Elektromaidan

Die derzeitigen Unruhen (noch kann man sagen: Proteste) in Armenien haben eine recht banale Ursache: es geht um Proteste gegen eine Erhöhung der Tarife für Elektroenergie; vor erst relativ kurzer Zeit wurden sie fast verdoppelt, derzeit steht eine nochmalige Erhöhung um 17 Prozent an. Der Staat begründet das mit einem schlichten Defizit. Zwar ist Armenien Stromexporteur – erst im vergangenen Jahr wurde rund 1 Gigawatt Strom im Austausch für Erdgas an den Iran geliefert, aber das lässt sich auch nicht ändern, denn Erdgas gibt es in Armenien nicht.

Die erst rein sozial gestarteten Proteste bekamen allerdings sehr schnell eine politische Note, denn der armenische Netzwerkmonopolist ENA gehört zur Inter RAO UES, und die wiederum zu einem großen Teil zu Rosneft. Vollkommen logisch, dass die Opposition im Verlauf der Proteste ganz analoge Losungen postuliert wie einst die Zombies vom Kiewer Euromaidan – Russen selbstverständlich an den sprichwörtlichen Galgen, armenische Elektrizität den Armeniern und Moskaus Strohmänner zur Stromerzeugung verheizen und so weiter.

Mal ganz ungeachtet dessen, dass Proteste gegen die nochmalige Tariferhöhung gerechtfertigt scheinen, kann es schlimm enden, wenn man den sozialen Forderungen eine politische Note beimischt. Ein auf welche Weise auch immer erzwungener Regierungsrücktritt oder Staatsstreich in Jerewan kann den gedemütigten, aber sehr starken Nachbarn Aserbaidschan leicht dazu provozieren, das Problem mit Berg-Karabach zu klären. Gesellschaftlich ist dort alles dazu bereit: in keinem Auftritt eines Aserbaidschaners fehlt die Bemerkung über die „20 Prozent okkupiertes aserbaidschanisches Staatsgebiet“, ganz wie bei Cato und Karthago. Die Militärmacht der Aserbaidschaner steht dem in nichts nach. Grenzscharmützel gibt es immer wieder.

Die armenische Opposition hat dabei allem Anschein nach genauso wenig Hirn wie die ukrainische zu Zeiten des dortigen Maidan – viel weiter als bis zum morgigen Tag sieht sie nicht. Die begeisterten Antlitze der Jugend in Jerewan erinnern an die ebenso (oft mit Captagon) durchgeistigten Kiewer Euromaidan-Protestler von vor anderthalb Jahren:

electricyerevan_acivists

electricyerevan_activists3

Wie genau es aber funktionieren soll, dass Armenien bei seinem chronischen Ressourcenmangel und seinen überaus feindlich gesinnten Nachbarn mehr Kilowatt in die Kabel schickt, darüber macht sich die Opposition klassischerweise kein Kopfzerbrechen. Es geht also um nichts anderes als um einen Anlass, den man schon bald vergessen wird, wenn der Stein einmal ins Rollen gekommen ist.

electricyerevanSelbstverständlich hat sich die Botschaft der einzigen Demokratie der Welt bereits geäußert und gießt traditionell Öl ins Feuer: die Anwendung von Gewalt gegen Demonstranten sei besorgniserregend. Noch gestaltet sich das vergleichsweise ausgewogen, aber so begann es überall. Ein griffiges Twitter-Hashtag gibt es auch schon: #ElectricYerevan; dazu (die Technologen essen ihr Brot ja nicht umsonst) ein leicht zu merkendes (und an die Wände zu schmierendes) Identifikationssymbol. Damit begeben sich die jungen Jerewaner Demonstranten auf eine Gratwanderung in Richtung ukrainischer Zustände, an deren Ende es nicht mehr so sehr um einen Mangel an Strom, als vielmehr um einen Mangel an Kiefernholzmöbeln geht.

