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Nemzow und die tschetschenische Spur

Die gängige Deutung pro-europäischer Meinungsmacher, für den Mord an Boris Nemzow sei entweder Putin persönlich, oder aber wenigstens eine von ihm angeblich generierte “Atmosphäre des Hasses” verantwortlich, ist – ganz egal, wie man es nimmt – dermaßen idiotisch, dass sie eigentlich keines Kommentars bedarf.

Saur Dadajew, mutmaßlich Nemzows Mörder (vesti.ru)

Saur Dadajew, mutmaßlich Nemzows Mörder. Bild: vesti.ru

Nemzow war eine vollkommen ungefährliche, und aus diesem Grund von der russischen Staatsmacht entsprechend gehegte & gepflegte Figur, wie es die meisten russischen “Oppositionellen” sind: wo und wann immer sie jemals an der Macht beteiligt waren, haben sie es geschafft, sich vollkommen zu diskreditieren; über realen Einfluß auf irgendwelches Volk verfügen sie nicht – man erinnere sich in diesem Zusammenhang an die früheren Versuche, einen “Maidan” in Russland zu inszenieren – und selbst jetzt, da es aufgrund der EU-Sanktionspolitik, des Erdölpreises und des Rubelkurses wirklich einiges an wirtschaftlichen Schwierigkeiten gibt, waren für den x-ten oppositionellen “Marsch der Milliarden” am 1. März keine nennenswerten Menschenmengen erwartet worden. In anderen Fällen, wie z.B. bei Nawalnyj, sind die “führenden Köpfe” der Opposition schlicht und ergreifend ausgesprochen dümmlich. (Was die EU selbstredend nicht daran hindert, diese durchzuputschen – siehe Klitschko in Kiew. Und das hat nichts damit zu tun, dass die “Europäer” selbst dumm wären oder keine Ahnung hätten, sondern damit, dass - wie bereits einmal angemerkt - das RMfdbO der EU von den lokalen Häuptlingen keine Intelligenz, Kompetenz oder Verständnis für Zusammenhänge, sondern Loyalität und Pflichttreue erwartet.)

Und nimmt man die russophobe Phantasie über die “Atmosphäre des Hasses” für bare Münze, würde sich ein Dialog bei dem Mordkomplott in etwa so zugetragen haben:

- Saur, spürst du diese Atmosphäre des Hasses?
- Ja, Ansor!
- Was machen wir da?
- Lass uns Nemzow umbringen!

Aber bei diesen beiden Verdächtigen (und inzwischen Beschuldigten) sollte man einmal verweilen. Wie die Namen nahelegen, sind das “Kaukasier”, vulgo Tschetschenen. Ramsan Kadyrow machte sofort Meldung, dass Saur Dadajew ihm als zuverlässiger, loyaler “russischer Patriot” bekannt sei, zumindest für die Zeit, in der dieser noch in der 46. Sondereinsatzbrigade des russischen Innenministeriums seinen Dienst tat. Gleichermaßen äußerte er sich zu einem weiteren Verdächtigten, der beim Versuch der Festnahme getötet wurde.

Inwieweit die Festgenommenen schuldig sind, wird die Untersuchung zeigen. Was aber deutlich zu Tage tritt, ist, dass Kadyrow Lunte gerochen hat: der Mord an Nemzow kann und soll auf die eine oder andere Weise in irgendeiner Kombination gegen ihn verwendet werden.

Ramsan Kadyrow (Instagram @kadyrov_95)

Ramsan Kadyrow (Instagram @kadyrov_95)

Von noch weiter weg betrachtet haben wir es hier mit nichts anderem zu tun als mit dem “Regime Change Russia” – in diesem speziellen Fall mit dem Versuch, die “Kettenhunde des Diktators” auszuschalten. — Ganz richtig, ein echter Volksprotest blüht den Russen nicht, oder wenn, dann nur in Form eines lärmendes Chaos: der Mob auf den Straßen verschleiert die eigentlichen Umstürzler. Das wäre dann ganz genau so wie auf dem “Maidan” in Kiew: im Grunde hüpften und sprangen die Menschenmassen dort für den Sieg der einen Oligarchen über die anderen, wonach man die besonders tobsüchtigen einfach in Form von Freiwilligenbataillonen in den Fleischwolf des Kriegs im Donbass schickte. Zynisch, aber wahr. Nicht viel anders lief es im Zuge des inzwischen vergessenen “Arabischen Frühlings”; die Kunst des Westens beschränkt sich darauf, die richtigen Leute unter Druck zu setzen, fremdes Humankapital für sich arbeiten und sterben zu lassen und für die Informationspolitik zu sorgen.

Ein “Maidan” ist keine Naturgewalt, kein Volksprotest, keine Demonstration – das ist eine durchorganisierte und -koordinierte Inszenierung, bei der angefangen mit den zu skandierenden Losungen und zu zeigenden Gesten bis hin zu den Orten & Mitteln für die Versorgung und die Notdurft von zehntausenden von Menschen alles bedacht sein will. Ob sich dieser enorme Aufwand bei den kaum heißblütigen und ziemlich revolutionsträgen Russen lohnt, ist fraglich.

Es sei hiermit auch nicht gesagt, dass dieser konkrete Versuch – also der Mord an Nemzow – direkt vom “Westen” unternommen wurde. Viel eher von jenen Teilen der russischen Elite, die ihre Stakes im Westen haben. Genau auf die zielen ja auch die Sanktionen ab. [Am Verheerendsten in der letzten Zeit war wohl der Angriff der Briten auf Michail Fridman, der für den Fall (also mit der Gewißheit) geführt wird, dass die Sanktionen gegen Russland verschärft werden.]

Die jetzige Lage in Russland gemahnt damit alles in allem ein wenig an die frühen 1950er, in der die sowjetische Elite das “Problem Stalin” ganz genau so löste: sie isolierte ihn von seinen loyalen Mitstreitern.

