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Saakaschwili in Odessa (Die Große Oligarchische, Teil 2)

Es scheint eigenartig: die Ukrainer verdingen sich in Russland und der EU als Straßenkehrer, Bauarbeiter und Prostituierte, während Amerikaner, Letten und Georgier in der Ukraine als Minister und Gouverneure fungieren. Ach ja, nicht zu vergessen: Klitschko als Bürgermeister der Hauptstadt. Wundersam, wie sehr sich das maidanisierte Volk unentwegt ins Gesicht spucken lässt.

porosch-mischaWas den Georgier Saakaschwili auf dem Posten des Gouverneurs der Oblast Odessa angeht, so ist seine Einsetzung am ehesten mit der innerukrainischen Fehde zwischen den verschiedenen Oligarchen zu erklären. Hier wieder: Poroschenko versus Kolomojski. Die Ablösung des vormaligen Gouverneurs Palitsa – einer Kreatur Kolomojskis – durch eine von Poroschenko kontrollierbare Personalie (Saakaschwili und Poroschenko studierten zusammen in Kiew) hatte sich aber auch aufgedrängt, nachdem Kolomojski Ende Mai wieder versuchte zu demonstrieren, in wessen Hand sich der Erdöltransit und die Erdölindustrie der Ukraine zu befinden haben. Damit gab er seinen Gegnern aus dem Lager Poroschenko die Vorlage, und nun ist Palitsa weg. Odessa ist eines der wichtigsten Aktiva Kolomojskis, und da er nun die Kontrolle über die Verwaltung verloren hat, sind seine Positionen in der Region demnach deutlich geschwächt. (Heute brennt nahe Kiew übrigens ein Erdöllager in einem unbeschreiblichen Inferno. Da man den Brand auf ganz und gar ukrainische Art mit Wasser zu löschen versuchte, ist der Zwischenstand kläglich: brennende Feuerlöschwagen, bis zu einem halben Dutzend Tote.)

Kiew am heutigen Morgen zwischen 8.30 und 8.40 Uhr

Eine der ersten Ankündigungen Saakaschwilis in Odessa war denn auch der „Kampf gegen die Korruption und mafiöse Strukturen“, die im Zusammenhang mit dem Schwarzmeerhafen der Stadt stehen. Vom Fleck weg tritt er mit einer Initiative auf, den Hafen und dessen Betrieb an „ausländische Investoren“ zu überantworten.

Dieser Hafen ist für die Ukraine nach dem Wegfall der Krim und der schwierigen Lage in Mariupol (dort: Achmetow) eine Lebensader, an der sich ganz selbstverständlich viel verdienen und noch mehr kontrollieren lässt. Die Kontrolle über diesen Hafen bedeutet Kontrolle über weite Teile des Ex- und Imports des Landes, worum auch das Gerangel der ukrainischen Oligarchen in Fahrt gerät. Unter den Umständen eines sich abzeichnenden wirtschaftlichen Kollaps des Landes sind solche Devisen bringende Aktiva der Hauptpreis der feudalen Auseinandersetzung.

Abgesehen vom Hafen schreitet Saakaschwili auch im Übrigen ungestüm zur Tat: er wechselt den Chef der regionalen Polizeibehörde aus. Und zwar mit einem Georgier namens Gia Lordkinadidse. Der war in Georgien unter Saakaschwili Vize-Innenminister. Das tut auch nicht Wunder, denn will Poroschenko Odessa vom Einfluss Kolomojskis entkernen, so sind die Gewaltorgane natürlich essentiell.

In Georgien hat Saakaschwili seinerzeit die Korruption bekämpft, indem er sie unter das Monopol des Staates stellen ließ, an dessen Spitze er stand. In Odessa soll es wohl ähnlich laufen: Poroschenko braucht Saakaschwili, um Kolomojski und seine Strukturen zu bekämpfen. Dabei wird er sich sagen, dass Fremdlinge, welche Saakaschwili und seine Mannschaft natürlich bleiben, nicht auf Dauer werden Fuß fassen können. Die Oblast wird ihnen zeitweilig zum Verzehr überantwortet, und man kann sie nach getaner Arbeit vergleichsweise einfach wieder ausbooten; die Region ist dann von allen Konkurrenten bereinigt, so dass Poroschenko nur noch sein Banner einzupflanzen braucht.