Bezüglich Russland sei angemerkt, dass im Falle einer Eskalation dieses armenischen „Elektromaidan“ nur noch wenige Dinge aus der Palette der Probleme fehlen, welche die „zivilisierte Welt“ nach der Sezession der Krim an der russischen Peripherie und im Innern des Landes hochzudrehen ansetzte: der IS in Zentralasien (aber auch da gibt es in Tadschikistan bereits Ansätze zu erkennen) und separatistische Bestrebungen ostwärts des Ural. Im Innern ist auf dem Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum offenbar der Startschuß für das Gerangel der Eliten (und das Absägen Putins) gefallen, als ex-Finanzminister Kudrin laut über vorgezogene Präsidentschaftswahlen nachdachte.

PS. Der ukrainische Facebookminister Arsenij Awakow, selbst ethnischer Armenier, fühlt sich berufen, den Protestlern in Jerewan vom „gestählten Willen zur Freiheit“ zu berichten, den man sich bei den Kiewer Putschisten abgucken könne.

PPS. Fast schon ulkig: @ElectroMaidan bei Twitter. Der erste Tweet dort ist ca. eine halbe Stunde älter als dieser Blogeintrag. Falls jemand die Frühphase der ukrainischen Katastrophe verpasst hat, der hat jetzt eine gute Chance, sich eine solche Entwicklung anzusehen. Es ist natürlich ungewiß, ob Sargsyan Lust auf das Schicksal Janukowitschs hat; die bisherigen Wasserwerfer können jedoch nicht die Antwort sein, falls nicht.

Tags:,

Trackback von deiner Website.

  • Spion Stirlitz

    Riecht doch wieder nach dem selben Rezept der Farbenpalette mit Otpor-Geruch. Wie immer, nichts neues also. Aber Russland ist wohl nicht in der Lage gegen diese einfache und redundante Strategie irgendeine funktionierende Gegenstrategie zu entwickeln. Der FSB/SWR scheint da jedesmal auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Das scheint ein Grunddilemma der russischen Mentalität zu sein. Offenbar können Russen nicht in diese Denksphären der Angelsachsen vordringen und verschlagen denken. Nach der Ukraine ist jetzt wieder der Kaukasus dran und dann die Turkrepubliken…bis dann auch Russland mit Farben und Hashtags seinen Maidan erlebt. Nichts neues, es zeichnet sich schon ab. Alles Kalkül Putins wird nicht aufgehen. Die Ukraine bleibt unter US-Kontrolle, die NATO militarisiert seinen Ost-Grenze mit US-Gerätschaft, Griechenland geht nicht pleite, der Dollar steigt im „Wert“, …
    Btw: Den Armeniern scheint es offenbar wieder zu gut zu gehen, denn was der EU-Maidan der Ukraine gebracht hat kann man sogar in Armenien via Internet und Sat-TV bewundern. Und Armenien bringt im Vergleich zur Ukraine bedeutend weniger auf die Wage, militärisch würden die komplett untergehen in einer muslimisch feindlichen Umgebung. Russland ist der einzige natürliche Verbündete, aber bitte, wer sich nach syrisch-libyisch-ukainischen Verhältnissen sehnt, der wird sie auch bekommen. Und da wird dann meine Sympathie sehr begrenzt sein mit Armenien. Wer zu blöd ist wird halt von der Evolution ausgemendelt. Darwins Gesetz.

    • „Der FSB/SWR scheint da jedesmal auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.“

      Man muss ehrlicherweise damit anfangen, dass solche Aktivitäten nur dort zur Entfaltung gelangen können, wo es „Bruchlinien“ (soziale, wirtschaftliche, ethnische, konfessionelle Probleme) gibt. Die vorbereitende Wühlarbeit zielt immer auf eine Vertiefung solcher Probleme, und es ist Aufgabe des Staates und (pathetischer) der Gesellschaft oder Nation, an deren Beseitigung zu arbeiten. Insofern wäre es unbegreiflich oder unverzeihlich, dass die Ereignisse irgendwem „auf falschem Fuß“ erwischen.