Im Angriff auf Kadyrow hält Putin momentan dagegen: heute wurde Kadyrow von ihm mit dem “Orden der Ehre” ausgezeichnet. Eine ganz offenkundige Vertrauensgeste. Diesen Orden gibt es laut Statut für “besondere Verdienste” in allen möglichen Bereichen. Also ganz passend für Gesten zu Situationen, wenn eine Urkunde schon zu wenig, eine bedeutendere Auszeichnung noch zu viel ist.

“Finger weg, das ist mein Mann”, heißt das. Ein ganz normaler byzantinischer Stil.

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Trackback von deiner Website.

  • Jowi

    Interessante Gedanken, schon alleine wegen der anderen Perspektive lohnt es sich doch immer wieder hier vorbei zu schauen (dass es unsere westl. Propaganda mit der Wahrheit nicht so genau nimmt ist schlimm genug, dass sie auch noch oft so dumm daher kommt beleidigt zusätzlich den Intellekt und macht sie oft unerträglich).

    Als jemand, der in einem Land aufgewachsen ist, in dem Russland-Verstehen fast schon einem Vaterlandsverrat gleich kommt, zwei Fragen:

    1. Wie wichtig ist der “Kettenhund” Kadyrow für Putin? Putin hat doch einen so großen Rückhalt im Volk, dass er diesen Bluthund mit seinem mehr als zweifelhaften Ruf nicht (mehr) braucht. Oder doch?

    2. Wenn deine Hypothese stimmt und ich sie richtig verstanden habe: Wurden diese Männer aus dem Umfeld dann von der Gegenseite angeheuert, also schlicht gekauft? Dann hätte sich aber doch Kadyrow schnellstens von diesen Kerlen distanziert. Das führt mich zu …

    3. Könnte es sein, dass Kadyrow in seiner brutal archaisch-patriarchalisch-primitivistischen Denkwelt, dem Väterchen und Herrchen ab und an ein blutiges Geschenk darbringt, das dieser gar nicht bestellt hat?

    Wirklich, ich gebe mir Mühe, Russland und Putin zu verstehen, aber der Kaukasus im Allgemeinen und Kadyrow im Besonderen sind gefährliche Beziehungskisten, die den westl. Verschwörungspraktikern viele Ansatzpunkte bieten. Diese Angriffsflächen sollte Putin “schleifen”.

    • http://www.chartophylakeion.de/blog apxwn

      Ich versuche es mal so. Zu 1.: Beim “Saker” gab es nach dem Terroranschlag im Dezember in Grosny ein paar Striche, die das Bild von der Bedeutung Kadyrows für Russland zeichnen. Daraus:

      “…Wiedergeburt einer alten Tradition aus der Zeit des imperialen Russlands: Einigen Gruppen (Tschetschenen, Kosacken usw.) wurden spezielle Rechte und eine quasi-totale Freiheit gegeben wie sie ihr tägliches Leben organisieren, ohne Eingriffe aus dem Zentrum, im Tausch für eine einfache Sache: Sie sind persönlich verantwortlich für die Sicherheit der russischen Grenze und den Schutz und die Sicherheit des von ihnen kontrollierten Gebietes.” [sic]

      Zu 2. habe ich keinerlei Vermutung. Die Version der Angeklagten ist im Moment der Affront, den sich Nemzow im Zusammenhang mit “Charlie” gegenüber den Muslimen erlaubt hat.

      Zu 3., ausgeschlossen. Nicht, weil Kadyrow nicht “archaisch-patriarchalisch” wäre, sondern weil das viel zu konstruiert ist. Kadyrow hat die Aufgabe, für Ordnung (und, by the way, Wohlstand) im Kaukasus zu sorgen. Dass er dazu fähig ist, hat er oft genug bewiesen. Dazu zählen ja nicht einmal irgendwelche Bauten, Breitensport und Kultur (man möge ihm dazu auf Instagram folgen), sondern auch die Kultivierung des Islam vs. der wahhabitischen Abart und, vor allem anderen, eine Balance zwischen den Clans, die auf Frieden mit Russland hinausläuft und Terror (nachhaltig, also auch als ideologische Option) unmöglich macht. Nemzow ist für diese Aufgabe viel zu weit weg, und, wie gesagt, braucht gerade “Herrchen” dieses Opfer nicht, sondern es schadet ihm.

      Letzteres ist das, was mit Kadyrow in die Brüche gehen würde.

      • Jowi

        Vielen Dank für die schnelle Antwort auf meine zwei Fragen, die dann drei waren! Ich habe hier schon viel gelernt!

        Was der Westen in Geld und Machtzuwachs umzumünzen versucht, ist sein Entwicklungsvorsprung. Besonders schön zu sehen bei der Dämonisierung der russischen Homosexuellen-Politik, heuchlerisch ausblendend, dass die heutige Toleranz im Westen max. wenige Jahrzehnte alt ist und selbst in der BRD längst noch nicht überall angekommen ist, vom EU-Rand ganz zu schweigen.
        Hier bietet “byzantinische” Realpolitik, oder zaristische unserer Propaganda ein willkommenes Futter. Verständnis dafür, dass die Uhren nicht überall gleich ticken, darf vom Westen nicht erwartet werden. Er ist ein Raubtier.

        • http://www.chartophylakeion.de/blog apxwn

          Ein bißchen bezweifele ich ja den “Entwicklungsvorsprung”. Konkret bin ich zum Thema Eliten und Machtstrukturen der Meinung, dass es hierzulande nicht anders ist, als in Russland, Syrien usw., mit der Nuance, dass “unsere” Eliten zunehmend transnational und insgesamt weit mächtiger sind.

    • Ruth

      “Dämonisierung der russischen Homosexuellen-Politik”
      Dazu habe ich heute einen sehr erhellenden Reisebericht nach Moskau gefunden:
      http://logon-echon.com/2015/03/09/moskau-ein-reisebericht/
      Interessieren würde mich noch, woran Sie Ihre Aussage “diesen Bluthund mit seinem mehr als zweifelhaften Ruf” festmachen…Hören-Sagen, dt.Medien, oder gibt es da Fakten dazu?

      • jowi

        Hallo Ruth,
        meinen Kommentar oben schrieb ich auch unter dem Einfluss des Buches “Russland verstehen” von Gabriele Krone-Schmalz, die sich dadurch endgültig zum Ziel des medialen Wölfe-Rudels gemacht hat, gestern soll man sie wohl in der heute-Show lächerlich gemacht haben (will es mir gar nicht anschauen).

