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”Al-Kaida” im Jemen: Wir waren’s!

Nasser al-AnsiNasser al-Ansi, ein Mann mit dezent vergilbtem Bart, den man als „einen der Führer“ der Al-Kaida im Jemen (AQAP) bezeichnet, beharrt darauf, dass der Angriff gegen die infernalischen Pariser Karikaturisten auf das Konto seiner Organisation geht. Das macht ganz den Eindruck, als würde die AQAP in enger Zusammenarbeit mit den saudischen Geheimdiensten in dieser Situation ganz exakt in deren Auftrag handeln und versuchen, die Aufmerksamkeit der Europäer auf den Jemen zu lenken.

Nur zu verständlich das Bestreben, sich die offenbar ausstehenden Vergeltungsmaßnahmen der „zivilisierten“ Welt, resp. der führenden Militärmächte, zunutze zu machen. Derzeit kann man nicht verkennen, dass die Saud über die vermutliche Zielrichtung der wahrscheinlich bevorstehenden „europäischen Antwort“ – den „Islamischen Staat“ – nicht gerade erbaut sind. Der IS ist für Saudi-Arabien trotz dessen martialischer Drohungen und selbst trotz kleinerer Grenzzwischenfälle im Norden nicht so aktuell, wie es beispielshalber die gestrige Drohung des Iran ist, jene Länder, welche für den akuten Ölpreisverfall der vergangenen Monate verantwortlich sind, „bereuen“ zu lassen. Wie Rohani diese Länder zur Reue bringen will, sagte er nicht – dass sich der Iran und Venezuela zu einem Club der ausgestoßenen Erdölexporteure zusammentun, hat noch nicht ein Gewicht, das den Golfmonarchien, oder auch nur den Saud allein, allzu großes Kopfzerbrechen bereiten müsste. Vorsichtshalber fühlen sie aber natürlich vor, ob nicht eventuell „der Russe“ mit Maduro und Rohani in ein Triumvirat aus bedrängten Rohstoffexporteuren einsteigen will.

Anders gesagt, die Lage an der Grenze zum Jemen ist für das Königreich derzeit weit gefährlicher als alles andere – und hier hat der Iran eben auch seine Hebel in Form von schiitischen Milizen, die den Norden des Landes einschließlich der Hauptstadt Sanaa besetzt halten.

Die Europäer trommeln stattdessen in eine ganz andere Richtung und reagieren gar nicht auf die jemenitische Spur. Ganz und gar ignorieren kann man das „Bekenntnis“ der Pariser Terroristen und der AQAP-Führung natürlich nicht, aber es ist der „Islamische Staat“, den man beharrlich als Verantwortlichen benennt. Die Gruselgeschichte von Syriens „Atomfabriken“ im Spiegel kann durchaus auch andeuten, wohin die Reise eigentlich gehen soll – kein Sicherheitsrat müsste konsultiert werden, und unter Umständen zielt man auf ein „Tripolitaner“ Szenario für Damaskus ab, bei dem Spezialeinheiten u.a. aus Frankreich und Katar die Tore der libyschen Hauptstadt für die tobenden Rebellenbanden öffneten.

Allem Anschein nach wird derzeit noch im Hintergrund verhandelt, wer denn nun vor den Augen der Weltöffentlichkeit für den Anschlag auf die Redaktion des französischen Blatts bestraft werden soll, und wie. Die Saud können sicher ihren finanziellen Beitrag dazu leisten, dass man die AQAP ins Visier nimmt (und die schiitischen Verbände im Nordjemen in einem Aufwasch mit erledigt). Das Problem ist, dass der IS für Amerikaner wie Europäer ein lohnenderes Ziel ist – es gilt, dort Aktivitäten zu entfalten, in deren Schlagschatten man gut und gern Gelegenheiten bekommt, Assad aus dem Weg zu räumen. Die „Pitbulls“ (in Fursows Terminologie) haben Syrien ja nicht etwa vergessen, und hier bietet sich die Gelegenheit, dem Krieg gegen Syrien ohne juristische Formalitäten, wie etwa der UNO, neues Leben einzuhauchen.

Eine Intensivierung des „Kriegs gegen den Islamischen Staat“ birgt die Möglichkeit, die Bereiche auszuweiten, die im Fadenkreuz der Koalition stehen – im Bedarfsfall auf das ganze Syrien. Wahrscheinlicher wäre in dem Fall aber eine indirektere Variante, nämlich eine Aufrüstung jener „gemäßigter Banditen“, die auf syrischem Boden gegen den IS (und zufälligerweise auch gegen die syrische Regierung) kämpfen. Einen Korridor zum Präsidentenpalast in Damaskus würden dann zu gegebener Zeit Fachleute ohne militärische Abzeichen legen.