      Kommt es aber einmal soweit wie jetzt in Armenien, so ist selbstverständlich die Staatsmacht gefordert und darf, wie ich meine, sich keinerlei Blöße leisten – zuallererst gilt es, auf die „Besorgnis“ der Amerikaner zu pfeifen und sie am besten gar nicht wahrzunehmen, denn diese Drohkulisse ist es ja, die auf eine Entwaffnung der Staatsgewalt abzielt. Das heißt nicht so sehr, dass es gilt, diese Proteste niederzuknüppeln und die Rädelsführer unschädlich zu machen, als vielmehr die „administrativen Ressourcen“ zu gebrauchen, die Ereignisse als das darzustellen, was sie sind und ***die Menschen zu mobilisieren***. In der Ukraine gab es das verhalten und ansatzweise, als die „Partei der Regionen“ diverse „Antimaidans“ organisierte, die aber auf die Gegenden ihrer traditionellen Wählerschaft beschränkt blieben. Solche Aktionen sind auf Parteienebene aber deutlich zu niedrig angesiedelt, das muss landesweit gehen.

      Denksphären hin oder her, es ist vermutlich wesentlich schwieriger, die „normalen Menschen“ zu mobilisieren.

      • Spion Stirlitz

        Vollkommen richtig apxwn, die Amerikaner können Ihre Farben-Nummer nur deshalb immer wieder erfolgreich abziehen, weil Konflikte innerhalb der Gesellschaften existieren die als Katalysator für diese Methode genutzt werden können. Der entscheidende Punkt hierbei ist aber: Eine konfliktfreie Gesellschaft gibt es nirgends auf der Welt – wieso gelingt ähnliche Subversion bei den Amerikanern nicht? Widersprüche gibt es dort mehr als sonst irgendwo auf der Welt. Außer ein wenig lokalem Tumult (z.B. Ferguson ) passiert da nichts – und das bei hunderten Toten durch Polizeigewalt jedes Jahr. Natürlich hat das sehr stark auch mit dem Grad an Verblödung in den USA zu tun, die schlicht die Menschen zu Konsum-Zombies erzogen hat. Aber das allein reicht doch nichtals Erklärung.
        Übrigens wäre es eine schöne Antwort an die Moralhüter in Washington und Berlin die Videos von Polizeieinsätzen bei S21, hinterrücks feigen Erschießungen in den USA durch die Polizei vorzuspielen, wenn mal wieder von der „Besorgnis“ gegen die Polizeigewalt auf dem Maidan und wonaders heuchlerisch geschwafelt wird – „Wer auf sein Volk schießt verliert jede Legitimation“ – Fr. Merkel, …aha, während in den USA auf „Plünderer und Randalierer“ durch die Nationalgarde auch scharf geschossen werden darf!
        Ziviler Ungehorsam beim ungeliebten Nachbarn ist immer positiv und zeugt von demokratischer Kultur, im eigenen Hause ist selbiger ein Grund für Antiterrormaßnahmen. Bigotterie in Reinstform.

        • jowi

          Gute Argumente von euch. Es ist jedenfalls ein gnadenloses Spiel und der Westen agiert, mit dem Ziel der Weltherrschaft und Russland reagiert. Nicht zuletzt auf Grund seiner Geschichte, hinkt es auf einigen Gebieten etwas hinter her.

          Da das Fressen vor der Moral kommt, sollte man auch nicht vergessen, dass es der Westen immer noch schafft, die Menschen mit materieller Erfüllung zu locken, auch wenn die Träume für viele nicht wahr werden.

