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Schiffe versenken

schiffe versenkenDie EU-Kommission tüftelt neben einem „Zehn-Punkte-Plan“ ebenso an weiteren effektiven Maßnahmen, die afrikanischen Hungerleider von ihrer Südgrenze fernzuhalten. Dazu habe die „Brüsseler Behörde“ eingebracht, es könnten beispielsweise „Boote zerstört werden, die zur Überfahrt von Flüchtlingen über das Mittelmeer genutzt würden“.

Ein absoluter Top-Vorschlag, dessen Umsetzung sicher auch noch Spaß macht. Nachdem sie sich aktiv an der Desintegration und Zerrüttung einer ganzen Region beteiligt hat, beschäftigt sich die EU jetzt damit, es nicht mit den negativen Folgen der eigenen Politik zu tun haben zu müssen. Es ist aus Sicht der EU-Kommission also machbar, Boote zu zerstören, die der Überführung von Flüchtlingen dienen. Man sollte meinen, dass das dann geschieht, wenn diese Boote unbemannt sind – aber wer wird das so genau nehmen, wenn Gefahr im Verzug ist und ein solches Boot Kurs auf die Traumstrände von Sardinien oder Sizilien nimmt?

Man kommt dabei auch nicht umhin zu bemerken, dass durch die Ukrainepolitik der EU die Ukrainer zu genau solchen „afrikanischen Halbwilden“ werden. Europa übt jetzt erst einmal ein wenig an den Afrikanern – die Zerstörung der Region begann vor ungefähr 4 Jahren, so dass man bezüglich der Ukraine sicher noch ein wenig Vorlauf hat – und wird die gewonnenen Erkenntnisse zweifelsohne beim vorhersehbaren Andrang aus Osten nutzen können. Das Günstige bei der Sache ist dabei, dass es zwischen der Ukraine und den EU-Ostgrenzen kaum genug Wasser gibt, dass man in einem Boot darin kentern könnte.

JSOC

Nun kann man sich natürlich fragen, warum das zwar nicht zur besten Sendezeit, aber doch auf ARD kommt, beziehungsweise seit vorgestern überhaupt manchenorts in den Kinos läuft. Nun, einerseits ist der Plot ganz klar Anti-Obama, andererseits kann man davon ausgehen, dass das Joint Special Operations Command auf diese Weise einmal heftig durchgeschüttelt oder vielleicht gar komplett aus dem Verkehr gezogen werden soll. Für all das gibt es natürlich gerade jetzt auch Interessenten.

Fronten ohne Frontlinie

Wenn der durchschnittliche russische Fernsehkonsument im Wochenendprogramm solche Dinge serviert bekommt, kann man sich manches mal nur über die vorwiegend reflektorische Berichterstattung in Europa wundern. Nicht, dass in dem Bericht die “reine Wahrheit” herüberkommt – die eher wie eine neue Legende von einem kleinen, weiblichen Bin-Laden-Äquivalent anmutende Story mal nur als Beispiel – aber immerhin werden zumindest Andeutungen über Hintergründe geliefert, die nicht einfach nur ein ohnehin schon prominentes Feindbild bemühen.

Gucken wir einmal in diesem Sinne weiter im Umkreis: US-Außenminister John Kerry meint, dass ein “Deal” über das iranische Atomprogramm auch schneller zustande kommen kann, als in den von Präsident Hassan Rohani dafür veranschlagten 3-6 Monaten. Mit anderen Worten: das Eisen wird geschmiedet, solange es heiß ist. Die Krise um die Chemiewaffen in Syrien hat die Beziehungen Obamas und seiner Administration mit seinen “Verbündeten” bis fast zum Zerreißen angespannt, und er muß vollkommen gerechtfertigt mit einer Wiederholung solcher Provokationen rechnen, durchaus auch in viel größerem Ausmaß. In einem solchen Fall ist die einzig richtige Taktik der Vorstoß und das Ergreifen der Initiative. Eine beschleunigte Klärung des “Iran-Problems” ist der Ausweg, der sich quasi von selbst anbietet, zumal, wie es aussieht, Obama kaum andere Möglichkeiten bleiben.