Entschieden ist noch nichts, denn die Ukraine ist nicht mit Georgien gleichzusetzen, und Odessa ist schon immer ein Sonderfall gewesen. Es ist nicht abzusehen, welches Prinzip hier Oberhand behält – der georgische Geiz oder die jüdische Verschlagenheit. Niemand wird dieses fast schon letzte ukrainische Filetstück so widerstandslos fahren lassen.

Krawatten mit der Aufschrift "Für Mischa": am Tag der Amtseinführung Saakaschwilis garnieren Odessiten ihre Stadt mit Anspielungen auf Saakaschwilis Vorlieben bei Mahlzeiten vor laufender Kamera

Krawatten mit der Aufschrift „Für Mischa“: am Tag der Amtseinführung Saakaschwilis garnieren Odessiten ihre Stadt mit Anspielungen auf Saakaschwilis Vorlieben bei Mahlzeiten vor laufender Kamera

Kolomojskis Widerstand ist momentan noch nur medial: er prophezeit, dass Saakaschwili Odessa, wie einst Südossetien, „den Russen“ überantworten wird, und eine aktuelle Reportage, die über den ukrainischen Sender „1+1“ (der selbstverständlich Kolomojski gehört) ausgestrahlt wurde, versucht, den Ruf Saakaschwilis auf alle möglichen Arten zu schädigen, indem noch einmal seine Verbrechen in Georgien, sein Status als gesuchter Krimineller und generell als „typischer Diktator mit guten Manieren“ ins Gedächtnis gerufen werden.

PS. Die beabsichtige Eskalation um Transnistrien mag aufgrund der glorreichen Erfahrung Saakaschwilis mit Südossetien ebenso in den Verdacht geraten, ein Grund für seine Einsetzung in Odessa zu sein, ist aber, offen gestanden, noch etwas zu weithergeholt. Als Gouverneur hat man, selbst, wenn man enormes Vertrauen genießt, sicher kein Kommando über die Armee wohl kaum über militärische Stoßrichtungen des Landes.

PPS zu einem Nebenthema, nämlich der aktuellen Lage um den Brand der Erdölreservoire in Kiew:

wasiljewski

wasiljewski2 Die Fotos sind von Facebookminister Arsen Awakow höchstselbst: „Die Lage ist unter Kontrolle, keine toxischen Absonderungen, niemand muss evakuiert werden, alles schick“ (Stand 17.30 Uhr Ortszeit, Quelle)

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  • Petrovski

    Hallo Roman, bzgl. Transnistrien – ich war im Februar auf einer Veranstaltung mit jW-Redakteur R. Lauterbach. Dort hieß es, die Region lebe vor allem vom Schmuggel und diene als Geldwäscheort für russ. Geschäftemacher. Was kannst du dazu sagen?
    Und aus Moldawien heißt es, dort sei ein angepeilter pro-westlicher Umschwung nach den Wahlen eher ziemlich gegenteilig ausgefallen. Das verschweigt fortruss z.B. gern, wenn um irgendwelche Szenarien geht.

    • Ich kann dazu nichts konkretes sagen, weil ich nichts konkretes weiß, nur Hörensagen; aber es klingt glaubwürdig. Im Donbass läuft es derzeit nicht anders. In Tschetschenien lief es in den 1990ern genau so. Von Abchasien weiß ich es auch. Ist keine Eigenheit von *russischen* Geschäftemachern, sondern von Krisengebieten überhaupt, die für solche Machenschaften von „Geschäftsleuten“ prädestiniert sind.

      Fortruss habe ich nicht mit Absicht verlinkt, ich suchte nur nach der entsprechenden Information in lateinischen Buchstaben und fand eben das.