Tiefer hinein – Shayrat vor Palmyra

russia-syria-bhai-bhaiDer Luftwaffenstützpunkt Shayrat südöstlich von Homs wird momentan zum zweiten Basispunkt für die russische Luftwaffe ausgebaut.

An sich gibt es auf dem Stützpunkt 45 Hangars, was die Verlegung von mehr als der Hälfte der momentan in Syrien operierenden russischen Militärflugzeuge erlaubt. Ob es sich bei der Bestückung dann um zusätzliche Kräfte handeln wird, ist noch nicht klar (aber vermutlich ja), klar ist aber, dass Logistik und Schutz von einer zusätzlichen Brigade (rund 1.000 Mann) russischer Luftlandetruppen übernommen wird.

Nicht reden, machen! Russische Truppen in Syrien

heli_rianDie folgenden beiden Meldungen kamen im Verlauf der letzten anderthalb Stunden:

  1. Putin ersucht den Föderationsrat um Erlaubnis, russische Truppen außerhalb der Landesgrenzen einsetzen zu dürfen;
  2. der Föderationsrat erteilt dem Präsidenten diese formale Erlaubnis.

Die gefühlten fünfzehn Minuten, die zwischen diesen beiden Meldungen liegen, legen nahe, dass es zu dieser Frage keine Diskussionen gegeben hat – also etwa so unsinnige Überlegungen, welches konkrete Ziel damit verfolgt wird und inwiefern ein solcher Einsatz zeitlich oder räumlich begrenzt würde und so weiter und so fort.

Nach der Erfahrung und den Ergebnissen der vorigen solchen Erlaubnis eines Truppeneinsatzes außerhalb der russischen Grenzen wäre es für den sogenannten “Islamischen Staat” dringend angeraten, eine diplomatische Vertretung in Kiew aufzumachen, um sich dort das Know-How dafür einzuholen, wie man vollkommen unbeschadet aus einer solchen Lage wieder herauskommt. Eine entsprechende diplomatische Offerte hat Poroschenko bereits gestartet, indem er seiner Besorgnis Ausdruck verlieh, dass die russische Truppenpräsenz in Syrien “den Islamischen Staat destabilisieren” würde.

Wer das Mädchen bezahlt, darf mit ihm tanzen

hilfe-syrienWährend sich viele Euphoriker noch über das nächste, bewiesenermaßen unstete “Oxi” der Griechen zur US-amerikanischen Anfrage freuen, keine russischen Frachtflüge in Richtung Syrien mehr in ihren Luftraum zu lassen, macht Bulgarien auf eine analoge Anfrage aus selber Quelle seinen Luftraum dicht. Der Luftraum der Türkei ist für jegliche Flüge nach und aus Syrien schon lange Zeit gesperrt, so dass sowohl die russischen Hilfstransporte (derer es eine ganze Menge gab und gibt, und die von den Russen teilweise über die Klöster in Spendenaktionen zusammengestellt werden), als auch die noch erfolgenden Evakuierungen ausländischer Bürger über den Luftraum Griechenlands und Bulgariens verliefen. Die Ukraine scheidet als direktes US-Protektorat seit einer Weile ebenso als Korridor aus. Jetzt bleibt nur noch der Iran und der Irak als Route, also kann es im Grunde fast nur noch über den sogenannten “Islamischen Staat” Richtung Damaskus gehen.

Das ist insgesamt nichts als eine Episode aus der Geschichte, der zufolge Russland außer seinem Heer und seiner Flotte keine Verbündeten hat. Oder aus dem traurigen Kapitel einer angeblichen panslawischen Bruderschaft, die es nicht einmal gefühlsmäßig gibt. Bulgarien konnte man überdies trotz gleicher Wurzeln und in Vielem gleicher Vergangenheit nie als Verbündeten oder Freund Russlands bezeichnen; das war nur dann der Fall, wenn die russischen (oder sowjetischen) Interessen in diesem Land auf die entsprechende Weise durchgesetzt werden konnten. Wer das Mädchen bezahlt, darf eben auch mit ihm tanzen – da haben sich die Bulgaren, wie die meisten anderen auch, nicht geändert.

Die Amerikaner versuchen entgegen allen Dementis eines russischen Engagements in Syrien der Sache einen geographischen Riegel vorzuschieben. Es ist gar keine Frage, dass die willensschwachen Griechen auch noch, wenn notwendig, bei der Sache mitziehen. Dazu noch den Irak zu sperren dürfte in weiten Teilen in der Macht Washingtons und streckenweise der Türkei liegen, den Rest könnten die kaputten Dschihadisten auf sich nehmen, die ganz sicher plötzlich “irgendwoher” die passenden Boden-Luft-Raketen besitzen werden und damit auch treffen.

Es bleibt nur, auf Putins “großen Auftritt” am 15. September vor der UN zu warten, wo er – möglicherweise – etwas dazu sagt, wann es denn nicht mehr “voreilig” ist, von einem verstärkten russischen Engagement in Syrien zu sprechen. Falls er es sich angesichts des auffälligen Aufbaus der NATO und ihrer Proxies nicht noch anders überlegt.