Wochenschau, Folge 61

Zu Mali ein kleines Vorwort. Diverse Outlets berichten von französischen Bombardements gewisser „Trainingslager“ der Islamisten in Tessalit, nahe der Grenze zu Algerien. Dazu liest man, dass die Franzosen zwar den Flughafen in Kidal kontrollieren, die Stadt aber in der Hand der Tuareg, d.h. der MNLA sei.
Auf diese Weise ist die Visite Hollandes, bei der er – ähnlich wie einst George Bush auf dem Flugzeugträger – den Sieg verkündete und meinte, die französischen Soldaten können bald wieder nach Hause, eigentlich nur ein Dunstvorhang vor dem Fakt, dass das Vorrücken der „Koalitionsstreitkräfte“ durchaus noch nicht abgeschlossen ist. Mehr noch, die Perspektiven der weiteren Entwicklung sind immer noch irgendwie unklar.
Klar ist bislang nur, dass das nicht nach einem Ende des Kriegs aussieht. Freilich hat der Quasipräsident von Mali sich für Verhandlungen mit der MNLA ausgesprochen, was eine gewisse Hoffnung birgt. Wenn die MNLA dem, wie angekündigt, folgt, und es zumindest einen Waffenstillstand gibt, kann sich die Lage durchaus auch früher beruhigen.



Das zentrale Ereignis der vergangenen Woche war wohl der geheimnisvolle Angriff der israelischen Luftwaffe auf Syrien. In der Nacht zum 31. Januar drangen israelische Militärflugzeuge von Libanon aus im Tiefflug auf syrisches Territorium vor und griffen ein militärisches Forschungszentrum in einem der Vororte von Damaskus an. 2 Menschen sind dabei ums Leben gekommen, weitere 5 wurden verletzt. – Soweit die offizielle Version der syrischen Regierung. Allerdings hat Israel, gleichwie die USA, den Vorfall auf keinerlei Weise kommentiert. Aus inoffiziellen, angeblich israelischen Diplomatenkreisen hieß es, dass der Angriff nicht einem Forschungszentrum, sondern einer syrischen militärischen Fahrzeugkolonne galt, die sich mit russischer Waffentechnik in Richtung Libanon bewegte. Die syrische Regierung streitet diese Version ab.

Dass dieser Angriff stattgefunden hat und er von den Israelis durchgeführt wurde – daran besteht kein Zweifel. Das ist auch durchaus nicht die erste vergleichbare Militäroperation. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass Israel durchaus dazu in der Lage ist, die Verurteilungen der Weltöffentlichkeit über sich ergehen zu lassen, solange es nur seine Ziele erreicht. – Und in diesem speziellen Fall wird niemand groß verurteilen. Die wichtigste Frage ist also, was genau zerstört worden ist und weshalb.
Es gibt bereits eine Menge an Versionen zu dem Vorfall, die man weder bestätigen noch widerlegen kann. Eine prosaische Variante lautet, dass man tatsächlich ein Labor mit Vorräten an Chemiewaffen zerstört habe. Und das nicht etwa, weil man deren Anwendung durch Assad fürchtete, sondern die Gefahr bestand, dass sie in die Hände der Rebellen fallen. Die Terroristen hatten kurz zuvor Angriffe gegen dieses Labor gestartet. Für diese Variante sprechen die häufigen Erklärungen israelischer Offizieller, dass die syrischen Chemiewaffen eine Bedrohung darstellen und man entschlossen sei, gegen diese Bedrohung mit allen, also auch mit militärischen Mitteln vorzugehen.
Es braucht keine große Phantasie dazu, sich vorstellen zu können, wozu die sogenannten Rebellen fähig sind, würden ihnen Chemiewaffen in die Hände fallen. Eine weitere schlimme Nachricht der Woche nämlich kam aus Aleppo, wo man mehr als 60 hingerichtete Zivilisten fand. Sie alle wurden von den Rebellen brutal ermordet, da man sie der Loyalität zur Regierung Assad verdächtigte. Es war klar, dass der Westen die Schuld für dieses Verbrechen automatisch der syrischen Regierung zuschob.
Dies nun sind schon andere Bilder – die sogenannten Freiheitskämpfer beschießen ein ziviles Verkehrsflugzeug beim Landeanflug. Und laden die Aufnahmen auch noch selbst ins Internet hoch.
Es ist erstaunlich, dass man bislang noch nicht gehört hat, Assad selbst habe sein eigenes Forschungslabor zerbombt.
Nach einer etwas verschwörerischen Version soll Israel eine Fahrzeugkolonne mit chemischen Waffen zerstört haben, die aus dem Libanon kommend für die Rebellenbanden bestimmt war. Faktisch hätte Israel damit Assad geholfen und sich davon leiten lassen, dass besser ein “schlechter Assad” am Steuer sitzt als hirnverbrannte Salafiten.
Welches Ziel auch immer die israelische Luftwaffe verfolgt hat – die militärische Aggression ist ein unbestreitbarer Fakt. Syrien beschwerte sich bei der UNO, auch Russland hat den israelischen Angriff verurteilt. Doch die Sache wird wohl kaum weiter vorankommen, selbst ungeachtet der Versprechen des Iran, für den Überfall auf Syrien Rache zu üben. Beobachter merken an, dass Elemente der israelischen Luftverteidigung “Iron Dome” an die syrische Grenze verlegt werden. Gleichzeitig sind die Patriot-Batterien in der Türkei in Stellung gegangen.
Es ist derzeit noch schwierig, Prognosen abzugeben. Der in sein Amt eingeführte US-Außenminister John Kerry hat bereits das Ziel seiner ersten Auslandsvisite bekannt gegeben – es ist Israel. Wir wollen aufmerksam sein, wie dieser Besuch ablaufen wird.