        Nur kurz zu der Homosexuellen-Geschichte, über die sich der Westen propagandistisch als Hort der Toleranz und Liberalität darzustellen versucht, mit dem bösen Russland als Gegenpol, das passt voll zu dem Reisebericht, den du verlinkt hast aus ihrem Buch:

        “Das beste Beispiel in diesem Zusammenhang ist der Hype um das Thema Homosexualität. Was für eine Heuchelei! Will denn niemand mehr wissen, dass sexuelle Handlungen zwischen Männern noch bis 1973 in Westdeutschland generell und seitdem für Männer unter 21 Jahren unter Strafe standen? Und das noch aus dem Kaiserreich stammende Homosexuelle diskriminierende Gesetz (§175) erst 1994 endgültig abgeschafft wurde?” (Seite 44, Krone-Schmalz).

        Zum meiner “Bluthund-Aussage”: Natürlich ist mein Bild von Kadyrow eines, das mit westlichen Pinseln gemalt wurde. Ich war nie im Kaukasus, kenne keine Menschen von dort und kann auch keine Primärliteratur lesen, da ich die Sprache nicht verstehe. Mein Bild ist zudem sehr lückenhaft, da man nur selten über diese ferne und abgelegene Region hier Berichte hört. Dass es bei uns hier im Westen Propaganda gibt, darüber brauchen wir nicht diskutieren. Dennoch denke ich im Moment, dass das Bild von einem archaischen skrupellosen Patriarchen nicht völlig falsch ist. Wenn man wenig Fakten hat, muss leider der Bauch mitentscheiden. Und mein Gefühl sagt mir, das ist ein brutaler Mensch. Das kann man freilich auch als Vorurteil bezeichnen. Gerne lasse ich mich mit Fakten gegen diese Vorbehalte behandeln.

        • Ruth

          Hallo Jowi,
          mit Fakten kann ich nicht dienen, da ich Kadyrow noch nicht persönlich begegnet bin. Aus meinen Erfahrungen (auch mit Kaukasiern), die allerdings schon 24-30 Jahre zurückliegen und somit noch aus der Sowjetzeit stammen, würde ich sagen, Kadyrow ist ein “ganz normaler Russen-Macho”, auch wenn er ja eigentlich Tschetschene ist ;-). Will heißen-er ist direkt, machtgeil, bißchen größenwahnsinnig und sehr herzlich. Stehst Du loyal zu ihm, kannst Du alles von ihm haben. Wendest Du Dich gegen ihn, ist die Rübe ab. Wenn das für Dich brutal ist, dann sei es so. Für mich ist hinterfotziges persönliches/berufliches/politisches Mobbing in D-Land sowie sklavenähnliche Arbeitsbedingungen brutaler, auch wenn ich all dies selbst noch nicht erlebt habe und nur aus Erzählungen kenne.

    • Avarec

      Lieber Jowi,

      da du dir “wirklich” Mühe gibst, soll es belohnt werden und dir zu mehr Verständnis verhelfen…

      Also, zunächst ist wichtig zu erkennen, dass wenn du Russland verstehen würdest (bzw. verstanden hättest), du Putin nicht zu verstehen brauchst, denn die Verschwörungspraktiken sind viel älter als die Kiewer Rus und als Putin sowieso…

      Außerdem beziehen sie sich nicht nur (wie die meisten denken) auf nur 2-3 Mittel oder Prioritäten der Einflussnahme auf Massen (Gesellschaften), sondern auf alle und im Allgemeinen gibt es 6 – solange man diese nicht betrachtet, wird man nie etwas bzgl. des (globalen) Gesellschaftsleben wirklich verstehen, egal wie man sich bemühen mag.

      6-Krieg, 5-Genozid, 4-Wirtschaft, 3-Ideologie/Faktologie, 2-Chronologie, 1-Weltanschauung (nur so auf die Schnelle)…

      Die wirklich relevanten Ansatzpunkte für “westl. Verschwörungspraktiker” sind ganz andere bzw. viel gravierendere… sie spielen sich allesamt auf der 1. Priorität ab… das muss man schon sehen, denn die weiteren Mittel/Prioritäten, dienen nur der 1. (wenngleich sie natürlich zumeist im Verbund wirken).

      “Als jemand, der in einem Land aufgewachsen ist, in dem Russland-Verstehen fast schon einem Vaterlandsverrat gleich kommt…” sollte sich dieser Mensch, der seinen Verstand benutzen WILL (Wille ist sehr wichtig, damit ein bewusster Zweck angesterbt werden kann), ganz andere Fragen stellen – zumindest zu Beginn, denn eine Sache endet immer so, wie man sie anfängt!

      Zum Beispiel solche Fragen: Wieso kommt Russland-Verstehen fast einem Vaterlandsverrat gleich? Welche Bedeutung hat dieser Zusammenhang für die globale Zivilisation? Welche Bedeutung hat dieser Zusammenhang für die globale Katastrophe? Was hat verstehen mit verraten zu tun? Durch welches Verständnis wird was verraten?

      Dann wirst du viel schneller zum nötigen Verständnis gelangen und wirst keine illusorischen Versuche brauchen “wollen”… die sich selbst mit einem inkonsistenten “aber” begrenzen, um schließlich “unverrichterter Dinge” jemandem, der mehr versteht (Putin) zu raten, was er tun “sollte”.

      Denn jeder arbeitet im Maß seines Verständnisses des allgemeinen Gangs der Dinge für sich selbst und im Maß seines Unverständnisses für den, der mehr versteht – und außer dem guten Putin oder Kadyrow oder sonstwem in Russland, gibt es auch noch unter den “westl. Verschwörungpraktikern” viele, die mehr verstehen… für wen du arbeitest, ist also von dir abhängig!

      Und weil die Psyche des Menschen (und von jedem anderen Lebewesen) ein informations-algorithmisches System darstellt, ist der bewusste Zweck für einen Menschen unabdingbar. LG

      Avarec

      • jowi

        Lieber Avarec,
        ich bin mir nicht sicher, ob ich alles bei deiner Antwort verstehe.
        Wie schon Ruth geantwortet, bin ich mir meiner intellektuellen Begrenztheit und meiner westlichen Prägung, die immer auch im Sinne einer Manipulation zu verstehen ist, sehr bewusst. Zugegebenermaßen hat die Berichterstattung um MH17 bei mir einen kleinen Schock ausgelöst, denn ich hatte schon die Illusion, dass wir in der BRD (auch) eine (relativ) unabhängige Presse hätten. Dass diese so raffiniert, subtil gelenkt, gesteuert ist, das hätte ich mir nicht träumen lassen, auch wenn ich lerne, dass diese Lenkung der Medien ein “Geschenk” zur Gründung der BRD war, von den westl. Siegermächten. (Aber gut gemacht, das muss man ihnen lassen.)

        “Was hat verstehen mit verraten zu tun?”

        Es geht um Loyalität. Um dazu zu gehören, musst du mit den Wölfen heulen. Und die heulen in Deutschland (wieder) gegen den bösen Russen. Ja, das ist gruselig. Und es ist selten dumm. Denn es ist offenkundig, dass die großen Seemächte, vor allem die USA als Nachfolgerin von GB Deutschland gegen Russland in Stellung bringen will gerade auch um Deutschland zu schwächen. Beim Spiegelfechter wurde ich auf diese sehr aufschlussreiche Pressekonferenz mit dem Chef von Stratfor, George Friedman, hingewiesen, der das selten offen ausspricht:

        Diesen Satz
        “Und weil die Psyche des Menschen (und von jedem anderen Lebewesen) ein
        informations-algorithmisches System darstellt, ist der bewusste Zweck
        für einen Menschen unabdingbar.”

        verstehe ich nicht, hört sich für mich etwas esoterisch an, offen gesagt.

        LG
        JoWi

  • Jones Bones

    Die zwei einfachsten Theorien (“Der Westen/Der Kreml wars”) lässt sich alleine schon wegen der plumpen Umsetzung anzweifeln, außerdem fehlende Motivlage auf beiden Seiten (auch wenn etliche andere Morde im Berezovskyiumfeld ganz klar eine britische Signatur haben).

    Der Westen hat ganz offensichtlich auf eine Instrumentalisierung verzichtet (von der Journaille selbstverständlich abgesehen).
    Ebenso kann es kein Klima des Hasses gewesen sein, denn Nemzov kannte schon fast niemand mehr (Witz: Die Weltpresse kennt momentan nur zwei Themen: 1. Nemzov vorm Kreml brutal ermordet. 2. Wer ist Nemzov?), somit war von vielen möglichen Anschlagszielen er einer der weniger wahrscheinlichen.
    Weitere gebrachte Möglichkeit war, dass er es sich mit der Familie des Models verscherzt hatte, weil die (wenig verwunderlich) nicht besonders begeistert davon waren, dass sich ihre Tochter einen Sugardaddy angelacht hatte. Ebenfalls aus meiner Sicht sehr unwahrscheinlich, dass eine besorgte Familie das mal eben so tut.

    Da das Model mal eben einen Gedächtnisschwund hatte und sich nicht an den Mörder erinnern will, den Mord überlebt hat, obwohl sie den Täter gesehen haben muss, und zu allem Überfluss laut Zeugen aus dem Restaurant sie es war, die auf Chauffeur oder Taxi verzichtete und Nemzov zum Spaziergang überredete, macht sie zwar verdächtig, wird aber von mir erst mal ausgeklammert.

    Bleiben Oligarchen unterschiedlicher Couleur, wo eine mögliche These von Roman schon gebracht wurde.
    Aber weil ich bislang keine Anzeichen für eine politische Instrumentalisierung (weder im Westen, noch in Russland selbst) erkennen kann, ist die Belastung Kadyrovs aus meiner Sicht Notlösung, falls überhaupt geplant.

    Die einfachste These:
    Nemzov hat es sich einfach mit irgendeinem Sponsor/Cooligarchen verscherzt.

    Ratten leben nicht lange.
    Ratten fressen sich gegenseitig.

    Nemzov hat insgesamt ein einfaches Leben gehabt. Er hatte m.W. keine öffentlichen legalen Geschäfte und kein erklärbares Einkommen, aus dem er seinen fetten Lebensstil finanzieren konnte.

    Und hier passt rein, dass die Oligarchie und die tschetschenische und die russische Mafia tief ineinander verwebt sind/waren, dass Auftragsmörder traditionell einen Hintergrund in russischen Sicherheitsdiensten haben, und dass der Ablauf sehr an das Muster erinnert, das die tschetschenische Mafia besonders gefürchtet machte:

    “Wir erledigen dich, egal wo und wann und wie wir dich kriegen können.”

    Welche der Theorien die richtige ist? Sicher ist nur: Für den Westen ist Putin schuld.

    • Jones Bones

      Man möge es mir verzeihen, dass ich das mit der Ehre der Toten mal nicht so genau nehme. Bei Nemzov sehe ich nicht viel von einem Andenken, das man schänden könnte.

    • S. Matt (triangolum)