Curveball

Kleiner TV-Tipp: morgen, 9. Juni 2015, 22.45 Uhr auf ARD -“Krieg der Lügen”

[Film in der ARD-Mediathek]

Synopsis

“Die Quelle ist ein Augenzeuge. Ein irakischer Chemieingenieur, der eine dieser Anlagen betreute. Er war tatsächlich anwesend, als biologische Kampfstoffe hergestellt wurden.” (US-Außenminister Colin Powell vor der UN-Vollversammlung am 05. Februar 2003 mit der Begründung für “Operation Iraqi Freedom”)

Heute wissen wir: Der Krieg basiert auf einer Lüge. Der Lüge von der Existenz mobiler Massenvernichtungswaffen im Irak. Der Mann, von dem Colin Powell spricht, lebt heute in Deutschland. Er heißt Rafed Ahmed Alwan, auch bekannt als “Curveball”. Seine Informationen über mobile Massenvernichtungswaffen gingen über den Tisch von BND, MI6 und CIA, schafften es in eben diese berühmte Rede von Colin Powell und machten den irakischen Flüchtling über Nacht zum Kronzeugen des Zweiten Golfkrieges.

2007 wurde Aljanabi von amerikanischen Journalisten enttarnt und in der Presse als der Mann dargestellt, der die Schuld am Irakkrieg trägt. Er hingegen nimmt stolz für sich in Anspruch, bei der Beseitigung Saddam Husseins geholfen zu haben.

“Die Wahrheit ist dieser Film. Alles andere ist falsch. Selbst, wenn es meine eigenen Aussagen waren.” (Rafed Ahmed Alwan)

Palmyra

lion_in_the_garden_of_palmyra_archeological_museum_2010-04-21-a03s1Die IS-Terrorbrigaden beginnen mit der Zerstörung Palmyras. Heute ging es los mit einem Relikt aus dem ersten Jahrhundert – einer Löwenfigur, die die Göttin Al-Lāt darstellt. Verloren.

Es geht bereits weiter mit Denkmälern aus der Römerzeit. Von vor Ort wird das Eintreffen von Baumaschinen aller Art gemeldet – vermutlich wollen die dort nicht gerade Stadien für die Fußball-WM 2018 oder 2022 bauen…

Schiffe versenken

schiffe versenkenDie EU-Kommission tüftelt neben einem “Zehn-Punkte-Plan” ebenso an weiteren effektiven Maßnahmen, die afrikanischen Hungerleider von ihrer Südgrenze fernzuhalten. Dazu habe die “Brüsseler Behörde” eingebracht, es könnten beispielsweise “Boote zerstört werden, die zur Überfahrt von Flüchtlingen über das Mittelmeer genutzt würden”.

Ein absoluter Top-Vorschlag, dessen Umsetzung sicher auch noch Spaß macht. Nachdem sie sich aktiv an der Desintegration und Zerrüttung einer ganzen Region beteiligt hat, beschäftigt sich die EU jetzt damit, es nicht mit den negativen Folgen der eigenen Politik zu tun haben zu müssen. Es ist aus Sicht der EU-Kommission also machbar, Boote zu zerstören, die der Überführung von Flüchtlingen dienen. Man sollte meinen, dass das dann geschieht, wenn diese Boote unbemannt sind – aber wer wird das so genau nehmen, wenn Gefahr im Verzug ist und ein solches Boot Kurs auf die Traumstrände von Sardinien oder Sizilien nimmt?

Man kommt dabei auch nicht umhin zu bemerken, dass durch die Ukrainepolitik der EU die Ukrainer zu genau solchen “afrikanischen Halbwilden” werden. Europa übt jetzt erst einmal ein wenig an den Afrikanern – die Zerstörung der Region begann vor ungefähr 4 Jahren, so dass man bezüglich der Ukraine sicher noch ein wenig Vorlauf hat – und wird die gewonnenen Erkenntnisse zweifelsohne beim vorhersehbaren Andrang aus Osten nutzen können. Das Günstige bei der Sache ist dabei, dass es zwischen der Ukraine und den EU-Ostgrenzen kaum genug Wasser gibt, dass man in einem Boot darin kentern könnte.

Idlib down

Idlib fällt am 27.03.2015

Bis vor ein paar Stunden hatten es nur die Islamistenwebseiten, inzwischen gibt es die Nachricht auch in den “großen” Medien: die Provinzhauptstadt Idlib wurde gestern nach 4 Tagen heftiger Kämpfe von der syrischen Armee verlassen. Die Stadt wurde von einer Koalition aus diversen Terroristenbrigaden besetzt, darunter die Al-Nusra-Front, Ahrar al-Scham, Dschund al-Aqsa und andere. Tausende Zivilisten (Al-Mayadeen meldet rund 13.000) sind aus der Stadt geflohen, bevor die “moderaten” Terrortruppen die Stadt übernommen haben.

Idlib war in den vergangenen Tagen praktisch eingekesselt, die Mannstärke der gegen die Stadt vorrückenden Banden soll insgesamt mehr als 1.500 betragen haben. Es ist anzunehmen, dass die Armee abgerückt ist, um nicht komplett eingekesselt zu werden. Jedenfalls wurde alles stehen und liegen gelassen, einschließlich einer großen Zahl (zwischen 60 und 80) von im Gefängnis inhaftierter Terroristen, die vor dem Abzug hingerichtet wurden.

Die syrische Seite hat diese Vorgänge noch nicht offiziell bestätigt.