Schattengefechte

Ende der Woche kam Frankreichs Präsident Hollande in Mali an. In der letzten Zeit konnten die Franzosen die Islamisten zu einem guten Teil zurückdrängen und so Kontrolle über wichtige Ortschaften erlangen. Hollande versicherte, dass die Franzosen schon in wenigen Wochen nach Hause zurückkehren können, da der Großteil der Arbeit bereits erledigt sei.
Freilich sollte Hollande seinen Optimismus etwas zügeln. Die Sache ist die, dass man die Militärerfolge Frankreichs durchaus differenziert betrachten muss. Die Islamisten haben die bestmögliche Taktik gewählt – sie haben die direkte Konfrontation weitestgehend vermieden und sich einfach in den Norden des Landes zurückgezogen. Deshalb hat die französische Luftwaffe auch die ganze Zeit erfolgreich Ortschaften mit Zivilbevölkerung bombardiert; — niemand versucht auch nur, die Zahl der Opfer zu ermitteln. Doch danach zu urteilen, dass selbst die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, die normalerweise die Augen vor den militärischen Heldentaten des Westens verschließt, Alarm schlägt, ist die Zahl der Opfer bedeutend.
Außer alledem veranstaltet die Armee Malis in den “befreiten” Gebieten ihre Racheakte gegen alle, die der Zusammenarbeit mit den Islamisten verdächtigt werden. Araber und Tuareg werden gleichermaßen ohne viel Gerede vernichtet. All das legt natürlich fruchtbaren Boden für gegenseitigen Hass für lange Zeit. Es besteht also große Wahrscheinlichkeit, dass die Auseinandersetzungen nach dem Weggang der Franzosen von Neuem aufflammen.