      …sie kann den Täter nicht gesehen haben da diese vom Kehrwagen aus schoss und mit diesem kam. Alles andere lässt das Video der Überwachungskamera nicht zu. Ich habe dies Anhand des Ablaufplans auf Telepolis dargelegt. Es ist also Anzunehmen das sie den Täter nicht sah und wenn dieser einen Schalldämpfer nahm (auch ohne ist das Geräusch durch das Reinigungsfahrzeug sehr gut erst einmal gedämpft) sah sie den Täter auch nur mit seinem Rücken als dieser schon auf der Flucht war.
      …die ganze Tat lief in ca. 2 Sekunden ab. Auch das belegt das Video. Der Täter kam weder von der Treppe welche zum unteren Zubringer führt noch kam er von hinten über die Brücke gelaufen und es ist nahezu Ausgeschlossen das er neben dem LKW die Brücke hinauf gelaufen kam. Auch kann er nicht von vorne gekommen sein also von der anderen Seite der Brücke. Als Täter bleibst du eher an der Treppe zur Unterführung im Verborgenen aber diese ist noch 10m in Laufrichtung des Opfers (Tatplatz) entfernt gewesen und von da kam 2 Sekunden vorher kein Täter.
      …was bleibt ist das der Täter auf einer sehr recht gut belebten Brücke mitten in der City an der Laterne gewartet hat und damit sich vielen Zeugen aussetzte. Aber, das Video fängt schon 23:10 an und alle Bewegungen sind darauf zu erkennen. Wir sehen wer von wo nach wo läuft und wer wo stehen bleibt. Wir sehen wie der Täter hinter dem LKW hervor kommt, wie er Aussieht (also Schatten und Signatur) und wir sehen auch das an der Tat Laterne keine Bewegungen sind. Also wenn der Täter da mehr als 20 Minuten gestanden haben soll so hat er sich nicht 1m nach da oder da bewegt. Sehr Unwahrscheinlich.
      …zugegeben, das Video ist sehr pixellig aber es lässt die Schlussfolgerung zu das der Täter nur mit dem LKW der Stadtreinigung gekommen ist. Laut einem Video im Netz von einer Parade? der Stadtreinigung muss es sich um ein Kamaz gehandelt haben. Dieser hat kein Trittbrett hinten wie ein Müllfahrzeug. Das Video welches 4 Minuten per Dash kam später beim vorbeifahren gemacht wurde zeigt auch einen Kamaz und keine Tritt Bretter hinten. Es bleibt also entweder die Fahrerhaus Mitnahme, das mitfahren hinter dem Führerhaus oder an der seitlichen Treppe die nach oben auf das Dach des LKWs führt (Kamaz haben eine solche schmale Treppe).
      …das würde auch zwei Fehlschüsse erklären wenn der LKW wackelt und er noch vom LKW aus feuerte. Die Schüsse 1-6 dauern auch ihre Zeit und die Bilder sagen aber ganz klar unter 2 Sekunden für die Tat.
      …23.31:12…Paar läuft normal und nähert sich (im Video) der Tatlaterne,
      …23:31:14…LKW erreicht mit Frontscheibe die Laterne und verdeckt nun das Opfer
      …23:31:16…der Täter kommt bereits hinter dem LKW hervor
      …23:31:17…die Zeugin steht ca. 1m links der Tatlaterne, das Opfer liegt aber 1m rechts der Laterne
      …in den zahlreichen Videos aus der Nacht wie die Polizei das Opfer untersucht ist zu sehen das der Ort wo das Opfer liegt mind 1m wenn nicht 1,5m vor dieser Laterne ist. Wir sehen auch im Überwachungsvideo das Zeuge M. welcher ca. 1 Minute nach der Tat dort ankommt erst einmal kurz rechts der Laterne stehen bleibt um dann zum LKW weiter zu laufen nach ca. 25 Sekunden. Wir sehen später auch andere rechts der Laterne stehen usw. Wir sehen in den Nacht Videos auch wo die Treppe ist zur Unterführung und zwar im Überwachungsvideo an der Laterne weiter links da wo es etwas “hell” ist. Denn dort gehen ca. 12 Minuten vorher Menschen runter. Wir können also sehen wie das aussieht wenn dort Personen an der Treppe sich befinden.
      Von da kommt aber vor der Tat niemand, auch nicht kurz davor.
      …es gibt aber noch zwei Punkte.
      …1: die Zeugin bleibt nach der Tat links der Laterne stehen und ist nicht bei dem noch lebenden Opfer, ihren Freund. Sie geht NICHT zu ihm hin sondern wartet erst einmal 1 Minute um dann zum LKW zu gehen der im übrigen AUCH NICHT zum Opfer geht.
      …auch danach geht sie nicht zu ihrem sterbenden Freund. Der Kehr LKW fährt gar nach ca. 5 Minuten weiter ohne das der Fahrer je beim Opfer Schaute!
      …die Zeugin und Freundin geht erst dann zu ihem Toten Freund als der erste Streifenwagen um ca. 11 Minuten nach der Tat dort ankommt.
      …der zweite Punkt, der Straßen Kegel. In den Videos der Nacht ist der Tatort recht sauber, kaum Blut oder Müll oder anderes. Die stehen da auch alle fleissig auf dem Tatort. Aber exakt da wo das Opfer liegt ist an der Brückenwand ein Kegel. Die frage ist ob das Zufall ist oder von der Polizei als Markierung hingestellt wurde oder das Ding vom Reinungswagen kommt und der Täter das als Tarnung mehr oder weniger in der Hand hatte um nicht aufzufallen wenn er seitlich an diesem “Stand”.

  • palette

    Mein Lieblingsblog! Super Job von dir/euch.
    - ohne Schleimerei, einfach nur das tiefe Bedürfnis, meine Anerkennung auszudrücken.

    Das gilt auch für diesen Beitrag zum Mord an Nemzov.
    Hatte gestern eine Diskussion darüber mit einem Freund, der die Achse Putin – Kadyrov in ähnlicher Weise thematisierte, Kagarlitskiy’s Argumentation folgend
    - http://rabkor.ru/columns/editorial-columns/2015/03/09/without-a-hitch/

    Abgesehen davon, dass Kagarlitskiy Putins baldiges Ende erwartet, schlussfolgert er, dass sich mit der “kaukasischen Version” des Mordes an Nemzov automatisch die Frage nach einem Auftraggeber erübrige – die Täter handelten auf eigene Initiative aus religiösen Motiven heraus.
    - zumindest lässt es sich so darstellen.