          Noch eine andere Frage an die Russland-Kenner, die mich bewegt, seit ich den neuen Artikel bei German Foreign Affairs gelesen habe: http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59142

          Kann jemand diesen Wladislaw Inosemzew einordnen? Ein russischer Ökonom, der Mitglied in Medvedevs Wirtschaftsrat war (economic advisory council) und der angeblich fordert, „Russland wird nur ein ’normales‘ Land werden, wenn seine Gesetze von außen installiert werden“ – im Kolonialstil.
          Ziemlich krass, ein Russe der den Westen auffordert, den zweiten Kalt Krieg mit allen wirtschaftlichen Mitteln zu gewinnen.
          Siehe auch https://dgap.org/en/think-tank/experts/618

        • arax

          Diesen Drecksack würde ich ungesehen an die Wand stellen lassen.
          Zur Frage von Spion Stirlitz warum das in Amerika nicht gelingt,den Amis
          wird noch bevor sie laufen können das Patriot sein eingebläut und das Bildungssystem und die Medien tun das übrige. Desweiteren gibt es von Seiten Russlands kaum Ansätze oder Unterstützung in Form von NGO die solche Gruppen aufbauen und unterstützen würde. Man müsste hier viel mehr tun und es im großen Stil betreiben. Dazu ist Russland aber wahrscheinlich nicht bereit man unterschätzt die Bedeutung.Man hat im Bezug auf Medien gegenüber den Westen ein wenig aufgeholt das wars dann aber auch schon wieder.

        • S. Matt (triangolum)

          In Team Medwedew sagt doch alles. Flügel der westlich orientierten. Also denen welche Russland so schön ausplünderten zu Jelzin Zeiten.

          Wie steht es mit NGOs in dem Kaukasus Land?

          Ist der Iran in der Lage diese Energie kurzweilig zu subventionieren?

          Ähnliche Pakete gab es vor dem Kiew Putsch ja auch nur müsste das jetzt viel schneller gehen mit dem zurück fahren der Erhöhungen.

          Sie auch 17.Juni damals in der DDR. Auslöser ist immer etwas „kleines“ es kann sich auch ohne viel CIA schnell verselbstständigen.

        • Mir war Inosemzew nur zweimal aufgefallen – das erste Mal im Dezember 2012, als er in Russland darum warb, die Unterstützung für Syrien aufzugeben. Das zweite Mal Ende März 2014, als er daselbst vorrechnete, wieviele Quantilliarden US-Dollar an Investitionen wegen der „Annexion der Krim“ aus Russland abgezogen würden.

          Eine ganz normale ultraliberale Position – alles steht zum Verkauf, und das ganze Leben ist eine Abfolge von Transaktionen, von denen jede einen gewissen Gewinn abwerfen muss.

        • jowi

          Vielen Dank für die Antworten! Das Vaterland zu verkaufen, auch eine Geschäftsidee, Hauptsache $$$ . Gute Nacht!

  • urkeramik

    hier gibt es ein wenig Hintergrund: http://sputniknews.com/europe/20150624/1023800067.html
    Eine amerikanische Firma, hinter der die Regierung steckt kauft Teile der Energieversorgung auf und versucht russische Firmen zu verdrängen.

  • smukster

    Welches ist die geopolitische Rolle, die Armenien in diesem Spiel – wenn es eines ist – spielen sollte? Das Land selbst ist doch geographisch und wirtschaftlich relativ uninteressant, und auch eine nennenswerte Verstärkung der EWU kann ich in ihm nicht sehen.
    Aserbaidschan ist da schon ein anderes Kaliber: Öl, Gas, Pipelines, Grenzen mit Russland und Iran – und in letzter Zeit eine gewisse Annäherung an Moskau sowie anstehende Wahlen dieses Jahr. Worum geht es hier also wirklich?

    • Spion Stirlitz

      Die Frage ist mit einem Blick auf die Karte und den von Ihnen angesprochenen Fakten schnell beantwortet

      Grenze zum Iran (Öl, Gas, Feind), Grenze zu Aserbaidschan (Öl, Gas, wichtige geostrategische Lage) ..also schon mal alles strategisch sehr interessant.