Nicht alles Gold, was glänzt

Während die Finanzkrise ihren Lauf nimmt und das Vertrauen in die Währungen weiter schwindet, bekommt Gold einen immer größeren Stellenwert. In der letzten Zeit ist ein interessanter Trend zu beobachten – die Regierungen verschiedener Länder rufen ihre in den Lagern in den USA, Frankreichs und Großbritanniens deponierten Goldreserven zurück. Längere Zeit war von diesen Vorgängen die Rede, als seien es Hirngespinste, doch die Wahrheit hat die Zweifler letztendlich eingeholt.
Anfang des vergangenen Jahres hat Venezuela seine 160 Tonnen Gold nach Hause geholt. Hugo Chavez handelte weise. Erstens gibt es ja keinerlei Garantien dafür, dass die Hüter des Goldes, wie etwa die USA, das Gold in Ausnahmesituationen nicht zu ihrem Eigentum erklären und den rechtmäßigen Besitzer einfach enteignen. Zweitens gibt es ernsthafte Befürchtungen, dass das in Übersee gelagerte Gold überhaupt zurückgeführt werden kann. Die Goldreserven der Zentralbanken wurden schon so oft umverlagert, dass es durchaus schwer fallen kann, jetzt noch den eigentlichen Eigentümer zu bestimmen. Daher hat sich Venezuela in dieser Angelegenheit beeilt, und zum Glück sind dessen im Ausland gelagerte Goldreserven nicht allzu umfangreich.
In Folge bildete sich eine ganze Schlange – Ecuador, die Schweiz, Holland und als wichtigstes Land Deutschland. All diese Länder sprechen von ihrem Wunsch, ihr Gold heimzuholen.
Nur zur Information, das Gold wird beispielsweise in den USA gelagert, um so den Erwerb von Dollars möglich zu machen. Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages hatten mehrfach versucht, ihre in London und Paris gelagerten Goldreserven einer Inspektion zu unterziehen, doch eine solche Möglichkeit wurde ihnen bisher immer verwehrt.
Der Chefredakteur von CNBC, John Carney, erklärt indes, dass es keinerlei Bedeutung habe, ob bei der Federal Reserve in New York tatsächlich Gold vorhanden ist oder ob die Lager mit Wolframriegeln angefüllt oder auch leer sind. — Seiner Meinung nach seien “das einzige, was Bedeutung hat, die Buchungseinträge bei der Federal Reserve, wo verzeichnet steht, wieviel Gold vorhanden ist”. Er sagte weiter, dass es nichts gibt, was man durch eine Inspektion der Goldvorräte an Erkenntnissen gewinnen könne. Wenn es dieses Gold nämlich wirklich gar nicht gibt, so könne das in einem Chaos münden.
In der Tat kann es zu unbeschreiblichem Chaos kommen, aus diesem Grunde handelt Deutschland auch sehr vorsichtig. Zum derzeitigen Zeitpunkt wird erklärt, dass das Land zum Jahr 2020 lediglich 50% der eigenen Goldvorräte im Lande beherbergen will. Dabei werden die Goldvorräte nur aus Frankreich komplett abgezogen, in New York sollen 37% davon verbleiben.
Ein interessantes Detail – nachdem Deutschland seine Absicht erklärt hat, all sein Gold aus Frankreich heimzuholen, schickte Hollande seine Truppen nach Mali. — Doch nicht etwa deshalb, weil dieses Land Afrikas drittgrößter Goldexporteur ist?

Gold und Silber lieb ich sehr,
könnt es auch gebrauchen,
hätt ich nur ein ganzes Meer, 
mich hinein zu tauchen;
’s braucht ja nicht geprägt zu sein, 
hab´s auch so ganz gerne,
||: sei´s des Mondes Silberschein, 
sei´s das Gold der Sterne. :||
Doch viel schöner ist das Gold, 
das vom Lockenköpfchen
meines Liebchens niederrollt
in zwei blonden Zöpfchen.
Darum du, mein liebes Kind
laß uns herzen, küssen,
||: bis die Locken silbern sind 
und wir scheiden müssen. :||
Seht, wie blinkt der goldne Wein 
hier in meinem Becher;
horcht, wie klingt so silberrein 
froher Sang der Zecher!
Daß die Zeit einst golden war,
will ich nicht bestreiten,
||: denk‘ ich doch im Silberhaar 
gern vergangner Zeiten. :||

Wochenschau, Folge 44

Tuareg in Azawad (Mali)
Tuareg in Azawad (Mali)
Die aktuelle „russische Wochenschau“ ist soeben herausgekommen. Behandelt werden in den Brennpunkten Syrien, Irak, Afghanistan, kurz beleuchtet werden die Proteste in Belfast und Manama (Bahrain) und ein eigener Teil widmet sich der Situation in Mali (Azawad). Dazu ein paar Worte zu Wirtschaftsthemen, und schon haben wir einen kompakten und recht unkomplizierten Wochenrückblick, der alles in allem auf ein Publikum zugeschnitten ist, dass informiert sein will, ohne den Dingen allzu lang und tief auf den Grund gehen zu müssen.
Der deutschsprachige Videobeitrag wird hier eingebunden (die Rubrik „Bilder der Woche“ wurde ausgegliedert), darunter der Text. Falls jemand die vergangene Folge verpasst hat (sie wurde hier nicht veröffentlicht), folge bitte diesem Link.