    Da bin ich jedoch skeptisch, und will hier mal ein wenig spekulieren – wenn ich darf…

    Euch ist bestimmt der Auftritt von Sergei Markov bei CNN bekannt:
    - https://www.youtube.com/watch?v=y2qnUet9CSU

    Ebenso, wahrscheinlich, die sich widersprechenden Schilderungen dessen, wie es zum Spaziergang über die Brücke kam: Duritskaya sagte ihrer Mutter, sie habe fahren wollen, Nemzov aber laufen – was die Mutter dann bei CNN zum besten gab:
    - https://www.youtube.com/watch?v=p9aNNTAkx_4

    Gäste des Restaurants, wo die beiden zuvor waren, sagten jedoch aus, Duritskaya habe den Spaziergang vorgeschlagen.
    - http://www.stern.de/politik/ausland/2177275.html

    Markov hebt den auffälligen, weißen Mantel Duritskayas hervor. Sichtbarer ist nachts wohl nur eine Warnweste, sie ist somit der perfekte Lockvogel. Außerdem behauptet er, sie habe auch eine Beziehung zu Yuriy Bereza unterhalten, Kommandeur des Bataillons Dnepr-1 (Kolomoiskiy’s) und Mitglied der Rada in Kiev.
    Gegen diesen Bereza wird seit dem 6.12.2014 in RU ermittelt, wegen möglicher Verbindungen zu den Ereignissen in Grozny zwei Tage zuvor.

    Beziehungen zwischen ukrainischen Nationalisten und kaukasischen Islamisten setze ich bei euch mal als bekannt voraus. Möglich ist gar, dass den Attentätern (mal vorausgesetzt, sie waren es) eine eventuelle Verbindung zur UA nicht bewusst war, sondern reichlich Geld und die religiöse Dimension der Charlie-Hebdo-Karrikaturen zu genüge motivierten (wobei ich letzteres eiin wenig an den Haaren herbeigezogen finde, Nemzov hatte die ja nicht gezeichnet oder so was…).

    Zugegeben, eine Verbindung zur UA ist spekulativ, aber wenn Duritskaya irgendwie eng ist mit Yuriy Bereza, dann macht das durchaus Sinn, und kann auch die merkwürdige Rolle des ukrainischen Modells beim Mord an Nemzov erklären:
    - zum Spaziergang überreden, dabei einen weißen Mantel tragen

    Erinnert ihr euch noch an die ursprüngliche Version des Tathergangs? Die Attentäter erschießen Nemzov aus einem vorbeifahrenden, weißen [!] Wagen heraus.
    - https://www.youtube.com/watch?v=5rlAgywH5YU

    Woher kam diese Schilderung? Auf wen geht sie zurück?

    Hier das berühmte Video von der Kamera am Haus vom Sender TV-Z gegenüber
    - https://www.youtube.com/watch?v=jqFdS332BQg
    Um 10:12 des folgenden Tages (28.2.) meldet der Sender diese Aufnahmen über Twitter
    - https://twitter.com/tvcrussia/status/571734597496672256

    Spätestens ab diesem Moment war klar, dass die ursprüngliche Schilderung nicht stimmt: Weder wurde aus einem vorbeifahrenden Auto geschossen, noch war es weiß…
    Ich denke, diese ursprüngliche Version geht auf Duritskaya zurück, und dass sie damit unbewusst ihre Involviertheit preisgegeben hat.

    Es gibt drei Schlüsselzeugen: Anna Duritskaya, Viktor M. (der 80-100m hinter den beiden lief), und Sergei B. (der Fahrer des Räumfahrzeugs).

    Viktor M. schildert den auf dem Video von TV-Z zu sehenden Ablauf
    - http://lifenews.ru/news/150539

    Sergei B. hat den Mord überhaupt nicht mitgekriegt
    - http://lifenews.ru/news/150576

    Bleibt also nur Anna Duritskaya. So, und jetzt wird es richtig spekulativ.

    Vorab: Ich glaube nicht, dass Duritskaya eingeweiht war. Sie ist Opfer der Umstände, ihre Beziehung zu Nemzov wurde schlicht benutzt. Aber ich denke, sie hat “verstanden”, dass man sie benutzt hat, und angesichts dieses Schockerlebnisses aus “psychologischer Not” heraus die wenigen, ihr bekannten Informationen unbewusst preisgegeben.

    Ich schätze mal, ihr wurde nur gesagt:
    “Überrede Boris zu einem Spaziergang und trage einen weißen Mantel.”

    Vielleicht hatte man ihr versprochen, Nemzov eine Abreibung zu verpassen, ihn zusammenzuschlagen, als Rache für die kurz zuvor in der Schweiz erfolgte Abtreibung… Vielleicht ist bei diesem Eingriff gar etwas schief gegangen… Da gibt’s viele mögliche Szenarien.

    Im Schock über das Geschehene betont sie also gegenüber ihrer Mutter, dass es Nemzov war, der zu Fuß gehen wollte (warum sonst erscheint ihr diese Info so wichtig? Die noch dazu im Gegensatz zu anderen Zeugenaussagen steht…), und macht aus dem weißen Mantel einen weißen Wagen, samt hollywood-mäßiger Hinrichtung… Anders kann sie das Geschehen, und ihren Anteil daran, einfach nicht in eine zu verarbeitende Form bringen.

    Um sich nicht weiter zu belasten oder in Gefahr zu bringen, rät man ihr, sich auf eine Schock-Amnesie zu berufen.
    Sollte ich Recht haben, dann war den russischen Ermittlern das zuvor geschilderte klar, sie haben nachgehakt und Duritskaya ist eingeknickt. Darum wohl wollte man sie auch in RU halten, während sie der Meinung war, sie schafft das alleine.

    Sie hat ja nach ihrer Rückkehr in die Ukraine über Drohanrufe geklagt, und ist mittlerweile anscheinend an einem unbekannten Ort abgetaucht.

    Ich könnt mir vorstellen, dass Markov gegenüber CNN offen und klar gesagt hat, was Stand der Ermittlungen ist. Einfach als Statement, ohne diese Erkenntnisse (so es denn welche sind) in einen offiziellen Rang zu heben. Einfach nur, um Bereza und seinen Partnern (eventuell auch Kolomoiskiy) deutlich zu machen, dass man im Bilde ist.

    Zum Abschluss, hier noch ein Bild von der Brücke. Der gelbe Kreis markiert den Tatort, und man sieht sehr gut den nahen Treppenaufgang, welchen der Täter wohl benutzt haben wird.
    - https://twitter.com/VasoKot/status/571782391582351360/photo/1
    Direkt dahinter verläuft auch die Auffahrt zur Brücke. Der Schütze musste nur kurz aussteigen, Treppen hoch und schießen, in der Zeit fährt sein Komplize mit dem Wagen die Auffahrt hoch.

