Russlands neue Freunde

Luftlandetruppen Russland

Bodentruppen aus anderen Ländern der Region

Beim gestrigen Außenministertreffen in Doha hat der russische Außenminister Lawrow den (noch Ende Juni von Putin selbst angedeuteten) russischen „Plan“ zur Bekämpfung des sogenannten „Islamischen Staates“ offenbart. Kern der Idee ist die Schaffung einer Koalition aus Bodentruppen der syrischen und der irakischen Armee plus den Kurdenmilizen und dem Militär gewisser „anderer Länder der Region“.

Die Zusammensetzung dieser geplanten Koalition wirft erst im letzten Glied Fragen auf – syrische wie irakische Armee führen, genau wie die Kurden, einen verzehrenden und blutigen Kampf gegen den IS. Die „anderen Länder der Region“ müssten aber entschlüsselt werden, und hier wird es interessant. Es gibt gar nicht so viele andere Länder in der Region, die einen nennenswerten militärischen Beitrag am Boden leisten könnten – die Türkei, der Iran und Israel. Die übrigen sehen auch ohne Konflikte eher blass aus und haben ansonsten eigene Probleme. Nun ist bei diesem Trio aber auch nicht alles klar; Israel scheidet selbst für theoretische Gedankenspiele aus, der Iran ist ohnehin tief in den Konflikt verwickelt und das Interesse der Türkei beschränkt sich weitestgehend auf die „Pufferzone“ in Nordsyrien und eine Ausschaltung der Kurden. Es ist also keine simple Frage, wer diese „anderen Länder der Region“ sein sollen.

Wenn es um Varianten geht, die eigentlich noch nicht spruchreif sind, deren Effekt man aber testen will, sprechen oft Befehlsempfänger Dinge aus, die von der Politik erwogen werden. Das scheint auch in diesem Fall so zu sein:

„Die russischen Luftlandetruppen sind dazu bereit, Syrien im Kampf gegen die Terroristen zu unterstützen, wenn die russische Führung eine solche Aufgabe stellt.“ – Zitat Generaloberst Wladimir Schamanow, Oberbefehlshaber der russischen Luftlandetruppen, am 4. August 2015.

russland luftlandetruppenVorgestern beging Russland landesweit den Tag der Luftlandetruppen. Trotzdem kann man bezweifeln, dass Schamanow das aus reiner Feierlaune artikuliert hat.

Man kann sich eigentlich nur an den Kopf greifen und fragen, was denn Russland daran gehindert hat, vor zwei-drei Jahren solche Unterstützung zu leisten, als die Umstände noch wesentlich günstiger waren – als Syrien von „nur“ wenigen Tausend Mann in terroristischen Todesschwadronen bekämpft wurde. Heute zählt der „Islamische Staat“ plus Assoziierte in Syrien und Irak rund 150 Tausend Mann, die syrische Armee ist dezimiert, Territorium und Infrastruktur verloren und zerstört.

Die saudische Initiative mit den angeblichen 10 Milliarden USD Investitionen in Russland kommt dabei natürlich sofort in den Sinn. Man sollte sich nämlich nicht zu früh freuen – bei der ganzen Sache geht es nicht allzu sehr um Syrien. Syrien ist kaum noch zu retten; es kann hier bestenfalls noch um eine Eindämmung der Katastrophe gehen, die von den diversen Demokraten und Friedensnobelpreisträgern dieser Welt losgetreten und am Laufen gehalten wurde. Kaum abzuschätzen, wieviele Menschenleben durch die vorgeschlagene „Koalition“ geopfert werden müssten, um die Lage wenigstens notdürftig zu stabilisieren. Alles in allem dürfte es, wenn tatsächlich russisches Militär an einer solchen Koalition beteiligt werden soll, vordergündig darum gehen, Russlands neue Freunde – die Saud – vor dem IS zu decken. Die paar Opfer, die da gebracht werden müssten, werden durch die US-Dollar allemal aufgewogen.

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