Curveball

Kleiner TV-Tipp: morgen, 9. Juni 2015, 22.45 Uhr auf ARD –„Krieg der Lügen“

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[Film in der ARD-Mediathek]

Synopsis

„Die Quelle ist ein Augenzeuge. Ein irakischer Chemieingenieur, der eine dieser Anlagen betreute. Er war tatsächlich anwesend, als biologische Kampfstoffe hergestellt wurden.“ (US-Außenminister Colin Powell vor der UN-Vollversammlung am 05. Februar 2003 mit der Begründung für „Operation Iraqi Freedom“)

Heute wissen wir: Der Krieg basiert auf einer Lüge. Der Lüge von der Existenz mobiler Massenvernichtungswaffen im Irak. Der Mann, von dem Colin Powell spricht, lebt heute in Deutschland. Er heißt Rafed Ahmed Alwan, auch bekannt als “Curveball”. Seine Informationen über mobile Massenvernichtungswaffen gingen über den Tisch von BND, MI6 und CIA, schafften es in eben diese berühmte Rede von Colin Powell und machten den irakischen Flüchtling über Nacht zum Kronzeugen des Zweiten Golfkrieges.

2007 wurde Aljanabi von amerikanischen Journalisten enttarnt und in der Presse als der Mann dargestellt, der die Schuld am Irakkrieg trägt. Er hingegen nimmt stolz für sich in Anspruch, bei der Beseitigung Saddam Husseins geholfen zu haben.

„Die Wahrheit ist dieser Film. Alles andere ist falsch. Selbst, wenn es meine eigenen Aussagen waren.“ (Rafed Ahmed Alwan)

1999 kommt Aljanabi über Umwege nach Deutschland. Im Asyl-Auffanglanger Zirndorf wird man auf ihn aufmerksam – er scheint Informationen über bisher unbekannte chemische, möglicherweise militärische Projekte zu haben. Unter der Vorgabe zu den UN-Waffeninspekteuren zu gehören, führen Mitarbeiter des BND Gespräche mit Alwan. Sie erhoffen sich von ihm, wonach sie selbst seit langem vergeblich suchen: Beweise dafür, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besitzt.

Alwan versteht das Spiel: Je mehr Informationen er ihnen liefert, desto mehr springt für ihn selbst heraus: Geld, eine eigene Wohnung, schließlich der deutsche Pass. Bei diesem Spiel um Lüge und Wahrheit begeben sich Geheimdienste und Alwan in eine heikle Abhängigkeit voneinander – ohne damals zu wissen, dass es dabei keinen Gewinner geben kann. Als der BND Alwans ehemaligen Chef Dr. Basil Saati kontaktiert um Alwans Informationen zu überprüfen, endet die Zusammenarbeit. Saati widerlegt seine Aussagen und Alwan fühlt sich vom BND hintergangen.

Nach dem 11. September erinnern sich die Amerikaner an Alwan und seine Informationen. Verifiziert oder nicht – sie brauchen einen Grund um in den Irak einmarschieren zu können. Die Gespräche werden wieder aufgenommen, Alwan bestätigt seine damaligen Aussagen und findet sich schließlich in Colin Powells Rede wieder.

Alwans Geschichte offenbart die Mechanismen von Politik und Geheimdiensten. Doch genauso wie er Mittel zum Zweck war, ist und war Alwan eine kontroverse Person, die kaum zu greifen ist. “Krieg der Lügen” ist das Porträt eines kleines Mannes, der scheinbar am Rad der Geschichte gedreht hat, ohne dabei die Konsequenzen seiner Lüge absehen zu können. Kein Polit-Thriller also, sondern eine Reise in die menschliche Psyche.

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  • Jimi

    “ aus meiner sichtweise gibts keine änderung ausser mit krieg “ seine eigene aussage, wohlgemerkt was ein krieg mit amerikanische waffen an seinem land anrichten wird…… er war sich also wohl bewusst was er macht und das millionen menschen sterben und vertrieben wurden wegen dem krieg nur um einen mann zu beseitigen.
    die konsequenzen sind eine destabilisierung des gesamten nahen osten, ein soveränes land ins steinalter zu bombadieren, milionen von menschen die durch dieses krieg oder durch die resultate danach gestorben oder vertrieben wurden, ein zerteiltes land, terrorismus in höchsten maase wurde dort gezüchtet.
    hoch verrat an das eigene land nenne ich sowas

  • Achillus

    Erinnert mich an ‚Caesar‘ welcher angeblich Syrische gefolterte Menschen fotografierte und der Deutschen Presse dargelegt hat.

  • Andreas Hirsch

    Die Süddeutsche Zeitung zerreißt die Sendung. Scheint also interessant zu sein.
    http://www.sueddeutsche.de/medien/massenvernichtungswaffen-der-schwindler-darf-jetzt-opfer-sein-1.2510757

  • Klaus Weiß

    Ich weiß nicht, warum dieser Unsinn noch verbreitet wird. Curveball wurde den Amerikanern mit dem Verdacht gemeldet, er sei ein Spinner. Daraufhin ließ Tyler Drumheller, der CIA-Chef für Europa, die Mobile-Biowaffenlabors-Passage aus der Powell-Rede streichen. Am nächsten Morgen stand sie wieder drin, sehr zum Entsetzen von CIA und BND.

    Heute wird verbreitet, daß der BND die Schuld trage, auf einen Spinner hereingefallen zu sein. Wer soll mit dieser revisionistischen Lesart geschützt werden?

    • Andreas Hirsch

      Im Film ging es um den Typen hinter Curveball, nicht um die Ereignisse. Dass er intensiven und langwährenden Kontakt zu mehreren Geheimdiensten hatte und seine „Informationen“ von ihnen zur Hebelung politischer Entscheidungen genutzt wurden, steht außer Frage. Der Mann ist durch und durch ein Schwindler, und das muss jedem Geheimdienstler lange, sehr lange, vor der Powell-Rede klar gewesen sein. Wieso wurde der Typ überhaupt so ernst genommen? Wem nutzte das? Insofern dient und diente die Info von der (angeblichen) Streichung der Biowaffenlabor-Passage aus Powells Rede wohl eher der Reinwaschung der Dienste.