Brennpunkte der Woche

Diese Woche hat es in Syrien keine wesentliche Veränderung im Kräfteverhältnis gegeben. Die bewaffneten Rebellen haben eine Reihe von Terroranschlägen gegen Zivilisten verübt, was von den Regierungstruppen mit weiteren Säuberungsaktionen beantwortet wurde.
In der deutschen Presse gab es gleichzeitig die Information, dass Frankreich den Rebellen Luftabwehrwaffen zum Schutz vor der syrischen Luftwaffe liefert. Offiziell wurde diese Nachricht natürlich dementiert. Doch das steht in Einklang mit den immer häufiger werdenden Meldungen der Rebellen, diese hätten Hubschrauber und Flugzeuge der Regierung abgeschossen, ebenso auch mit der Drohung, auf zivile Passagierflugzeuge zu zielen, die in Damaskus landen. Bekannt ist, dass Frankreich im Krieg in Libyen die Rebellen inoffiziell mit Waffen versorgt hat. Das wird inzwischen offiziell bestätigt, doch wir sind natürlich weit von der Annahme entfernt, dass die französische Regierung auch diesmal lügt.
Ein weiterer Brennpunkt liegt in der Türkei im Grenzgebiet zum Iran und zu Syrien. Türkische Streitkräfte führen Operationen gegen die Kämpfer der PKK aus, welche vorher erfolgreiche Angriffe auf das türkische Militär unternommen haben. Einige Dutzend Kurden sind dem bereits zum Opfer gefallen. Die türkischen Machthaber beschuldigen Syrien damit, die kurdischen Separatisten zu unterstützen. Syrien wiederum beschuldigt die Türkei mit der Unterstütztung der in Syrien kämpfenden Rebellenbanden.
Unruhig ist es weiterhin auch im Irak. Wieder gab es Sprengstoffanschläge auf Schiiten. Die Sprengsätze detonierten an der Keisal-al-Tamimi-Moschee, der Imam-Ali-Moschee im Norden von Kirkuk sowie an der Al-Mustafa-Moschee. Die Anschläge wurden so geplant, dass es maximal viele Opfer geben würde. Es gab mindestens 9 Todesopfer und 80 Verletzte. Vor diesem Hintergrund erhöht Washington erneut den Druck auf den irakischen Premier Nuri al-Maliki, um diesen dazu zu veranlassen, den irakischen Luftraum für iranische Flugzeuge zu sperren. Nach Meinung der US-amerikanischen Machthaber nutzt der Iran Luftkorridore über dem Irak, um Baschar al-Assad mit Waffen und Militärspezialisten zu versorgen. Anfangs war al-Maliki damit einverstanden, aber sobald die syrischen Rebellen zu direkten Militäraktionen gegen die Regierung übergingen, wurde der irakische Luftraum wieder geöffnet.
Auch in Afghanistan gab es die ganze Woche über Explosionen. Ein Selbstmordattentäter riss bei einer Beerdigung 25 Afghanen mit in den Tod. Der Anschlag eines Selbstmordattentäters nahe dem NATO-Hauptquartier in Kabul kostete 6 Menschen das Leben und verletzte 4 Kinder schwer. Auch ausländische Soldaten bekamen ihren Teil ab. Am Mittwoch hat ein ISAF-Hubschrauber eine sogenannte “harte Landung” ausgeführt, beziehungsweise ist abgestürzt. Die beiden Piloten kamen dabei ums Leben. Die Taliban erklärten, dass sie an diesem Tag gleich zwei Hubschrauber abgeschossen hätten. Vom ISAF-Kommando wird die Ursache des Absturzes nicht genannt.

Proteste der vergangenen Woche

Eine Welle von Protesten und Zusammenstößen mit den Ordnungskräften erfasste in dieser Woche das nordirische Belfast. Der Konflikt trat zwischen den dortigen Katholiken und Protestanten auf. Die Katholiken treten für eine Unabhängigkeit von Großbritannien ein, was Konfliktpotential zwischen ihnen und den loyalistischen Protestanten mit sich bringt. Als sich die Polizei in die Auseinandersetzung einmischte, flogen Pflastersteine und Molotow-Cocktails. Die Sicherheitskräfte setzten Gummigeschosse und Wasserwerfer ein. Nach zwei Tagen solcher Demonstrationen wurden rund 60 Polizisten verletzt. Die Weltöffentlichkeit bleibt den Hoffnungen und Forderungen des irischen Volkes gegenüber taub.
Mehrere Tausend Menschen demonstrierten auf dem zentralen Platz von Manama in Bahrain. Die Demonstranten fordern zum wiederholten Male eine Gleichberechtigung der schiitischen Bevölkerung und eine Einschränkung der Willkür der herrschenden Dynastie, welche die Macht inzwischen vor mehr als 40 Jahren usurpiert hat. Wie früher, so hat die Polizei die Proteste auch diesmal mit Härte und Entschlossenheit zerschlagen. Dabei wurden Tränengas und andere Mittel angewendet. Auch hier muss man anmerken, dass die Weltöffentlichkeit die berechtigten Forderungen der friedlichen Bevölkerung Bahrains weiterhin ignoriert. Der Gedanke sei ferne, dass dies an der hier gelegenen, größten US-Marinebasis im Persischen Golf liegt.