      Wenn man noch das Faktum bedenkt, dass es sich um einen traditionell sehr russlandfreundlichen Staat handelt, dann ist wohl schon die Frage nach dem cui bono beantwortet, da man ja aktiv Russland gerade bekämpft wo es gerade nur geht. Es soll nach Möglichkeit keine Verbündeten im postsowjetischen Raum geben, also Russland isoliert werden. Das sind die offiziellen Statements der NATO und der USA. Zudem wäre Armenien in der Eurasischen Wirtschftsunion beteiligt, was ebenfalls dem Imperium ein Dorn im Auge ist. Alles was nicht unter der Kontrolle Washingtons kommt muss bekämpft werden. So versteht sich nunmal die auserwählte, exceptional Nation.

      Falls das nicht reicht, einfach mal bedenken, weshalb ein angeblich so unbedeutender Staat mit der 2. größten US-Botschaft der Welt (nach dem Irak) bedacht wird.

      • smukster

        Das ist alles richtig, aber es genügt mir nicht: In diesem Sinne lassen sich Gründe für Interventionen in jeglichem Land der Welt finden. Warum Armenien, warum jetzt? Das Land selbst hat wenig zu bieten, und um Russland unter Druck zu setzen würde ich eher anderswo angreifen. Geht es um Druck auf Aserbaidschan?

    • anon

      Geopolitisch ist Armenien wichtig.

      1: Es schneiden sich dort die Machtachsen: Washington- Ankara – Baku (Baku an sich versucht sich neutral zu Russland zu halten) und die Achse Moskau – Jerewan -Teheran. Armenien ist das Tor zum Kaukasus und somit das letzte Vorposten (ausgenommen Südossetien und Abchasien die ja aber schon an Russland grenzen)

      2: Ressourcenrouten für den Westen muss über eine längere stecke über Georgien geleitet werden. „baku tiflis ceyhan“

      3: für China Interessent für China: Armenien ist ein Keil im „Pantürkismus“ – was sich bis in das chinesische Reich ausstreckt – Uigurien, wo man eben schon öfters versucht hat Unruhen rein zubringen.

      uvm

      hier (siehe Link unten) hatte ich vor Jahren ein Paar interessante Kommentare zu Armenien verfasst, die heute noch aktuell sind:

      http://www.chartophylakeion.de/blog/2012/05/31/divide-et-dele/#.VZkcFPnqGUk

      alles in allem muss ich aber anmerken das die Proteste in Armenien noch weit entfernt vom Kiever-Maidan sind, die Armenier sind zur großen Teilen pro russische und wissen das sie ohne Russland innerhalb 2 Tagen „von der Landkarte getilgt werden“.

      Die die anti-russisch sind, sind meisten entweder wirklich junge Leute die sich im Netz oder Westmedien Manipulieren ließen oder nach der zerfall der UdSSR zugezogene, deren Vorfahren eben von den Bolschewiken geflohen sind.

      • smukster

        Sorry, aber da gehe ich nicht mit:

        Die Machtachse Washington-Ankara-Baku geht ganz sicher nicht durch Armenien, da dieses mit der Türkei und Aserbaidschan verfeindet ist. Das Tor zum Kaukasus und Ressourcenroute von Kaspischen Becken ist Georgien, nicht Armenien, s. Landkarte. Und die Uiguren sind doch etwas zu weit weg, außerdem wird die zunehmende Kooperation Chinas mit Zentralasien auch den Konflikt mit den Uiguren transformieren.

        Wie ich schon anmerkte: Ich glaube, dass sich schlicht im Land niemand (ausreichend Mächtiges) gefunden hat, der mit den USA kooperieren würde a la Maidan. Und da die Staatsorgane jetzt wachsamer sind, wird es auch nicht im 2. Anlauf klappen, zumal es bzgl. des unmittelbaren Anlasses wohl Kompromissangebote gibt.