Die jemenitische Spur

Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben sich wahrscheinlich nur die ganz besonders Faulen noch nicht zu den “False-Flag”-Indizien des Gemetzels in Paris geäußert: der mutmaßliche Fehlschuss, der den gestolperten Polizisten auf dem Gehweg tötete, das dreimal gleiche Rettungsteam an drei verschiedenen Opfern, die wahrscheinlich aus Gründen der Treibstoffersparnis nur zwei Krankenwagen (für insgesamt 32 Opfer) im Einsatz, Hollande schon dreißig Minuten später an einem potentiell gefährlichen (vielleicht verminten) Ort und so weiter und so fort.

AQAP

AQAP

Regelrecht langweilig wird es dann, wenn es um im Auto liegengelassene Ausweise oder Führerscheine der Terroristen geht. Aber es kam ja noch etwas, und zwar, dass die Terroristen unmittelbar vor dem Anschlag, die Granatwerfer schwenkend, gegenüber irgendwelchen Passanten eine kleine Ansprache gehalten zu haben scheinen, deren Essenz in der folgenden Aufforderung formuliert wurde: “Vous direz aux médias que c’est Al-Qaïda au Yémen” – also: ihr sagt den Medien, dass es die Al-Kaida im Jemen war. Diese Story wurde denn auch glatt von den “médias” aufgegriffen und breitgetragen.

Hätten sich die Attentäter als Algerier, Libyer, oder wenigstens noch als Syrer ausgegeben, dann könnte man das noch irgendwie verstehen, aber warum ausgerechnet als AQAP? Die Al-Kaida im Jemen ist eine recht “spezialisierte” Al-Kaida und exakt darauf ausgerichtet, mit den schiitischen Zaiditen und der jemenitischen Regierung Krieg zu führen. In vielerlei Hinsicht gilt sie als einer der Kettenhunde der saudischen Geheimdienste, geschaffen in Kooperation mit analogen US-amerikanischen Diensten, um im Großen und Ganzen dem iranischen Einfluß auf der Arabischen Halbinsel entgegenzuwirken. Kurz, Frankreich und die dort wirkenden Vollidioten von Karikaturisten sollten der Al-Kaida im Jemen eigentlich vollkommen egal sein.

Jahresrückblick 2013: Jemen

Der Jahresrückblick 2013 für Jemen zeichnet alles in allem ein recht trübes Bild von der Lage und den Perspektiven des Landes. Sehr interessant auch im Zusammenhang mit den Filmen “JSOC” und besonders – wer des Russischen mächtig ist – “Terra Al-Kaida”. Quelle für den Jahresrückblick: itar-tass.com

Der Jemen zählt zu den Ländern des Arabischen Frühlings, bei denen von Anfang an nichts nach dem geplanten Szenario verlief. Schon wenige Monate nach dem Aufkommen des Interesses an den Volksprotesten in Sanaa wurde es für Journalisten zunehmend schwerer, über das Streben nach Demokratie und Fortschritt unter dem Joch der nächsten Diktatur zu berichten. Was schließlich das despotische Regime Ali Abdullah Salihs ablösen sollte, sah so gar nicht nach Fortschritt, Demokratie oder wenigstens einer elementarer Ordnung aus.

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Das Grundübel Jemens besteht dabei in einer der höchsten Geburtenraten der Welt. Wie viele Entwicklungsländer erlebt auch Jemen diesen Übergang zwischen einem Bevölkerungswachstum ersten und zweiten Typs. Die Gefahr dieses Übergangs besteht dabei darin, dass eine bereits nur verhältnismäßig gute medizinische Versorgung und eine Verbesserung der Lebensstandards die Sterblichkeit spürbar senken, die Geburtenrate dabei aber auf dem bisherigen Niveau verbleibt. Dies führt zu einem enormen Anstieg der Bevölkerungszahl.

Diese Übergangszeit dauert normalerweise nicht allzu lange an. Bei einer stabilen Entwicklung des Landes etabliert sich nach und nach ein Bevölkerungswachstum des zweiten Typs, bei dem Fertilität und Geburtenrate sinken und sich somit die Geschwindigkeit des Bevölkerungswachstums verlangsamt.

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Alterspyramide Jemen 2012 mit Ali Abdullah Salih

Diktator und Despot Ali Abdullah Salih war natürlich nicht gerade ein Geschenk des Himmels. Unter seiner Führung kam das Leben im Lande allerdings allmählich in geregelte Bahnen. Diese Entwicklung verlief dürftig und recht armselig, und von 1975 bis zum Beginn des „Frühlings“ verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf 24 Millionen Menschen. Dabei brauchen sich die Jemeniten darüber nicht zu freuen: heute ist knapp die Hälfte der Bevölkerung unter 15 Jahre alt, während nur etwa 3 Prozent älter als 65 sind. Das Bevölkerungswachstum verlangsamt sich überhaupt nicht und beträgt kolossale 3 Prozent.