    • palette

      oh! krass! sorry!
      wie kann ich links setzen, ohne dass sie gleich so präsent angezeigt werden, sondern man sie einfach ausgeschrieben sieht?

    • palette

      Noch was, wo ich schon dabei bin, euch zuzutexten…

      Ihr habt wahrscheinlich in den Medien mitgekriegt, dass Nemzov erst kürzlich in einem Interview gesagt haben soll, er habe Angst davor, dass Putin ihn umbringen würde.
      - http://www.bild.de/politik/ausland/moskau/boris-nemzow-tot-39966932.bild.html

      Das geht zurück auf ein von der Autorin zusammengefasstes Interview im Magazin “Sobesednik” vom 10. Februar 2015
      - http://sobesednik.ru/politika/20150210-boris-nemcov-boyus-togo-chto-putin-menya-ubet
      Wie in der URL noch zu erkennen, lautete der ursprüngliche Titel “Борис Немцов: Боюсь того, что Путин меня убьет” (Boris Nemzov: Ich habe Angst davor, dass Putin mich umbringt), welcher nach dem Mord umgeändert wurde in “Мама Бориса Немцова опасалась, что его убьют” (Boris Nemzov’s Mutter fürchtete, dass man ihn umbringen würde).

      In diesem “Interview” berichtet Nemzov von der Angst seiner Mutter, und auf die Frage der Autorin, ob er denn selbst auch Angst davor habe, dass Putin ihn umbringen könnte, antwortet er:
      “Ein wenig, aber nicht so sehr wie meine Mutter. Hätte ich starke Angst, würde ich wohl kaum eine Oppositionspartei anführen und tun, was ich tue.”

      Wie gesagt, dieses “Interview” ist eine von der Autorin zusammengefasst wiedergegebene Fassung des Gesprächs, dass sie in klassisch journalistischer Manier zugespitzt hatte. Vor allem der Titel war ja erkennbar plakativ nach Aufmerksamkeit schreiend gewählt…

      Am Tag nach dem Mord hat man also zum einen den Titel dieses “Interviews” verändert, und zugleich auch das vollständige Interview im Wortlaut veröffentlicht
      - http://sobesednik.ru/politika/20150228-polnoe-intervyu-nemcova-sobesedniku-esli-by-ya-boyalsya-puti

      Schon an der Textstruktur lässt sich der Unterschied zwischen beiden Interviews erkennen, der inhaltlich jetzt nicht überwältigend groß ist. Auch im eigentlichen Gespräch geht es um die Angst seiner Mutter davor, dass Putin ihn umbringen könnte – was Nemzov direkt am Anfang erwähnt, und zwar lachend!

      Und am Ende fragt ihn die Autorin: “Haben Sie denn Angst vor Putin?”
      Nemzov: “Ich… Nicht so sehr.” ["I... am not much afraid." trifft's besser]
      Autorin: “Also, ein wenig schon, ja?”
      Nemzov: “Hören Sie, ich mach Spaß. Wenn ich Angst hätte, dann würde ich wohl kaum eine Oppositionspartei führen und tun, was ich tue.”

      Ein Musterbeispiel der Kunst, das exakte Gegenteil des eigentlich Gemeinten zum Ausdruck zu bringen: Die Autorin hatte schlicht den Scherz nicht aufgelöst…

      Auf jeden Fall gibt es in RU nun die relativ weit verbreitete Befürchtung, dass eben wegen dieses “Interviews” vom 10.2.2015 – oder genauer gesagt, wegen seines Titels – ausgerechnet Nemzov als Opfer auserkoren wurde. Gerade der Autorin wird das wohl sofort klar gewesen sein, in deren Haut will ich jetzt nicht stecken…

      Es kann natürlich nur ein Zufall sein, aber ich halte es für wesentlich wahrscheinlicher, dass diese Befürchtung den Kern der Sache trifft. Und es macht m.E. deutlich, dass dieser Mord bewusst auf die mediale Ausschlachtung dieses “Interviews”, gerade auch im Westen!, spekuliert hat, sie ein Ziel des Attentats war (natürlich nicht das einzige).

      Und da ich nicht glaube, dass die jetzt Verhafteten “Sobesednik” lesen oder sonst wie von diesem “Interview” gehört haben, gehe ich von Hintermännern aus. Welche, das habe ich ja zuvor geschildert.

      Einen schönen Abend noch, und bis die Tage. Freue mich auf Reaktionen.

      • S. Matt (triangolum)

        …siehe bitte oben. Der Täter kann nicht von dieser Treppe aus gekommen sein. Aber siehe oben wo ich den Ablauf schilderte. Danke.

        • palette

          Ja, hab ich gelesen. Hast du eine Version des Videos, das ohne Zeitraffer läuft? Ich kenne nur das zuvor verlinkte:
          - https://www.youtube. com/watch?v=jqFdS332BQg (Leerzeichen vor “com”)

          Dass man auf diesem Video nicht sieht, wie der Täter vom Aufgang kommend auf das Paar zuläuft, heißt nur, dass man es nicht sieht, nicht, dass es nicht passiert sei. Drei Argumente:

          1.) Um 23:30:40 beschleunigt das Video um ein vielfaches (etwa zehnfache Beschleunigung) und zeigt erst ab 23:31:14 das Geschehen wieder in Normalgeschwindigkeit. Für die zehn Schritte vom Aufgang bis zum Tatort braucht der Täter keine 5 Sekunden – das macht bei dieser grobkörnigen, beschleunigten Aufnahme knapp eine halbe Sekunde, in welcher dieser schemenhafte, selbst bei Normalgeschwinigkeit kaum zu erkennende Schatten die zehn Meter zurücklegt.

          2.) Da es möglichst schnell gehen soll, bleibt der Täter nahe am Außengeländer und wird so von dieser weiß-blau-roten Girlande (die noch dazu leuchtet!) zwischen den Laternen verdeckt. Du könntest wohl bestenfalls seine Schuhe sehen.

