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Elektromaidan

Die derzeitigen Unruhen (noch kann man sagen: Proteste) in Armenien haben eine recht banale Ursache: es geht um Proteste gegen eine Erhöhung der Tarife für Elektroenergie; vor erst relativ kurzer Zeit wurden sie fast verdoppelt, derzeit steht eine nochmalige Erhöhung um 17 Prozent an. Der Staat begründet das mit einem schlichten Defizit. Zwar ist Armenien Stromexporteur – erst im vergangenen Jahr wurde rund 1 Gigawatt Strom im Austausch für Erdgas an den Iran geliefert, aber das lässt sich auch nicht ändern, denn Erdgas gibt es in Armenien nicht.

Die erst rein sozial gestarteten Proteste bekamen allerdings sehr schnell eine politische Note, denn der armenische Netzwerkmonopolist ENA gehört zur Inter RAO UES, und die wiederum zu einem großen Teil zu Rosneft. Vollkommen logisch, dass die Opposition im Verlauf der Proteste ganz analoge Losungen postuliert wie einst die Zombies vom Kiewer Euromaidan – Russen selbstverständlich an den sprichwörtlichen Galgen, armenische Elektrizität den Armeniern und Moskaus Strohmänner zur Stromerzeugung verheizen und so weiter.

Mal ganz ungeachtet dessen, dass Proteste gegen die nochmalige Tariferhöhung gerechtfertigt scheinen, kann es schlimm enden, wenn man den sozialen Forderungen eine politische Note beimischt. Ein auf welche Weise auch immer erzwungener Regierungsrücktritt oder Staatsstreich in Jerewan kann den gedemütigten, aber sehr starken Nachbarn Aserbaidschan leicht dazu provozieren, das Problem mit Berg-Karabach zu klären. Gesellschaftlich ist dort alles dazu bereit: in keinem Auftritt eines Aserbaidschaners fehlt die Bemerkung über die „20 Prozent okkupiertes aserbaidschanisches Staatsgebiet“, ganz wie bei Cato und Karthago. Die Militärmacht der Aserbaidschaner steht dem in nichts nach. Grenzscharmützel gibt es immer wieder.

Die armenische Opposition hat dabei allem Anschein nach genauso wenig Hirn wie die ukrainische zu Zeiten des dortigen Maidan – viel weiter als bis zum morgigen Tag sieht sie nicht. Die begeisterten Antlitze der Jugend in Jerewan erinnern an die ebenso (oft mit Captagon) durchgeistigten Kiewer Euromaidan-Protestler von vor anderthalb Jahren:

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