Zusätzlich besteht für Jemen, wie auch für Syrien, ein ernsthaftes Problem durch Flüchtlinge aus anderen Ländern. Syrien brachten die beiden Flüchtlingswellen aus Palästina und dem Irak fast zwei Millionen neue Einwohner. Während es die Palästinenser irgendwie geschafft haben, in das Leben des Landes „hineinzuwachsen“, wurden die halbe Million Iraker (nach einigen Angaben auch bis zu einer Million) zu einer schweren Bürde für die Wirtschaft des Landes. In dem nun schon drei Jahre andauernden Krieg bilden diese Menschen für Rebellengruppen eine Ressource für die Rekrutierung neuer Kämpfer.

Die Zahl der Flüchtlinge im Jemen ist geringer: sie liegt schätzungsweise zwischen 300 Tausend und einer halben Million. Sie erreichen den Jemen größtenteils aus “Übersee” – aus Somalia, Äthiopien, Eritrea. Die Wirtschaft des Jemen ist aber um einiges schwächer als die Syriens wodurch die Flüchtlinge während des “Frühlings” zu einem nicht zu unterschätzenden destabilisierenden Faktor wurden.

JSOC

Nun kann man sich natürlich fragen, warum das zwar nicht zur besten Sendezeit, aber doch auf ARD kommt, beziehungsweise seit vorgestern überhaupt manchenorts in den Kinos läuft. Nun, einerseits ist der Plot ganz klar Anti-Obama, andererseits kann man davon ausgehen, dass das Joint Special Operations Command auf diese Weise einmal heftig durchgeschüttelt oder vielleicht gar komplett aus dem Verkehr gezogen werden soll. Für all das gibt es natürlich gerade jetzt auch Interessenten.

Wochenschau, Folge 57 – Jahresrückblick 2012

Die Leute von “Umgestaltung der Welt” wagen einen Jahresrückblick mit m.M.n. teils fragwürdigen Schlußfolgerungen. Man kann es sich aber durchaus einmal ansehen. Zugegeben, nicht allzu viele sind darauf gekommen, die US-Außenpolitik sei wegen eines toten Botschafters gleich gescheitert. Aber ich persönlich mag den positiven Grundtenor dieser (wie auch der meisten anderen) Folgen.

Das Jahr 2012 geht dem Ende entgegen und glücklicherweise kam es weder zum Weltuntergang, noch zum Beginn eines Dritten Weltkriegs. Wir wollen ein kleines Fazit wagen und die wichtigsten geopolitischen Ereignisse dabei hervorheben.

Fiasko der US-Außenpolitik

Zweifellos ist die wichtigste Schlussfolgerung des scheidenden Jahres das Fiasko der US-Außenpolitik. Jetzt, da man daran geht, die alten “Falken” aus der neuen Obama-Administration zu streichen, wird das besonders deutlich. Das plötzliche Gebrechen der alten Clinton, das sich bei ihr in Durchfall und einem Sturz mit Gehirnerschütterung zeigte, ist eine absolut treffende Charakterisierung der Ergebnisse der US-Strategen. Diese haben es nicht nur geschafft, sich die Köpfe einzurennen, sondern haben sich dabei auch noch ordentlich in die Hosen gemacht. Schlecht ist natürlich, dass dabei so viele unschuldige Menschen sterben mussten.
Manche sind der Ansicht, dass die USA durch ihre Aktionen in bestimmten Punkten der Welt das so genannte “gesteuerte Chaos” generieren wollten. Im Moment sieht eine solche Behauptung recht fragwürdig aus, da es den USA nirgends gelungen ist, dieses Chaos auch nur ansatzweise zu steuern. Um nicht leerer Worte bezichtigt zu werden, lasst uns einmal schauen, wie das ablief.
In Libyen ist das Resultat der Entmachtung Gaddafis, dass ein einstmals blühendes Land in einen Strudel von Stammeskämpfen verfiel, sowie auch der Mord am US-Botschafter Christopher Stevens. Während die Zerstörung eines blühenden Landes noch irgendwie zu den Interessen der USA paßt, sieht das mit dem Mord am Botschafter wohl anders aus. Dieser hat der Welt deutlich gezeigt, dass Washington bereits nicht einmal mehr in der Lage ist, die eigenen Interessen zu schützen.
In Afghanistan sieht es auch nicht besser aus. In diesem Jahr ist ein bedeutender Teil des ausländischen Militärkontingents abgezogen worden, doch sah das eher nach einem Fluchtergreifen aus. Die Militärbasen der USA sind über das ganze Jahr Angriffsziel der Taliban gewesen, abgeschossene NATO-Hubschrauber fielen vom Himmel, europäische Soldaten wurden von den Minen der Mudschaheddin zerrissen. Man erinnere sich auch an den “amerikanischen Breivik”, den durchgeknallten Robert Bales, der innerhalb einer Nacht ohne jeden Grund 16 friedliche Afghanen massakriert hat.
Fast ohne jede Aufmerksamkeit blieb indes noch ein Reinfall der USA, und zwar im Jemen. Durch die Bemühungen Washingtons wurde hier Präsident Ali Abdallah Saleh vom Posten verdrängt. Danach ging das Land in eine Folge endloser militärischer Zusammenstöße und Terroranschläge über. Die Al-Kaida befestigte sich im Süden des Landes und hat hier de facto ihren eigenen, unabhängigen Staat geschaffen. Auch das Morden zwischen Schiiten und Sunniten geriet im Jemen zu enormem Ausmaß. Der Höhepunkt des Versagens der US-Politik war die Plünderung der US-Botschaft nach einer Vorführung des Films “Die Unschuld der Moslems”. So haben die dankbaren Jemeniten Washington ihre tiefe Verbundenheit für die demokratischen Veränderungen in ihrem Land gezeigt.
Ein weiteres Beispiel für die Flaute, in der die amerikanische Flagge derzeit hängt, ist Ägypten. So viel Trara und PR es um den Sturz des “Tyrannen” Mubarak gab, so verhalten berichten nun die westlichen Medien über die Resultate des Arabischen Frühlings. Das ganze Jahr über ertönte das Gebrüll auf dem Tahrir-Platz. Das ganze Jahr lang haben sich die vom der Demokratie beglückten Ägypter gegenseitig die Köpfe mit Pflastersteinen eingeschlagen und amerikanische Fahnen in Fetzen gerissen. Das Ergebnis des ägyptischen “Frühlings” ist beeindruckend – ein vollkommener wirtschaftlicher Ruin, die Machtergreifung der Islamisten und tausende Opfer bei den nicht enden wollenden Unruhen. Vielen Dank, Großer Bruder!
Wir wollen annehmen, dass wir im kommenden Jahr Zeugen eines Zurückfahrens der militärischen Präsenz der USA im Nahen Osten sowie einer allmählichen Abkehr von der gescheiterten Politik direkter Einmischung in die Angelegenheiten anderer Staaten werden.