          3.) Der Treppenaufgang liegt ziemlich genau mittig zwischen der Laterne, wo das Räumfahrzeug um 23:31:14 steht (Tatort) und der Laterne links davon. Wir reden hier also von einem Bildausschnitt von gut zwei Zentimetern Breite, wenn man das Video im Vollbild betrachtet.

          Mag sein, dass du Recht hast, und der Täter das Räumfahrzeug nutzte. Vielleicht war Sergei B. ja sogar Komplize (nicht vergessen: auch beim Mord an Total-Chef de Margerie im Oktober war ein Räumfahrzeug beteiligt). Möglich ist auch, dass Nemzov gar nicht tot ist, sondern er die Person ist, die da ins Auto steigt, und seine Leiche nur ne Puppe…
          Derzeit kann man nur spekulieren, was genau wie geschah und warum. Ich beanspruche auch gar nicht, dass ich Recht habe, sondern versuche nur, meinen Glauben so logisch wie möglich herzuleiten.

          Und ich glaube weiterhin: Der Täter kam vom Aufgang, lief am Paar vorbei, drehte sich um, schoss und floh. (Duritskaya wird ihn kurz gesehen haben und vielleicht als “kaukasisch” beschrieben – was gewisse Kreise jetzt versuchen, gegen Kadyrov zu nutzen…)
          Dass der Täter zweimal daneben schoss, und Munition verschiedener Quellen nutzte, spricht eher für einen Amateur als dafür, dass jemand an einem rumpelnden Räumfahrzeug in voller Fahrt surfend versuchte, Nemzov zu erledigen. Es spricht übrigens auch gegen Dadaev als Täter.

          Für die Russischsprachigen hier noch was lesenswertes: Interview mit dem ehemaligen Auftragsmörder Aleksey Sherstobitov
          - http://www.gazeta.ru/social/2015/03/06/6445573.shtml

        • S. Matt (triangolum)

          …in den Videos aus der Nacht und am Tag danach siehst du das die Kameras, also die Leute die da hin sind um 1 Uhr oder früher, an der Laterne (im Überwachungsvideo) weiter links stehen müssen da dort ein Gitter zur Absperrung steht. Dieses Gitter steht exakt an der Treppe. Diese Treppe ist ca. 10 oder 12 m vom Tatort entfernt.
          …wir wissen aber das der Täter im Pixel Video gut sichtbar ist ab dem ersten Moment als er hinter dem LKW hervor kommt und er rennt. Es rennt aber keiner 5 oder 6 Sekunden zuvor von links der Laterne. Es kommt niemand diese 1ß bis 12m von der Treppe. Egal wie Pixellieg es auch ist, da bewegt sich nicht und das Video ist lässt diesen Rückschluss zu 99% zu. Da kommt niemand.
          …es macht auch wenig Sinn das er von der Treppe aus kommt… denn: Wenn ich der Mörder wäre und an der weit aus besseren Stelle warte, an der Treppe ca. 3 Stufen tiefer lasse ich beide passieren, gehe dann schnell die Treppe hoch, passiere die beiden seitlich, schieße und gehe zur Fahrbahn weiter. Beide bekommen nix mit ausser das einer Tod umfällt.
          …aber, von der Treppe kommen, im schnellen Tempo, dann beide passieren, dann sich drehen, dann 6x feuern, dann wieder drehen und ab zum Auto macht keinen Sinn. Das ist Unlogisch.
          …er kann auch nicht an der Laterne stehen. Das selbe Spiel. Er müpsste dort nahe dem Kreml sich mehr als 20.Minuten aufhalten. Viele Zeugen sehen ihn, den vorher ist auf dem Video keine Bewegung an der Laterne zu sehen und der Platz lässt es nicht zu das er sich bewegen kann. Zumal auch dann er von der Laterne kommend beide von vorne passieren müsste und zwar auf Seite der Frau, dann drehen, dann feuern 6x dann wieder drehen um dann zu flüchten.
          …die Zeit von ca. 2 Sekunden reicht für beides nicht aus.
          …er kann nur vom LKW her kommen. Es ist anders nicht möglich oder Sinnvoll.

    • palette

      Hmm… Jetzt noch mal das Video mehrmals betrachtet. Mir scheint, der Wagen kam nicht die Auffahrt zur Brücke hoch, sondern rechts von der Varvarka, bzw. vom Parkplatz nordöstlich der Brücke.
      Und mein Argument mit den Girlanden hat sich erledigt: Bei 1:32 gehen ja min. zwei personen den Aufgang runter, der Winkel der Kamera ist nicht so steil, wie ich annahm.

  • S. Matt (triangolum)

    …wer hat denn hier geklaut? Die Tagesthemen? Alleine der Tenor und die Stoßrichtung sind Auffallend zu deiner Vermutung passend.

  • urkeramik

    Komsomolskaja Pravda hat einen Artikel mit einem stimmig scheinenden Plot:
    http://pda.kp.ru/daily/26353/3235799/
    hier englisch:
    http://fortruss.blogspot.ca/2015/03/nemtsovs-killer-was-hired-by-commander.html

  • Ruth

    Der Doku-Film “Lauffeuer” zum Massaker in Odessa und Hintergründen ist online.

    Zu einigen Aussagen im Fiöm von Kai Ehlers habe ich allerdings eine andere Meinung. Selbstverständlich ist die jetzige Kiewer Regierung nationalistisch mit faschistischen Tendenzen. Und seine Aussage, daß die UA faktisch eine Kolonie zu Sowjetzeiten gewesen sei u.er damit den Nationalismus erklärt, kann ich auch nicht unterschreiben. Da kennt er wohl die Geschichte der UA schlecht, insbesondere die Kollaboration großer Teile der Westukraine mit den dt.Faschisten.
    Bei den Kommentaren berichtete Jemand, daß der ermittelnde Staatsanwalt in Odessa heute angeblich Selbstmord begangen habe. Allerdings weisen Verletzungen an ihm und ein Telefonat bzgl. Ruhestörung aus der Nachbarschaft eher darauf hin, daß da nachgeholfen wurde. In den Medien habe ich bisher noch nichts dazu gefunden.