schweizer Botschafter, der diese Karikatur jüngst im Rahmen eines Wirtschaftstreffens zum Thema „Investitionen im Iran“ zum Ende bracht, um aufzuzeigen, dass es durchaus Hardliner gibt, die mit allen Mitteln versuchen, diesen Deal zu sabotieren, musste, auf Geheiß hoher politischer Ebenen der Schweiz, einen Rückzieher machen und sich „distanzieren“…
    Nur ein wenig Futter für spätere Hebdos, wenn wieder die „Freiheit“ vergewaltigt wird…