        • anon

          „Die Machtachse Washington-Ankara-Baku geht ganz sicher nicht durch
          Armenien, da dieses mit der Türkei und Aserbaidschan verfeindet ist“

          Zeichne einfach zwei Linien auf die Karte:
          Linie blau Machtachse USA: Washington -> Ankara -> Tiflis-> Baku
          Linie rot „Machtachse“ Russland: Moskau -> Jerewan -> Teheran

          …richtig Türkei und Aserbaidschan sind verfeindet mit Armenien und wie von dir angemerkt ist Tiflis pro Machtachse USA, somit schneidet sich die Achsen eben in Armenien. Russland hat in Jahre 2008 klar zu verstehen gegeben was er von „geospielchen“ im Kaukasus hält. Wie das schwarze Meer gehört auch der Kaukasus zu den strategisch wichtigsten Punkten für Russland, was direkt ins russische Mutterland führt. Aber bevor es so weit ist sitzt noch Armenien eben mit russische Basen hinter dem Kaukasus. Fällt Armenien brennt der Kaukasus (russische Staatsgebiet) sogar mithilfe internationaler Jihadisten.

          Um dir die etwas weit weggebliebenen Uiguren „verbunden“ mit „von Bosporus bis nach China“ reichende Pantürkismus (heute Turanismus genannt) und die Unterstützungs- Rufe/Forderungen der Uiguren Führerin nach Ankara und Washington näher zu bringen, musste ich eine längere exkurs hier eingehen was ich mir ersparen kann. Das Netz steht dir offen.

          Ausreichen mächtig? Sehr wohl gibt es dort Ausreichen mächtige Gestalten, z.B. der erste Präsident: Levon Ter Petrosyan ein US Vasalle wie aus dem Bilderbuch. Der eine oder andere Oligarch, die allesamt auch sehr mächtig sind in Armenien, könnten jederzeit die rolle eines Poroschenkos übernehmen.
          Aber recht hast du, wie mächtig sie auch sein mögen, gegen russische Interessen in diesem Gebiet (was sich mit Armenischen -Sicherhiets- existenz- Interessen deckt) können sie nicht ankommen.

          Im übrigen ist es nicht der erste Anlauf. Seit 2008 gibt es ständig solche versuche, leider fördert die armenische Regierung/Oligarchensystem es auch noch mit ihrer katastrophalen Innenpolitik. Die Frage ist in wie weit hier der IWF und Co. die Sachen noch weiter anheizen um Bedingungen für Proteste zu schaffen..

        • anon

          wie der Zufall es wollte… gerade eben darauf gestoßen:

  • Eardwulf

    Gibt es ein Update? Das Thema scheint Tod zu sein?

    • Spion Stirlitz

      Es wunderte mich ohnehin, dass es in unseren hiesigen MSM kaum Resonanz fand. Praktisch nichts dazu. Scheint so, als ob man bei uns die Schnauze voll hat, von den Farbenspielen der transatlantischen Meister. Wir müssen erst noch Ihren letzten dicken Brocken mit der Ukraine verdauen, der noch schwer im Magen liegt. Dazu die humanitäre Bürde mit den Flüchtlingen aus Afrika und Nahost dank der US-gelenkten Destabiliserung vor unserer Haustür. Ein weiter EU-Aspirant der kein fettes Brautgeschenk dabei hat, ist auch wegen der aktuellen griechischen Malaise gerade nicht auf dem Speiseplan der EU-Vasallen. Das Rezept war den russischen und armenischen Diensten ohnehin sehr bekannt (Otpor lässt grüßen), so daß offenbar auch effektiv gegen gewirkt wurde.

      • Eardwulf

        „Scheint so, als ob man bei uns die Schnauze voll hat, von den Farbenspielen der transatlantischen Meister.“

        Das mag ich nicht glauben, ich denke eher man will nicht das die breite Masse erfährt das links und rechts in der EU weiter gezündelt wird, Mazedonien, Armenien,…? Den Leuten könnte ja irgendwann einmal ein Licht aufgehen.