Kurz vor Krieg

Diese Woche ist bekannt geworden, dass die Staaten der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS eine Militäroperation im Norden Malis beabsichtigen. Zur Erinnerung: ein Großteil des Territoriums dieses armen Landes steht seit dem Frühjahr unter der Kontrolle von Islamisten mit Verbindungen zu Al-Kaida. Inzwischen wird hier die Scharia eingeführt, es werden Denkmäler der Sufi-Kultur zerstört und ausländische Diplomaten hingerichtet. Die Regierung Malis ist in Zeiten einer verschärften wirtschaftlichen und politischen Krise nicht imstande, der Lage allein Herr zu werden. Derweil bedroht die Festigung der Positionen der Islamisten, die bereits ein Territorium doppelt so groß wie Deutschland besetzen, die Stabilität der gesamten Region. In vielerlei Hinsicht hat sich die Lage durch den Sturz des libyschen Führers Muammar al-Gaddafi so entwickelt. Er war es, der zu Lebzeiten Mali wirtschaftlich unterstützt hat, um so Frieden und Sicherheit an den libyschen Grenzen zu haben. Außerdem konnte Gaddafi, wie kein anderer, Kompromisse innerhalb verschiedenster Interessen afrikanischer und arabischer Stämme finden; dieser Status quo ist mit seinem Sturz ebenso zu Fall gekommen.
Von den Ursachen und Hintergründen des Konflikts in Mali soll uns unser heutiger Gast berichten. Wir begrüßen Jewgeni Nikolajewitsch Korendjasow, den Leiter des Zentrums für russisch-afrikanische Beziehungen und Außenpolitik der afrikanischen Staaten. Früher war er Botschafter der UdSSR und der Russischen Föderation in Mali.
– Die Ursache liegt gewissermaßen in der sinnlosen und brutalen Operation gegen die libysche Regierung. Das war ein grober Fehler. Eine der Folgen dieses Fehlers ist die Verschärfung der Situation in Mali. Bei den Tuareg-Gruppierungen, die jetzt dort an die Macht gekommen sind, handelt es sich um extremistische, terroristische Organisationen.
Außerdem sind Drogenschmuggler sehr an diesem Separatismus interessiert. Es ist bekannt, dass aus den Ländern Lateinamerikas pro Jahr durch Westafrika und Mali im Speziellen Kokain im Gesamtwert von 2 Milliarden US-Dollar nach Europa geschleust wird. Ungefähr 40% des nach Europa einfließenden Kokain gehen über Westafrika, einschließlich Mali. Der Transport passiert nicht nur auf dem Land-, sondern auch auf dem Luftweg. Die Drogen werden per Flugzeug in die Sahara gebracht, diese werden entladen, und schon sind Toyotas mit dieser Ladung Richtung Mittelmeer unterwegs.
Ich denke, dass Russland, welches in Zeiten der Sowjetunion sehr gute Beziehungen zu Mali pflegte, das eine Schlüsselrolle bei der Bildung der nationalen Streitkräfte des Landes spielte und insgesamt 6 Hochschulen und einige Industrieunternehmen in Mali aufgebaut hat, sehr daran interessiert ist, dass dieses Land sehr bald zu einer friedlichen Beilegung der Krise findet.

Wirtschaftsteil der Woche

Zum Ende der Woche entschloss sich die Europäische Zentralbank zu einem unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen. Dabei kommt das Prinzip einer untersten Schwelle von Kreditwürdigkeit nicht zur Anwendung, das heißt, es wird alles gekauft, mit Ausnahme der Schulden Griechenlands. Was die EZB danach mit diesen teils aussichtslosen Schulden macht, ist völlig unklar. Wie es aussieht, interessiert das derzeit allerdings kaum jemanden.
Auch der Zustand der chinesischen Wirtschaft gibt weiterhin zu denken. Um die Wirtschaft anzukurbeln, investiert die chinesische Regierung einmal mehr in Infrastruktur. In Rekordzeit wurden rund 60 Infrastrukturprojekte mit einem Gesamtvolumen von 157 Milliarden US-Dollar bewilligt. Davon entfallen 127 Milliarden auf die Entwicklung von Eisenbahnwegen. In Shanghai soll es zwei komplett neue U-Bahn-Linien geben, auch in Provinzstädten werden U-Bahnen gebaut. Bis zum Jahr 2020 plant China die Verviefachung der Gesamtlänge seiner Schienenwege auf 7.000 Kilometer.

