Archiv für Januar, 2015

Die jemenitische Spur

Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben sich wahrscheinlich nur die ganz besonders Faulen noch nicht zu den „False-Flag“-Indizien des Gemetzels in Paris geäußert: der mutmaßliche Fehlschuss, der den gestolperten Polizisten auf dem Gehweg tötete, das dreimal gleiche Rettungsteam an drei verschiedenen Opfern, die wahrscheinlich aus Gründen der Treibstoffersparnis nur zwei Krankenwagen (für insgesamt 32 Opfer) im Einsatz, Hollande schon dreißig Minuten später an einem potentiell gefährlichen (vielleicht verminten) Ort und so weiter und so fort.

AQAP

AQAP

Regelrecht langweilig wird es dann, wenn es um im Auto liegengelassene Ausweise oder Führerscheine der Terroristen geht. Aber es kam ja noch etwas, und zwar, dass die Terroristen unmittelbar vor dem Anschlag, die Granatwerfer schwenkend, gegenüber irgendwelchen Passanten eine kleine Ansprache gehalten zu haben scheinen, deren Essenz in der folgenden Aufforderung formuliert wurde: „Vous direz aux médias que c’est Al-Qaïda au Yémen“ – also: ihr sagt den Medien, dass es die Al-Kaida im Jemen war. Diese Story wurde denn auch glatt von den „médias“ aufgegriffen und breitgetragen.

Hätten sich die Attentäter als Algerier, Libyer, oder wenigstens noch als Syrer ausgegeben, dann könnte man das noch irgendwie verstehen, aber warum ausgerechnet als AQAP? Die Al-Kaida im Jemen ist eine recht „spezialisierte“ Al-Kaida und exakt darauf ausgerichtet, mit den schiitischen Zaiditen und der jemenitischen Regierung Krieg zu führen. In vielerlei Hinsicht gilt sie als einer der Kettenhunde der saudischen Geheimdienste, geschaffen in Kooperation mit analogen US-amerikanischen Diensten, um im Großen und Ganzen dem iranischen Einfluß auf der Arabischen Halbinsel entgegenzuwirken. Kurz, Frankreich und die dort wirkenden Vollidioten von Karikaturisten sollten der Al-Kaida im Jemen eigentlich vollkommen egal sein.

La Resistance

Zu Beginn vielleicht erst einmal ein Zitat:

“Er ist es, der 1994 den Präsidentenpalast schützen wird. Er ist es, der die Operation zur Einnahme Grosnys planen und durchführen und die Verhandlungen in Chassawjurt leiten wird. Und als Jelzins Geisel festsitzt, während dieser ins “unterworfene” Tschetschenien fährt, um dort seinen Pyrrhussieg zu feiern. Er streckt die Hand des Friedens aus, woraufhin man ihn demonstrativ töten wird – ihn, den Präsidenten der Tschetschenischen Republik Itschkerija.

Die Welt wird schweigen, und als Antwort auf dieses Schweigen wird sie blutigen Terror ernten.

Vor genau sechs Jahren wurde im tschetschenischen Dorf Tolstoj-Jurt, das nach dem großen russischen Schriftsteller benannt ist, der Präsident des unabhängigen Itschkerija vom russischen Speznas erschossen.” (08.03.2011)

hebdoEs handelt sich dabei um eine Elegie auf Aslan Maschadow, den “Anführer des tschetschenischen Widerstands” (sic), und sie trägt die Überschrift “Ich habe gegen Russland gekämpft, aber nie meine Würde verloren (in memoriam Aslan Maschadow)”.

Veröffentlicht wurde dieser Text nicht etwa auf irgendwelchen Islamisten- oder Terroristenressourcen, sondern auf der offiziellen Internetseite von Radio France International. Wo es zu diesem Thema noch eine ganze Menge an weiteren wunderbaren Dingen gibt, wie z.B. zu Herrn Bassajew, den man dort u.a. als “Anführer der Separatisten des Kaukasus” bezeichnet, oder Geschichten über den russischen Speznas, der die Schule von Beslan mit Raketenwerfern in Schutt und Asche gelegt habe.

Gestern und heute sind die Seiten von RFI voll von Tränen und Jammer über den gestrigen Terroranschlag auf die Redaktion des französischen “Charlie Hebdo” (von diesem Blatt war hier in einem Nebensatz vor über zwei Jahren schon einmal die Rede).