Archiv für August, 2015

Russische Intervention in Syrien

Das folgende Video ist eine knappe Woche alt; es handelt sich dabei um einen der fast täglich von den syrischen NDF publizierten Berichten von den diversen Fronten (hier Latakia):

Was es in diesen Aufnahmen interessantes gibt, sieht man ab 00:40. Nämlich einen Schützenpanzerwagen vom Typ BTR-82A in Aktion. Seit Beginn des Kriegs gegen Syrien ist das meiner Kenntnis nach die erste Aufnahme eines solchen Geräts; bislang gab es nur Berichte über BTR-80, die von Russland ausschließlich für den Begleitschutz beim Abtransport der Chemiewaffen geliefert worden sind und auch nur in diesem Zusammenhang zum Einsatz kamen (denn Aufnahmen eines BTR-80 im Kampfeinsatz in Syrien sind bis dato nicht gesehen worden). Die Modifikation BTR-82A wird erst seit 2011 (anderen Quellen zufolge 2013) produziert; außer an die russischen Streitkräfte wurde der Schützenpanzer bisher nur nach Kasachstan geliefert.

Zudem gibt es inzwischen durchaus ernstzunehmende Berichte darüber, dass ein erstes russisches „Expeditionskorps“ in einem Luftwaffenstützpunkt nahe Damaskus Quartier bezogen hat; in den kommenden Tagen sollen „tausende“ russische Militärs, einschließlich Instrukteuren, Militärlogistikern, Technikern, Luftabwehrtruppen und Militärpiloten in Syrien eintreffen. In Koordination mit dem Iran soll dazu die syrische Armee nicht nur trainiert („Eulen nach Athen tragen“), sondern vollumfänglich neu ausgerüstet und aufgebaut werden; in diesem Zusammenhang bestätigen sich unter anderem auch die immer wieder aufkommenden Berichte, dass die Russen seit längerer Zeit einen wöchentlichen „Syrien-Express“ nach Tartus unterhalten, der für Nachschub an Munition und (leichter) Militärtechnik für die syrische Armee sorgte. Ebenso auch die Annahme, bei den „anderen Ländern der Region“, die sich an einem Bodeneinsatz in Syrien beteiligen sollen, handele es sich um Russland.

Russlands neue Freunde

Luftlandetruppen Russland

Bodentruppen aus anderen Ländern der Region

Beim gestrigen Außenministertreffen in Doha hat der russische Außenminister Lawrow den (noch Ende Juni von Putin selbst angedeuteten) russischen „Plan“ zur Bekämpfung des sogenannten „Islamischen Staates“ offenbart. Kern der Idee ist die Schaffung einer Koalition aus Bodentruppen der syrischen und der irakischen Armee plus den Kurdenmilizen und dem Militär gewisser „anderer Länder der Region“.

Die Zusammensetzung dieser geplanten Koalition wirft erst im letzten Glied Fragen auf – syrische wie irakische Armee führen, genau wie die Kurden, einen verzehrenden und blutigen Kampf gegen den IS. Die „anderen Länder der Region“ müssten aber entschlüsselt werden, und hier wird es interessant. Es gibt gar nicht so viele andere Länder in der Region, die einen nennenswerten militärischen Beitrag am Boden leisten könnten – die Türkei, der Iran und Israel. Die übrigen sehen auch ohne Konflikte eher blass aus und haben ansonsten eigene Probleme. Nun ist bei diesem Trio aber auch nicht alles klar; Israel scheidet selbst für theoretische Gedankenspiele aus, der Iran ist ohnehin tief in den Konflikt verwickelt und das Interesse der Türkei beschränkt sich weitestgehend auf die „Pufferzone“ in Nordsyrien und eine Ausschaltung der Kurden. Es ist also keine simple Frage, wer diese „anderen Länder der Region“ sein sollen.

Wenn es um Varianten geht, die eigentlich noch nicht spruchreif sind, deren Effekt man aber testen will, sprechen oft Befehlsempfänger Dinge aus, die von der Politik erwogen werden. Das scheint auch in diesem Fall so zu sein: