Was in Minsk unterzeichnet wurde

Hierunter die Übersetzung des Dokuments, das heute Nacht in Minsk ausgearbeitet und unterzeichnet wurde. Auf den ersten Blick überrascht, dass es ziemlich danach aussieht, als habe sich die offizielle „russische Linie“, welche von der RF seit mindestens Mai 2014 verfolgt wird, größtenteils durchgesetzt. Aber eigentlich nur auf den ersten Blick.

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Putin danach: „Es war nicht gerade die beste Nacht meines Lebens, aber es ist ein guter Morgen.“

Was aber fehlt, sind Garantien. Wodurch, oder durch wen, wird die Einhaltung des Waffenstillstand ab dem 15. Februar garantiert? Wodurch wird der Abzug der schweren Waffen (nota bene, der schweren Waffen, nicht der bewaffneten Einheiten) garantiert? — De facto ist das eine Wiederholung dessen, was nach dem ersten „Minsk“ vereinbart wurde. Ähnlich ist es mit den politischen Bestimmungen; was ist, wenn die Verfassung der Ukraine eben nicht bis Ende 2015 hinsichtlich einer Dezentralisierung geändert wird?

Im Schluß sieht das alles durchaus nicht nach einem Fiasko, aber auch nicht nach einem Durchbruch aus. Die meisten wichtigen Dinge bleiben in der Schwebe und werden durch ein „Ich schwör‘, Alda!“ der Beteiligten bekräftigt. Putin meinte in seinem Statement nach Abschluß der Verhandlungen sinngemäß: „Wir gehen davon aus, dass die [in Debalzewo] eingekesselten ukrainischen Militärs ihre Waffen niederlegen und den Widerstand einstellen. Der ukrainische Präsident ist der Meinung, dass es gar keinen Kessel gibt. Das werden dann unsere Militärexperten gemeinsam klären.“ – äußerst vage. Die Nazigarde hat am heutigen Morgen einen massiven Versuch gestartet, Logwinowo und damit die Straße Debalzewo-Artjomowsk wieder zurückzugewinnen und damit den „Hals“ des Kessels wieder aufzumachen. Was ist denn, wenn sie die Waffen auch am 15. Februar nicht niederlegen? …

Aber den Waffenstillstand hat man erst einmal vereinbart, was gut ist. Es braucht aber nicht viel, den wieder kippen zu lassen.

Vorbemerkung: Die „einzelnen Gebiete der Oblaste Donezk und Lugansk der Ukraine“ sind Diplomatensprache für die (auch von Putin auf der kurzen Pressekonferenz im Nachgang als solche bezeichneten) Volksrepubliken Donezk und Lugansk.

Hervorhebungen, [Ergänzungen] und Kommentare sind als solche gekennzeichnet.

Der Krieg ist niemandes Bruder

Aus dem Dokumentarfilmprojekt von NewsFront / Max Fadeev: „Der Krieg ist niemandes Bruder“, siebenter Teil des Zyklus „Donbass unter Feuer“ (die Filmtitel sind freie Übersetzungen mit Dank an „eMBeAh“ für die Inspiration).

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Im Film sind die dramatischen Ereignisse zwischen dem 14. und 18. Januar in Donezk dokumentiert, insbesondere die Erstürmung des neuen Flughafenterminals durch Kräfte der Volkswehr. Fadeew selbst schreibt dazu:

„Der Film ist ein Versuch, die brutale Realität und den Wahnsinn des Krieges zu übermitteln, den ganzen Schrecken der enormen menschlichen Tragödie im Donbass zu dokumentieren, den Schmerz und die Verzweiflung einfacher Leute zu zeigen und den Zuschauer fühlen zu lassen, was Krieg bedeutet.“

Die Erstürmung des neuen Terminals nahm knapp eine Woche in Anspruch, der Film zeigt aber nur rund 50 Minuten. Fadeew war im Verlauf von drei Tagen und zwei Nächten ununterbrochen im Flughafen dabei. Der Augenblick des Siegs fehlt; und dazu sagt er:

„Leider konnte ich nicht alles zeigen: ich habe es körperlich nicht ausgehalten, meine Akkus waren leer, und an einem der letzten Tage der Erstürmung hat mich der vollkommen erschöpfte Matros einfach weggeschickt – es war keine Zeit für die Beschäftigung mit einem Dokumentarfilmer. Außerdem war es streckenweise schon sehr bedenklich, dort zu sein.

Ich kann nicht alles im Film wiedergeben: die Kälte, den ständigen Durst, den Geruch von verbranntem Plastik und der brennenden Spanplatten, den Effekt, den im Kampf eingesetzte Gase produzieren, die Spannung vor einem Angriff, den Verlust eines Kameraden – ich weiß einfach nicht, wie man diese Dinge mit den Mitteln des Films wiedergeben kann.“

Neurussland. Neujahr 2015

Donbass unter Feuer. Neurussland. Neujahr 2015Das Dokumentarfilmprojekt „Donbass unter Feuer“ (freie Übersetzung) ist eine qualitativ ziemlich gute, ansonsten episodenhafte Zusammenstellung von Filmsequenzen aus dem Donbass im Kriegszustand. Es gibt in dieser Serie inzwischen wohl sieben Folgen unterschiedlicher Länge. Maxim Fadeev war seinerzeit in Slawjansk und hat dort gefilmt, und seit Anfang November 2014 filmt er in und um Donezk. Gestartet war die Dokfilmreihe noch unter der Haube von ANNA-News, aber seit geraumer Zeit hat die Neugründung NEWS FRONT deren Aktivitäten in Neurussland übernommen.

Die Aufnahmen zu dieser, sechsten Folge entstanden zwischen dem 26. Dezember 2014 und dem 7. Januar 2015. Es gibt einige Rückblenden auf die Ereignisse des Sommers 2014. Zentrales Szenario ist hier die Konfrontation im Flughafen von Donezk, von wo aus Geschichten aus dem Leben der „Separatisten“ erzählt werden. Die in dem Filmmaterial noch aktuelle Besetzung des neuen Flughafenterminals und des Towers durch die „Ukropen“ ist inzwischen (seit gut einer Woche) Geschichte.

Da der Film ohne Erzähler, ohne „Stimme aus dem Off“ funktioniert, sondern einfach nur Leute zu Wort kommen lässt, beschränkt sich die Übersetzung des Films auf deutsche Untertitel.

Donbass unter Feuer. Neurussland - Neujahr 2015

Achtung – das Bild hierüber verlinkt auf eine Proxy, da im Film scheinbar Musik enthalten ist, gegen die eine bekannte deutsche Mafiaorganisation etwas zu vermelden hat. Das ist vorerst ein „Workaround“. Sofern es gelingt, das Video anderswo hochzuladen, wird es eingebettet.

Für alle, die sich nicht um die GEMA scheren müssen, hier die entsprechenden Links:

  1. Youtube.
  2. Simple Overlay-Untertitel über Amara.org.

Syrien 2015

Baschar al-Assad, Dschobar, Jahreswechsel 2014/2015Wie vor einiger Zeit schon abzusehen war, hört und liest man – wenn man nicht gerade gezielt danach sucht – jenseits von IS/Daesh kaum noch Nachrichten aus Syrien, insbesondere, nachdem die False flag mit dem chemischen Bombardement von Ostghouta durch ein beispielloses Biegen und Brechen der „großen Politik“ nicht zu einem regionalen Großkrieg geführt hat. Das ehemalige Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ präsentiert eine vollkommen hirnlose Räuberpistole von unterirdischen MenschenAtomfabriken (sic beim Spiegel) („Atomfabriken“ sind Dinger, für die ganze Volkswirtschaften am Rande der Erschöpfung zu arbeiten haben, und das in Friedenszeiten – nur so am Rande), die aber kaum Beachtung fand. Irgendein Schauspieler fordert Baschar al-Assad zur „Ice Bucket Challenge“ in einem Flüchtlingslager heraus (tatsächlich ist Damaskus derzeit einigermaßen zugeschneit, und im Libanon liegen in bergigeren Regionen bis zu zwei Meter Schnee – klar, dass es in den dortigen Flüchtlingslagern unerträglich sein muss), und da war ja noch die Episode zu Silvester, als Baschar al-Assad seinen Truppen in Dschobar einen Besuch abstattete. Was vermuten ließ, dass diese Vorstadt von Damaskus nun relativ sicher sei. Was sie aber immer noch nicht endgültig so ist. Wie sieht’s anderswo aus?

Aus den relativ spärlichen (zugänglichen) Quellen weiß man, dass die Syrische Arabische Armee derzeit zwei Punkte hat, an denen sie ihre Aufmerksamkeit und Energie konzentriert: Aleppo und Deir ez-Zor. Die Provinz Deir ez-Zor ist entlang des Euphrat de facto zu einer Grenze zum sogenannten „Islamischen Staat“ geworden, und nördlich davon engagiert sich die SAA lediglich punktuell – beispielsweise in Qamishli und Al-Hasaka in Zusammenarbeit mit der kurdischen YPG; Al-Hasaka steht nach massiven IS-Offensiven in den vergangenen Tagen möglicherweise kurz vor der Einnahme durch IS/Daesh. Damit kann man den nächsten Genozid schon aufdämmern sehen: die Gegend nordwestlich von Al-Hasaka wird von assyrischen Christen bewohnt, welche zwar auch bewaffnete Einheiten aufgestellt haben, die sich aber recht unbedeutend ausnehmen und nicht viel mehr machen können, als ihr eigenes Haus & Hof eine Weile lang zu halten.

Nach Deir ez-Zor wurde die 104. Brigade der Republikanischen Garde verlegt, genau die, welcher im Frühjahr 2013 ein israelischer Bombenangriff galt, weil dort vermutlich „iranische Instrukteure“ tätig sind. Es ist allen Parametern nach eine der hervorragendsten Eliteeinheiten des syrischen Militärs.

Die in Aleppo verharrenden Terroristen – vor allem Al-Nusra und Reste der FSA – stecken seit Mitte Dezember 2014 in einer nahezu vollständigen Einkesselung. Das ist zweifelsohne ein (noch nicht vollständiger) wichtiger Erfolg; in mancherlei Hinsicht entscheidet Aleppo die Geschicke der Region, und diese Stadt wurde noch im vergangenen Spätsommer als eines der größeren Ziele der IS/Daesh ins Feld geführt. Die Versorgung der SAA dort ist – durch die blockierte M5 erschwert, ist aber vermutlich noch einfacher als die Versorgung von Deir ez-Zor. Eine ebenso immer noch belagerte, aber nicht gefallene Enklave sind die beiden Orte Nubl und Zahraa, von denen (und deren Zustand) bereits vor über zwei Jahren die Rede war – vor einigen Tagen gab es einen abermaligen heftigen Angriff der Terrorbrigaden auf die belagerten Ortschaften, der unter einigen Mühen von vereinigten NDF- und Hisbollahverbänden zurückgeschlagen werden konnten.

Es gibt eine nette Übersichtskarte auf OSM-Basis, auf der die jüngsten Entwicklungen eingetragen und mit entsprechenden Links versehen werden. Dort ergibt sich folgendes Bild:

La Resistance

Zu Beginn vielleicht erst einmal ein Zitat:

“Er ist es, der 1994 den Präsidentenpalast schützen wird. Er ist es, der die Operation zur Einnahme Grosnys planen und durchführen und die Verhandlungen in Chassawjurt leiten wird. Und als Jelzins Geisel festsitzt, während dieser ins “unterworfene” Tschetschenien fährt, um dort seinen Pyrrhussieg zu feiern. Er streckt die Hand des Friedens aus, woraufhin man ihn demonstrativ töten wird – ihn, den Präsidenten der Tschetschenischen Republik Itschkerija.

Die Welt wird schweigen, und als Antwort auf dieses Schweigen wird sie blutigen Terror ernten.

Vor genau sechs Jahren wurde im tschetschenischen Dorf Tolstoj-Jurt, das nach dem großen russischen Schriftsteller benannt ist, der Präsident des unabhängigen Itschkerija vom russischen Speznas erschossen.” (08.03.2011)

hebdoEs handelt sich dabei um eine Elegie auf Aslan Maschadow, den “Anführer des tschetschenischen Widerstands” (sic), und sie trägt die Überschrift “Ich habe gegen Russland gekämpft, aber nie meine Würde verloren (in memoriam Aslan Maschadow)”.

Veröffentlicht wurde dieser Text nicht etwa auf irgendwelchen Islamisten- oder Terroristenressourcen, sondern auf der offiziellen Internetseite von Radio France International. Wo es zu diesem Thema noch eine ganze Menge an weiteren wunderbaren Dingen gibt, wie z.B. zu Herrn Bassajew, den man dort u.a. als “Anführer der Separatisten des Kaukasus” bezeichnet, oder Geschichten über den russischen Speznas, der die Schule von Beslan mit Raketenwerfern in Schutt und Asche gelegt habe.

Gestern und heute sind die Seiten von RFI voll von Tränen und Jammer über den gestrigen Terroranschlag auf die Redaktion des französischen “Charlie Hebdo” (von diesem Blatt war hier in einem Nebensatz vor über zwei Jahren schon einmal die Rede).

Putin beim Waldai 2014

Hierunter findet sich die unkommentierte, vollständige Übersetzung des Stenogramms von Putins Auftritt beim Waldai-Klub 2014 – als Grundlage für eventuelle spätere Diskussionen und Erörterungen. Der Text hat keinerlei Hervohebungen oder Markierungen und ist (momentan) nur relativ oberflächlich korrekturgelesen, für Hinweise auf offenkundige Fehler bin ich dankbar. Details können sich also noch ändern. Für einen Gesamteindruck (und dafür, nicht nur mit von SPON & Co. genehmigten und in beliebigen Zusammenhang gestellten Zitaten leben zu müssen), ist es aber erst einmal gut.

Quelle: http://www.kremlin.ru/news/46860

Foto: Pressedienst des russischen Präsidenten / kremlin.ru

Foto: Pressedienst des russischen Präsidenten / kremlin.ru

Verehrte Kollegen! Meine Damen und Herren, liebe Freunde! Ich freue mich, Sie auf der 11. Konferenz des Diskussionsklubs “Waldai” zu begrüßen.

Es wurde hier schon gesagt, dass es in diesem Jahr neue Mit-Organisatoren des Klubs gibt. Darunter sind russische Nichtregierungsorganisationen und Fachverbände, führende Universitäten. Außerdem wurde die Idee eingebracht, außer den rein russischen Fragen auch Fragen der globalen Politik und Wirtschaft zur Besprechung einzubringen.

Ich rechne damit, dass diese organisatorischen und inhaltlichen Änderungen die Positionen des Klubs als eine der einflussreichen Diskussions- und Expertenplattformen festigen werden. Dazu rechne ich auch damit, dass der sogenannte Geist von Waldai bewahrt werden kann, und dieser Geist ist die Freiheit, Offenheit, und die Möglichkeit, verschiedenste und dabei offene Meinungen zu vertreten.

In diesem Zusammenhang möchte ich sagen, dass ich Sie auch nicht enttäuschen werde: ich werde direkt und offen sprechen. Einige Dinge werden Ihnen möglicherweise zu hart erscheinen. Aber wenn wir nicht offen und direkt, ehrlich sagen, was wir wirklich und in Wahrheit denken, dann hat es keinen Sinn, uns in einem solchen Format zusammenzufinden. Dann müsste man sich in irgendwelchen Diplomatenzirkeln versammeln, wo niemand wirklich etwas sagt, und – im Gedenken an die Aussage eines bekannten Diplomaten – kann man nur darauf verweisen, dass Diplomaten eine Zunge haben, um damit nicht die Wahrheit zu sprechen.

Wir versammeln uns hier mit einer anderen Zielsetzung. Wir versammeln uns, um offen zu sprechen. Eine Direktheit und Härte der Einschätzungen braucht man heute durchaus nicht dazu, um miteinander zu zanken, sondern um verstehen zu versuchen, was denn in Wirklichkeit in der Welt vor sich geht, warum sie immer weniger sicher und vorhersagbar wird, weshalb allenorts die Risiken steigen.

Das Thema des heutigen Treffens, der Diskussionen, die hier stattfanden, wurde schon benannt: “Neue Spielregeln oder Spiel ohne Regeln”. Meines Erachtens ist dieses Thema, diese Formulierung durchaus genau, wenn es darum geht, den historischen Scheideweg zu beschreiben, an der wir uns befinden, oder die Wahl, die wir alle zu treffen haben.

Die These, dass die heutige Welt sich rasant verändert, ist natürlich nicht neu. Und ich weiß, dass davon im Verlauf der Diskussion schon gesprochen worden ist. Tatsächlich ist es schwer, die grundlegenden Veränderungen in der globalen Politik, der Wirtschaft, dem gesellschaftlichen Leben, im Bereich der industriellen, Informations- und sozialen Technologien zu ignorieren.

Ich möchte gleich um Entschuldigung bitten, falls ich etwas wiederhole, was bereits von den Teilnehmern an den Diskussionen ausgesagt worden ist. Aber das kann man wohl kaum vermeiden, denn Sie haben ja schon sehr detailliert diskutiert, aber ich werde einfach meinen Standpunkt darlegen, und in einigen Facetten kann dieser mit den Meinungen der Diskussionsteilnehmer zusammenfallen, in anderen Dingen wird er sich unterscheiden.

Vergessen wir bei der Analyse des heutigen Zustands nicht die Lektionen der Geschichte. Erstens werden Veränderungen der Weltordnung (und mit einem Ereignis genau solcher Tragweite haben wir es heute zu tun) in der Regel wenn nicht von einem globalen Krieg, von globalen Zusammenstößen, so doch von einer Kette an intensiven Konflikten auf regionaler Ebene begleitet. Und zweitens geht es in der Weltpolitik vor allem um wirtschaftliche Führung, Fragen von Krieg und Frieden, die den humanitären sowie den Bereich der Menschenrechte einschließen.

Es hat sich weltweit eine Menge an Widersprüchen angesammelt. Und man muss einander offen fragen, ob wir denn über ein verlässliches Sicherheitsnetz verfügen. Leider gibt es keinerlei Garantien dafür, dass das bestehende System der globalen und regionalen Sicherheit dazu in der Lage wäre, uns vor Erschütterungen zu bewahren. Dieses System ist ernsthaft geschwächt, gebrochen und deformiert worden. Eine schwierige Zeit durchleben internationale und regionale Institutionen der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit.

Statement Strelkows am 11.09.2014 in Moskau

igor-iwanowitschIgor Strelkow, der “Schütze”, ist am 11.09.2014 nach Ablauf eines Monats seit seinem fast schon mysteriösen Verschwinden aus Donezk in Moskau mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit getreten, die überaus innenpolitischen Charakters ist. Abgesehen davon, dass darin eine Bewertung der Minsker Waffenstillstandsvereinbarungen vom Gesichtspunkt der “Ideen der Revolution” enthalten ist, kann sie als eine mögliche Antwort auf hier immer wieder auftretende Fragen wie “Wird RIA Novosti vom Kreml oder vom Weißen Haus kontrolliert?” dienen. Ich stelle den Text einmal weitgehend unkommentiert hier ein, mit dem Hinweis, dass er nicht unbedingt für alle interessant sein mag. Wer aber nach Erklärungen für das monatelange “Schweigen Putins” zum Genozid im Donbass sucht, kann hier eine mögliche Antwort aus Sicht eines der wichtigsten Beteiligten finden.

Die russischen Staatsmedien schweigen übrigens weitestgehend zu diesem Auftritt. Kann schon sein, dass er ihnen nicht wichtig genug vorkommt. Man muss sehen, was wirklich an Kraft dahinter steht; in wenigen Wochen hat Strelkow jedenfalls eine “richtige” Pressekonferenz versprochen, die dann etwas konkreter zu seinen Vorhaben Aufschluß geben könnte.

UPDATE. Wer’s konkreter mag, kann gleich zur Fragerunde vorspulen.


Genau ein Monat ist seit dem Zeitpunkt vergangen, an dem ich den Posten des Verteidigungsministers der VRD und Kommandeurs der Volkswehr verlassen musste. Diese Entscheidung ist mir ganz und gar nicht leicht gefallen. Schwierig waren auch die Umstände, unter denen diese Entscheidung getroffen werden musste. Donezk und die ganze Gruppierung der bewaffneten Kräfte der VRD befand sich in einer operativen Einkesselung und konnte die ständigen, von allen Seiten erfolgenden Angriffe der Strafkorps nur mit Mühe abwehren. Nur einzelne in der Führung der Republik wussten, dass in nur wenigen Tagen wichtige Änderungen eintreten würden und dem Feind eine entschiedene Niederlage zugefügt werden wird. Ich bin einer von diesen Wenigen, konnte aber meinen Untergebenen nicht einmal andeuten, dass wir alsbald zum Gegenangriff übergehen und die vom Feind besetzten Stellungen zurückholen würden. Noch schwieriger war es für mich, mir bewusst zu machen, dass nicht mehr ich das Kommando bei der Befreiung der von uns vorher (auch auf meinen eigenen Befehl hin) verlassenen Städte und Ortschaften des Donbass führen würde. Es fiel mir vom moralischen Gesichtspunkt schwer, meine Kameraden gewissermaßen in der “Stunde vor dem Morgengrauen” zu verlassen, in dem Moment, in dem die Dunkelheit am undurchdringlichsten ist und als der Untergang unserer gemeinsamen Sache vielen unausweichlich erschien. Ich will mich nicht mit den Umständen aufhalten, die mich zu meinem Rücktritt gezwungen haben. Nur soviel: diese Entscheidung hat sich schon allein dadurch ausgezahlt, dass am Vortag des Gegenangriffs die Leitung der bewaffneten Streitkräfte der VRD in eine Hand gelegt wurde und es so möglich war, eine Vielzahl von Konflikten zu vermeiden, die gleich einem Geschwür die Republik zerfraßen, gleichwie es so gelang, die Versorgung unserer Truppenteile und Verbände nachhaltig zu gewährleisten.

In den vergangenen Wochen hat sich die Lage an den Fronten in Neurussland grundlegend geändert. An der Mehrzahl der Fronten sind die Strafkorps zurückgeworfen worden, haben schwere Verluste erlitten und sind zur Verteidigung übergegangen. Es wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass das gesamte Territorium des Donbass von den Strafkorps und den Einheiten der Kiewer Machthaber befreit werden konnte. Unter den Vorstößen der Armee der VRD trat der Feind knurrend den Rückzug nach Westen an, sein Heer und dessen Leitung geriet in Panik. Doch was passierte dann?

Lektionen im Terrormanagement

Ortseingangsschild von Al-Bukamal, Syrien, nahe der Grenze zum Irak: jetzt eine Stadt im "Wilayat al-Furat" (Provinz Euphrat) des "Islamischen Staates"

Ortseingangsschild von Al-Bukamal, Syrien, nahe der Grenze zum Irak: jetzt eine Stadt im „Wilayat al-Furat“ (Provinz Euphrat) des „Islamischen Staates“ (via @ajaltamimi)

Zu den derzeit scheinbar recht träge dahinlaufenden US-Bombardements gegen den sogenannten “Islamischen Staat” wird sich offenbar in recht kurzer Zeit auch Großbritannien gesellen, ganz in klassischer, 2003er-Manier der “coalition of the willing”. David Cameron meinte dazu, dass es “bald” (innerhalb von Wochen) losgehen würde, und zwar nachdem die neue britische Regierung steht. Präzisiert wurde das einstweilen mit der Erklärung, dass die Briten “irakische und kurdische” Militärs ausrüsten, trainieren und anleiten werden – in etwa so, wie es z.B. die Bundeswehr wohl schon tut. Dabei wird von Vizepremier Clegg süffisant angemerkt, dass “Luftschläge allein nicht funktionieren” werden.

Der Akzent, der seit Wochen auf eine Aufpeppelung insbesondere der Kurden gelegt wird, kommt nicht von ungefähr. Peschmerga hin oder her, die Kurden werden im Endeffekt eine ausgerüstete, trainierte Armee haben – eines der Attribute eines jeden Staates, der die Kraft hat, sich nachhaltig in der Weltgeschichte zu manifestieren.

Dahingegen taucht eine Unterstützung der “nicht-kurdischen” “irakischen Streitkräfte” bestenfalls auf Platz 2 auf, was bedeutet, dass die schiitischen Teile des Irak letztlich dem “Islamischen Staat” zum Fraß vorgeworfen werden, beziehungsweise dem Iran, der sich in diesen Sumpf wird hineinziehen lassen müssen.

George Friedman, Stratfor-Chef und, was ein offenes Geheimnis ist, einer der Sprecher der US-amerikanischen Geheimdienstcommunity, spricht in seinem Artikel “Ukraine, Iraq and a Black Sea Strategy” unzweideutig davon, dass die USA davon abrücken, eine Einheit des Irak unter einer Regierung in Bagdad zu unterstützen. Der Schwenk geht in Richtung einer “Nutzung” von Proxies, um den “Islamischen Staat” zu “containen”, das heißt: einzudämmen und… die Richtung seiner Aktivitäten zu steuern.

Ein Umstand der Veröffentlichung dieses Friedman-Strategiepapiers ist hochinteressant. Unlängst hatte Al-Arabiya die Absicht des “Islamischen Staats” verbreiten lassen, in absehbarer Zeit “Tschetschenien und den gesamten Kaukasus zu befreien”. Diese Meldung kam entweder zeitgleich oder kurz nach der Publikation des Friedman-Artikels auf, fast wie auf Kommando. Inhaltlich nichts anderes hatte Friedman nämlich in seinem Text als jene “US-Strategie” angekündigt, in deren Zuge die beiden aktuellen Konfliktherde – Irak/Syrien und Ukraine – mit einer einheitlichen Herangehensweise zu einem großen Konflikt zu gruppieren wären, der von den Vereinigten Staaten gemanaged wird.