Bilder der Woche

00:06 – Wir haben eine Bilderserie aus dem heutigen Libyen bekommen. So sah die libysche Hauptstadt Tripolis unter dem Tyrannen Gaddafi aus. Und so – heute. Die Regierung schafft es nicht, eine normale Müllabfuhr zu organisieren.
00:18 – Das ist Sirte; die Regierung hat keine Mittel, die Stadt wieder aufzubauen.
00:23 – Das ist das Ergebnis eines Granatenanschlags, der in der vergangenen Woche von einem Unbekannten verübt wurde.
00:28 – Dies nun ist etwas erntshaftere Arbeit – ein paar hiesige Gruppierungen im Verteilungsstreit. Solche Aktionen enden üblicherweise in etwa auf diese Weise.
00:36 – Das nun ist die Küste, an der Leichname von Ermordeten entsorgt werden – dieser Tage wurde hier wieder 10 Leichen entdeckt. Gaddafi ist schon vor langer Zeit ermordet worden, aber Tote gibt es immer und immer wieder. Wer wird sich dafür nun zu verantworten haben?

Was kostest du, Angelina?

Es gibt eine Weisheit, die eigentlich in allen Kulturen und Völkern verstanden wird; dem Sinn nach geht es in ihr darum, dass der Charakter eines Menschen in Krisenzeiten und Bedrängnis in seiner Fülle zutage tritt. Ziemlich viele Menschen haben in solchen Situationen ihren nicht nur hartherzigen, sondern gar blutgierigen und kalt berechnenden Kern offenbart. Eine davon, so scheint es, ist die allseits bekannte Schauspielerin Angelina Jolie, ihres Zeichens UN-Botschafterin in den Krisengebieten dieser Welt. Sie besitzt schon längere Zeit das Image einer geradlinigen, ehrlichen, verantwortungsvollen Frau; bekannt wurde sie in dieser Rolle in erster Linie durch die Adoption von Kindern aus verschiedenen Krisenregionen. Dieses Image ließ sie in den Aufständen des „arabischen Frühling“ nun auch schon auf verhängnisvolle Art spielen.

Angelina Jolie am 13. Oktober 2011 in Misurata. Zum selben Zeitpunkt läuft die mörderische Belagerung von Bani Walid und Sirte durch die Misurata-Brigaden, die gleichzeitig die schwarze Bevölkerung Libyens massakrieren (u.a. in Tawergha).
In Libyen hat sie seinerzeit die bewaffneten Misurata-Brigaden unterstützt, genau die Brigaden, die durch ihre bis zum heutigen Tage ungehindert verübten Diskriminierungen, ethnischen Säuberungen und die Massenmorde an der schwarzen Bevölkerung Libyens bekannt sind. Ja, sie sind im an die nominelle Macht gebombten libyschen „Übergangsrat“ organisiert. Selbst die ganzen verlogenen internationalen Organisationen, welche für die Vernichtung der libyschen Jamahiriya eintraten, mußten zugeben, dass in Libyen nunmehr von den neuen Machthabern verübte, nach rassistischen Kriterien determinierte Verbrechen an der Menschlichkeit an der Tagesordnung sind. Richtig, das tun genau jene, welche von der NATO mit Bomben und Raketen „beschützt“ worden sind und die nach einem Blutzoll von zwischen 40.000 und 160.000 Toten in Libyen (je nach Quelle) nun gebietsweise das Sagen haben. Zur Erinnerung: nach dem Fall Tripolis‘ und während der Belagerung von Bani Walid und Sirte, nämlich am 13. Oktober 2011 kam die UN-Botschafterin Angelina Jolie nach Misurata, um den bewaffneten Brigaden ihre Unterstützung auszudrücken. Noch vorher, im April 2011, besuchte sie ein Flüchtlingslager an der Grenze zwischen Libyen und Tunesien, um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die Flüchtlingssituation zu lenken. Manche haben nun eine gewisse Gesetzmäßigkeit in diesen Auftritten der Hollywoodgröße festgestellt:

„Die USA bombardieren Kambodscha, und danach kommt Angelina in dieses Land und adoptiert einen kambodschanischen Jungen. Später zerbombten die Amerikaner Afghanistan und den Irak. Jolie war in beiden Ländern, bereits in ihrer Rolle als UN-Botschafterin. Nun zerbombten die Amerikaner Libyen, und da ist sie, die Jolie. Das wird schon zu einem gewissen Zeichen. Wenn also Angelina Jolie mit irgendeiner humanitären Wohlfartsaktion in eurem Land angekündigt ist, dann bedeutet das, dass die Amerikaner zumindest schon mit Marschflugköpern angreifen. Man kann sich nur wundern, aber sie hat tatsächlich etwas von einem verspäteten apokalyptischen Reiter.“

Angelina Jolie sieht nicht nach einer tumben und hirnlosen Puppe aus, es kann nicht sein, dass sie keine Ahnung davon hat, wen sie da unterstützt oder mit welchem Ziel sie das tut. Vor ein paar Wochen präsentierte sie ihren eigenen Film über den Bosnienkrieg, dessen propagandistischen und durch und durch falschen Tenor man selbst in Deutschland mitbekommen hat, welches ja bekanntlich ein Land ist, das nach wie vor auf Serben schießt, nur, dass es, im Unterschied zu der Zeit von vor 70 Jahren, heute „Friedensmission“ genannt wird. Worauf hat sie denn spekuliert, wenn sie die Serben als Monster porträtiert, während die bosnischen Moslems geradezu Engel ohne Flügelchen sein sollen? Man kann sich vorstellen, dass gar nicht die Europäer, sondern die Moslems im Nahen Osten die eigentliche Zielgruppe sind. Es kann natürlich verschiedene Gründe haben, aber die Linie ist klar, und dieser Linie bleibt sie treu: Was Syrien angeht, so Jolie, sei es an der Zeit, dort endlich zu „intervenieren“ und wiederholt damit fast wörtlich die Äußerungen des grotesken US-amerikanischen Senators John McCain.
Gleiches gilt für ihre Unterstützung des „Invisible Child“-PsyOps, des momentan sehr populären Kurzfilms „Kony 2012“, der verstand- und hirnlos über die sozialen Medien verbreitet wird und Rekordzahlen an Betrachtern in der Kürze der Zeit zu verbuchen hat. (Anmerkung: 3sat hatte heute zu diesem Thema einen recht ausgewogenen Beitrag.) Wahrlich, Uganda und der Kongo kommen auch irgendwann dran – wahrscheinlich nebenbei. AFRICOM hat bereits seit 2008 Soldaten in Uganda. Friedenstreiber. Der legendäre Max Keiser hat dies mit einer goldenen Regel kommentiert: „When there’s oil in the air, the white man is there“. Und wo wir bei Afrika sind – in Nigeria, das seit kurzem durch Massenmorde an Christen und Brandschatzungen von christlichen Kirchen auffällt – cui bono? -, ist gleichzeitig das an Ölvorkommen reichste Land Afrikas. Das klingt nach idealen Voraussetzungen für eine Intervention, denn ansonsten bekommen es die Chinesen auf friedlichen Wege. Wie vorteilhaft, dass es da gerade irgendwie instabil wird.
Man kann nur hoffen, dass Frau Jolie in den Ländern, die sie zu bereisen gedenkt, zumindest mit Wurfgeschossen aus faulen Eiern begrüßt wird. Das wäre das mindeste, was man ihr an Ehrungen erweisen könnte, zieht man in Betracht, dass die Unterstützung des Genozids an der schwarzen Bevölkerung Libyens, der NATO in ihrem Bombenwahn im gleichen Land und nun derselben NATO/USA/EU-Koalition vor einem Überfall auf Syrien auf ihre Kappe geht. Vor einigen Tagen (konkret nach der Säuberung von Homs) haben viele Quellen gemutmaßt, dass es möglicherweise bald eine False-Flag-Aktion geben könnte, welche den Syrern in die Schuhe geschoben wird. Eventuell ist der heute bekannt gewordene Massenmord an Zivilisten, darunter vielen Kindern, in Homs, bereits eine solche Aktion. Eine schreckliche Aktion, aber plump, denn das passiert unmittelbar vor der morgigen Sitzung des Sicherheitsrats, die den nächsten Anlauf in dem Versuch darstellt, einen Angriff auf Syrien völkerrechtlich zu legitimieren. Wir dürfen gespannt sein, wen Angelina als nächstes adoptiert.