Konfrontation des Jahres

Sicherlich war die Opposition zwischen Russland und den USA in diesem Jahr herausragend. Im Fokus dieser Auseinandersetzung lag Syrien, sie verlief aber auch an anderen Fronten – in Zentralasien, auf den Gebieten der Wirtschaft und der Rechtssprechung. In diesem Jahr fand das berühmte “Reset” der Beziehungen zwischen beiden Ländern faktisch keine Erwähnung mehr. Auch auf höchster Ebene wird inzwischen anerkannt – Russland und die USA haben zu verschiedene Ansichten zu den wichtigsten aktuellen Problemen.
Wer konnte in dieser Auseinandersetzung bisher bestehen? Das ist wohl Russland. Ein Zeugnis dafür ist das zwar ziemlich gebeutelte, aber doch bestehende Land Syrien. Wir wollen sicher nicht den Verdienst der syrischen Armee und des syrischen Volkes an diesem Erfolg schmälern. Doch man muss zugeben: wäre da nicht Russland, hätte Syrien es nicht mit hirnverbrannten Terroristen, sondern direkt mit dem NATO-Block zu tun. Der Ausgang einer solchen Konfrontation wäre offensichtlich. Wir können nur mutmaßen, welcher Anstrengung es bedurft hatte, dass Russland die Situation in diesem Fahrwasser halten konnte.
Einige Male wurde es kritisch: als das türkische Militärflugzeug an der syrischen Küste abgeschossen wurde und als Unbekannte von syrischer Seite aus türkisches Gebiet beschossen haben. In diesen Momenten hing wirklich alles an einem Haar, doch glücklicherweise fehlte es den “Partnern” von der anderen Seite des Ozeans an Entschlossenheit, eine Militärintervention zu starten. Auch die arabischen Sponsoren des Terrors in Syrien hatten nicht genug Mumm für eine offene Konfrontation. Wohl nicht umsonst kreuzte die russische Kriegsmarine über das ganze Jahr im Mittelmeer. Die Andeutung wurde verstanden.
Nicht minder wichtig ist auch die wirtschaftliche Seite der Auseinandersetzung gewesen. Auch in dieser Hinsicht war das Jahr für Russland sehr erfolgreich. Erstens ist mit dem Bau der Pipeline “South Stream” begonnen worden – einer Erdgaspipeline nach Europa, welche die Ukraine umgeht. Zweitens wurde der Bau der Abzweigungen des “North Stream” vollendet. Drittens wurde das Projekt mit dem Namen ESPO-2 in die Tat umgesetzt – eine Erdölpipeline aus Ostsibirien an den Stillen Ozean, welche die Märkte Asiens für russisches Öl erschließt.
In den USA und Europa gibt es in Wirtschaftsbelangen nichts als Enttäuschungen – eine sich übermäßig aufblähende Staatsverschuldung, die sich Richtung Finanzkollaps der Eurozone entwickelt, Arbeitslosigkeit und Rückgang der Produktion.
Im kommenden Jahr wird dieser Widerstreit sicherlich nicht verschwinden, doch es wird wohl die Europäische Union sein, welche an dieser Stelle zur Keule der USA werden soll.

Eurasische Integration

Vielleicht wissen es unsere ausländischen Zuschauer nicht, doch auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion geht man ein globales Integrationsprojekt an. Es soll in der Perspektive die ehemaligen Sowjetrepubliken zu einer einheitlichen Wirtschafts- und Verteidigungsunion vereinen. Das ist ein schwieriger Prozess und er läuft nicht so schnell, wie man das gern hätte, doch es geht alles in allem recht entschlossen voran.
Ein gutes Zeichen dafür ist die kürzliche Verlautbarung von Hillary Clinton darüber, dass man es Russland nicht gestatten dürfe, eine “neue Version der Sowjetunion” zu schaffen, egal, wie diese genannt würde.
Wladimir Putin:

Es befremdet mich immer sehr, wenn manche unserer ausländischen Kollegen sagen, dass – wenn wir den Weg der Integration beschreiten, so seien das wiedererstarkende “Ambitionen” Russlands aus der ehemaligen Sowjetunion. Welch ein Blödsinn! Für uns ist das ein vollkommen natürlicher Prozess, denn bei uns gibt es dafür Voraussetzungen, die andere Integrationsprozesse gar nicht hatten: wir haben eine gemeinsame Sprache, die große russische Sprache, wir haben bis zu gewissem Grad eine gemeinsame Mentalität, da wir alle aus einem Staat hervorgegangen sind; wir haben eine gemeinsame Transportinfrastruktur, eine gemeinsame Infrastruktur in der Energieversorgung, bei uns gibt es enorme, nicht mit anderen Ländern und anderen Integrationsprojekten zu vergleichende Kooperation zwischen den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Und man muss sagen, auch in unseren Kulturen gibt es sehr viel Gemeinsames, und deshalb ist das für uns eine auf Erhöhung unserer Wettbewerbsfähigkeit hinauslaufende Richtung.

Tatsächlich haben die “Partner” von der anderen Seite des Ozeans in diesem Jahr alles mögliche unternommen, um diese Integration zu behindern. So sind die Ukraine und Usbekistan praktisch aus diesem Prozess ausgeschieden. Das aber bis auf weiteres. Dafür bestehen stabile Beziehungen zwischen Russland und Kasachstan. Kasachstan wurde in diesem Jahr besonders beharrlich gesprengt, terrorisiert und destabilisiert, doch all das umsonst. Es ist nicht gelungen, Feindschaft zwischen Russland und Kasachstan zu säen.
Es gelang auch nicht, Kirgisien und Tadschikistan von Russland zu entfremden. Viele fragen sich, wozu Russland diese zentralasiatischen Republiken mit ihrer schwachen Wirtschaft und dem schwachen Militär braucht. Das haben wir mehrmals hervorgehoben – je stärker die Positionen Russlands in Zentralasien sowie auf dem Kaukasus sind, desto ruhiger wird es in Moskau, Sankt-Petersburg, Nowosibirks und anderen Städten sein.
Ende des Jahres wurden Schlüsselfragen geklärt – die Pachtfrist für russische Militärobjekte in Kirgisien und Tadschikistan wurde verlängert. Allen ist klar, dass mit dem Abzug der internationalen Koalition aus Afghanistan im Jahr 2014 die Grenzen dieser Republiken faktisch zu den Grenzen Russlands werden. Genau damit hängen die zahlreichen Militärmanöver im Rahmen der OVKS zusammen. Die OVKS ist ein der NATO und der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit analoges Bündnis.
Im kommenden Jahr wird sich der Prozess der eurasischen Integration fortsetzen. Auf der Tagesordnung werden der Beitritt Kirgisiens in die Zollunion stehen, sowie auch die Umrüstung und der Ausbau russischer Militärbasen in Zentralasien, und natürlich der Kampf mit dem Drogenschmuggel aus Afghanistan. 
Alexandr Lukaschenko:

Im Jahr 2015 wird es die Eurasische Union mit Sicherheit geben. Mit Sicherheit. Mit Russland und Weißrussland gibt es in dieser Hinsicht keine Probleme. Wir vertreten eine gemeinsame Position.