        • urkeramik

          Das die „Systemmedien nicht auf den Zug aufgeprungen sind, ist ein deutliches Indiez, das es eben >keine< Farbrevolution ist. Was aber dann? Doch eine spontane Revolte? Sicher, zu einem Teil. Zum anderen Teil ist es ,denke ich eine Art "gewalsame Aufklärung". Die Gegenreaktion wird getestet, um die Strategie und Taktik anzupassen. Das Personal wird trainiert, Kooperationspartner in den Machtorganen identifiziert etc. etc. Bei nächster Gelegenheit gibt es dann, auf diesen Erfahrungen aufbauend, den eigentlichen Angriff und die MSM werden voll dabei sein, weil sie sich sicher sein können, dass ihr Publikum ein äusserst kurzes Gedächtnis hat.

        • smukster

          Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass sich keine einflussreichen Verbündeten im Land fanden, und es damit keinerlei Erfolgsaussichten gab? Eine Bewegung medial hochzujubeln, die dann sang- und klanglos abflaut, wäre schließlich recht peinlich für den Westen und offensichtliches Zeichen seiner Schwäche.

        • anon

          Sie haben Geld, das ist ihr mächtigster Partner/ Verbündeter, wie sang und klanglos das sich auch anhören mag.

          Scheitern werden sie diesmal trotzdem. Peinlich ist es nicht, der nächste Versuch kommt bald wieder..

        • Avarec

          bzgl. kaum Resonanz, Licht aufgehen, deutliches Indiz:

          …deutlich ist, dass die Interessen der globalen Eliten und der US-Eliten nicht korrelieren… zur Zeit nicht – vor allem aber nicht in Bezug auf die zukünftige Beziehung zu Russland… das ist auch der Grund für „kaum Resonanz“ (über die sich Stirlitz wunderte).

          Anders ausgedrückt: da findet hautsächlich eine Steuerung (der US-Eliten) anhand von Strukturen statt, die strukturlose Steuerung (der globalen Eliten) anhand der MSM wird versagt bzw. hat andere Ziele.

          Wichtig ist: „ein Licht aufgehen“ (das Eardwulf ansprach) hat nichts mit der Informationsfülle zu tun, sondern hängt von den moralischen Standards ab – ändern sich diese, geht Licht auf, sonst nicht.

          Doch wesentlich ist eigentlich:

          „Im Maß seines Verständnisses des allgemeinen Gangs der Dinge arbeitet jeder für sich selbst und im Maß seines Unverständnisses für denjenigen, der mehr versteht.“ (GATS/ДОТУ)

          Es empfiehlt sich daher, sich ab und zu mal zu fragen, für wen man arbeitet bzw. arbeiten will und inwieweit man für wen arbeitet bzw. arbeiten will!

          Alles Gute!

        • Spion Stirlitz

          Hallo Avarec,
          Sie drücken es etwas anders aus, meinen aber wohl auch das, was ich andeutete. Die MSM und deren Auftraggeber und Eigentümer sehen derzeit keinen zu erwartenden Profit in den US-gelenkten Maidanisierungen im Kaukasus, da, wie ich oben schrieb, der letzte Brocken Ukraine im Halse stecken geblieben ist und weiterhin schwer im Magen liegt.
          Dadurch ist wohl die mediale Euphorie für US-geseuerte Farbenrevolten in westlichen MSM mittlerweile wohl abgekühlt. Ganz langsam dämmert es auch den treudoofesten Transatlantikern, dass Europa nur den Müll zu beseitigen hat, wenn die USA Ihr Ding abziehen will. Sprich die humanitären Folgen der Geoschachspiele ausbaden muss.
          Wenn wir also das Maß des Verständnisses der westeuropäischen EU-Vasallen im Kontext des Egoismus betrachten (GATS), dann ist das ohrenbetäubende Schweigen unter der Prämisse von gewünschten und erhofften guten Beziehungen mit Russland unter den aktuell horrenden Verlusten für die deutsche und europäische Wirtschaft zu sehen.