Islamischer Fanatismus

Sicherlich ist religiöser Fanatismus keine Entdeckung aus diesem Jahr. Allerdings war er in diesem Jahr das hauptsächliche Instrument der Destabilisierung der weltweiten Lage. Dabei ist er an Orten aufgetreten, wo man damit eigentlich nicht rechnen konnte. Beispielsweise im Herzen Russlands. Die, welche unsere Folgen gesehen haben, können sich sicher gut daran erinnern, dass plötzlich selbsternannte “Emire” eines wahhabitischen Untergrunds wie die Springteufel in Tatarstan zu erscheinen begannen. Leider wurde diese Bedrohung nicht rechtzeitig identifiziert und kostete so den geistlichen Führer der Moslems in der Wolga-Region, Walliula Jakupow das Leben. Er wurde von Terroristen an der Schwelle des eigenen Hauses ermordet.
Allerdings wurde ein solches Signal richtig gedeutet und bald begann man, sich mit diesem terroristischen Untergrund zu befassen. Das nun aber nicht nur in Tatarstan, sondern in ganz Russland. Es wurden eine ganze Reihe an Zellen der terroristsichen Hisb-ut-Tahrir aufgedeckt und deren Anführer verhaftet.
Gleichzeitig wurde der Anti-Terror-Kampf im Nordkaukasus fortgeführt. Im Zentrum standen Inguschetien und Dagestan. Auch hier ging es leider nicht ohne spektakuläre Auftragsmorde aus. In Dagestan wurde beispielsweise Said Afandi, eine bedeutende religiöse Persönlichkeit, bei einem Anschlag getötet. Die beiden Morde an Afandi und Jakupow stellen eine Herausforderung des radikalen Islam gegenüber dem traditionellen dar, denn beide Prediger waren Kritiker des Wahhabismus. Damit ist also eine potentielle Bruchlinie zutage getreten, an der entlang die Feinde Russlands auch weiterhin tätig sein werden. Das Ziel ist offensichtlich, die Zustände in Russland zu einer endlosen Verkettung von Terroranschlägen zu machen, ähnlich wie in Afghanistan, Jemen und Irak. Also so wie dort, wo Moslems seltsamerweise Moslems umbringen, nur, weil sie ihre heiligen Schriften verschieden auslegen.
Es ist wahrscheinlich, dass genau diese Art der Destabilisierung der russischen Gesellschaft im nächsten Jahr vorherrschend wird; andere Methoden haben sich bislang als wenig passend erwiesen.

Innenpolitik Russland

Im herausragendsten war hier das Fiasko der Protestaktionen in Russland und die neue Machtkonfiguration. Über das Erlöschen der Proteste der russischen Oppositionellen wurde schon viel gesagt, es wäre unsinnig, das alles zu wiederholen. Das Resultat liegt auf der Hand – die frischgebackenen Revoluzzer haben sich auf den Straßen als vollkommen unfähig erwiesen und nur sich selbst diskreditiert. Die Staatsmacht machte sich das zunutze und hat anhand dieser Vorkommnisse gewisse Polittechnologien erproben können. Das ist denn auch alles, was der mißratene “Russische Frühling” bewirkte.
Viel interessanter sind neue Konstellationen in der Staatsmacht. Wladimir Putin kehrte ins Präsidentenamt zurück, das Ministerkabinett wird von Dmitrij Medwedew angeführt. Das erweckt den Anschein einer Doppelherrschaft, denn es sind einige als liberal geltende Minister im neuen Kabinett vertreten. Das ganze Jahr über konnte man die große Show der Privatisierung der Filetstücke der russischen Wirtschaft mitverfolgen. Medwedew und sein Team haben ihren Standpunkt, der Staat solle sich komplett aus allen Wirtschaftsunternehmen zurückziehen, aktiv vorangetrieben, dabei hat Putin jedoch versprochen, dass die “strategischen Branchen”, solche wie die Rüstungsindustrie und die Förderung von Erdöl und Erdgas, keineswegs zur Beute der Privatwirtschaft werden.
Dieses Versprechen hielt er zum offensichtlichen Verdruss des liberalen Blocks innerhalb der Staatsmacht. Allerdings halten wir es für unangemessen, die Tiefe der Spaltung überzubewerten. Ja, es gibt Meinungsverschiedenheiten zu Eigentumsverhältnissen, zum Staatsbudget, selbst zum Kurs, den das Land weiter verfolgen soll, doch sind diese Meinungsverschiedenheiten nicht kritischer Natur und es wird im kommenden Jahr deswegen wohl kaum zu einer Regierungsneubildung kommen, wie das manche Politologen vorhersagen. Schlussendlich liegt das Hauptaugenmerk der Regierung in der Stabilität, um derentwillen es immer Kompromisse geben wird, ganz ungeachtet der politischen Ansichten der jeweiligen Gegner. Freilich müssen wir, die Hand auf’s Herz gelegt, zugeben, dass wir uns einen anderen Kurs wünschen würden – einen, der sich weniger um die Stabilität der Macht kümmert, als vielmehr auf intensives und extensives Wachstum abzielt. Vielleicht werden unsere Hoffnungen im kommenden Jahr wenigstens zum Teil erfüllt.

Nachwort

Vom psychologischen Standpunkt war das scheidende Jahr sehr angespannt. Es hat das Leben einer großen Zahl vollkommen unschuldiger Menschen in allen Teilen der Welt mit sich gerissen. Insgesamt ist das Hauptdefizit der jetzigen menschlichen Gesellschaft zutage getreten – das ist die Besonnenheit. Sie ist zu einem wahrhaft selten anzutreffenden Zug geworden, sowohl bei Politikern, wie auch bei einfachen Leuten. Ich möchte uns allen gern im Namen unseres gesamten Projekts wünschen, im Neuen Jahr besonnen zu sein: keinen Manipulationen nachgeben, an sich selbst arbeiten, neue Erkenntnisse anstreben. Nur dann wird die Umgestaltung der Welt nicht mehr mit neuen Kriegen assoziiert werden, sondern mit einem globalen Vorankommen der Zivilisation.
Viel Erfolg, gute Gesundheit und Besonnenheit im Neuen Jahr!

Von der Physik eines Terroranschlags (Jemen)

Am 21. Mai schleicht ein Selbstmordattentäter von der al-Qaida unbemerkt und mit Unmengen von Sprengstoff unter seinem Hemd mitten in eine Militärformation, um diese in die Luft zu sprengen. Ein paar simple Fragen zu diesem Szenario.
Der Terroranschlag vom 21. Mai im Jemen hat bereits seine mehr oder weniger offizielle Deutung versehen bekommen. Ein gewisser, in eine Uniform verkleideter Selbstmordattentäter hat sich in eine Armeeformation eingeschlichen, die gerade dabei war, die Generalprobe für eine Militärparade abzuhalten und hat sich in ihrer Mitte in die Luft gesprengt. Deshalb auch die hohe Zahl der Opfer und Verletzten.
Die jemenitische al-Qaida soll für den Anschlag verantwortlich sein; deren Kämpfer liefern sich in der Provinz Abyan schwere Kämpfe mit den Regierungstruppen, weshalb also der Terroranschlag scheinbar den Sinn haben sollte, das Militär unter Druck zu setzen und sich an der Armee zu rächen.
Allerdings kommt man – betrachtet man die veröffentlichten Informationen näher – fast unausweichlich zu dem Schluss, dass diese Version doch einigermaßen phantastisch anmutet und elementarer Logik widerspricht.
Erstens, ein vollständiger Bericht darüber, dass es sich um einen Selbstmordattentäter in Militäruniform gehandelt haben soll, erschien quasi weniger Stunden nach dem Anschlag. Wenn man die enorme Wucht der Explosion in Betracht zieht, die direkt an Ort und Stelle 100 Menschen in den Tod riss und rund 300 weitere verletzte, dürfte von dem Terroristen selbst nichts übriggeblieben sein – trotzdem ist man sich gewiss darüber, dass es sich um einen Mann in Uniform gehandelt hat. Dabei sollte eigentlich relativ klar sein, dass es innerhalb von ein paar Stunden und inmitten von Leichen und Leichenteilen der rund 100 Menschen relativ schwer sein sollte zu bestimmen, dass der Attentäter „ein Mann in Uniform“ gewesen sein soll. Zeugen dafür kann man ganz sicher nicht mehr befragen.
Zweitens, die Wucht der Explosion führt zu der Überlegung, dass, handelte es sich wirklich um einen Selbstmordattentäter, dieser allein durch sein recht eigenartiges Erscheinungsbild hätte Verdacht hervorrufen müssen – sich ein derartig verheerenden Mechanismus umzuhängen, eine Militäruniform darüber ziehen und marschieren, nun, wie hätte das denn ausgesehen? Die „Welt Online“ schreibt gar noch, der Mann habe den Sprengstoff samt Zündmechanismus „für die anderen nicht sichtbar unter seinem Uniformhemd“ versteckt. Na, na. Höchstens, wenn er sich als Frau verkleidet hat. Und dann aber doch sichtbar.
Dabei lassen die Meldungen darüber, dass die Bombe inmitten der Formation detonierte und auch die Zahl der Opfer eigentlich keinen Zweifel daran zu, dass es technisch theoretisch genau so hätte laufen müssen – ein Mann in Uniform schafft eine gigantische Bombe, unter seinem Hemd versteckt, mitten in eine Rotte Soldaten. Die Vorstellung von einem Selbstmordattentäter, der mit Sprengstoff und Zündmechanismus behangen gewesen sein dürfte wie ein Weihnachtsbaum mit Lametta, lässt einen doch darüber grübeln, wieso eine solche Figur nicht den Verdacht der anderen, im Zentrum der Formation befindlichen Soldaten erregt hat.
Und nun das dritte Mysterium. Wenn der Terrorist etwa ein Militärangehöriger gewesen sein soll, so wäre sein Auftauchen in der Formation zu erklären – obwohl die Indifferenz seiner Kumpane und des Kommandos ihm gegenüber ein Rätsel bliebe. Wenn er freilich kein Soldat war, wie wollte man in diesem Fall sein „Eindringen“ in diese Formation erklären? Denn dazu wäre es notwendig, einen Absperrgürtel zu überwinden und sich dann irgendwie unbemerkt in die Formation einzuordnen. Die Fragen „Junge, was machst Du denn hier?“ sowie „Wo willst du hin mit all Deiner Bagage?“ wären an dieser Stelle absolut selbstverständlich. Insofern riefe das offenbar vollkommen unbeholfene und gleichgültige Verhalten der Sicherheitsdienste den dringenden Verdacht ihrer Komplizenschaft zum Anschlag auf den Plan. Oder zumindest einiger ihrer Mitglieder. Das heißt, die Version mit al-Qaida müsste zumindest schon einmal etwas korrigiert werden.
Die vierte Seltsamkeit. Das ist der Tag des Anschlags. Die Parade war auf den 22. Mai anberaumt. Am 21. lief die Probe. Anschläge während einer Militärparade oder im Verlauf öffentlicher Veranstaltungen wären durchaus logisch, da sie entweder gewisse Führungspersönlichkeiten zum Ziel hätten, welche diese Parade abnehmen oder daran teilnehmen, oder aber dem Anschlag eine gewisse Symbolik und weitere Resonanz verliehen werden soll. Zum Beispiel wurde Anwar as-Sadat während einer Militärparade in Kairo Opfer eines Attentats; Mutter und Sohn Gandhi sowie Benazir Bhutto wurden bei größeren Veranstaltungen umgebracht; am 9. Mai 2002 forderte ein Anschlag während der Siegesparade in Kaspijsk mehrere Dutzend Tote, exakt zwei Jahre später wurde Achmat Kadyrow auf einer ähnlichen Veranstaltung durch einen Anschlag getötet, und so weiter. Hier ist durchaus eine Logik in den perfiden Handlungen der Terroristen zu erkennen.
Es gäbe zwar eine seltsame Logik dahinter, die Armee für ihre Erfolge in der Provinz Abyan „zu bestrafen“; doch weitaus logischer wäre es, einen solchen Anschlag während der Parade selbst zu verüben, bei der höhere Militärs und der Präsident anwesend wären – wer weiß, vielleicht wäre es ja gelungen, den einen oder anderen davon zu töten oder zu verletzen. Trotz alledem läuft der Anschlag am Tag davor. Sozusagen bei der Übung. Wenn es schon auf phantastische Weise gelingt, irgendwie in die Militärformation vorzudringen, was hielt den Attentäter davon ab, ebenso phantastisch, nur eben am richtigen Tag an Ort und Stelle zu sein?
Und zu guter Letzt noch eine Überlegung. Ein Anschlag gegen die Armee sieht relativ dumm aus. Es ist unsinnig, sich an den Soldaten dafür zu rächen, dass sie Befehle ausführen. Das hat keinerlei Auswirkung auf die militärische oder operative Lage in der Provinz, in welcher gekämpft wird, ganz besonders nicht, wenn offensichtlich weder die Staatsführung, noch die höheren militärischen Ränge Ziel des Anschlags sind.
Unabhängig von der rein technischen Seite – nämlich der Frage danach, wie genau es dem Terroristen (sollte ein solcher überhaupt existiert haben) gelungen sein soll, einen solchen Anschlag auszuführen – tritt die Frage, was der Sinn dieser doch recht außerordentlichen Aktion gewesen sein soll? 100 Tote und 300 Verletzte sind ja, wie man zugeben muss, doch jenseits der „Standards“. Ein am Körper mitgeführter Sprengsatz dürfte nicht in der Lage sein, einen solchen Effekt hervorzurufen, schon allein deshalb, dass die relativ dichte Formation der Soldaten sowohl Druckwelle, als auch Splitter und Fragmente um die Explosion herum mehr oder weniger abschirmen dürfte. Die ganze Sache sieht so eher nach der Detonation einer Rakete oder Mine aus. Übrigens wurde weiland Präsident Saleh Ziel eines Raketenangriffs, infolge dessen er verletzt wurde. Und das in seinem Palast. Das heißt, dieser Angriff erfolgte sehr zielgenau und professionell. Zu der Zeit wurde, wie man sich erinnert, gerade die Professionalität dieses Anschlags hervorgehoben; eine Professionalität, die man wohl kaum in der jemenitischen Armee finden dürfte.
Dabei gilt es auch zu bedenken, dass Ex-Präsident Saleh und sein Kreis sowohl vor, als auch nach dem Rücktritt das Chaos im Lande eher anheizen, ein Chaos, das unvermeidlich ist, sofern Saleh und sein Clan die Kontrolle über das Land verlieren. Man bekommt den Eindruck, dass dieser in aller Hinsicht seltsame Anschlag zu al-Qaida in bestenfalls sehr entferntem Zusammenhang steht. Zu wenig profan und zu professionell für die simplen und rauen bärtigen Typen. Die ganze Geschichte sieht, alles in allem, wie eine Inszenierung aus, wie ein Zeichen für den erbarmungslosen Kampf zwischen jemenitischen Clans aus; die Opfer unter den Soldaten sind in dieser Tragödie lediglich Verbrauchsmaterial.