        • Avarec

          Hallo Stirlitz,

          danke, dass Sie dem Ihre Aufmerksamkeit schenken. Nun, obwohl sich unsere Äußerungen ähneln, sollten meine wesentlichen (und ursprünglichen) Gedankenketten auf eine etwas andere Unterscheidung hinweisen.

          Europas Ausbaden der Geoschachspiele sowie die dementsprechende Einbringung der US-Eliten liegt sehr wohl im Interesse der globalen Eliten, wohl auch die horrenden Verluste Deutschlands bzw. Europas – auch liegt die Steuerung hinsichtlich der Destabilisierung vor der Haustür Eropas nicht nur bei den US-Eliten, sondern auch bei den globalen Eliten, bloß steuern die Globalen eher strukturlos.

          Dass die Globalen jetzt stetig etwas anders steuern (als die Jahrzehte, Jahrhunderte, Jahrtausende zuvor), liegt weniger an finanziellen oder wirtschaftlichen Interessen im Einzelnen, sondern an konzeptuellen im Ganzen und ihrer Gewissheit über die Möglichkeit ihrer eigenen Vernichtung – und natürlich an ihrer Anpassung an die sich entwickelnden Umstände (mitlerweile gibt es in Russland halt einige wenige Prozente mehr der Eliten, die Ihre Heimat bzw. sich selbst nicht opfern möchten bzw. diesen Zusammenhang erkennen).

          Natürlich wollen die Globalen kein selbständiges Russland haben (erst recht keins, dass die Welt in Selbständigkeit und Freiheit eint) und es gelingt ihnen noch immer zu sehr, diese zumeist strukturlose Steuerung erfolgreich gestalten und überall umsetzten zu können (auch dank der US-Eliten bzw. deren Strukturen)… daher liegt ihnen das von US-Eliten strukturell gesteuerte Abenteuer im russischen Randgebiet auch nicht im Magen, sondern mundet ihnen sogar, um ihre Interessen als konsistener, als die Interessen der US-Eliten zu offenbaren und um die dumme US-Elite noch dümmer aussehen zu lassen.

          Selbst wenn seinerzeit 100 mal mehr Angriffe aus dem Randgebiet auf Russland niedergeschlagen wären, hätten die Globalen Putin geholfen, seine „wilden Ivans“ bzw. seine US-hörigen Eliten soweit wie nötig zurückzuhalten und durch „westliche“ MSM die westlichen Konsumenten auf die entsprechende Linie zu bringen, sodass es selbst dann nicht zu einem größeren Krieg mit Russland gekommen wäre – was viele heute als „Umschwung“, „Verstehen“, „Aufklärung“ o.Ä. im Westen ansehen ist eben das Ergebnis dieser zumeist strukturlosen Steuerung der Globalen – denn ihr Maß des Verständnisses des allgemeinen Gangs der Dinge ist zumeist am höchsten – und die wenigsten Konsumennten (auch regionale Eliten) machen sich Gedanken über den allgemeinen Gang der Dinge und noch weniger über das Maß.

          Schließlich möchte ich mich entschuldigen, dass meine aktuellen Erläuterungen über den nötigen Rahmen des Hinweisens bzw. des Bittens um Aufmerksamkeit hinausgehen und wünsche alles Gute!

    • Petrovski

      Laut TASS und sputnik sind es noch einige, die dort ausharren und die Hauptstrasse blockieren. Zum Abend wächst die Menge immer spürbar an. Die Polizei hält sich sehr zurück und ist teils im Gespräch mit den „Demonstranten“.

      • smukster

        Auch in Armenien ist jetzt Sommer, und die neuen Freundschaften und das neu gefundene Gemeinschaftsgefühl wollen doch gepflegt werden! (Das soll nicht sarkastisch sein – Protestbewegungen haben immer auch eine starke soziale Komponente.)